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Äh….3?

Es ist E3! Zeit für neue Konsolen! Neue Spiele! Neue Ideen! Dinosaurier! Außer es ist gleichzeitig das Jahr 2012, dann gibt es nichts davon. Trotzdem folgen in zufälliger Reihenfolge ein paar Gedanken zu den paar Brosamen die uns die Spielebranche gestern vor die Füße geworfen hat.

Watch Dogs ist mit Abstand der interessanteste Titel den es zu sehen gab. Klar, gegen Ende des Trailers degeniert das ganze dann doch wieder in eine Schießerei mit Cover-Mechanik, aber das Spiel ist wenigstens konzeptionell ambitioniert. In der Hinsicht wirkt es auch mich fast wie ein Nachfolger zum ersten Assassin’s Creed. Außerdem hat es erstklassigen Regen.  Regen ist immer gut.

Apropos Regen, Beyond hat mich auf den ersten Blick nicht vom Hocker gehauen. Immerhin hat der Trailer die Frage geklärt warum das Mädchen aus The Last of Us ein neues Design bekommen hat und jetzt nicht mehr aussieht wie Ellen Page. Sony hat nämlich die echte Ellen Page angeheuert um in Beyond die Hauptrolle zu spielen. Da wäre es wohl etwas peinlich gewesen, wenn die gemerkt hätte dass sie ohne gefragt zu werden auch noch in einem anderen Spiel des gleichen Verlegers aufgetaucht wäre. Ansonsten sieht der Trailer jetzt nicht schlecht aus, zeigt aber noch keinerlei Spielmechanik und bietet auch auf den ersten Blick keine so spannende Geschichte. Ich bleibe mal vorsichtig optimistisch. Vorsichtig.

Wo wir gerade von The Last of Us gesprochen haben: das ist eins von diversen Spielen dieses Jahr die  eigentlich interessant sein könnten, sich aber durch ein ungebührliches Maß an Gewalt  auszeichnen. Muss hier wirklich jeder Schädel mit sattem Knackgeräusch und Blutfontäne eingeschlagen werden? Immerhin zeigt sich das Mädchen das mal aussah wie Ellen Page davon nicht vollständig unbeeindruckt. Möglicherweise ist es im Kontext der Geschichte weniger plakativ-krass wie im Trailer?

Zum Thema krass: Tomb Raider. Oh Gott, nein Danke. Selten habe ich bei einem Trailer eine so starke und sofortige Abneigung gegen ein Spiel entwickelt. Für Fans der Saw-Filme mag es ja eine gewissen Anziehungskraft haben Lara dabei zuzuschauen wie sie gequält wird, aber ich brauche das nicht. Allein die Soundkulisse aus permanentem Schreien und Stönen war ziemlich abstoßend. Was das mit Tomb Raider zu tun haben soll, ist mir sowieso nicht klar. Kein Interesse.

Eine ähnliche Reaktion habe ich auch auf Far Cry 3. Wenn man großmütig sein will, kann man den Entwicklern unterstellen dass FC3 eine Homage an Conrads Heart of Darkness wird, eine düstere Reise in die Untiefen der menschlichen Seele, welche es dem Spieler erlaubt die Dualität seiner eigenen Natur zu erforschen. Entweder das oder sie haben einfach nur jede Menge Titten, Drogen und Gewalt in einen First Person Shooter gepackt. Nennt mich zynisch, aber ich tippe auf letzteres.

Dagegen ist ist der Hitman: Absolution Trailer in dem der Hitman eine Kompanie leicht bekleideter Kampfnonnen ermordet, geradezu harmlos-amüsant. Nicht dass er dafür sorgt, dass ich das Spiel haben will, aber warum gerade der Trailer die Gemüter erhitzt hat, kann ich mir jetzt nicht wirklich erklären.

Der Pitch von Star Wars 1313 dürfte recht kurz gewesen sein: “Lasst uns eine exakte Kopie von Uncharted machen. Aber mit Star Wars Lizenz!” So sieht das Ergebnis dann auch aus. Wie Uncharted, nur in ödem Grau. Oder wie ein PR-Mensch es nennen würde: “mature and gritty”. Sieht nicht unbedingt schlecht aus, aber zu Uncharted gehört mehr als gut inszenierte Cliffhanger und eine gesunde Dosis Cover-Shooting. Zum Beispiel Farben und interessante Charaktere. Trotzdem, “Uncharted: Star Wars” ist jetzt nicht das schlechteste Konzept der Welt und die Grafik ist schon gut, trotz Graufilter. Schaunmermal.

Wo wir gerade von überstrapazierten Franchises reden: es gibt ein neues Halo! Und das sieht genau so aus wie…die alten Halos! Da mich Halo nie sonderlich gefesselt hat, ist das eigentlich die einzige Info die ich brauche um es zu ignorieren.

Ignorieren werden werde ich wohl auch das neue Splinter Cell. Das einzig neue Idee die sie hier hatten war es wohl Michael Ironside zu feuern und Sam jetzt durch einen langweiligen Nobody spielen zu lassen. Obwohl “feuern” vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist, denn sie haben Michael Ironside explizit angeheuert um ihn in einem Video davon erzählen zu lassen, dass er gefeuert ist und Sam jetzt durch einen langweiligen Nobody gesprochen wird. Hä?? Die Begründung für den Schauspielerwechsel ist dann in etwa so: sie machen jetzt Motion Capture und Michael Ironside hat nicht den gleichen Körperbau wie Sam Fisher. Genau deswegen hat ja schon Avatar nicht funktioniert. Sam Worthington hat einfach nicht den gleichen Körperbau wie ein 3 Meter großer Na’vi. Hätte sich James Cameron auch denken können, der Anfänger!

Ganz nebenbei hat Ubisoft auch noch ein neues Assassin’s Creed für die Vita angekündigt: Assassin’s Creed III: Liberation. Na gut, ich habe keine Vita, und da ich all die müdenPlaystation-Franchise-Abkömmlinge für die PSP ignoriert habe, werde ich das auch für die Vita schaffen. Aber es spielt in New Orleans, was fast schon ein interessanter Ort ist. Und es spielt im Jahre 1768, was fast schon ein spannender Zeitpunkt für New Orleans ist, da der Ort in diesem  Jahr von französischer in spanische Hand wechselte. Was wiederum zu einer (erfolglosen) Revolte führte, in der unter anderem deutsche Siedler eine wichtige Rolle gespielt haben. Man darf sich auf viele schlechte Akzente bei den Sprechern gefasst machen.

