Die runden Ecken sind ganz nett.

Seit Anfang der Woche könnt Ihr das neue gamestar.de bestaunen. Was es alles neues gibt, führt Christian in diesem “Special Report” auf.

Dass wir hier alle keine Dauerbesucher auf gamestar.de sind, dürfte niemanden überraschen; aber zumindest auf technischer Ebene war sie in meinen Augen immer noch ein Positiv-Beispiel unter den deutschen Spielesites. Während die Entwickler-Teams fast aller anderen deutschsprachigen Spielemagazine immer noch auf die Amazon-Lieferung ihrer ersten CSS-Bücher zu warten schienen, bewegte sich gamestar.de in zumindest halbwegs modernen Gefilden. Dazu ein verhältnismäßig sauberes, beinahe erwachsenes Design, das sogar mit nervigen Flash-Popups nicht ansatzweise so nervig rüber kam wie die grauenvollen Tabellenorgien der Konkurrenz.

Aber das ist jetzt alles anders. Bei IDG muss man zielgerichtet überlegt haben, wie man die Site bewusst schlechter machen kann — anders kann ich mir das nicht erklären. Hier die meiner Meinung nach schlimmsten Verbrechen an Augen und Hirn des Besuchers:

Die neue Version der Site ist geradezu irrwitzig überladen. Dass man auf der Startseite von Bergen an Kästchen und Tabellen erschlagen wird, sollte man ja von (deutschen) Spielesites beinahe schon gewöhnt sein, und irgendwie passt es ja auch zu den Spielekomponentenanalyserechtecken im Heft. Richtig schlimm wird es aber auf Unterseiten, wo die aufgerufene Information nicht selten von so viel Kästchen und Tabellen bedrängt wird, dass man ihr am liebsten eine Tränengas-Dose zur Selbstverteidigung in die Hand drücken möchte.

Zu allem Überfluss präsentieren besagte Kästchen und Tabellen oft auch noch völlig irrelevante Informationen, wie z.B. die letzten Begriffe, nach denen von anderen Usern gesucht wurden (wow!), oder vollkommen zusammenhangslos präsentierte Tag Clouds (”Spiele Termin Ubisoft USK Verkauf Video”, yeah).

Und wenn ich etwas hasse, dann gut sichtbare Faulheit. Auf (deutschen) Spielesites macht sich das oft in Form vorzeitig abgehackter Teaser-Texte bemerkbar. Da stehen dann so Sachen wie “Jetzt neu: tolle Sc…”. Und vom User wird erwartet, dass er drauf klickt, um mehr zu erfahren. Ne, sowas geht auch intelligenter, Leute.

Ich könnte jetzt noch total viel über eine wirklich mies wirkende technische Umsetzung, bergeweise fehlerhafte Seiten, kaputte RSS-Feeds, Sicherheitslöcher, die sagenhaft schreckliche neue Navigation und noch so einiges andere lamentieren, aber das erspare ich euch. Lasst mich stattdessen ein wenig über die unfreiwillig komische “2.0ifizierung” der Site meckern. Denn… neben besagten Tag Clouds gibt es jetzt auch eine Blog-Funktion für die User. Oh mein Gott! Blogs!

Blogs!

Bei IDG muss jemand eines Tages also gesagt haben: “Scheiße! Da draußen ist gerade was ganz groß im Kommen!” — “Oh, was denn?” — “Diese ‘Weblogs’!” — “Stimmt, stand auch in der letzten Tomorrow!” — “Und beim DLD sagten sie ja auch, User Generated Content sei jetzt total angesagt!” — “Richtig!” — “Wir brauchen Blogs, Blogs, Blogs! Was gibt’s noch aus der Ecke?” — “…Tag Clouds?” — “Und Tag Clouds!”

Da ist also dieser Verlag, der eigentlich über die nötigen Ressourcen verfügen sollte, um etwas richtig wunderbar Cooles und Neues zu bauen. Seit Monaten (Jahren?) siechen ihm die Print-Leser davon, also überlegt er sehr, sehr ausgiebig, wie er sein Online-Angebot ausbauen und für die düstere Zukunft rüsten kann — möglicherweise hängt davon ja die Rettung des eigenen Hinterns ab — und das ist das beste, was den Jungs einfällt?

srsly.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mir durchaus bewusst ist (nicht zuletzt aus eigener Erfahrung), dass gerade Projekte dieser Größenordnung am Ende nicht immer so rauskommen, wie sie ursprünglich geplant waren. Wenn nur noch auf Basis vermutlich busgroßer Pflichtenhefte entwickelt wird, gehen hier und da schnell die feineren Punkte verloren. Ich bin mir (trotz des angenehmen Kribbelns in meinem Bauch, wenn ich es mir vorstelle) sicher, dass weder bei IDG noch bei den beteiligten Agenturen nbsp und Studio Balboa Leute sitzen, die das Medium Web einfach grundlegend missverstehen.

Was ist also passiert?

Update: bevor ihr mich beschimpft, lest bitte noch das hier. Danke!

Zahlenspiele

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Vor ein paar Tagen habe ich mich ja ausführlich darüber beschwert, dass wir zum Weihnachtsgeschäft mit Spielen nur so zugeworfen werden, während für einen Großteil des restlichen Jahres Flaute herrscht. Für uns Spieler bringt dieser Weihnachtswahnsinn eigentlich nur Nachteile. Ich habe mich zum Beispiel monatelang auf Mass Effect gefreut, aber jetzt wo es raus ist, habe ich es nicht gekauft. Zu wenig Geld, zu wenig Zeit und viel zu viele andere Spiele.

Klar, irgendwann habe ich wieder Geld, die anderen Spiele durchgespielt und dann werde ich mir Mass Effect trotzdem holen. Aber das gilt nicht für alle Spiele die ich im Moment links liegen lasse. Kane & Lynch zum Beispiel. Wäre das im März herausgekommen, hätten die Chancen auf einen Kauf nicht schlecht gestanden. Andererseits klingt es jetzt auch nicht so gut, dass ich nächsten März noch mal drüber nachdenken werde. Falls ich doch drüber nachdenken sollte, werde ich wahrscheinlich auf den Preis schauen und dann lieber warten bis es billiger geworden ist. Bis es dann nach einer halben Ewigkeit wirklich billig geworden ist, werde ich es komplett vergessen haben.

Wann ich mich also selbst als anekdotischen Beweis betrachte, macht es wenig Sinn so viele Spiele auf einmal auf den Markt zu werfen. Klar, der Gesamtabsatz ist zu Weihnachten natürlich größer als im Juli und von so einem großen Kuchen will natürlich jeder etwas abhaben. Trotzdem wundert es einen schon, wenn solide aber unspektakuläre Shooter wie Blacksite: Area 51 oder Timeshift in ein Becken voller Haifische wie Halo 3, Call of Duty 4 und der Orange Box geworfen werden. Wie viele Shooter kann ein Mensch gleichzeitig spielen?

Sind die Publisher einfach dumm? Oder lohnt es vielleicht doch? Ich war neugierig und habe mir mal ein paar Zahlen angeschaut. Wie hätten sich Blacksite: Area 51 und Timeshift wohl verkauft, wenn sie im Sommer auf den Markt gekommen wären?

Zuerst ein paar Annahmen. Ich betrachte im Folgenden nur die Verkaufszahlen aus den USA, falls nicht anders erwähnt. Das liegt primär daran, dass ich zu den USA präzise Verkaufszahlen habe und zu Europa nicht. In Japan sind viele der betrachteten Spiele zudem gar nicht erschienen. Außerdem betrachten wir nur die Zahlen für die Xbox 360 Versionen der Spiele. Zum einen ist die PS3 gerade mal ein Jahr auf dem Markt, was nicht unbedingt zu stabilen Zahlen führt und zum anderen erleichtert mir dieser Kniff die Rechnerei.

Betrachten wir als erstes die Zahlen von Blacksite und Timeshift. Blacksite ist erst seit einer Woche auf dem Markt und ist mit 65,544 verkauften Kopien auf Platz 19 der Charts eingestiegen. Nicht gerade ein riesiger Erfolg, wenn man bedenkt dass Call of Duty 4 in seiner zweiten Woche in etwa die vierfache Menge abgesetzt hat und dass im Vergleich zur ersten Woche schon ein deutlicher Rückgang ist.

Timeshift hat sich nicht wesentlich besser gemacht. Nach drei Wochen auf dem Markt sind 130.000 Stück abgesetzt worden, davon 78.195 in der ersten Woche. Das war immerhin noch für Platz 9 der Charts gut.

Im Vergleich zu über 750.000 verkauften Call of Dutys, knapp 500.000 Orange Boxen und lässigen 6 Millionen Halo 3s macht sich das jetzt nicht so richtig super, gerade wenn man bedenkt dass Timeshift ca. seit der Kreidezeit in Entwicklung war und somit nicht unbedingt das kleinste Budget gehabt haben dürfte.

Jetzt wissen wir, dass man bei Midway und Sierra den Champagner sicher im Kühlschrank gelassen hat. Kniffliger wird jetzt die Frage, ob man ihn im Sommer vielleicht hätte heraus holen können. Leider kann man die Spiele nicht mit sich selbst vergleichen. Wir brauchen also ähnliche Spiele, die außerhalb der Weihnachtszeit veröffentlicht wurden.

Um Vergleichbarkeit zu erreichen, bleiben wir im Shooter-Genre. Relevant könnte außerdem noch die Qualität der Spiele sein. Blacksite hat bei Metacritic 65 Punkte bekommen, während Timeshift immerhin 69 Punkt mit nach Hause nehmen durfte. Beide Spiele sind also für Shooter-Fans durchaus interessant, aber sicher keine hochgelobten Titel. Interessant wäre es zudem noch, die Marketingbudgets der Spiele zu vergleichen, aber leider habe ich dazu keine Zahlen. In dem Bereich könnte die Jahreszeit auch einen großen Einfluss haben. Ist es im Sommer vielleicht einfacher und billiger das Zielpublikum zu erreichen als im werbegesättigten Weihnachtsgeschäft? Gut möglich, aber auch hier fehlen mir die Zahlen. Wir müssen also leider erstmal von einem ähnlichen Budget ausgehen. Abschließend sollte man noch beachten, dass beide Titel nicht Teil eines existierenden Franchises sind und somit ohne eine eingebaute Zielgruppe kommen.

