
Als ich letztens mal meine Spielesammlung aufgeräumt habe ist mir aufgefallen, dass auf den meisten Packungen entweder ein grimmig guckender bewaffneter Mann oder eine Frau mit dicken Titten drauf ist. Das ist einer dieser seltenen Momente in denen einem auffällt, wie kindisch das eigene Hobby auf Aussenstehende wirken muss. Nehmen wir nur mal das oben abgebildete Beispiel, das übrigens von der Packung von Vampire: The Masquerade: Bloodlines stammt. Eine dunkle Skyline, und davor ein blonder Bimbo mit hypertrophen Mammae und Arschgeweih. Mal ehrlich, wer denkt sich denn so einen Mist aus? Und wer kauft sowas bloss, wenn er es im Spielehandel am Regal hängen sieht? Mir jedenfalls war es peinlich mit dem Spiel an die Kasse zu gehen, und ich habe es ungelogen zweimal wieder zurück an den Haken gehängt, weil ich mit sowas in der Hand eigentlich nicht gesehen werden wollte.
Oder ein weiteres PC-Spiel, Far Cry. Vorne auf der Packung ist ein Mickey Rourke-artiger Typ mit Drei-Tage-Bart und dicker Knarre zu sehen, der gerade lässig im brusthohen Pazifikwasser rumstapft, während hinter ihm irgendwas explodiert. Wenn man das Spiel so sieht könnte man denken, dass in die Entwicklung etwa 3,50€ geflossen sind. Von seinem Informationsgehalt her ist das Artwork übrigens nicht zu verachten, denn es geht in Farcry tatsächlich nur um wüstes Geballere und Explodiere vor Südseekulisse, aber dennoch… schadet sowas nicht den Abverkäufen? Oder verstehe ich da gerade was total falsch und die angepeilte Klientel erwartet so ein Box Art?
Um eines mal eben klarzustellen. Ich mag Frauen, und Frauen mit grossen Hupen sind nunmal besonders nett anzusehen. Ausserdem wäre ich der letzte, der sich über die Abbildung von Schusswaffen auf Videospielen aufregen würde. Aber muss es fast immer so stillos sein? Gehen tatsächlich Leute ohne Peilung in einen Laden, sehen Contra Shattered Soldiers im Regal hängen und denken sich “boah, grimmiger Typ, heisses Babe, dicke Wummen -> best game EVAH!” oder was? Wobei mit dem Spiel noch zugute halten könnte, dass zumindest die Farbgebung geschmackvoll ist. Und was müssen Eltern denken, wenn ihr Koten nach Unreal Championship 2 fragt und ihnen der Verkäufer dann die Packung in die Hand drückt? Ernsthaft, so oft die Videospielbranche auch mit Hollywood verglichen wird, aus der Direct-to-Video Ecke scheint sie bisher noch nicht herausgekommen zu sein.
Aber es gibt ja zum Glück auch Lichtblicke. Gerade Capcom und Squenix sind in letzten Jahren zu ansprechenden, schlichten Artworks zurückgekehrt, obwohl hier ein direkter Zusammenhang zwischen dem Bekanntheitsgrad der Serie und der Eleganz der Verpackung zu bestehen scheint. Final Fantasy X, Resident Evil 4 und Gran Turismo 4 schmücken sich mit geradezu spartanischen Covern, was sie gleich doppelt so edel wirken lässt. Meiner Meinung nach jedenfalls. Also was ist nun, hyperventiliere ich nur und kaufe schlichtweg die falschen Spiele, oder ist der Durchschnittsspieler wirklich noch so dicht vor Höhlenmensch-Niveau, dass simple Triggerreize die Verkäufe ankurbeln? Ich jedenfalls bin ziemlich ratlos.