Apropos müde Franchise-Abkömmlinge. es gibt ein neues Gears of War Prequel-Dings! Ich muss gestehen, das interessiert mich nicht die Bohne. Obwohl, ich muss ja gestehen, Bulletstorm war super. Und das neue Gears of War ist von People Can Fly. Und die haben Bulletstorm gemacht. Vielleicht sieht es wie Bulletstorm nur doof aus und ist heimlich super? Vielleicht, aber ich bezweifle dass ich 60€ ausgeben werde um das zu testen. Nicht mal für euch. Außer ihr sagt ganz lieb bitte. Mal schauen.

Ich habe übrigens nicht die geringste Ahnung was dieses Wonderbook Ding von Sony ist. Hat das was mit Harry Potter zu tun? Das Trailer impliziert das ganz stark, sagt es aber nicht explizit. Normalerweise bedeutet: nein, hat es nicht, sie möchten nur dass wir es denken. Außerdem taucht mitten im Trailer eine scheinbar von der Rechtsabteilung angeforderte Stimme auf, die einem sorgfältig erklärt, dass dieser Trailer nichts mit dem eigentlichen Spiel(?) zu tun hat. Äh, was?

Wenn ich da so über diese Liste und dann in mich gehe, freut sich wohl primär meine Playstation auf die Zukunft. Zumindest wenn man bei einer so mageren Ausbeute überhaupt von Freude reden kann. Microsoft hat eigentlich gar nichts angekündigt, oder? Machen die keine Spiele mehr? Also außer Halo? Ich habe gehört die Xbox kann jetzt Musik spielen? Auf schlauen Gläsern? Weckt mich wenn es Spiele gibt.

Ubisofts hat zwar ein ganz ordentliches Programm an Spielen vorgestellt (unter anderem mehr Rayman: Origins!) aber den Peniswitz-besessenen Diddlididi-Mann vom letzten Jahr durch zwei Leute zu ersetzen die offensichtlich lieber drei Jahre in einem kongolesischen Gefängnis verbracht hätten als noch einen weiteren total spotanen Witz vom Teleprompter abzulesen, hat nicht wirklich funktioniert. Die arme Frau wurde nach jeder Videoeinspielung gezwungen pseudo-enthusiastisch “Awesome!” zu rufen, und man konnte ihr deutlich ansehen wie sie dabei im Laufe der Veranstaltung immer größere Stücke ihrer Seele aushauchen musste.

Leute, lasst die zugeblingten Rapper und die peinlichen Tanznummern und die B-Level Sportstars die ihr Taschengeld aufbessern müssen. Ihr wirkt nur verzweifelt. Es funktioniert nicht. Was übrigens auch nicht funktioniert ist, während der E3 alle Leute zu feuern in der Hoffnung dass alle zu begeistert von Playstation All-Smash Battle  Brothers sind, um es zu merken. You stay classy, THQ!

Zum Abschluss kommen wir mal zum wichtigsten Thema: Dinosaurier. Ich habe noch keine gesehen? Das alleine macht diese E3 zu einem massiven Flop. Aber wer weiß, noch ist die Messe ja nicht vorbei. Wer Dinosaurier sieht, sagt bitte sofort Bescheid!

16 Kommentare Autor: Richard
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Die Sache mit dem Apfel

Lecker Äpfel. Mit Schale essen, da sie wichtige Nährstoffe und Vitamine enthält.

Ratet mal, welches Spiel Hendrik derzeit am meisten spielt! Battlefield: Bad Company 2? Nope! Darksiders? Fehlanzeige! Just Cause 2? Nein, und verdammt nochmal, ich wünschte, ich würde das olle Spiel irgendwo finden! Aber das ist eine andere Geschichte.

Nein, das Spiel, das ich zur Zeit am meisten Spiele, ist ganz klar Bejeweled Blitz. Das kann man auf Facebook spielen, aber auch auf dem iPhone. Die Facebook-Version ist dank zusätzlicher Features besser, kann man aber nicht auf dem stillen Örtchen spielen. So, jetzt wisst ihr bescheid.

Tatsächlich hat sich das iPhone in den letzten 12 Monaten zu meiner Spielekonsole Nummero Uno entwickelt (auch außerhalb des… ach, ihr wisst schon). Selbstverständlich hat es nicht die Power einer Xbox, aber verdammt nochmal, mit meiner in der Ecke einsam vor sich hin einstaubenden PSP kann es (zumindest gefühlt) locker mithalten, und mit meinem Nintendo DS wischt es mühelos den Touchscreen-Boden auf.

I, for one, welcome our new overlords

Als alter Mac-Fanboi war ich immer etwas traurig, dass “unsere” Plattform von der Spielebranche eher stiefmütterlich behandelt wurde — und enttäuscht von den eher halbherzigen Bemühungen Apples, dies zu ändern.

Und auch, wenn Valve inzwischen Steam für OS X angekündigt hat, glaube ich nicht, dass es jemals als ein Spiele-Betriebssystem wahrgenommen wird.

Auf Apples mobilen Geräten sieht das jedoch anders aus. Ich bin inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass iPhone OS, welches nicht nur auf den unzähligen bisher verkauften iPhones läuft, sondern auch auf allen iPod Touch sowie dem neuen, großartigen iPad, die wichtigste Spieleplattform der kommenden Jahre darstellt.

Ach ja, das iPad. Vergesst die ganzen ollen Rennspiele, bei denen man zum Lenken das Gerät kippt. Wenn ich nur daran denke, eine große, hochauflösende Version von Harbor Master spielen zu können, wird mir ganz anders! Godfinger! Und stellt euch nur mal vor, was für grenzgeniale Echtzeit-Strategie-Spiele man vielleicht bald darauf spielen wird! Mmmmmomnomnom.