Bei einer kurzen Analyse der in diesem Jahr veröffentlichen Spiele, habe ich folgende Titel gefunden, die für einen Vergleich geeignet scheinen: The Darkness, Call of Juarez und Hour of Victory. Ein passender Titel aus dem letzten Jahr wäre Prey. Nimmt man noch ein Spiel aus einen etablierten Franchise dazu, so wäre auch Medal of Honor: Airborne ein denkbarer Kandidat.

Mit Ausnahme von Medal of Honor sind alle diese Titel im Juni oder Juli erschienen, was zeitlich eindeutig außerhalb des Weihnachtsgeschäftes liegt. Von den Metacritic-Wertungen liegen sie zwischen 82 (Darkness) und 38 (Hour of Victory). Am nächsten an unseren zwei Vergleichtstiteln liegt Call of Juarez mit 71 Punkten.

Ich will es nicht länger spannend machen und nehme gleich vorweg, dass keiner der Titel im Sommer eine nennenswert größere Anzahl von Kopien absetzen konnte. Am erfolgreichsten war noch The Darkness mit 118.000 Stück in der ersten Woche, eine Zahl die man in der folgenden Zeit knapp verdoppeln konnte. Weniger gut lief es für Call of Juarez, das in seiner ersten Woche gerade mal 45.000 Exemplare verkaufen konnte. Noch schlechter schnitt Hour of Victory ab. Das Spiel, welches wie Blacksite von Midway stammt, wurde von den Kritikern in der Luft zerrissen und hat bis heute gerade mal 60.000 Stück verkauft, davon jämmerliche 13.000 in der ersten Woche.

Letztes Jahr brachte es Prey in etwa auf die gleichen Zahlen wie unsere beiden Vergleichsspiele mit 72.000 verkauften Exemplaren in der ersten Woche. Dies gilt, obwohl es von den Kritikern deutlich wohlwollender empfangen wurde (79 Punkte auf Metacritic).

Ähnliches gilt für Medal of Honor: Airborne, dass nicht nur einen Metascore von 83 Punkten hatte, sondern auch Teil eines lange etablierten Franchises ist. Eine erste Woche mit 82.000 abgesetzten Spielen führte zu einer Gesamtverkaufszahl von knapp 270.000 Stück.

Der einzige Erfolg den man im Sommer verbuchen kann, sind höhere Chartpositionen. Der Kuchen ist einfach kleiner. The Darkness und Medal of Honor haben sich jeweils Platz 2 bzw. 3 der Charts erobern können und selbst Call of Juarez hat es noch knapp in die Top 10 geschafft. (Nur Superflop Hour of Victory musste sich mit Platz 36 begnügen.) Dummerweise kann man sich von einer tollen Chartspositionierung nichts kaufen, insofern sind solche Zahlen wenig aussagekräftig.

Zusammengefasst: Für uns Spieler mag es nervig sein, vor Weihnachten mit Spielen zugeworfen zu werden und im restlichen Jahr dann Dürrperioden ertragen zu müssen, aber für die Verkaufszahlen von „kleineren“ Spielen scheint es keinen großen Unterschied zu machen, wann sie veröffentlicht werden Der Weihnachtskuchen ist anscheinend groß genug, dass auch diese Spiele einen fairen Anteil abbekommen. Ob man sich bei Sierra oder Midway nicht vielleicht etwas mehr erhofft hat, sei mal dahingestellt.

Eine Veröffentlichung im Sommer hätte jedenfalls auch nicht mehr Erfolg versprochen.

Weihnachtswahnsinn

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Hallo, liebe Spieleveröffentlicher. Ich hätte mal eine Frage an euch:

Spinnt ihr eigentlich?

Obwohl, bevor ich mit den Beleidigungen fortfahre, sollte ich vielleicht erstmal ein kleines Lob loswerden. Ihr habt es dieses Jahr wirklich geschafft, eine ganze Menge verdammt guter Spiele auf den Markt zu bringen. Keine Ahnung wie ihr das gemacht habt (ich vermute, ihr habt einfach nicht richtig aufgepasst und sie sind irgendwie durchgerutscht), aber ich weiß das wirklich zu schätzen.

Was ich allerdings nicht zu schätzen weiß, ist eure Fähigkeit, jedes dieser guten Spiele mehr oder weniger gleichzeitig auf den Markt zu bringen. Schauen wir uns mal nächste Woche an. Am 22.11. kommt nicht nur Guitar Hero III heraus, sondern auch Ace Combat 6. Guitar Hero III alleine könnte mich videospielmäßig für mehrer Wochen beschäftigen, ohne dass ich auch nur an andere Spiele denken müsste.

Dabei habe ich Call of Duty 4 noch nicht durch! Das Bonusfeature von Portal (Episode 2) habe ich noch nicht mal angefangen zu spielen! PGR4 habe ich noch nicht fertig und ich gehe mal davon aus, dass ich am 22.11. gerade im zweiten Level von Assassin’s Creed stecken werde.

Aber das ist noch nicht alles. Am 23.11. kommt dann Mass Effect raus. Auch Mass Effect würde mich wahrscheinlich ganz alleine für diverse Wochen beschäftigt halten. Dabei bin ich doch erst im zweiten Kapitel von The Witcher! Mask of the Betrayer habe ich noch nicht mal richtig angefangen! Hilfe!

Das alles sind übrigens nur die Spiele die ich definitiv kaufen werde. Am 23.11. kommt noch mehr raus. Kane & Lynch zum Beispiel. Wäre es Frühjahr, würde mir das mit großem Interesse anschauen. Ist es aber nicht. Es ist Herbst. Also werde ich es liegen lassen. Genauso Blacksite. Wäre es Sommer, könnte es gut sein, dass ich Lust auf einen Shooter hätte. Es ist aber nicht. Also werde ich es liegen lassen. Mario Galaxy muss ja auch noch irgendwann gespielt werden.

Meine Güte, mir fällt gerade auf, dass ich Phantom Hourglass noch nicht mal gekauft habe, geschweige denn gespielt. Da werde ich selbst Raving Rabbids 2 ignorieren müssen, und das wo ich die Hasen das letzte Mal doch so mochte. Was ein Glück, dass ich die Crysis Demo doof fand.

Zum dumm, dass ich die Eternal Sonata Demo gut fand.

Man könnte sagen, ich bin im Moment etwas überlastet, was Spiele betrifft. Das gilt selbst, wenn man meine wöchentliche Dosis WoW nicht mit einrechnet.

Es gibt allerdings auch eine gute Nachrichten. Erstens, am 22.11. kommt World Series of Poker 2008 raus, ein Spiel das ich nicht mal geschenkt nehmen würde. Wenigstens ein Titel den ich mir komplett sparen kann.

Zweitens, sie haben Rock Band für uns Europäer auf nächstes Jahr verschoben. Zuerst war ich deswegen stinksauer. Inzwischen ist mir klar, dass sie mir (und meinem Kontostand) damit einen riesigen Gefallen getan haben.

Sobald der 1. Dezember da ist, hört die Spieleflut natürlich auch wieder auf. So als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Nicht nur kurzfristig, sondern mindestens für drei bis vier Monate.

Was mich wieder zu meiner ursprünglichen Frage führt: Spinnt ihr eigentlich?

Müssen wir wirklich jedes Jahr die ewig gleiche Verkaufzahlenminimierungsmasche durchziehen, wo solide Spiele wie Blacksite auf den Markt geworfen werden, nur um dann von Titeln wie Halo 3 und Call of Duty 4 zerfleischt zu werden? Wie viele Shooter kann sich ein Blag zu Weihnachten wünschen?

Okay, so ein Blag wünscht sich wahrscheinlich jeden Shooter zu Weihnachten.

Lieber Christkind,

isch will Halo 3 und Call of Duty 4 und Blacksite: Area 51 und Timeshift und Jericho. Und FEAR Files!

Ach ja, und Viva Pinata Party Animals.

Haha, verarscht. Viva Pinata ist doch voll schwul und voll für Kindah, ey.

Ich will lieba Soldier of Fortune: Pay Back.

Dein Kevin

Aber realistisch betrachtet dürften da ja nicht mehr als zwei Stück abfallen, außer Mama ist reich und unfähig die USK-Kennzeichnung zu lesen. („Ab 18? Kevin ist schon 140cm groß, das passt ja!“)

Also gibt es halt Halo und CoD. Der Rest? Wird nicht verkauft. Der wird übrigens auch während der spielefreien Todeszone am Anfang des Jahres nicht verkauft, denn Kevin hat einfach nicht genug Taschengeld um bei Saturn 69€ für Timeshift auf den Tisch zu legen. Der läd sich dann vielleicht noch die PC Version aus dem Internet, aber davon hat Vivendi jetzt nicht so viel.

Kurz gesagt, der Weihnachtsirrsinn verwirrt mich auch dieses Jahr wieder. Warum die Publisher jedes Jahr aufs neue ihre kleineren Titel den großen Weihnachtshammern zum Fraß vorwerfen, ist mir einfach nicht klar.

Kann mich da jemand aufklären?

Bye Bye Bioware

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Okay, das hat wohl nicht ganz geklappt. 2005 legte Elevation Partners 300 Millionen Dollar auf den Tisch und erwarb damit sowohl Bioware als auch Pandemic, zwei der wenigen größeren und unabhängigen Videospielstudios, die noch übrig geblieben waren.

Das damals mit enthusiastischen Pressemitteilungen voller Phrasenschweinkandidaten wie „partnership of equals“ und „a new way of doing business“ angekündigte Unterfangen, ist gerade spektakulär in Flammen aufgegangen.

Electronic Arts hat diese Woche die Kombination aus Bioware und Pandemic für ungefähr 860 Millionen Dollar gekauft.

Auch jetzt gibt es wieder Pressemitteilungen, die uns mitteilen wie „truly excited“ man bei Bioware ist, jetzt Studio Nr. 27 unter dem EA Games Label zu sein, aber machen wir uns nichts vor. Das Ganze ist ein Desaster und niemand hatte sich das Ergebnis so vorgestellt oder gar gewünscht.

Für Bioware und Pandemic stellt der Deal jedenfalls das exakte Gegenteil von dem dar, was man ursprünglich erreichen wollte. Im Angesicht massiv steigender Produktionskosten, wollte man sich mit starken Partnern zusammen tun, um die eigene Unabhängigkeit zu schützen. Mission: Fehlgeschlagen.

