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Der Talentierte Mr. Wells

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Ihr kennt H.G. Wells wahrscheinlich als Autor von Science Fiction Klassikern wie “The Invisible Man”, “War of the Worlds” und “The Time Machine”. Aber Wells war ein Mann vieler Talente. So hat er hat bei weitem nicht nur Science Fiction geschrieben, sondern verfasste unter anderem auch Satiren über die Werbebranche und sogar Sachbücher. Sein “The Outline of History” gilt als früher Klassiker der populären Wissenschaftsliteratur und wird heute noch gedruckt. Nebenbei war der Mann auch ein überzeugter Sozialist und talentierter Ehebrecher.

Für uns Videospieler ist aber viel interessanter, dass Wells auch ein Spieledesigner war. 1911 veröffentlichte er ein erstes Buch zu dem Thema, namens “Floor Games”. Das dünne Werk beginnt mit folgender Feststellung:

“The jolliest indoor games for boys and girls demand a floor, and the home that has no floor upon which games may be played falls so far short of happiness.”

Er befürwortet übrigens Linoleum oder Korkfußboden, und zumindest letzteres kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Neben seinen spezifischen Anforderungen an Bodenbeläge, beschreibt er in “Floor Games” hauptsächlich welche Art von Spielen er mit Spielzeugsoldaten auf eben so einem Fußboden zusammen mit seinen Söhnen gespielt hat. Das Buch ist überraschend amüsant zu lesen und von offensichtlichem Enthusiasmus geprägt, wer aber spezifische Regeln für ein bestimmtes Spiel sucht, wird enttäuscht werden.

Seinen Titel als “Father of Miniature Wargaming” hat sich H.G. Wells erst zwei Jahre später mit seinem zweiten Werk zum Thema verdient. Das Buch trägt den absolut wunderbaren Titel “Little Wars: a game for boys from twelve years of age to one hundred and fifty and for that more intelligent sort of girl who likes boys’ games and books” und enthält die vollständigen Regeln für ein Strategiespiel mit Miniaturen.

Natürlich hat Wells das Strategiespiel nicht erfunden. Schach ist schließlich auch nichts anderes als ein sehr abstraktes Kriegsspiel mit Miniaturen und es ist so alt, dass sein Ursprung schon lange in den Nebeln der Zeit verschwunden ist. Die Idee realistische Schlachten mit Miniaturen nachzustellen, ist da schon etwas moderner und ihr Entstehen lässt sich auf das Deutschland des späten 18ten Jahrhunderts eingrenzen. 1780 erschien in Braunschweig das erst formale Regelwerk für eine solche Kriegssimulation. Das Werk des Autors Johannes Christian Hellwig basiert auf den Schachregeln und gilt als wenig erfolgreich. Wie viele seiner Nachfolger war es übermäßig komplex und von vielen Regelwidersprüchen geplagt.

Größerer Erfolg war 1824 dem preußischen Leutnant Georg Heinrich Rudolf Johann von Reißwitz mit seinem Buch “Anleitung zur Darstellung militärischer Manöver mit dem Apparat des Kriegsspiel” beschert. Sein Spiel war eine Weiterentwicklung eines von seinem Vater erschaffenen Regelwerkes und zur Offizierfortbildung gedacht. Tatsächlich wurde es wenig später Pflicht in der militärischen Ausbildung jedes preußischen Offiziers. Sein Werk wurde unter dem Namen “Kriegsspiel“ international bekannt und dürfte auch das erste gewesen sein, für das es die heute so beliebten Regelerweiterungen gab, auch wenn diese damals eher dazu gedacht waren neuere Entwicklungen in der Kriegsführung abzubilden und weniger um dem Kunden mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Bedeutung des “Kriegsspiels” kann nicht unterschätzt werden, und Wells selbst fügte einer späteren Ausgabe seines “Little Wars” einen Anhang bei, in dem er darauf einging.

Auch wenn Wells somit nicht als Erfinder der Miniaturenspiele gelten kann, so war er doch wohl der erste, der Regeln veröffentlichte die einfach nur zur Unterhaltung gedacht waren. Hatte das Kriegsspiel einen eher simulationslastigen und ernsthaften Charakter, so war “Little Wars” etwas, das Wells entwickelte um mit seinen Söhnen Spaß zu haben.