Spaß für alle (und Umsatz für Apple)

Wenn man sich irgendwann darüber fertig aufgeregt hat, dass es sich bei iPhone OS um eine geschlossene Plattform handelt — sind Xbox, PS3 usw. übrigens auch — ist es einfach durch und durch lecker:

Als Spieler freut man sich über die unzähligen im App Store erhältlichen Spiele. Von (überwiegend brauchbaren!) Portierungen bekannter AAA-Titel, über solide bis extrem supere Spiele von Indie-Entwicklern, bis hin zu verrückten, kleinen Gameplay-Experimenten ist alles dabei, was Spaß macht. (Von den ganzen Nicht-Spiele-Apps ganz zu schweigen. Alleine die vielen coolen Musik-Tools!)

Entwickler können aufgrund der wirklich sehr einfach zu nutzenden (und überdurchschnittlich gut dokumentierten) Programmierschnittstellen voll durchstarten; vieles, was sonst mit einem nicht zu unterschätzenden Arbeitsaufwand verbunden wäre, wird ihnen bereits abgenommen. So fügt das im Sommer erscheinende iPhone OS 4.0 dem bereits sehr beeindruckenden Featureset für Entwickler noch ein komplettes Matchmaking-Netzwerk namens GameCenter sowie eine Bibliothek an zum “Stromsparen” optimierten Standard-Algorithmen hinzu.

So, und jetzt zu euch. Wie steht ihr zu iPad und iPhone? Freut ihr euch auf alles, was da kommen mag, oder haltet ihr Apple für das neue personifizierte Böse? Spielt ihr gerne damit? Entwickelt ihr sogar dafür? Oder meidet ihr das ganze Zeugs wie eine Wurzelspitzenresektion und haltet mich für einen assimilierten Casual-Gaming-Loser? Ich bin mir sicher, die Meinungen hier werden ziemlich auseinander gehen. Discuss!

20 Kommentare Autor: Hendrik
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Die runden Ecken sind ganz nett.

Seit Anfang der Woche könnt Ihr das neue gamestar.de bestaunen. Was es alles neues gibt, führt Christian in diesem “Special Report” auf.

Dass wir hier alle keine Dauerbesucher auf gamestar.de sind, dürfte niemanden überraschen; aber zumindest auf technischer Ebene war sie in meinen Augen immer noch ein Positiv-Beispiel unter den deutschen Spielesites. Während die Entwickler-Teams fast aller anderen deutschsprachigen Spielemagazine immer noch auf die Amazon-Lieferung ihrer ersten CSS-Bücher zu warten schienen, bewegte sich gamestar.de in zumindest halbwegs modernen Gefilden. Dazu ein verhältnismäßig sauberes, beinahe erwachsenes Design, das sogar mit nervigen Flash-Popups nicht ansatzweise so nervig rüber kam wie die grauenvollen Tabellenorgien der Konkurrenz.

Aber das ist jetzt alles anders. Bei IDG muss man zielgerichtet überlegt haben, wie man die Site bewusst schlechter machen kann — anders kann ich mir das nicht erklären. Hier die meiner Meinung nach schlimmsten Verbrechen an Augen und Hirn des Besuchers:

Die neue Version der Site ist geradezu irrwitzig überladen. Dass man auf der Startseite von Bergen an Kästchen und Tabellen erschlagen wird, sollte man ja von (deutschen) Spielesites beinahe schon gewöhnt sein, und irgendwie passt es ja auch zu den Spielekomponentenanalyserechtecken im Heft. Richtig schlimm wird es aber auf Unterseiten, wo die aufgerufene Information nicht selten von so viel Kästchen und Tabellen bedrängt wird, dass man ihr am liebsten eine Tränengas-Dose zur Selbstverteidigung in die Hand drücken möchte.

Zu allem Überfluss präsentieren besagte Kästchen und Tabellen oft auch noch völlig irrelevante Informationen, wie z.B. die letzten Begriffe, nach denen von anderen Usern gesucht wurden (wow!), oder vollkommen zusammenhangslos präsentierte Tag Clouds (“Spiele Termin Ubisoft USK Verkauf Video”, yeah).

Und wenn ich etwas hasse, dann gut sichtbare Faulheit. Auf (deutschen) Spielesites macht sich das oft in Form vorzeitig abgehackter Teaser-Texte bemerkbar. Da stehen dann so Sachen wie “Jetzt neu: tolle Sc…”. Und vom User wird erwartet, dass er drauf klickt, um mehr zu erfahren. Ne, sowas geht auch intelligenter, Leute.

Ich könnte jetzt noch total viel über eine wirklich mies wirkende technische Umsetzung, bergeweise fehlerhafte Seiten, kaputte RSS-Feeds, Sicherheitslöcher, die sagenhaft schreckliche neue Navigation und noch so einiges andere lamentieren, aber das erspare ich euch. Lasst mich stattdessen ein wenig über die unfreiwillig komische “2.0ifizierung” der Site meckern. Denn… neben besagten Tag Clouds gibt es jetzt auch eine Blog-Funktion für die User. Oh mein Gott! Blogs!

Blogs!

Bei IDG muss jemand eines Tages also gesagt haben: “Scheiße! Da draußen ist gerade was ganz groß im Kommen!” — “Oh, was denn?” — “Diese ‘Weblogs’!” — “Stimmt, stand auch in der letzten Tomorrow!” — “Und beim DLD sagten sie ja auch, User Generated Content sei jetzt total angesagt!” — “Richtig!” — “Wir brauchen Blogs, Blogs, Blogs! Was gibt’s noch aus der Ecke?” — “…Tag Clouds?” — “Und Tag Clouds!”