Elevation Partners Plan war es natürlich, schlichtweg eine Menge Kohle zu machen. Daher auch die Ankündigung eines IPO für Bioware/Pandemic. Damit hätte Elevation ordentlich Cash einstecken können, während Biodemic die Möglichkeit zur Finanzierung neuer Spiele bekommen hätte, ohne auf die freundliche „Hilfe“ diverser Publisher zurück greifen zu müssen.

Zum angekündigten Börsengang ist es mit dem Verkauf jetzt nicht gekommen. Anscheinend hat EP nach reiflicher Überlegung den Schluss gezogen, dass sich der IPO doch nicht gelohnt hätte. Der EA-Deal ist hier eindeutig als Notbremse zu sehen. Gut, der Verkaufspreis ist deutlich höher als die ursprüngliche Investition, aber EP hat ja nicht 100% von Panware besessen, insofern haben sie auch nicht 100% des Verkaufspreises eingesteckt. Insgesamt haben sie jedenfalls deutlich weniger Geld gemacht, als gewünscht.

Selbst EA hat nicht unbedingt das Geschäft des Jahrhunderts gemacht. Vergleicht man den Kaufpreis mit der Anzahl von sich in Entwicklung befindlichen Spielen, so hat man ca. 80 Millionen Dollar pro Spiel gezahlt. Kein Superschnäppchen.

Der einzige der richtig Kohle machen dürfte, ist John Riccitiello. Der war damals Chef bei Elevation Partners und ist jetzt, richtig geraten, Chef von Electronic Arts, dabei aber immer noch ein Investor bei EP. Geschätzter Profit: 5 Millionen. Nicht schlecht.

Uns Spieler trifft es natürlich am härtesten. Das Ende von Bioware ist das Ende einer Ära. Freut euch schon mal auf fette Hip-Hop Beats von EA Trax in Dragon Age.

Blowback

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Ich frage mich so langsam, ob nicht in näherer Zukunft der Zeipunkt kommt, an dem wir Videospielfans anfangen werden Nintendo nicht mehr zu mögen. Im Moment nehmen wir sie ja insgesamt noch sympathisch-japanisch wahr. Wii und DS sind irgendwie knuddelig und charmant und dazu noch schön günstig. Außerdem verkaufen sie sich wie geschnitten Brot und eröffnen den Videospielen eine ganz neue Zielgruppe.

Tatsächlich ist der Erfolg von Nintendo absolut überlebenswichtig für die ganze Branche. Machen wir uns nichts vor, ohne Nintendos “blue ocean” Strategie würden wir jetzt hier sitzen und uns fragen woher die große Videospielkrise von 2007 kam und was man dagegen machen kann.

Die 360 hat theoretisch alles was man für eine erfolgreiche Videospielkonsole braucht, war als erste auf dem Markt und hatte sehr lange überhaupt keine Konkurrenz. Trotzdem kann man die Verkaufszahlen auch mit viel Liebe nur als anämisch bezeichnen. Bei Sony sieht es quasi noch schlimmer aus. Die Verkaufszahlen der PS3 sind so gering, dass sie auch Messfehler sein könnten und selbst die aktuelle Preissenkungen wird nur dazu führen, dass Sony ein besserer letzter wird. Wohlgemerkt, ein besserer letzter, kein guter letzter.

Glücklicherweise hat Nintendo eine Lösung für die Krise gefunden, bevor sie überhaupt aufgetreten ist. Dafür sollten wir dankbar sein. Wir sollten auch dafür dankbar sein, dass ihr Hardware nicht auseinanderfällt, wenn man sie anschaut und dass sie sich nicht jedesmal blamieren, wenn sie den Mund aufmachen.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich der eine oder andere Videospieler so langsam etwas veräppelt vorkommt. Ein Dr. Kawashima oder zwei kann man ja verkraften, aber bei WiiFit hört es bei vielen auf. Ist das überhaupt noch ein Videospiel? Was ist, wenn das auch furchtbar erfolgreich wird? Was ist, wenn die meisten Leute eine Wii gar nicht mehr zum spielen kaufen, sondern als eine Art Wohnzimmercomputer für Fitness und was sich Nintendo sonst noch an Anwendungen ausdenkt, die sich auch mit rosa Brille nicht mehr so recht als Videospiel qualifizieren.

Es hilft dabei nicht, dass seit Anfang des Jahres kaum interessante Spiele für die Wii herausgekommen ist und man uns in Europa selbst diese Spiele noch verweigert.

Wie seht ihr das? Freut ihr euch noch über Nintendos Erfolg, oder fragt ihr euch langsam, ob uns dort nicht ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden ist und hier irgendwie das Spiel aus dem Videospiel entfernt wird?

Ich glaube es ist eher andersrum. WiiFit hat genug Videospiel-Anteile, dass hier eher demjenigen, der die Wii als Fitnessmaschine kauft ein trojanisches Pferd untergeschoben wird. Auf jeden Fall bleibt diese Videospielgeneration unglaublich spannend.

E3: Enorm Extrem Egal

Eine vollständige Analyse der neuen E3 folgt, wenn ich Ende der Woche wieder Zuhause bin. Hier aber eine kurze Zusammenfassung für alle Ungeduldigen: Die neue E3 ist komplett irrelevant. Es ist absolut nichts angekündigt worden, was irgendwie wichtig oder interessant gewesen wäre. Das Ding ist so bedeutungslos geworden, dass es von mir nicht mal ein Header-Bild bekommt. Einzige Ausname: WiiFit. Ich prognostiziere 6 Millionenen verkaufte Kopien über das erste Jahr.

Wir sehen uns am Wochenende.

Harry Potter und die Butterbrotdose der Verdammnis

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Erinnert ihr euch noch an die Grundschule? Oder genauer gesagt an He-Man? Wahrscheinlich nur, wenn ihr zur gleichen Zeit zur Grundschule gegangen seid, wie ich. Selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, hat He-Man ausreichend Spuren in der Popkultur hinterlassen, um euch vielleicht vage bekannt zu sein.

Wenn nicht: He-Man war eine dieser Kombinationen aus Zeichentrickserie und Spielzeug, mit denen Eltern bis heute ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen wird. Das Pokemon seiner Zeit eben. Nicht dass Pokemon noch der He-Man unserer Zeit wäre. Was ist jetzt eigentlich das Pokemon unserer Zeit? Ist Yu-Gi-Oh noch aktuell?

Egal. Worauf ich hinaus will ist folgendes: Butterbrotdosen.

Ihr hattet bestimmt auch eine. Sie war ein kleiner Plastikasten, in den Mama immer euere Butterbrote gepackt hat, die ihr dann auf dem Pausenhof weggeworfen habt. Wenn ihr zu den coolen Kids gehört habt, dann war der Kasten mit einem Logo oder Bild bedruckt. Solltet ihr zu meiner Grundschulzeit zu den coolen Kids gehört haben, war mit großer Wahrscheinlichkeit He-Man drauf.

Meine Eltern mussten glücklicherweise nie Geld für eine He-Man Brotdose ausgeben, weil ich He-Man schon damals als nicht ausreichend intellektuell anspruchsvoll für mich empfunden habe. Jawohl, ich war schon in der Grundschule ein unerträglich arroganter Besserwisser. Damals war ich wenigstens noch niedlich, was man heute nicht mehr behaupten kann.

Natürlich hatte ich auch damals schon meistens Recht. He-Man ist und bleibt außergewöhnlich stumpf. Ein Superheld, dessen größte Fähigkeit darin besteht, dass er…viele Muskeln hat. Wow, ich bin so beeindruckt. In der Realverfilmung wurde er von Dolph Lundgren gespielt. Das war perfektes Casting. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Nur weil ich He-Man nicht mochte, ändert das aber natürlich nichts am Prinzip. Die coolen Kids hatten He-Man Actionfiguren und Brotdosen. Und ich nicht. Damit bin ich bis heute eigentlich ganz zufrieden. Dennoch habe ich mir letzte Woche eine Brotdose gekauft. Mit Harry Potter drauf.

Hergestellt von einer Firma namens Electronic Arts. Für meine Xbox 360.

Jawohl, die Harry Potter Spiele sind nämlich gar keine Videospiele. Sie sind Butterbrotdosen. Reine Merchandising Artikel. Dinge die sich nicht verkaufen, weil sie intrinsischen Wert haben, sondern weil außen ein Harry Potter draufgedruckt ist.

Als solches ist es nahezu komplett sinnlos sie zu rezensieren. Wer sie kauft, der weiß was er bekommt und ist damit glücklich. Man kann natürlich mal kurz nachschauen, ob die Butterbrotdose nicht kaputt geht, wenn sie hinfällt, aber das war es dann auch schon.

Eine echte Rezension würde sich nur lohnen, wenn die Designer hingegangen wären und versucht hätten die Bücher als Videospiel zu adaptieren. Das haben sie aber nicht. Sie haben nicht mal versucht den Film als Videospiel zu adaptieren, obwohl ihr Spiel ja offiziell darauf basiert. (Was natürlich den enormen Vorteil hat, dass man keinerlei eigene Vorstellungskraft ins Spiel investieren muss, sondern einfach abschreiben kann.)

Wo wir gerade beim Abschreiben sind, muss ich kurz mal den AntiTipp der Woche losweren. Liebe Studenten, wenn ihr schon bei einer Klausur von euerem Nachbarn abschreibt, dann achtet doch bitte darauf, dass der auch die gleiche Version des Lösungszettels hat. Es ist schon etwas irritierend, wenn ihr es schafft jedes Kreuzchen exakt gleich zu machen wie eurer Nachbar, dabei aber nicht merkt, dass auf seinem Zettel ein ca. zwei Meter großes „A“ steht und auf eurem ein ca. zwei Meter großes „B“. Aber das nur am Rande.

Wie gesagt, so ein Harry Potter Videospiel ist nicht mal eine Adaption des Films, denn dann hätte man ja zumindest die Geschichte ins Spiel packen müssen. So viel Mühe macht man sich da aber nicht. Es gibt zwar die eine oder andere kurze Montage die einen daran erinnert, was im Film passiert ist, hat man diesen aber nicht gesehen, so ergeben die nicht mal einen Hauch von Sinn.

Insgesamt wirft das kein gutes Licht auf Electronic Arts und die ganze Videospielbranche. Man könnte auch sagen, dass die ganze Sache recht deutlich macht, wie die Hierarchie in der Unterhaltungsbranche aussieht. Kurz zusammengefasst:

Die Videospielbranche ist Hollywoods kleine Bitch.

