Rückblick 2006 - Teil 3 (Guitar Hero, Geheimakte Tunguska)

Die eher magere Zahl von Kommentaren zu den letzten beiden Teilen dieses Rückblicks zeigt eindeutig die Begeisterung der Antination für diese Beiträge. Das wird zum einen daran liegen, dass sie viel zu spät kommen. Es ist schließlich Februar. Seien wir mal ehrlich, das letzte Jahr ist sooo letztes Jahr. Eigentlich mache ich das Ganze auch nur aus Prinzip. Weil ich mir halt letztes Jahr vorgenommen habe, dass ich das jedes Jahr machen werde. Also ziehen wir das jetzt durch.
Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum ich nicht einfach aufhöre. Der Rückblick bildet eine nette Geschmacksgrundlinie für die hitzigen Diskussionen des Jahres 2007. Wenn alle wissen was wir Antigamer so mögen, dann sind wir alle - wir die Engländer sagen würden - alle auf der gleichen Seite. Verflixt. Das funktioniert im Deutschen nicht.
Ihr wisst schon was ich meine.
Die mangelnde Resonanz zeigt aber auch, dass 2006 ein eher schäbiges Jahr für Spiele war. Im letzten Rückblick gabe es Spiele für die ich mich begeistern konnte. Spiele für die ich auf die Straße gegangen wäre, mutige Spiele, witzige Spiele, atemberaubende Spiele.
Aber dieses Jahr?
Irgendwie sind nur Spiele in diesem Rückblick, die ich irgendwie ganz okay fand. Manche auch besser als okay. Aber kaum etwas hat mich richtig vom Hocker gerissen. Außer vielleicht Guitar Hero, und da könnte man argumentieren, dass man das halt einfach besser im stehen spielt als im sitzen. Apropos Guitar Hero.
Guitar Hero
In gewisser Weise ist Guitar Hero definierend dafür, was Videospiele für so viele Leute so reizvoll macht. Es erlaubt einem in eine andere Rolle zu schlüpfen und etwas zu tun und zu erleben, das einem sonst verwehrt bleibt. Wer kann schon im echten Leben Raumschiffe fliegen oder Dinosaurier jagen? In gewisser Weise sind Videospiele sogar besser. Man kann Polizist sein, aber ohne die besoffenen Penner, den Papierkrams und die schlechte Bezahlung. Man kann einen aufgemotzten Supersportwagen mit 200 Sachen durch die Innenstadt jagen, ohne 150.000€ auf den Tisch zu legen und sich um rote Ampeln zu kümmern. Bei kaum einem Spiel klappt das so gut wie bei Guitar Hero, denn es erlaubt einem ein Rockstar zu sein, ohne 15 Jahre lang Gitarre zu üben und morgens ins seiner eigenen Kotze aufwachen zu müssen. Großartig! Einen Nachteil hat es aber doch. Ihr seht beim Guitar Hero spielen nämlich leider nicht halb so cool aus, wie ihr euch fühlt. Wenn euer Mauszeiger also gerade bei youtube über dem Submit-Knopf schwebt: Lasst es lieber.
Geheimakte Tunguska
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum ich Geheimakte Tunguska so riesig toll fand. In seine Einzelteile zerlegt, ist es gar nicht sonderlich brilliant. Ja, der Knopf mit dem man alle interaktiven Elemente anzeigen konnte, war sehr praktisch um Frust zu vermeiden. Andererseits ist es aber irgendwie schon sehr archaisch, dass nicht von vorneherein jedes Objekt interaktiv ist. Heutzutage sind wir es schließlich gewohnt, dass jede kleine Coladose ihr eigenes Physikmodell mitgeliefert bekommt. Am Ende des Tages habe ich das Spiel aber trotzdem in einem Zug durchgespielt. Und das nachdem ich jahrelang kein Adventure mehr zu Ende spielen konnte. Irgendwie hat Tunguska bei mir genau die richtigen Knöpfe gedrückt, um das gute alte Adventurefeeling meiner Jugend wieder zu wecken. Ich weiß nicht wie Marco Zeugner und Fusiosphere das gemacht haben, aber ich möchte sie dafür herzlich knuddeln. Oder ihnen zumindest ein Bier ausgeben. Was sie lieber haben.