Da ist also dieser Verlag, der eigentlich über die nötigen Ressourcen verfügen sollte, um etwas richtig wunderbar Cooles und Neues zu bauen. Seit Monaten (Jahren?) siechen ihm die Print-Leser davon, also überlegt er sehr, sehr ausgiebig, wie er sein Online-Angebot ausbauen und für die düstere Zukunft rüsten kann — möglicherweise hängt davon ja die Rettung des eigenen Hinterns ab — und das ist das beste, was den Jungs einfällt?

srsly.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mir durchaus bewusst ist (nicht zuletzt aus eigener Erfahrung), dass gerade Projekte dieser Größenordnung am Ende nicht immer so rauskommen, wie sie ursprünglich geplant waren. Wenn nur noch auf Basis vermutlich busgroßer Pflichtenhefte entwickelt wird, gehen hier und da schnell die feineren Punkte verloren. Ich bin mir (trotz des angenehmen Kribbelns in meinem Bauch, wenn ich es mir vorstelle) sicher, dass weder bei IDG noch bei den beteiligten Agenturen nbsp und Studio Balboa Leute sitzen, die das Medium Web einfach grundlegend missverstehen.

Was ist also passiert?

Update: bevor ihr mich beschimpft, lest bitte noch das hier. Danke!

40 Kommentare Autor: Hendrik
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Zahlenspiele

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Vor ein paar Tagen habe ich mich ja ausführlich darüber beschwert, dass wir zum Weihnachtsgeschäft mit Spielen nur so zugeworfen werden, während für einen Großteil des restlichen Jahres Flaute herrscht. Für uns Spieler bringt dieser Weihnachtswahnsinn eigentlich nur Nachteile. Ich habe mich zum Beispiel monatelang auf Mass Effect gefreut, aber jetzt wo es raus ist, habe ich es nicht gekauft. Zu wenig Geld, zu wenig Zeit und viel zu viele andere Spiele.

Klar, irgendwann habe ich wieder Geld, die anderen Spiele durchgespielt und dann werde ich mir Mass Effect trotzdem holen. Aber das gilt nicht für alle Spiele die ich im Moment links liegen lasse. Kane & Lynch zum Beispiel. Wäre das im März herausgekommen, hätten die Chancen auf einen Kauf nicht schlecht gestanden. Andererseits klingt es jetzt auch nicht so gut, dass ich nächsten März noch mal drüber nachdenken werde. Falls ich doch drüber nachdenken sollte, werde ich wahrscheinlich auf den Preis schauen und dann lieber warten bis es billiger geworden ist. Bis es dann nach einer halben Ewigkeit wirklich billig geworden ist, werde ich es komplett vergessen haben.

Wann ich mich also selbst als anekdotischen Beweis betrachte, macht es wenig Sinn so viele Spiele auf einmal auf den Markt zu werfen. Klar, der Gesamtabsatz ist zu Weihnachten natürlich größer als im Juli und von so einem großen Kuchen will natürlich jeder etwas abhaben. Trotzdem wundert es einen schon, wenn solide aber unspektakuläre Shooter wie Blacksite: Area 51 oder Timeshift in ein Becken voller Haifische wie Halo 3, Call of Duty 4 und der Orange Box geworfen werden. Wie viele Shooter kann ein Mensch gleichzeitig spielen?

Sind die Publisher einfach dumm? Oder lohnt es vielleicht doch? Ich war neugierig und habe mir mal ein paar Zahlen angeschaut. Wie hätten sich Blacksite: Area 51 und Timeshift wohl verkauft, wenn sie im Sommer auf den Markt gekommen wären?

Zuerst ein paar Annahmen. Ich betrachte im Folgenden nur die Verkaufszahlen aus den USA, falls nicht anders erwähnt. Das liegt primär daran, dass ich zu den USA präzise Verkaufszahlen habe und zu Europa nicht. In Japan sind viele der betrachteten Spiele zudem gar nicht erschienen. Außerdem betrachten wir nur die Zahlen für die Xbox 360 Versionen der Spiele. Zum einen ist die PS3 gerade mal ein Jahr auf dem Markt, was nicht unbedingt zu stabilen Zahlen führt und zum anderen erleichtert mir dieser Kniff die Rechnerei.

Betrachten wir als erstes die Zahlen von Blacksite und Timeshift. Blacksite ist erst seit einer Woche auf dem Markt und ist mit 65,544 verkauften Kopien auf Platz 19 der Charts eingestiegen. Nicht gerade ein riesiger Erfolg, wenn man bedenkt dass Call of Duty 4 in seiner zweiten Woche in etwa die vierfache Menge abgesetzt hat und dass im Vergleich zur ersten Woche schon ein deutlicher Rückgang ist.

Timeshift hat sich nicht wesentlich besser gemacht. Nach drei Wochen auf dem Markt sind 130.000 Stück abgesetzt worden, davon 78.195 in der ersten Woche. Das war immerhin noch für Platz 9 der Charts gut.

Im Vergleich zu über 750.000 verkauften Call of Dutys, knapp 500.000 Orange Boxen und lässigen 6 Millionen Halo 3s macht sich das jetzt nicht so richtig super, gerade wenn man bedenkt dass Timeshift ca. seit der Kreidezeit in Entwicklung war und somit nicht unbedingt das kleinste Budget gehabt haben dürfte.

Jetzt wissen wir, dass man bei Midway und Sierra den Champagner sicher im Kühlschrank gelassen hat. Kniffliger wird jetzt die Frage, ob man ihn im Sommer vielleicht hätte heraus holen können. Leider kann man die Spiele nicht mit sich selbst vergleichen. Wir brauchen also ähnliche Spiele, die außerhalb der Weihnachtszeit veröffentlicht wurden.

Um Vergleichbarkeit zu erreichen, bleiben wir im Shooter-Genre. Relevant könnte außerdem noch die Qualität der Spiele sein. Blacksite hat bei Metacritic 65 Punkte bekommen, während Timeshift immerhin 69 Punkt mit nach Hause nehmen durfte. Beide Spiele sind also für Shooter-Fans durchaus interessant, aber sicher keine hochgelobten Titel. Interessant wäre es zudem noch, die Marketingbudgets der Spiele zu vergleichen, aber leider habe ich dazu keine Zahlen. In dem Bereich könnte die Jahreszeit auch einen großen Einfluss haben. Ist es im Sommer vielleicht einfacher und billiger das Zielpublikum zu erreichen als im werbegesättigten Weihnachtsgeschäft? Gut möglich, aber auch hier fehlen mir die Zahlen. Wir müssen also leider erstmal von einem ähnlichen Budget ausgehen. Abschließend sollte man noch beachten, dass beide Titel nicht Teil eines existierenden Franchises sind und somit ohne eine eingebaute Zielgruppe kommen.