Wenn Warner Brothers einen Harry Potter Film macht, dann gehören dazu auch wie selbstverständlich die Rechte zu Harry Potter Videospielen. Und wenn Electronic Arts für Warner Brothers ein Harry Potter Videospiel macht, dann bückt man sich brav und produziert pünktlich zum Filmstart eine hübsche keine Butterbrotdose und bedankt sich danach artig.

Geld kann man damit natürlich eine ganze Menge machen. Aber wieso gibt es keine kreativen Leute in der Branche die sich mal hinsetzen und überlegen wie man aus den Harry Potter Büchern ein vernünftiges Videospiel macht? Ein Spiel, das sowohl für sich selbst genommen gut ist und gleichzeitig die Essenz der Bücher einfängt? Ein Spiel das eine eigene Vision von Harry Potter und seiner Welt hat und nicht nur bei Chris Columbus und Kollegen abguckt?

Und wieso gehören zu den Filmrechten immer automatisch die Videospielrechte? Somit ist fast jeder Versuch die Bücher separat als Spiel umzusetzen, zum Scheitern verurteilt. Vivendi hat es trotzdem mal versucht und rein auf Basis der Bücher ein paar Herr der Ringe Spiele gemacht. Die meisten waren Mist, aber Inevitable Entertainments Version vom Hobbit war echt ein schnuckeligs kleines Zelda, das mit den offiziellen Filmspielen den Boden gewischt hat.

Gekauft hat es trotzdem keiner. Links davon im Regal waren halt Spiele von EA, die genauso aussahen wie der Film.

Nicht dass Electronic Arts schlechte Butterbrotdosen machen würde. Das neue Harry Potter Spiel lässt einen zum Beispiel Hogwarts frei erforschen. Klar, das hätte ich mir schon vor drei Spielen gewünscht, aber besser spät als nie. Wie gesagt, wer das Spiel kauft, der weiß was er bekommt und wird seinen Spaß damit haben.

Ich habe meinen Spaß damit. Wer es unbedingt wissen will: die Butterbrotdose bleibt heile, wenn man sie auf den Boden fallen lässt. Handwerklich durchaus Qualitätsarbeit.

Trotzdem. Es wird Zeit, dass die Videospielfirmen aufhören sich zu bücken, wenn Hollywood die Seife fallen lässt. Noch wichtiger: Es wird Zeit, dass sich die Autoren und Verlage Gedanken über Videospiele machen. J.K. Rowling hat angeblich Steven Spielberg als Regisseur für den ersten Harry Potter Film abgelehnt, die Videospielrechte aber einfach so mitverkauft. Das ist kurzsichtig. Eine gute gemachte Adaption hätte ein separates Event sein können, genauso wie der Film. Stattdessen musste es sich im Warner Brothers Shop irgendwo zwischen einem Zauberbuch aus Plüsch und Professor Dumbledores Quastenhut einreihen.

Nichts gegen Butterbrotdosen. Aber Herrschaften, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein darf es schon sein. Dann tut es auch nicht mehr so weh, wenn man sich hinsetzt.

Gamehunt 2

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Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

Re: Mangel an neuen Beiträgen

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Wahrscheinlich hat sich noch niemand hier gefragt, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Der Grund ist folgender: im Moment geht mir alles rund ums Thema Videospiele so richtig auf den Sack. Ich bin jetzt schon lange genug dabei -nicht bei Antigames natürlich, sondern bei meinem Hobby- um zu wissen, dass diese Apathie/Lethargie immer phasenweise auftritt und nie von langer Dauer ist. Dennoch, im Moment würde ich die gesamte Industrie und alle, die sich ihr verbunden fühlen, am liebsten mal wieder in ein Fass mit rostigen Nägeln stecken und im Meer versenken. Alles, was vor kurzem noch im grünen Bereich war, erscheint mir heute irgendwie grau (oder doch eher beige? Oder braun?)

Für sämtliche Konsolenhersteller und ihre süss-saure Galle spuckenden Apologeten habe ich nur Verachtung übrig. Für die Kackspaten von Sony, weil die PS3 zwar Krebs heilen, aber nicht mal vernünftig alte Spiele emulieren kann. Zumindest hier in Europa, weil, wir kriegen hier schliesslich immer eine Extrawurst gebraten. Für die Binnenseepiraten von Microsoft, weil sie es tatsächlich geschafft haben, Geld in Punkte zu verwandeln und kumulative Hiscores zu einem salonfähigen Diskussionsbeitrag zu machen (”Hey, ich habe 62050 Punkte!” “Echt? Wodrin?” “Pacman, Winter Games und The Lurking Horror.”). Und für die Macrocneminaden von Nintendo, weil sie existieren! “Spiele? Wozu? Wir sind Nintendo, ihr Hunde!” Wisst ihr was, ihr könnt euch eure albernen Konsolen fürs Erste einmal dahin stecken, wo Bartel den Most holt.

Ebenso in den Verbannungscontainer gehört diese geifernde Brut, deren einzige Lebensaufgabe es zu seien scheint, wildfremden Leuten ihre Freizeitbeschäftigung madig zu machen. Und damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen (Gott mit dir, du Land der Bayern!), sondern ebenso diese bizarre Subspezies an Videospielern, die ihr vertrocknetes schwarzes Herz bei jeder sich bietenden Gelegenheit im gesamten Internet ausschütten müssen. Es ist mir sowas von scheissegal, dass Beliebte Serie X, Teil 5 jetzt auch auf der 360 erscheint. Wenn überhaupt, dann ist das ein Grund zum Feiern und kein Anlass zur Selbstbebauchpinselung, ihr blöden Labialspakaken. Denkt immer dran, sobald der INTERNATIONALE KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN TERRORISMUS™ ein Datennetzidentifikationspflichtgesetz hervorgebracht hat (nur noch eine Frage der Zeit), werde ich den Mob anführen, der euer Haus niederbrennt.

Ein donnerndes Pfuibuh geht bei dieser Gelegenheit auch an die “”Fachpresse”" (ein Satz Anführungszeichen hätte hier nicht mehr genügt), die sich auf der Suche nach Neuigkeiten in immer bizarreren Belanglosigkeiten ergeht. Wenn heutzutage irgendwo auf dieser Welt irgendein Mitarbeiter irgendeines Spiele-assoziierten Unternehmens in die Nähe eines Mikrophons oder einer Tastatur gelassen wird und irgendetwas sagt, dann wird daraus ganz schnell eine Nachrichtenmeldung epischen Ausmasses (Hallo Boris). Ebenso geht mir die heuchlerische Scheinheiligkeit der Presseheinis furchtbar auf die Nerven. Ist ja toll, dass immer mehr und immer verschiedenere Menschen Videospiele mögen, und dass nur wenige Prozent der hierzulande erscheinenden Spiele vor den strengen Augen der Tugendwächter in Ungnade fallen. Warum ist die Berichterstattung dann aber immer noch so dominiert von männlichen Männerspielen wie Halo, Gears of War und God of War? Wenn die umjubelten, millionenschweren Spitzenprodukte der Industrie zum Grossteil immer noch solche Spiele sind, in denen man andere Spielfiguren vom Leben zum Tode befördert, dann ist das beschämend für uns als Spieler und Wasser auf die Mühlen unserer Kritiker.

So, und deshalb habe ich schon länger nichts mehr geschrieben.

Konsolen-Schock: Sony macht was richtig!

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Mal ganz ehrlich, so langsam war es schon nicht mehr witzig. Erst war es ja echt amüsant sich über Sony lustig zu machen. Aber dann machten sie immer mehr falsch, bis sie schließlich so ziemlich alles falsch machten, was man nur falsch machen konnte. Und dann machten sie noch ein paar Sachen falsch, die man eigentlich gar nicht falsch machen konnte. Dieses inhaltliche Versagen wurde dann noch mal von dem unglaublichen Gebaren der Führungsriege verstärkt, die - mit einer erstaunlichen Realitätsferne ausgestattet - so auftraten als wollten sie, dass man sie hasst.

Jenseits der abwechselnd witzigen und peinlichen Kommentare von Phil Harrison und Co. war es aber immer die Konsole selber, die wirklich zählte. Was interessiert uns das Geschwätz von ein paar Anzügen, wenn das Gerät selber rockt. Dummerweise hat genau dieses Gerät leider nie ein ernsthaftes Feature geboten, dass die Konkurrenz nicht auch hatte. Nur halt in fertig. Und im Laden zu kaufen. Sony klammerte sich zwar immer wieder an Pseudo-Features wie 1080p und Blu-Ray, aber ersteres schob Microsoft mal lässig per Firmware-Update nach und zum Leidwesen von Sony merkten die meisten Leute, dass Blu-Ray nicht als Spielehardware gedacht war, sondern schlicht dazu dienen soll die PS3-Kunden für die Vorherrschaft eine Sony-Videoformates zahlen zu lassen.

Schlimmer noch, in vielerlei Hinsicht wirkte man, als hinke man der Konkurrenz hinterher. Die 360 gibt es seit geschätzten drei Ewigkeiten, aber in Europa ist die PS3 immer noch nicht raus. Dem zum zweiten Mal recycelten PS1-Controller nach der Vorstellung von Nintendos Wiimote noch hastig ein paar Bewegungsmelder einzubauen, war auch nicht gerade ein Zeichen von riesig viel Vision in Hause Sony.

Ach ja, und dann war da noch der Preis. Autsch.

Während sich die 360 also langsam aber sicher einen ordentlichen Next-Gen-Vorsprung erarbeitete und die Wii gar einen kleinen Begeisterungssturm auslöste, blieb außer akuter Fanboyitis eigentlich kein ernsthafter Grund sich für die PS3 zu begeistern. Klar, irgendwann werden interessante Exklusivspiele kommen und dann holt man sich das Ding halt. Sonys alte Werbekampagne schien plötzlich dennoch prophetisch zu sein: The Third Place indeed.

Hatte man sich am Anfang noch mit “massive damage”- und “Riiiiidge Racer”-Witzen amüsieren können, war die Beobachtung von Sony in letzter Zeit fast so, als hätte man einen Fisch auf dem Trockenen erwischt. Sein hilfloses Zappeln mag Anfangs noch ganz lustig gewesen sein, aber irgendwann hat man Mitleid und will ihn zurück ins Wasser werfen.

Zu dumm, dass es sich bei Sony um einen 68 Milliarden Dollar schweren Fisch handelt, dem einfach nicht zu helfen ist, wenn er sich nicht selbst zu helfen weiß.