Was an Wells’ Spiel erstaunt, ist wie nah es an modernen Spielen seiner Art ist. Wer Warhammer oder Battletech gespielt hat, wird überrascht sein wie viele Parallelen man beim Lesen des Buches entdeckt. So gibt es z.B. eine Zugs- und eine Angriffsphase, eine Art Punktesystem um ungleiche aber gleichwertige Armeen zu bauen und wie jede gute Anleitung bietet “Little Wars” ein Beispielszenario namens “The Battle of Hook’s Farm” sowie optionale Regelerweiterungen.

Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass “Little Wars” so gut wie keinen Wert auf das Würfelglück legt. Wer bei Wells’ Spiel also seine Sammlung bunter Oktaeder, Dodekaeder oder Ikosaeder einsetzen will, der dürfte enttäuscht werden. Andererseits gibt es im Moment eine starke Tendenz zu würfellosen Spielen, wie z.B. bei der “Clix”-Reihe von Wizkids Games. Insofern kann man dem talentierten Mr. Wells auch in diesem Bereich eine große Voraussicht unterstellen.

Wenn ihr also das nächste mal ein Videospiel mit hanebüchenem Zeitreiseplot spielt, dann gedenkt nicht nur Wells’ Beitrag zur Literatur des 20ten Jahrhunderts, sondern auch seinen Leistungen als Spieledesigner.

Sowohl “Floor Games” als auch “Little Wars” sind übrigens umsonst als E-Text (1, 2) über das Project Gutenberg zu haben, aber auch eine gedruckte Form ist verfügbar. Viel Spaß beim Spielen!

17 Kommentare Autor: Richard
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Gurgelgurgel!

Vor kurzem habe ich hier Arkham Horror vorgestellt, das erste Brettspiel was mir wirklich Spaß gemacht hat. Damals bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich es mochte weil es eine Art Computerspiel auf Pappe war.

Jetzt kommt von der selben Firma (wenn auch nicht zwangsläufig vom selben Designer) ein Spiel, dass wortwörtlich ein Computerspiel auf Pappe ist. Nämlich das World of Warcraft Brettspiel.

Da es 80 Dollar kostet, werde ich in näherer Zukunft sicher nicht in Genuss einer Partie kommen, aber ich bin definitiv interessiert. Auf den ersten Blick wirkt es recht ähnlich wie Arkham. Großes, buntes Spielfeld mit einer Karte von Azeroth, massenweise Tokens, Counters und Kartenstapel. Auf jeden Fall stimmen die Produktionswerte. Und das Artwork mussten sie ja nur von Blizzard übernehmen und es ist automatisch perfekt.

Und das allerbeste: Es kommt mit einer Murloc Miniatur!

Gurgelgurgelgurgelgurgelgurgelgurgelgurgel!

7 Kommentare Autor: Richard
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Bretter, die die Welt bedeuten

Arkham Horror Spielbrett

Brettspiele finde ich eigentlich total doof. Aber gestern habe ich mal wieder eins gespielt und mußte dabei zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich extrem viel Spaß hatte. Das Spiel heißt Arkham Horror und zuerst dachte ich, ich fände es so gut weil es ein Cthulhu Spiel ist und Lovecraft rockt. Aber das kann es eigentlich nicht sein, denn schließlich stinken die meisten Lovecraft Adaptionen schlimmer als ein Deep One.

Nach einer Weile scharfen Nachdenkens wurde mir der Grund allerdings schlagartig klar. Arkham Horror ist ein Computerspiel, dass sich nur als Brettspiel tarnt!

Beweise gefällig? Kein Problem. Man spielt Charaktere mit Inventar, Zaubersprüchen und Skills. Man kann das Spiel prima alleine spielen, kann es aber nicht gegeneinander spielen. Meine Güte, dass Spiel hat einen Endgegner! Außerdem sieht es ziemlich cool aus, und hat somit quasi tolle Grafik.

Okay, okay. Technisch gesehen ist es eher ein klassiches Rollenspiel das sich als Brettspiel verkleidet als ein verkapptes Computerspiel. Aber das ändert nichts daran, dass es ziemlich cool ist.

Und deshalb werde ich nach dem großen Erfolg meiner Dinosaurier-Aktion, bei der ich ein Spiel mit Dinosauriern verlangt hatte und schon nach wenigen Stunden eins bekam, erneut eine dreiste Forderung an die Spieleindustrie stellen.

Liebe Spieleinustrie: Ich will eine PC-Umsetzung von Arkham Horror. Sofort! (Dann wäre ich auch bereit euch zu vergeben, dass ihr mit Dark Corners of the Earth nicht zu Potte kommt.)

In diesem Sinne: Iä! Iä! Cthulhu Fthagn!

Autor: Richard
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