Bei einer kurzen Analyse der in diesem Jahr veröffentlichen Spiele, habe ich folgende Titel gefunden, die für einen Vergleich geeignet scheinen: The Darkness, Call of Juarez und Hour of Victory. Ein passender Titel aus dem letzten Jahr wäre Prey. Nimmt man noch ein Spiel aus einen etablierten Franchise dazu, so wäre auch Medal of Honor: Airborne ein denkbarer Kandidat.

Mit Ausnahme von Medal of Honor sind alle diese Titel im Juni oder Juli erschienen, was zeitlich eindeutig außerhalb des Weihnachtsgeschäftes liegt. Von den Metacritic-Wertungen liegen sie zwischen 82 (Darkness) und 38 (Hour of Victory). Am nächsten an unseren zwei Vergleichtstiteln liegt Call of Juarez mit 71 Punkten.

Ich will es nicht länger spannend machen und nehme gleich vorweg, dass keiner der Titel im Sommer eine nennenswert größere Anzahl von Kopien absetzen konnte. Am erfolgreichsten war noch The Darkness mit 118.000 Stück in der ersten Woche, eine Zahl die man in der folgenden Zeit knapp verdoppeln konnte. Weniger gut lief es für Call of Juarez, das in seiner ersten Woche gerade mal 45.000 Exemplare verkaufen konnte. Noch schlechter schnitt Hour of Victory ab. Das Spiel, welches wie Blacksite von Midway stammt, wurde von den Kritikern in der Luft zerrissen und hat bis heute gerade mal 60.000 Stück verkauft, davon jämmerliche 13.000 in der ersten Woche.

Letztes Jahr brachte es Prey in etwa auf die gleichen Zahlen wie unsere beiden Vergleichsspiele mit 72.000 verkauften Exemplaren in der ersten Woche. Dies gilt, obwohl es von den Kritikern deutlich wohlwollender empfangen wurde (79 Punkte auf Metacritic).

Ähnliches gilt für Medal of Honor: Airborne, dass nicht nur einen Metascore von 83 Punkten hatte, sondern auch Teil eines lange etablierten Franchises ist. Eine erste Woche mit 82.000 abgesetzten Spielen führte zu einer Gesamtverkaufszahl von knapp 270.000 Stück.

Der einzige Erfolg den man im Sommer verbuchen kann, sind höhere Chartpositionen. Der Kuchen ist einfach kleiner. The Darkness und Medal of Honor haben sich jeweils Platz 2 bzw. 3 der Charts erobern können und selbst Call of Juarez hat es noch knapp in die Top 10 geschafft. (Nur Superflop Hour of Victory musste sich mit Platz 36 begnügen.) Dummerweise kann man sich von einer tollen Chartspositionierung nichts kaufen, insofern sind solche Zahlen wenig aussagekräftig.

Zusammengefasst: Für uns Spieler mag es nervig sein, vor Weihnachten mit Spielen zugeworfen zu werden und im restlichen Jahr dann Dürrperioden ertragen zu müssen, aber für die Verkaufszahlen von „kleineren“ Spielen scheint es keinen großen Unterschied zu machen, wann sie veröffentlicht werden Der Weihnachtskuchen ist anscheinend groß genug, dass auch diese Spiele einen fairen Anteil abbekommen. Ob man sich bei Sierra oder Midway nicht vielleicht etwas mehr erhofft hat, sei mal dahingestellt.

Eine Veröffentlichung im Sommer hätte jedenfalls auch nicht mehr Erfolg versprochen.

53 Kommentare Autor: Richard
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Weihnachtswahnsinn

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Hallo, liebe Spieleveröffentlicher. Ich hätte mal eine Frage an euch:

Spinnt ihr eigentlich?

Obwohl, bevor ich mit den Beleidigungen fortfahre, sollte ich vielleicht erstmal ein kleines Lob loswerden. Ihr habt es dieses Jahr wirklich geschafft, eine ganze Menge verdammt guter Spiele auf den Markt zu bringen. Keine Ahnung wie ihr das gemacht habt (ich vermute, ihr habt einfach nicht richtig aufgepasst und sie sind irgendwie durchgerutscht), aber ich weiß das wirklich zu schätzen.

Was ich allerdings nicht zu schätzen weiß, ist eure Fähigkeit, jedes dieser guten Spiele mehr oder weniger gleichzeitig auf den Markt zu bringen. Schauen wir uns mal nächste Woche an. Am 22.11. kommt nicht nur Guitar Hero III heraus, sondern auch Ace Combat 6. Guitar Hero III alleine könnte mich videospielmäßig für mehrer Wochen beschäftigen, ohne dass ich auch nur an andere Spiele denken müsste.

Dabei habe ich Call of Duty 4 noch nicht durch! Das Bonusfeature von Portal (Episode 2) habe ich noch nicht mal angefangen zu spielen! PGR4 habe ich noch nicht fertig und ich gehe mal davon aus, dass ich am 22.11. gerade im zweiten Level von Assassin’s Creed stecken werde.

Aber das ist noch nicht alles. Am 23.11. kommt dann Mass Effect raus. Auch Mass Effect würde mich wahrscheinlich ganz alleine für diverse Wochen beschäftigt halten. Dabei bin ich doch erst im zweiten Kapitel von The Witcher! Mask of the Betrayer habe ich noch nicht mal richtig angefangen! Hilfe!

Das alles sind übrigens nur die Spiele die ich definitiv kaufen werde. Am 23.11. kommt noch mehr raus. Kane & Lynch zum Beispiel. Wäre es Frühjahr, würde mir das mit großem Interesse anschauen. Ist es aber nicht. Es ist Herbst. Also werde ich es liegen lassen. Genauso Blacksite. Wäre es Sommer, könnte es gut sein, dass ich Lust auf einen Shooter hätte. Es ist aber nicht. Also werde ich es liegen lassen. Mario Galaxy muss ja auch noch irgendwann gespielt werden.