Tja, und heute mussten wir dann gewaltig staunen. Der Fisch ist noch nicht wieder im Wasser, aber irgendwie hat er sich näher ans Ufer gezappelt. Wie hat der das gemacht?

Mit Home.

Tatsächlich hat die PS3 jetzt ein ernstzunehmendes Feature, dass die Konkurrenz nicht hat. Wir hatten uns alle ja schon lange gefragt, wie die Onlinestrategie der PS3 aussehen würde. Nachdem man in der letzten Generation quasi so getan hatte, als wäre “online” eine ansteckende Krankheit, und zum Launch der Konsole immer noch nichts zu vernehmen war, sah es zunächst nicht so gut aus. Das Beste auf das wir gehofft hatten, war eine zweitklassige und unausgereifte Nachprogrammierung von Microsofts exzellentem Live-Service.

Aber nix da. Die komplette Benutzeroberfläche der Konsole in ein MMO zu verwandeln, inspiriert von den Sims und Second Life, das ist mutig. Das hat Vision. Das macht uns leuchtende Augen. Sony mögen intern die zwar die Augen hauptsächlich leuchten, weil sie über all die neuen “revenue streams” nachdenken (glaubt ja nicht, dass die coolen Klamotten für euren Avatar umsonst sein werden), aber wir freuen uns einfach weil es neu und shiny ist.

“Neu” übrigens nicht im Sinne von “jetzt hat Sony endlich auch mal was gemacht”, sondern “neu” im Sinne von “endlich hat Sony bewiesen, dass dort zumindest noch die eine oder andere Person mit Vision sitzt”. Gott sei Dank. Wurde auch Zeit.

Also: Herzlichen Willkommen zurück im Spiel, Sony. Jetzt habt ihr unsere Aufmerksamkeit. Zum allerersten mal seit einer gewissen E3 mit historisch korrekten Riesengegnerkrabben. Wenn ihr diese Aufmerksamkeit weiterhin für Ankündigungen wie “Little Big Planet” nutzt und gewisse Leute einfach mal die Klappe halten und einen Hauch von Demut und gesundem Menschenverstand zeigen, dann können wir vielleicht wieder Freunde werden.

Vielleicht.

PS: Microsoft flattern schon die Hosen. Boris Schneider versucht auf seinem Blog gerade verzweifelt, Sony Home schlecht zu reden. So nach dem Motto “das ist doch eh alles scheiße und überhaupt, die kriegen das bestimmt nie fertig”. (Wann ist aus dem coolen Boris von damals eigentlich dieser Unsympath geworden? Echt Schade.)

Dusty Welch, Superheld

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Dusty Welch ist ein ganz besonderer Mensch. Zum einen ist er “Head of Publishing” bei RedOctane. Da es der Job von RedOctane ist, Sachen zu publishen ist “Head of Publishing” dort bestimmt eine wichtige Funktion. Das alleine macht ihn aber nicht so besonders.

Nein, Dusty Welch ist besonders, weil er ein Superheld ist. Aber nicht irgendein gewöhnlicher Superheld, der von einer mit radioaktiv verseuchten superdynamischen Spacegenen infizierten südpolynesischen Krallenspinne gebissen wurde und seitdem per Röntgenblick Damen auf die Unterwäsche schauen und Kraft seiner Gedanken auch schwere Hagelschäden am Mercedes seiner Nachbarin wieder ausbeulen kann, sondern ein besonderer Superheld mit einer ganz außergewöhnlichen Superkraft.

Er kann jede Antwort in einem Interview so formulieren, als wäre sie eine Pressemitteilung ohne dabei mit der Wimper zu zucken.

Ihr glaubt mir nicht? Tja, dann lest mal dieses Interview mit ihm auf eurogamer.net. Da kann Spider-Man echt einstecken. Wer will schon irgendwelchen weißen Glibberschleim aus den Handgelenken schießen können, wenn er stattdessen ohne mit der Wimper zu zucken Sachen sagen kann wie:

There are numerous genres of rock music, including pop.

Dusty Welch, du bist der König der Bullshit-Spucker! Aber natürlich hast du nicht ganz Unrecht. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Wenn man sich die Ohren zuhält, die Augen zusammenkneift und ganz laut “LALALALALAAAAAA!” ruft, dann gibt es wirklich verdammt viel Rockgenres. Zum Beispiel Volksmusik! Und Acid Jazz! Mein persönliches Lieblingsrockgenre: die Barockmusik. Ach ja, der alte Georg Friedrich Händel, der konnte noch so richtig rocken. Old school, baby!

Danke Dusty Welch, dass du uns die Welt mit ganz neuen Augen sehen lässt!

Viele Leute schaffen es ja, auf eine Frage mit vielen Sätzen zu antworten, ohne dabei auch nur in die Nähe einer tatsächlichen Antwort zu kommen. Dusty Welch aber ist besser. Dusty ist der King, weil er in seinen Antworten die keine Antworten sind, selber noch Fragen stellt, die er dann ebenfalls wortreich nicht beantwortet:

We would never rule out any opportunity that we feel fans might want to see in the future. Are they in our current plans? We can’t say, though it’s certainly an intriguing option that we’re interested in, as we are with many other ideas. Guitar Hero has levitated the music rhythm-action genre to a whole other level, and there is no reason to think we can’t take it even further with other genres.

Das ist schon echter Meta-Bullshit. Dusty, du rockst! Ich persönlich freue mich schon total auf Tony Hawk’s Guitar Hero - Homeboy Edition, aber noch mehr freue ich mich natürlich auf deine Erklärung, warum die Aufnahme von Skateboards eine “natürliche und neutrale Entscheidung” für RedOctane war.

Lang lebe Press Release Man!

Erkenntnis des Tages

Liebe Spielemacher,

heute habe ich eine schlechte Nachricht für euch: Werbung in Spielen funktioniert doch nicht so gut wie erwartet. Das mag jetzt eine echte Enttäuschung für euch sein. Aber glaubt mir, Millionen Spieler fassen sich gerade an den Kopf: denn das wussten sie vorher ja auch schon. Hättet ihr uns einfach mal gefragt! Dann hättet ihr euch die Integration der Technologien von Firmen wie IGA Worldwide in Spiele wie Battlefield 2142 oder jetzt auch Counterstrike sparen und das Geld sowie Mühe in besseres Gameplay oder schickere Levels investieren können. Das sind nämlich — bitte glaubt mir! — die Dinge, wegen denen jemand in einen Laden rennt und €40 für eure Spiele ausgibt.

Kennt ihr Seth Godin? Der schreibt in seinem Buch Purple Cow über den immer ineffizienteren, langsam aussterbenden TV-Industrial Complex; genau jenen traditionellen, bei euch so unheimlich beliebten Weg, ein Produkt zu erschaffen und an den Mann zu bringen, mit klarer Trennung von Engineering, Produktion und Vermarktung. Seth schlägt vor, das Marketing direkt in das Produkt einzubauen. Was eigentlich eine uralte Idee ist: Produkte zu bauen, die so bemerkenswert sind, dass sie sich von alleine vermarkten. Ich weiß, die Idee mag euch radikal vorkommen. Ihr müsstet es doch auch an euren eigenen Produkten merken. Oder was meint ihr, wie viele Leute Need for Speed Carbon kaufen, weil sie in der U-Bahn-Station Rotkreuzplatz euer Werbeplakat dafür gesehen haben?

Leute: Werbung ist tot.

Toter als tot. Tot war sie schon vor langer Zeit, nur habt ihr es da noch nicht bemerkt, weil ihr den Erfolg nicht zuverlässig messen konntet. Jetzt habt ihr Werbung im Web und sogar in Spielen. Und wenn ihr auf eure Statistikauswertungen blickt, müsste euch die Erkenntnis doch geradezu ins Hirn hüpfen: die Schaltung von Werbung und die Generierung von Leads hängen eben nicht so eng zusammen, wie ihr euch das lange Zeit vorgestellt habt. Deswegen sind die Werbepreise im Web auch in kürzester Zeit von “obszön” hinunter zu “lächerlich” gepurzelt, vielen Dank. Und den Offline-Werbeformen geht es auch schlecht. Fällt euch nichts auf?

Wisst ihr, vor ein paar Jahrzehnten war Werbung noch etwas richtig Aufregendes. Da konnte man ein nicht aufregendes Produkt auf den Markt werfen und dieses Defizit durch tolle Werbung ausgleichen. Das funktioniert heute nicht mehr. Vor allem nicht in Computerspielen. Ein virtuelles Werbeplakat an der Straßenseite in einem Rennspiel oder an einer zerballerten Wand in einem Shooter ist nicht aufregend. Es ist peinlich.

Also lasst es einfach bleiben. Danke.

Mit freundlichen Grüßen,
ein treuer Kunde

Sportschau

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Wie rezensiert man eigentlich einen Titel wie Wii Sports? Ein kurzer Blick in die Runde zeigt, dass sich die meisten Leute darauf beschränken kurz was zu jeder Sportart zu sagen und dann ein Gesamtfazit zu ziehen.

Tennis rockt, Boxen steuert sich unpräzise, Baseball taugt nicht so viel und insgesamt ist es ziemlich toll. Vielleicht noch ein paar Takte zum netten Trainingsmodus und zum weniger netten Fitnessmodus gesagt, eine halbwegs hohe Zahl darunter geklatscht und die Sache hat sich erledigt.

Ich meine, was soll’s? Erstens stimmt das ja alles (das Spiel ist ziemlich gut, Boxen unpräzise und der Traingsmodus wirklich ganz gelungen), und zweitens kommt das Spiel sowieso umsonst mit, da braucht man sich echt keine große Mühe zu geben.

Aber ehrlich gesagt fangen die Probleme ja genau da an. Es ist umsonst. Na ja, vielleicht auch nicht, aber es ist halt nicht so als hätte man bezüglich des Kaufes eine Wahl. Es liegt der Konsole eben bei. Der übliche “8 von 10 Punkten, kauft es euch wenn ihr mit euren Freunden im Wohnzimmer Tennis spielen wollt”-Schmuh ist an dieser Stelle somit noch weniger angebracht als sonst.

Völlig befreit vom Zwang eine Kaufempfehlung schreiben zu müssen, schreiben die meisten Leute…eine Kaufempfehlung. Dabei verstehen sie anscheinend überhaupt nicht, was Wii Sports in Wirklichkeit ist.

