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Liegt es an mir?

Es ist vollbracht — ich bin nach England umgezogen. Was für ein Akt! Wahrscheinlich ist das bei solchen Aktionen ganz normal, aber die Sachen, vor denen ich regelrecht Angst hatte, verliefen ganz einfach; und die, die eigentlich ganz locker hätten sein sollen, wurden teilweise unnötig kompliziert. Ich könnte ganze Artikel über meine Versuche schreiben, einen spielegerechten Fernseher zu ergattern. Ein echter Albtraum war das! Oder darüber, dass ich meinen Xbox Live-Account nicht auf England umschreiben lassen konnte, deswegen einen neuen erstellen musste, und jetzt mit meinen Achievements, Gamerpoints und so wieder bei Null anfangen darf. Oder darüber, wie toll es ist, mich nicht mehr über (möglicherweise auch noch schlecht) eingedeutschte Spiele oder die ganze Freigabe- und Indizierungsthematik aufregen zu müssen. Hurra!

Aber heute schreibe ich über Mass Effect.

Das hat auf metacritic.com immerhin 91% erreicht und wird von der Spielepresse beinahe einstimmig als Triumph gefeiert. Und wie so oft, seufz, scheine ich einer der wenigen zu sein, die damit nicht warm werden. Wie kann es bei all dem Aufwand so viel falsch machen?

Das fängt mit dem anscheinend völlig überflüssigen Mini-Rollenspiel-Charaktersystem an. Ohne die genauen Mechanismen zu kennen, die während der Kämpfe im Hintergrund ihre Arbeit verrichten, ist mir als Spieler völlig egal, ob Charakter X sich nun auf Shotguns spezialisiert und Charakter Y auf Assault Rifles. Oder umgekehrt. Auf die Kämpfe scheint das keinen echten Einfluss zu nehmen — zumindest keinen so großen wie die Wahl der Deckung und das Micromanagement der Squadmitglieder. Die laufen nämlich gerne mal besoffen in den sicheren Tod, die Deppen.

Das verwirrende Interface hilft da nicht weiter. Meine Squadmitglieder mit Waffen auszurüsten und diese auch noch zu upgraden ist ein wahrer Albtraum. Am liebsten würde ich alle Items in OmniGel konvertieren (nur ein Knopfdruck). OmniGel ist cool. Und dann das Gefrickel mit Waffenwahl, Spezialfähigkeiten und Zielauswahl während der Kämpfe. Argh!

Aber am allerschlimmsten finde ich, wie sie es geschafft haben, die Spielwelt komplett verlassen und steril erscheinen zu lassen. Als positives Gegenbeispiel sei hier mal Neocron genannt — das konnte dem Spieler alleine mithilfe von Soundeffekten das Gefühl vermitteln, inmitten einer rauschenden Sci-Fi-Metropole zu stehen. Egal, ob man sich in Mass Effect in einem Raumschiff, einer monströsen Raumstation oder einem lebensfeindlichen Planeten befindet — irgendwie fehlt die meiste Zeit über das aurale Ambiente. Da kann das Gezeigte noch so toll aussehen; so richtig reinversetzen kann man sich in die Welt kaum.

Mass Effect macht auch viele Dinge richtig. Aber gerade vor dem Hintergrund machen mich diese Punkte ziemlich traurig. Ganz ehrlich, bin ich denn der einzige, den die oben genannten Punkte etwas anfressen? Wie kann ein Spiel, das irgendwo zwischen Action- und Rollenspiel sitzt und keines davon richtig hinbekommt, von allen so sehr geliebt werden? Und wieso hat Richard schon einen Charakter nahe der 50? Ist er womöglich masochistisch veranlagt, oder es wird mit der Zeit noch besser? Wäh. Ich will es ja mögen! Liegt es an mir?

31 Kommentare Autor: Hendrik
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Woo!

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Stranglehold ist schlicht gestrickt. Du bist Inspector Tequila aus Hard Boiled und musst sie alle erschießen. Warum? Wen kümmert’s. Das Spiel jedenfalls nicht. Mehr als ein „Careful, this is a rough neighbourhood.“ gibt es nicht und schon stürzen sich die ersten Schergen auf einen.

Wie gesagt, du bist Inspector Tequila und musst sie alle erschießen. Wenn du sie nicht alle erschießt, geht die Tür zum nächsten Raum nicht auf. Oder die Brücke zur Insel geht nicht runter. Und so weiter. Ihr kennt das Spielchen.

Jedes Gebiet ist eine kleine Arena. In der Arena sind Schergen. Die Schergen müssen alle erschossen werden. Von dir. Denn du bist Inspector Tequlia.

Das funktioniert erstaunlich gut, vor allem da die Arenen herrlich zerstörbar sind. Wenn auf einem Marktplatz oder in einer Bar erstmal alle Schergen erschossen sind, dann bietet sich ein Bild der Zerstörung wie man es so noch nicht gesehen hat. Next-Gen in Aktion.

Spielerisch ist Stranglehold allerdings eher Last-Gen. Magisch verschlossene Türen, aus dem Nichts reinspawnende Gegner und nichts anderes zu tun als Schergen zu erschießen. Tja, das hatten wir alles schon mal. Man könnte sogar sagen, es ist eigentlich nicht mehr ganz zeitgemäß.

Auch die „Tequila-Time“-Slow-Motion-Nummer gab es schon. In Max Payne. Vor sechs Jahren. Nichts Neues im Osten also.

Trotzdem, das Ganze funktioniert. Die Level sind nicht nur wunderbar kaputtbar, sondern sehen auch toll aus. In Slow-Motion am Kronleuchter zu baumeln und durch das Erschießen von Schergen Stylepunkte zu sammeln, das hat einfach was.

Außerdem, und das ist ganz wichtig: Stranglehold hat Dinosaurier. In der Mitte des Spiels muss man als Inspector Tequila nämlich im Fields Museum von Chicago Schergen erschießen. Inmitten von riesigen Dinosaurierskeletten. Dass man für deren Zerstörung ein Achievement bekommt, ignoriere ich jetzt mal. Denn so was würdet ihr ja nie tun, oder?

Kurz: Wer John-Woo-Style als Inspector Tequila Schergen erschießen möchte, der ist mit Stranglehold nicht schlecht bedient. Es ist nicht schrecklich lang, hat aber gleichzeitig genau die richtige Länge. Es ist nicht schrecklich großartig, macht aber viel Laune. Es ist nicht schrecklich abwechslungsreich, aber hui! Alles geht kaputt!

Und es gibt Tauben.

53 Kommentare Autor: Richard
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