Meine Güte, mir fällt gerade auf, dass ich Phantom Hourglass noch nicht mal gekauft habe, geschweige denn gespielt. Da werde ich selbst Raving Rabbids 2 ignorieren müssen, und das wo ich die Hasen das letzte Mal doch so mochte. Was ein Glück, dass ich die Crysis Demo doof fand.

Zum dumm, dass ich die Eternal Sonata Demo gut fand.

Man könnte sagen, ich bin im Moment etwas überlastet, was Spiele betrifft. Das gilt selbst, wenn man meine wöchentliche Dosis WoW nicht mit einrechnet.

Es gibt allerdings auch eine gute Nachrichten. Erstens, am 22.11. kommt World Series of Poker 2008 raus, ein Spiel das ich nicht mal geschenkt nehmen würde. Wenigstens ein Titel den ich mir komplett sparen kann.

Zweitens, sie haben Rock Band für uns Europäer auf nächstes Jahr verschoben. Zuerst war ich deswegen stinksauer. Inzwischen ist mir klar, dass sie mir (und meinem Kontostand) damit einen riesigen Gefallen getan haben.

Sobald der 1. Dezember da ist, hört die Spieleflut natürlich auch wieder auf. So als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Nicht nur kurzfristig, sondern mindestens für drei bis vier Monate.

Was mich wieder zu meiner ursprünglichen Frage führt: Spinnt ihr eigentlich?

Müssen wir wirklich jedes Jahr die ewig gleiche Verkaufzahlenminimierungsmasche durchziehen, wo solide Spiele wie Blacksite auf den Markt geworfen werden, nur um dann von Titeln wie Halo 3 und Call of Duty 4 zerfleischt zu werden? Wie viele Shooter kann sich ein Blag zu Weihnachten wünschen?

Okay, so ein Blag wünscht sich wahrscheinlich jeden Shooter zu Weihnachten.

Lieber Christkind,

isch will Halo 3 und Call of Duty 4 und Blacksite: Area 51 und Timeshift und Jericho. Und FEAR Files!

Ach ja, und Viva Pinata Party Animals.

Haha, verarscht. Viva Pinata ist doch voll schwul und voll für Kindah, ey.

Ich will lieba Soldier of Fortune: Pay Back.

Dein Kevin

Aber realistisch betrachtet dürften da ja nicht mehr als zwei Stück abfallen, außer Mama ist reich und unfähig die USK-Kennzeichnung zu lesen. („Ab 18? Kevin ist schon 140cm groß, das passt ja!“)

Also gibt es halt Halo und CoD. Der Rest? Wird nicht verkauft. Der wird übrigens auch während der spielefreien Todeszone am Anfang des Jahres nicht verkauft, denn Kevin hat einfach nicht genug Taschengeld um bei Saturn 69€ für Timeshift auf den Tisch zu legen. Der läd sich dann vielleicht noch die PC Version aus dem Internet, aber davon hat Vivendi jetzt nicht so viel.

Kurz gesagt, der Weihnachtsirrsinn verwirrt mich auch dieses Jahr wieder. Warum die Publisher jedes Jahr aufs neue ihre kleineren Titel den großen Weihnachtshammern zum Fraß vorwerfen, ist mir einfach nicht klar.

Kann mich da jemand aufklären?

120 Kommentare Autor: Richard
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Bye Bye Bioware

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Okay, das hat wohl nicht ganz geklappt. 2005 legte Elevation Partners 300 Millionen Dollar auf den Tisch und erwarb damit sowohl Bioware als auch Pandemic, zwei der wenigen größeren und unabhängigen Videospielstudios, die noch übrig geblieben waren.

Das damals mit enthusiastischen Pressemitteilungen voller Phrasenschweinkandidaten wie „partnership of equals“ und „a new way of doing business“ angekündigte Unterfangen, ist gerade spektakulär in Flammen aufgegangen.

Electronic Arts hat diese Woche die Kombination aus Bioware und Pandemic für ungefähr 860 Millionen Dollar gekauft.

Auch jetzt gibt es wieder Pressemitteilungen, die uns mitteilen wie „truly excited“ man bei Bioware ist, jetzt Studio Nr. 27 unter dem EA Games Label zu sein, aber machen wir uns nichts vor. Das Ganze ist ein Desaster und niemand hatte sich das Ergebnis so vorgestellt oder gar gewünscht.

Für Bioware und Pandemic stellt der Deal jedenfalls das exakte Gegenteil von dem dar, was man ursprünglich erreichen wollte. Im Angesicht massiv steigender Produktionskosten, wollte man sich mit starken Partnern zusammen tun, um die eigene Unabhängigkeit zu schützen. Mission: Fehlgeschlagen.

Elevation Partners Plan war es natürlich, schlichtweg eine Menge Kohle zu machen. Daher auch die Ankündigung eines IPO für Bioware/Pandemic. Damit hätte Elevation ordentlich Cash einstecken können, während Biodemic die Möglichkeit zur Finanzierung neuer Spiele bekommen hätte, ohne auf die freundliche „Hilfe“ diverser Publisher zurück greifen zu müssen.

Zum angekündigten Börsengang ist es mit dem Verkauf jetzt nicht gekommen. Anscheinend hat EP nach reiflicher Überlegung den Schluss gezogen, dass sich der IPO doch nicht gelohnt hätte. Der EA-Deal ist hier eindeutig als Notbremse zu sehen. Gut, der Verkaufspreis ist deutlich höher als die ursprüngliche Investition, aber EP hat ja nicht 100% von Panware besessen, insofern haben sie auch nicht 100% des Verkaufspreises eingesteckt. Insgesamt haben sie jedenfalls deutlich weniger Geld gemacht, als gewünscht.

Selbst EA hat nicht unbedingt das Geschäft des Jahrhunderts gemacht. Vergleicht man den Kaufpreis mit der Anzahl von sich in Entwicklung befindlichen Spielen, so hat man ca. 80 Millionen Dollar pro Spiel gezahlt. Kein Superschnäppchen.

Der einzige der richtig Kohle machen dürfte, ist John Riccitiello. Der war damals Chef bei Elevation Partners und ist jetzt, richtig geraten, Chef von Electronic Arts, dabei aber immer noch ein Investor bei EP. Geschätzter Profit: 5 Millionen. Nicht schlecht.