Nämlich ein Trojanisches Pferd.

Es gibt schließlich einen Grund, warum die Wii-Fernbedienung Wii-Fernbedienung heisst und nebenbei auch noch aussieht wie eine. Denn auch sie ist ein Trojanisches Pferd. Oder von mir aus auch ein Missionierungswerkzeug.

Denn so wie ein Missionar seine Bibel in die Hand nimmt, liebe Antination, so müsst ihr euer Wii Sports ergreifen um damit aller Welt zu beweisen: Videospiele machen Spaß. Sie verwandeln einen nicht in Killer, sie machen nicht dumm, sie machen nicht faul und sie sind nicht mal sonderlich kompliziert.

Sie machen einfach Spaß.

Eure Eltern und Onkel und Schwestern und Tanten und Freunde und Brüder und Kollege werden diese kleinen coolen weißen Dinger in die Hand nehmen, sie werden Tennis mit euch spielen und dann wird etwas ganz Erstaunliches passieren. Nach ca. einem Satz werden sie Spaß haben.

Es wird ein ungewöhnliches Gefühl sein. Nicht der Spaß an sich, sondern die Art und Weise auf die er erzeugt wird. Sie werden sich vielleicht ein bisschen komisch vorkommen und sich möglicherweise Sorgen machen, wie sie aussehen, wenn sie da so mit den Armen fuchteln.

Aber wenn ihr fragt “Noch eine Runde?” werden sie nicht wie üblich antworten “Nee, lass mal.”, sie werden sagen “Okay.“. Vielleicht sogar “Okay!”. Mit Ausrufezeichen. Auf jeden Fall werden sie am nächsten Tag von einem komischen Ziepen im Arm daran erinnert werden, was sie gestern gemacht haben.

Vielleicht werden sie danach immer noch keine Videospieler sein. Einige werden aber fragen “Wie viel kostet das denn?”. Einige davon werden vielleicht sogar enttäuscht sein, wenn ihr ihnen erklären müsst, dass man im Moment keine Wiis mehr kriegen kann. Aber auch diejenigen, die sich nach zwei, drei Runden Tennis wieder abgewandt haben, hat Wii Sports ein bisschen verändert.

Schließlich haben sie gerade zum ersten Mal in ihrem Leben ein Videospiel gespielt. Nicht versucht es zu spielen, oder dabei zugeschaut. Nein, sie haben es selbst gespielt.

Das ist eine große Sache. Denn mit ein paar ermutigenden Worten von euch werden Sie dann verstehen, dass Videospiele nicht dazu gemacht werden, um Kinderseelen zu zerstören, sondern um Menschenherzen höher schlagen zu lassen.

Ja, der Fitness-Modus ist nicht sonderlich toll und Baseball ist auch eher schwach. Aber das macht überhaupt nichts, denn alles was man braucht ist Tennis mit zwei Wiimotes und plötzlich findet man findet das Kind im Menschen. Auch bei solchen die es schon verloren geglaubt haben.

So, und nun nehmt euer Wii Sports, geht hinaus in die Welt und verändert sie.

8/10? Wen interessiert das schon: Wii Sports ist das wichtigste Spiel des Jahres.

Sagt ein Sündenbock zum anderen: “Du bist schuld!”

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Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, abgekürzt (festhalten!) “G.A.M.E”, hat sich zu dem Amoklauf in Emsdetten geäußert und damit meisterhaft bewiesen, warum Spiele in Deutschland keine Lobby haben.

Aber arbeiten wir uns mal systematisch durch. Zunächst mal macht der “G.A.M.E.” (kicher!) ganz deutlich klar, dass er nur eine Minderheit der deutschen Entwickler repräsentiert.

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum.

Sehr geschickt, so nimmt man sich gleich das Mandat und stellt klar, dass man nicht mit Autorität für die Branche reden kann.

Edit: Ich hatte zuerst 40% der Produzenten gelesen, in Wirklichkeit sind es “40 Produzenten”. Ich weiß nicht, was das jetzt für einen Prozentsatz ergibt, jedenfalls muss ich die Kritik natürlich zurückziehen. Sorry.

Nach dem üblichen Verteilen von ein bisschen mehr oder weniger ernst gemeinter Anteilnahme (und wir wollen hier mal wohlwollend davon ausgehen dass sie ernst gemeint ist) fühlt man sich verpflichtet mitzuteilen, dass viele Videospielentwickler nicht als Waisen aufgewachsen sind (”wir haben Familie!”) und dass manche es sogar geschafft haben ihre Gene weiterzureichen (”viele von uns sind Väter, Mütter”). Wer derartige Selbstverständlichkeiten als wichtige Tatsachen in die Welt hinausposaunen muss, der macht klar, dass er das aus irgendwelchen Gründen eben nicht für selbstverständlich, sondern irgendwie für eine besondere und ungewöhnliche Leistung hält.

Dann wendet man sich “energisch” (also mit ein paar leeren Worthülsen) gegen die Kriminalisierung des Berufsstandes Videospielentwickler und des Mediums Videospiele. Soweit in Ordnung. Was sollen sie auch sonst sagen?

Als nächstes weist man strikt jede Schuld von sich:

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat.

Belegt wird diese klare Aussage mit, äh, gar nichts. Außer vielleicht mit einem vagen Hinweis auf “viele aktuelle Aussagen von Experten”. Auf welche, na ja, das wird nicht gesagt. Dadurch setzt man sich äußert geschickt dem Verdacht aus, dass es in Wirklichkeit nur wenige Aussagen gibt und dass diese im Zweifelsfall nicht von Experten stammen.

Der Verdacht wäre falsch, aber woher soll der unbedarfte aber skeptische Leser das wissen? Kann es so schwer sein, im richtigen Moment mal den Namen von ein, zwei Professoren fallen zu lassen? Guckt mal das Heute Journal, die kriegen das auch hin.

Na gut, als nächstes dann der Hinweis auf Deutschlands tolles Jugendschutzsystem an dem man aktiv mitarbeitet. Das stimmt natürlich. Da kann ich jetzt gar nichts Schnippisches zu sagen. Mist.

Der nächste Absatz bietet aber wieder viele Möglichkeiten. Zunächst mal kommt die Feststellung:

Computerspieler sind keine Randgruppe.

Das ist an sich richtig. Wir Spieler sind eine so große Gruppe, dass wir eigentlich ein denkbar schlechtes Ziel für Diskriminierung abgeben sollten. Dummerweise sind wir völlig unorganisiert und werden, wenn überhaupt, von Organisationen wie dem “G.A.M.E.” (Augenroll) vertreten, die an Zahn- und Hilflosigkeit kaum zu überbieten sind.

Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner.

Wer ernsthaft glaubt, dass ein 40-jähriger Politiker und ein 70-jähriger Rentner von Videospielen genauso begeistert sind, wie ein 6-jähriges Mädchen, der ist nicht nur naiv, der ist schlichtweg dumm.

Wir sind inzwischen soweit, dass 6-jährige Mädchen tatsächlich häufig schon von Videospielen begeistert sind. (Laut einer Liste eines amerikanischen Einzelhandelsverbandes taucht sowohl das Nintendo DS als auch die Playstation 3 in den Top 10 der Liste von häufigsten Weihnachtswünschen von Mädchen auf.) Das ist ein großer Sieg. Wer aber mal versucht hat, seinem Opa auch nur das Konzept eines Videospiels zu erklären, der wird wissen dass die Lage auf der anderen Seite des Alterspektrums völlig anders aussieht. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber auch diese Ausnahmen sind selten. Dass 40-jährige Politiker selten Videospiele spielen, kann man im übrigen im Moment ganz gut der Presse entnehmen. Schaut mal rein, lieber Bundesverband.

Schnell werden vom “G.A.M.E.” (ihr wisst schon…) noch die Eltern in die Pflicht genommen (nicht falsch, aber auch keine sonderlich frische Idee) und dann fängt die Suche nach der wahren Ursache für den Amoklauf an.

Was ist die Antwort des “G.A.M.E.”? Wird das soziale Umfeld des Täters analysiert, sein Brief, seine Einsamkeit, seine Perspektivlosigkeit? Fragt man sich, warum niemand in der Lage war seine Probleme zu erkennen, oder gar seine Hilferufe zu hören?

Ach Quatsch. Man macht einfach das gleiche wie die Politiker und sucht sich einen eigenen Sündenbock. Für den “G.A.M.E.” sind nämlich die Waffen schuld!

Äh, wir waren es nicht! Der war’s!

Wie die Kindergartenkinder. Ich weiß nicht genau wie das funktionieren soll (vielleicht haben die Waffen ja nachts unter seinem Bett gelegen und ihm zugeflüstert “Du musst töööööten!”), aber ist ja auch egal. Hauptsache jemand anders ist schuld.

Fähigkeit zur Selbstkritik? Fehlanzeige. Konstruktive Hinweise auf echte Ursachen? Fehlanzeige.

Jeder der auf Spielerseite hingeht und mit dem Finger auf die Waffen zeigt, macht sich in meinen Augen lächerlich. Wenn Waffen die Ursache für den Amoklauf sein können, dann können es nämlich auch Spiele sein.

Wer selbst Sündeböcke sucht, der darf sich nicht beschweren, wenn er plötzlich einer ist.

Klar, eine Waffe ist etwas anderes als ein Videospiel. Letzteres ist ein Kulturgut und am Ende des Tages ist eine Waffe immer noch ein Gerät, das speziell zum Töten entwickelt wurde. Klar, er hätte die Waffen nie haben dürfen, aber man kann auch mit einem Küchenmesser Amok laufen. Die Frage ist doch, warum er überhaupt die Waffen haben wollte.

Der Frage will man beim “G.A.M.E.” aber lieber aus dem Weg gehen. Hauptsache jemand anders ist schuld. Wisst ihr was? Ich wette die würden sich mit Herrn Beckstein prima verstehen.

/pizza 2142

Eigentlich wollte ich mir Battlefield 2142 kaufen. Als ich vor einer Weile zum ersten Mal davon hörte, fand ich das SciFi-Setting in Kombination mit dem Battlefield-Gameplay extrem cool. Als ich die ersten Gameplay-Videos sah, hätte ich die beinahe hier veröffentlicht, weil sie mich so heiß machten. Als ich feststellte, dass es sogar noch dieses Jahr erscheinen würde, stimmte mich das regelrecht ekstatisch. Das Teil war schon so gut wie in meiner Einkaufstüte! Juhu!

Leider habe ich in den letzten Wochen arg verpasst, die Neuigkeiten aus der Spielebranche zu verfolgen. Deswegen musste mich Richard eben auf etwas hinweisen, was wohl schon seit einem Monat bekannt ist und mir jetzt ordentlich den Spaß an dem Spiel verdorben hat: es wird von streamender Werbung durchsetzt sein. Jawohl, das Spiel holt sich bei einem zentralen Server aktuelle Werbung ab, die dann in das Spiel platziert wird. Und während man dann auf den gegnerischen Titan zustürmt, um ihn abzuknallen, wird man auf neben den Straßen stehenden Werbetafeln u.Ä. nebenher über die Vorzüge von Diet Pepsi und den Funk des neuen Kanye West-Albums informiert.

Und ich dummer Umfaller habe sogar kurz überlegt, ob ich es trotzdem kaufe. Vielleicht würde mich die Werbung ja gar nicht so sehr stören? Das änderte sich aber, als ich die Pressemitteilung zu der Chose las und dort folgendes vorfand:

“We are continually looking at how to bring more connected experiences and services to consumers, and working with a network like IGA is a start to building this dimension of our business,” he [Frank Sagnier, EA] added.

Customers? Kunden? Damit kann er ja nicht die Leute meinen, die Geld ausgeben, um sein tolles neues Spiel spielen zu können. Denn die sind garantiert nicht scharf auf seine Version von “more connected experiences and services”. Die wollen einfach nur gegnerische Titanen abknallen, ohne Pepsi und Kanye. Er muss die Werbekunden meinen, die offensichtlich nach wir vor auf jede Möglichkeit scharf sind, uns Konsumenten an möglichst unpassenden Stellen mit ihren Produktinformationen zu berieseln. Maximum Stickiness. Hey! Vielleicht sollten die dann auch das Spiel kaufen und spielen.

Ich werde es jedenfalls nicht tun.

250/08.12.

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Na immerhin. Das Wii kommt noch dieses Jahr nach Europa. Klar, wir kriegen es wie immer zuletzt und wir kriegen es wie immer zum teuersten Preis, aber wenigstens müssen wir nicht bis März warten. Der Preis ist vielleicht einen Hauch zu teuer, aber egal. Natürlich hätten sie nicht unbedingt die Lüge verbreiten müssen, es würde unter 250$/€ kosten, wenn sie doch wussten, dass es genau 250$/€ kosten würde, aber auch egal. Da sind wir von Sony schlimmeres gewöhnt.

Was gibt’s noch? Wiimote + Nunchuk ist eine arg teure Kombo, aber ich gehe davon aus, dass die meisten Partyspiele den Nunchchuck nicht brauchen werden. Dafür ist der Classic Controller schön billig und kommt sogar noch mit ein paar “Punkten” zum Kaufen von Virtual Console Spielen. Apropos, da liegen die Preise genauso wie ich vermutet hatte (5/8/10). Vielleicht auch einen Hauch zu viel, aber am Ende genau der Preis den die Leute zu zahlen bereit sein werden. Vor allem will Nintendo jeden Monat eine ordentliche Zahl von Spielen rausbringen, anders als Microsoft die ihren wunderbaren Marketplace mit einer Tröpfchen-Strategie verdursten lassen.

Die Sache mit den Channels macht natürlich im Hinblick auf die angepeilte Nutzergruppe Sinn, aber ich glaube nicht, dass ich jemals mit meinem Wii nachschauen werde, wie das Wetter so ist. Ehrlich gesagt, habe ich den Wetterbericht noch nie wirklich verstanden. Ist ja nicht so, als könnte ich nicht einfach aus dem Fenster schauen um festzustellen, ob es regnet oder nicht. Selbst wenn ich weiß, dass es morgen mit einer Wahrscheinlichkeit von 83,534% regnen wird, kann ich gegen den Regen auch nicht viel unternehmen. Klar, es kann schon nützlich sein, wenn ich mir überlege, ob ich morgen eine Fahrradtour machen will oder nicht, aber muss man mir wirklich alle 30 Minuten im Radio sagen, dass die Sonne scheint? ICH WEISS DASS DIE SONNE SCHEINT! ICH HABE FENSTER!

Äh. Sorry. Da habe ich mich gerade etwas ablenken lassen. Entscheidend ist ja jetzt eigentlich nur noch die Frage, welche Spiele ich beim Launch mitnehme. Zelda, klar. Rayman möglicherweise auch. Ich wette auf Trauma Center müssen wir ca. zwei Jahre warten, das kommt also höchstens als Import in Frage. Red Steel? Ganz vielleicht. Ein bisschen. Ich habe da keinen so guten Vibe. Wobei, zwei Spiele sind ja schon kein schlechter Anfang, zumal man Wii Sports dabei bekommt und gerade Rayman ein super Demospiel für das System sein sollte.

Ich denke wir sehen uns dann nachts am Donnerstag dem 7. Dezember bei Saturn. Bringt euer DS mit, dann spielen wir beim Warten Tetris.

“Einmal alles freischalten, das macht… $39.99!”

Und nun zu einem Thema, bei dem ich mir selber noch nicht ganz sicher bin, ob ich mich darüber aufregen oder es mir einfach egal sein sollte. Ihr kennt alle Guild Wars? Das ist dieses Spiel, was viele mit einem MMORPG verwechseln. Dabei ist es eigentlich viel eher eine Art Unreal Tournament mit Rollenspielelementen. Aber immer, wenn ich das sage, werde ich beschimpft.

Jedenfalls hat man bei der Erstellung eines Characters die Wahl zwischen RP- und PvP-Charakteren. Letztere starten direkt bei Level 20 — das ist der höchste Level in Guild Wars –, bekommen diverses kostenloses Equipment, und dürfen im Gegenzug ausschließlich an den verschiedenen PvP-Wettkämpfen teilnehmen. RP-Charaktere hingegen darf man durch größtenteils sehr nett gestaltete Story-Kampagnen schleifen. Und in diesen schaltet man erst die richtig guten Skills für die eigenen PvP-Charaktere frei. Und da wird Guild Wars auf einmal ein bisschen wie ein echtes MMORPG: da muss man gerne mal dämliche Fedex-Quests auf sich nehmen, seltenen Mobs auflauern oder einfach stundenlang farmen.

Oder eines der neuen PvP Unlock Packs kaufen:

Guild Wars players now have the opportunity to purchase PVP Unlock Packs for all Prophecies skills! For $9.99 USD (€8.99, £5.99), you can unlock all of the 70+ Prophecies skills for a single profession. For $39.99 USD (€35.99, £23.99) you can unlock all 450+ Prophecies skills for the 6 professions. Once unlocked, skills can be used by any of your PvP characters. Head to the Guild Wars Official Store to take advantage of this much-requested opportunity.

Finde ich das gut? Bin mir noch nicht sicher. Auf der einen Seite sollte es in einem “Unreal Tournament mit Rollenspielelementen”, siehe oben, ja gar nicht mal so wild sein, wenn man seine PvP-Charaktere mit Geld statt mit Arbeit hochpusht. Gerade Guild Wars kann sich das erlauben, da dort ein Spieler immer nur acht Skills mit in die Schlacht nimmt — mehr Skills machen den Charakter flexibler, aber nicht unbedingt mächtiger.

Trotzdem ist das irgendwie komisch. Es kann nicht sein, dass jemand, der wochenlang die Rollenspiel-Kampagne nach den besten Skills durchforstet, am Ende gegen jemanden verliert, nur weil dieser bereit war, nochmal den Preis des Spiels für das Freischalten aller Skills hinzulegen. Ich nehme Arena.net das “much-requested” einfach nicht ab; da sie für Guild Wars keine monatlichen Gebühren verlangen, kann ich mir gut vorstellen, dass sie auf eine solche zusätzliche Einnahmequelle einfach nicht verzichten wollten.

Also: ein durchaus willkommener neuer Trend, der solche auf PvP ausgelegten Onlinespiele für Leute mit wenig Zeit fairer gestaltet, oder der Anfang vom Ende ausgewogenen MMOG-Gamedesigns? Discuss!

Der gefährlichste Mann der Spielebranche

Als ich neulich die Multiplayer-Beta von Company of Heroes ausprobieren wollte, ahnte ich nichts Schlimmes. Bis es mir entgegendröhnte. Das Böse. Das musikalische Grauen. Die Geißel der Spielebranche. Der selbe Soundmatsch, der mich schon in Dungeon Siege genervt hat. Und Giants. Und Morrowind. Und Neverwinter Nights. Und Guild Wars. Und Unreal 2. Und Oblivion. Und Dawn of War. Und Prey. Und in wahrscheinlich zwei Dutzend anderen Spielen, die mir gerade nicht einfallen. Ganz ehrlich, ich brauche nur drei Sekunden, um genau zu wissen, dass die Musik eines Spiels aus der selben Ebene der Hölle stammt wie die für die eben genannten.

Wenn wir verhindern wollen, dass in wenigen Jahren jedes verdammte Spiel gleich klingt, dann muss etwas geschehen. Wir müssen ihn aufhalten, bevor er wieder zuschlagen kann. Diesen Beelzebub der Spielemusik. Diesen Jeremy Soule.

Game Design 2.0

Als ich mich vor kurzem auf der Games Convention 2006 über die neuesten Errungenschaften im Bereich der interaktiven elektronischen Unterhaltung informieren wollte, fiel mir vor allem auf, dass es kaum welche gab. Keine große Überraschung eigentlich; dass kaum noch Titel auf den Markt kommen, bei denen es sich nicht um den fünfmilliardsten Aufguss ein und der selben Spielidee handelt, ist ja nicht nur bei uns Antigamern ein beliebtes Diskussionsthema.

Es ist eine bizarre Situation: noch nie war die Divergenz zwischen der Technik, auf der unsere Spiele heute laufen, und dem, was die Spiele damit anstellen, so groß wie heute. Während immerhin Nintendo mit dem Wii etwas Neues zu probieren versucht, scheinen sich Microsoft und Sony parallel zu CPU- und GPU-Herstellern primär auf die Steigerung der Grafikpower zu konzentrieren. Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass die meisten Spieleentwickler gar nicht mehr mit der Produktion entsprechend aufwändiger Grafikpracht hinterher kommen. Die Branche freut sich erstmal, weil sie auf der Packungsrückseite damit werben kann, dass der linke Nippel des Protagonisten mehr Polygone hat als ein kompletter Quake-Level; und wundert sich dann, dass das Spiel trotzdem kaum jemanden interessiert.