Uns Spieler trifft es natürlich am härtesten. Das Ende von Bioware ist das Ende einer Ära. Freut euch schon mal auf fette Hip-Hop Beats von EA Trax in Dragon Age.

72 Kommentare Autor: Richard
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Blowback

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Ich frage mich so langsam, ob nicht in näherer Zukunft der Zeipunkt kommt, an dem wir Videospielfans anfangen werden Nintendo nicht mehr zu mögen. Im Moment nehmen wir sie ja insgesamt noch sympathisch-japanisch wahr. Wii und DS sind irgendwie knuddelig und charmant und dazu noch schön günstig. Außerdem verkaufen sie sich wie geschnitten Brot und eröffnen den Videospielen eine ganz neue Zielgruppe.

Tatsächlich ist der Erfolg von Nintendo absolut überlebenswichtig für die ganze Branche. Machen wir uns nichts vor, ohne Nintendos “blue ocean” Strategie würden wir jetzt hier sitzen und uns fragen woher die große Videospielkrise von 2007 kam und was man dagegen machen kann.

Die 360 hat theoretisch alles was man für eine erfolgreiche Videospielkonsole braucht, war als erste auf dem Markt und hatte sehr lange überhaupt keine Konkurrenz. Trotzdem kann man die Verkaufszahlen auch mit viel Liebe nur als anämisch bezeichnen. Bei Sony sieht es quasi noch schlimmer aus. Die Verkaufszahlen der PS3 sind so gering, dass sie auch Messfehler sein könnten und selbst die aktuelle Preissenkungen wird nur dazu führen, dass Sony ein besserer letzter wird. Wohlgemerkt, ein besserer letzter, kein guter letzter.

Glücklicherweise hat Nintendo eine Lösung für die Krise gefunden, bevor sie überhaupt aufgetreten ist. Dafür sollten wir dankbar sein. Wir sollten auch dafür dankbar sein, dass ihr Hardware nicht auseinanderfällt, wenn man sie anschaut und dass sie sich nicht jedesmal blamieren, wenn sie den Mund aufmachen.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich der eine oder andere Videospieler so langsam etwas veräppelt vorkommt. Ein Dr. Kawashima oder zwei kann man ja verkraften, aber bei WiiFit hört es bei vielen auf. Ist das überhaupt noch ein Videospiel? Was ist, wenn das auch furchtbar erfolgreich wird? Was ist, wenn die meisten Leute eine Wii gar nicht mehr zum spielen kaufen, sondern als eine Art Wohnzimmercomputer für Fitness und was sich Nintendo sonst noch an Anwendungen ausdenkt, die sich auch mit rosa Brille nicht mehr so recht als Videospiel qualifizieren.

Es hilft dabei nicht, dass seit Anfang des Jahres kaum interessante Spiele für die Wii herausgekommen ist und man uns in Europa selbst diese Spiele noch verweigert.

Wie seht ihr das? Freut ihr euch noch über Nintendos Erfolg, oder fragt ihr euch langsam, ob uns dort nicht ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden ist und hier irgendwie das Spiel aus dem Videospiel entfernt wird?

Ich glaube es ist eher andersrum. WiiFit hat genug Videospiel-Anteile, dass hier eher demjenigen, der die Wii als Fitnessmaschine kauft ein trojanisches Pferd untergeschoben wird. Auf jeden Fall bleibt diese Videospielgeneration unglaublich spannend.

66 Kommentare Autor: Richard
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E3: Enorm Extrem Egal

Eine vollständige Analyse der neuen E3 folgt, wenn ich Ende der Woche wieder Zuhause bin. Hier aber eine kurze Zusammenfassung für alle Ungeduldigen: Die neue E3 ist komplett irrelevant. Es ist absolut nichts angekündigt worden, was irgendwie wichtig oder interessant gewesen wäre. Das Ding ist so bedeutungslos geworden, dass es von mir nicht mal ein Header-Bild bekommt. Einzige Ausname: WiiFit. Ich prognostiziere 6 Millionenen verkaufte Kopien über das erste Jahr.

Wir sehen uns am Wochenende.

51 Kommentare Autor: Richard
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Harry Potter und die Butterbrotdose der Verdammnis

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Erinnert ihr euch noch an die Grundschule? Oder genauer gesagt an He-Man? Wahrscheinlich nur, wenn ihr zur gleichen Zeit zur Grundschule gegangen seid, wie ich. Selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, hat He-Man ausreichend Spuren in der Popkultur hinterlassen, um euch vielleicht vage bekannt zu sein.

Wenn nicht: He-Man war eine dieser Kombinationen aus Zeichentrickserie und Spielzeug, mit denen Eltern bis heute ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen wird. Das Pokemon seiner Zeit eben. Nicht dass Pokemon noch der He-Man unserer Zeit wäre. Was ist jetzt eigentlich das Pokemon unserer Zeit? Ist Yu-Gi-Oh noch aktuell?

Egal. Worauf ich hinaus will ist folgendes: Butterbrotdosen.

Ihr hattet bestimmt auch eine. Sie war ein kleiner Plastikasten, in den Mama immer euere Butterbrote gepackt hat, die ihr dann auf dem Pausenhof weggeworfen habt. Wenn ihr zu den coolen Kids gehört habt, dann war der Kasten mit einem Logo oder Bild bedruckt. Solltet ihr zu meiner Grundschulzeit zu den coolen Kids gehört haben, war mit großer Wahrscheinlichkeit He-Man drauf.

Meine Eltern mussten glücklicherweise nie Geld für eine He-Man Brotdose ausgeben, weil ich He-Man schon damals als nicht ausreichend intellektuell anspruchsvoll für mich empfunden habe. Jawohl, ich war schon in der Grundschule ein unerträglich arroganter Besserwisser. Damals war ich wenigstens noch niedlich, was man heute nicht mehr behaupten kann.