Eine ganz andere Branche hat in den letzten Jahren bezüglich dieses Wettrüstens eine wichtige Lektion gelernt. Eine Branche, die sich nur eine klitzekleine Schnittmenge mit der Spieleindustrie teilt; die Branche, die sich vor 6 Jahren mutig New Economy nannte, dann spektakulär scheiterte, und inzwischen wieder ordentlich Aufwind verspürt. Richtig, es geht ums World Wide Web mit all seinen schönen, nützlichen, brauchbaren, spaßigen und gerne auch mal komplett sinnfreien Angeboten.

Dort hat man nämlich nach dem Crash vor ein paar Jahren vor allem eines gelernt: dass weniger manchmal mehr ist. Und dass großer Erfolg auch mit etwas erreicht werden kann, das technisch gar nicht so schwierig umzusetzen ist: mit Vernetzung und sozialer Interaktion. Online-Foto-Alben gab es auch schon vor Flickr, aber erst Flickr hatte den “sozialen” Dreh raus. Flickr, um mal bei dem Beispiel zu bleiben, kann nämlich auch Spaß machen, ohne dass man selber auch nur ein einziges Foto hochlädt; immerhin gibt es da sehr viele coole Fotos von anderen Leuten zu sehen, die man kommentieren und sogar direkt bekritzeln kann. Jetzt könnte man meinen, Spiele und Websites seien ja nun wirklich zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, entwickelt von komplett unterschiedlichen Leuten. Denkste! Vor dem großen Erfolg und der Übernahme durch Yahoo arbeiteten die Flickr-Erfinder nämlich an einem etwas schrulligen web-basierten Multiplayerspiel names Game Neverending. Ihre Perspektive auf das Thema Game Design wird sicherlich eine Rolle bei der Entwicklung von Flickr gespielt haben, zeichnet sich letzteres doch durch einige sehr — im wahrsten Sinne des Wortes — spielerische Mechanismen aus, die auch von Angeboten wie del.icio.us und digg.com aufgegriffen wurden. Man kann die beiden letztgenannten Angebote zum bloßen Speichern der eigenen Bookmarks benutzen. Aber man kann sie auch wie ein Spiel spielen, indem man versucht, die beliebtesten Bookmarks einzustellen oder die meisten Diggs zu sammeln.

Innerhalb dieser “Web 2.0″-Branche glaubt man inzwischen fest an die überraschende Wirksamkeit der Verknüpfung von Anwendung und Spiel; den Kern einer Anwendung durch Hinzufügen einer sozialen Ebene so zu erweitern, dass sie gleichzeitig nützlich ist und Spaß macht, bildet die Basis für viele erfolgreiches Neugründungen.

Eine Erkenntnis, die der Spielebranche komplett egal zu sein scheint. Wenn irgendwo über Vernetzung und soziale Interaktion geredet wird, geht es fast ausschließlich um Systeme wie Xbox Live, die lediglich eine Auswertungsebene, vielleicht ein Matchmakingsystem, aber niemals eine feste Gameplaykomponente darstellen. Die Kernanwendung — das eigentliche Spiel — bleibt unberührt. In The Movies kann man seine selbstgedrehten Filmchen zwar auf die Website zum Spiel hochladen, aber auch die ist ansonsten komplett losgelöst vom eigentlichen Spiel (und nur in Internet Explorer für Windows voll funktionsfähig, seufz). Will Wrights heiß erwartetes Spore soll sich immerhin die Daten zu den verschiedenen Spezies, die das Universum des Spielers bevölkern, über einen zentralen Server von anderen Spielern abholen — das ist Vernetzung, okay, aber von Interaktion kann da noch keine Rede sein.

Die Web-Branche hat begriffen, dass sie von Spielen lernen kann. Jetzt sollte die Spiele-Branche begreifen, dass es auch umgekehrt funktioniert. Mal schauen, ob mir ein paar spontane Ideen dazu einfallen, wie das aussehen könnte: zum Beispiel wäre es in Sims 3 cool, mit meinen Figuren die Städte anderer Spieler zu besuchen. Ich möchte andere Spieler als Buddies markieren und ihnen Briefe zukommen lassen. Oh, oder werft doch die doofen Multiplayer-Lobbies aus den Echtzeitstrategiespielen raus: für das nächste Age of Empires wünsche ich mir ein Metaspiel, in dem sich die Spieler der Welt um die Länder eben dieser streiten. Und im nächsten Unreal Tournament könnte ich mir gut einen eingebauten User-Content-Browser vorstellen, wo man von anderen Usern erstellte Maps und Mods direkt downloaden, kommentieren und bewerten kann. Und wieso gibt es immer noch so viele Multiplayer-Shooter ohne eingebautes Clan-Management?

Liebe Spielebranche: die Optik eurer Spiele ist nicht die einzige Schraube, an der ihr drehen könnt. Ganz ehrlich, wenn ihr euren Spielen ein paar coole Community-Features spendiert, über die ich zusammen mit anderen Leuten das Gebotene erkunden oder mich über ihre selbstgestrickten Levels, Filme oder Spore-Spezies erfreuen kann, darf der linke Nippel des Protagonisten auch gerne eine einfache Textur sein. Von mir aus mit Bumpmap.

Im Osten nichts Neues

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Die Games Convention war ein voller Erfolg. Mit 183.000 Besuchern hat man nicht nur die Erwartungen lässig übertroffen, sondern ist auch gleich das erfolgreichste Event geworden, das die Leipziger Messe jemals veranstaltet hat. Ganz nebenbei ist man damit ohne Frage zur größten Veranstaltung in der Spielewelt aufgestiegen, sorry Tokyo Game Show. Angeblich wollen 90 Prozent der Besucher und Veranstalter nächstes Jahr wiederkommen und auch die Zielgruppe der Messe ist breiter gewesen, als man sich das so vorstellt. 42% aller Besucher waren über 20, was für die bisher als Kiddie-Veranstaltung verrufene GC gar nicht schlecht ist. Ähnliches gilt für den Frauenanteil von immerhin 17%.

Wie gesagt, ein voller Erfolg. Oder auch nicht, denn eigentlich ist auf der Messe ja gar nichts passiert. Wenn Nintendos größte Ankündigung ein neues Mariofußballspiel ist, dann lernt man schnell, dass die nicht viel Interesse an der Veranstaltung haben. Wii zum Anfassen? Nix da. Wenn, dann hinter verschlossenen Türen, aber auch da gab es deutlich weniger zu sehen, als auf der letzten E3.

Die E3 war ja im Vorfeld der GC auch so ein Thema. Microsoft hatte letztes Jahr die GC mit irgendeiner größeren Ankündigung geadelt und nachdem die E3 den Weg des Dodo gegangen ist, rechnete sich so mancher die eine oder andere interessante Neuigkeit aus. Pustekuchen. Auch bei Microsoft ist absolut nichts passiert. Forza 2 wurde wieder nur als Rendertrailer gezeigt, Vista wurde ordentlich gepusht, ist aber immer noch nicht fertig, und die größte Ankündigung war eine 12-monatige Exklusivität für FIFA und PES, von der sich dann rausstellte, dass man bei Konami gar nichts davon wusste.

Sony ist erst gar nicht erst erschienen. Spielbare PS3-Spiele? Nix da. Pressekonferenz? Nix da. Dafür hat es durchaus Kritik gegeben, allerdings meist von Leuten die Sony letzte Woche noch geraten haben endlich mal die Klappe zu halten. Für Sony war es sicher gut, dass sie nicht gekommen sind, denn im Moment können sie einfach sowieso nichts richtig machen. Für die GC ist es aber sicher nicht gut, wenn der aktuelle Marktführer nur lustlos ein paar alte Videos abspielt und ansonsten durch akute Abwesenheit glänzt.

Was gab es sonst? Auch nicht viel. Wenn man sich so Eurogamers Liste der aufregenden Neuigkeiten von der GC anschaut, dann ist die verdammt kurz. Valve hat ein paar Videos zu TF2 und Ep2 gezeigt und, äh, anscheinend hat Atari immer noch vor Neverwinter Nights 2 zu veröffentlichen. Überraschung! Ich glaube das war es dann auch schon.

Europa, was war das gleich? Ach ja, dieser Kontinent da. Die mögen doch Soccer, oder?“. Zu komplexeren Gedankengängen scheint man bei den meisten Spielefirmen bezüglich der Alten Welt nicht in der Lage zu sein. Hin und wieder versuchen sie uns mit entsetzlich späten Veröffentlichungsterminen (Nintendo) oder miesen PAL-Umsetzungen (Squenix) zu ärgern, aber im großen oder ganzen sind wir ihnen nicht mehr wert, als ein paar alte E3 Videos, selbst wenn wir die größte Spielemesse der Welt veranstalten.

Wenn also nicht viel passiert ist, warum sind dann jetzt trotzdem so viele Leute hingegangen? Ich glaube Hendrik hat das korrekt analysiert. Er meinte gestern nämlich, dass man die Games Convention nicht mit einer Messe verwechseln dürfe. Es sei eher so eine Art Spielefestival. Und genau da liegt wohl auch der Reiz der Veranstaltung. Gerade für uns Deutsche. Alle zwei Wochen wird uns im Fernsehen erzählt, dass wir alle wahnsinnige Killer in der Ausbildung sind und dass wir uns gefälligst für unser Hobby zu schämen haben. In Leipzig aber können wir uns mit fast 200.000 mehr oder weniger Gleichgesinnten treffen, feststellen dass wir nicht alleine sind und einfach ein bisschen Videospiele feiern.

Das wird übrigens auch an gewissen Politikern nicht vorbei gehen. Wenn von den 183.000 Besuchern die Hälfte über 18 ist, dann reden wir hier von über 90.000 Wählern, zumal man nicht vergessen darf, dass es für jeden Besucher zwei Dutzend Daheimgebliebene wie mich gibt. Nachdem die Bundesregierung kürzlich neuen “Killerspiel”-Gesetzen eine klare Absage erteilt hat, ist die GC schon wieder ein gutes Zeichen für Spiele in Deutschland.

Also, auch wenn Nintendo auf der nächstens GC wieder nichts anderes macht als einen neuen DS Lite in “Unterwasser Aquamarin” oder so anzukündigen…2007 fahre ich hin.