Natürlich hatte ich auch damals schon meistens Recht. He-Man ist und bleibt außergewöhnlich stumpf. Ein Superheld, dessen größte Fähigkeit darin besteht, dass er…viele Muskeln hat. Wow, ich bin so beeindruckt. In der Realverfilmung wurde er von Dolph Lundgren gespielt. Das war perfektes Casting. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Nur weil ich He-Man nicht mochte, ändert das aber natürlich nichts am Prinzip. Die coolen Kids hatten He-Man Actionfiguren und Brotdosen. Und ich nicht. Damit bin ich bis heute eigentlich ganz zufrieden. Dennoch habe ich mir letzte Woche eine Brotdose gekauft. Mit Harry Potter drauf.

Hergestellt von einer Firma namens Electronic Arts. Für meine Xbox 360.

Jawohl, die Harry Potter Spiele sind nämlich gar keine Videospiele. Sie sind Butterbrotdosen. Reine Merchandising Artikel. Dinge die sich nicht verkaufen, weil sie intrinsischen Wert haben, sondern weil außen ein Harry Potter draufgedruckt ist.

Als solches ist es nahezu komplett sinnlos sie zu rezensieren. Wer sie kauft, der weiß was er bekommt und ist damit glücklich. Man kann natürlich mal kurz nachschauen, ob die Butterbrotdose nicht kaputt geht, wenn sie hinfällt, aber das war es dann auch schon.

Eine echte Rezension würde sich nur lohnen, wenn die Designer hingegangen wären und versucht hätten die Bücher als Videospiel zu adaptieren. Das haben sie aber nicht. Sie haben nicht mal versucht den Film als Videospiel zu adaptieren, obwohl ihr Spiel ja offiziell darauf basiert. (Was natürlich den enormen Vorteil hat, dass man keinerlei eigene Vorstellungskraft ins Spiel investieren muss, sondern einfach abschreiben kann.)

Wo wir gerade beim Abschreiben sind, muss ich kurz mal den AntiTipp der Woche losweren. Liebe Studenten, wenn ihr schon bei einer Klausur von euerem Nachbarn abschreibt, dann achtet doch bitte darauf, dass der auch die gleiche Version des Lösungszettels hat. Es ist schon etwas irritierend, wenn ihr es schafft jedes Kreuzchen exakt gleich zu machen wie eurer Nachbar, dabei aber nicht merkt, dass auf seinem Zettel ein ca. zwei Meter großes „A“ steht und auf eurem ein ca. zwei Meter großes „B“. Aber das nur am Rande.

Wie gesagt, so ein Harry Potter Videospiel ist nicht mal eine Adaption des Films, denn dann hätte man ja zumindest die Geschichte ins Spiel packen müssen. So viel Mühe macht man sich da aber nicht. Es gibt zwar die eine oder andere kurze Montage die einen daran erinnert, was im Film passiert ist, hat man diesen aber nicht gesehen, so ergeben die nicht mal einen Hauch von Sinn.

Insgesamt wirft das kein gutes Licht auf Electronic Arts und die ganze Videospielbranche. Man könnte auch sagen, dass die ganze Sache recht deutlich macht, wie die Hierarchie in der Unterhaltungsbranche aussieht. Kurz zusammengefasst:

Die Videospielbranche ist Hollywoods kleine Bitch.

Wenn Warner Brothers einen Harry Potter Film macht, dann gehören dazu auch wie selbstverständlich die Rechte zu Harry Potter Videospielen. Und wenn Electronic Arts für Warner Brothers ein Harry Potter Videospiel macht, dann bückt man sich brav und produziert pünktlich zum Filmstart eine hübsche keine Butterbrotdose und bedankt sich danach artig.

Geld kann man damit natürlich eine ganze Menge machen. Aber wieso gibt es keine kreativen Leute in der Branche die sich mal hinsetzen und überlegen wie man aus den Harry Potter Büchern ein vernünftiges Videospiel macht? Ein Spiel, das sowohl für sich selbst genommen gut ist und gleichzeitig die Essenz der Bücher einfängt? Ein Spiel das eine eigene Vision von Harry Potter und seiner Welt hat und nicht nur bei Chris Columbus und Kollegen abguckt?

Und wieso gehören zu den Filmrechten immer automatisch die Videospielrechte? Somit ist fast jeder Versuch die Bücher separat als Spiel umzusetzen, zum Scheitern verurteilt. Vivendi hat es trotzdem mal versucht und rein auf Basis der Bücher ein paar Herr der Ringe Spiele gemacht. Die meisten waren Mist, aber Inevitable Entertainments Version vom Hobbit war echt ein schnuckeligs kleines Zelda, das mit den offiziellen Filmspielen den Boden gewischt hat.

Gekauft hat es trotzdem keiner. Links davon im Regal waren halt Spiele von EA, die genauso aussahen wie der Film.

Nicht dass Electronic Arts schlechte Butterbrotdosen machen würde. Das neue Harry Potter Spiel lässt einen zum Beispiel Hogwarts frei erforschen. Klar, das hätte ich mir schon vor drei Spielen gewünscht, aber besser spät als nie. Wie gesagt, wer das Spiel kauft, der weiß was er bekommt und wird seinen Spaß damit haben.

Ich habe meinen Spaß damit. Wer es unbedingt wissen will: die Butterbrotdose bleibt heile, wenn man sie auf den Boden fallen lässt. Handwerklich durchaus Qualitätsarbeit.

Trotzdem. Es wird Zeit, dass die Videospielfirmen aufhören sich zu bücken, wenn Hollywood die Seife fallen lässt. Noch wichtiger: Es wird Zeit, dass sich die Autoren und Verlage Gedanken über Videospiele machen. J.K. Rowling hat angeblich Steven Spielberg als Regisseur für den ersten Harry Potter Film abgelehnt, die Videospielrechte aber einfach so mitverkauft. Das ist kurzsichtig. Eine gute gemachte Adaption hätte ein separates Event sein können, genauso wie der Film. Stattdessen musste es sich im Warner Brothers Shop irgendwo zwischen einem Zauberbuch aus Plüsch und Professor Dumbledores Quastenhut einreihen.

Nichts gegen Butterbrotdosen. Aber Herrschaften, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein darf es schon sein. Dann tut es auch nicht mehr so weh, wenn man sich hinsetzt.

27 Kommentare Autor: Richard
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Gamehunt 2

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Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

90 Kommentare Autor: Richard
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