
Das letzte Mal als ich einen Fußballmanager gespielt habe, war das der Bundesliga Manager Professional von Software 2000. Am Namen der Firma kann man schon ganz gut erkennen, dass ich damals noch ein gutes Stück jünger gewesen sein muss. Ich war dann aber doch etwas geschockt, als eine kleine Überprüfung bei Mobygames ergeben hat, dass dieses Spiel doch tatsächlich schon erstaunliche 15 Jahre auf dem Buckel hat. Spätestens der BMW auf dem Cover hat das Spiel dann eindeutig datiert.
Also dringend Zeit sich mal wieder so ein Spiel anzuschauen, zumal Ascaron uns gerade mit einer Demo zu Anstoss 2007 beglückt hat. Zunächst mal muss ich aber ein Zeitspiel pfeifen. Nach Download und Installation macht sich die Demo nämlich daran, diverse Minuten lang irgendwelche Prozentbalken anzuzeigen. Gähn. Keine Ahnung was da abgeht, aber ich schätze er muss wohl nachzählen, ob nach alle Daten da sind, oder so.
Okay, auf geht’s! Na ja, nicht wirklich. Erstmal darf man sich durch ein halbes dutzend Menüs wühlen, in denen man diverse Einstellungen für sein Spiel vornehmen muss. Name und Geburtsdatum kriege ich ja noch hin, aber spätestens bei der Abfrage meiner Lieblingstaktik wird es für mich schwierig. Als Fußballlaie habe ich nämlich absolut keine Ahnung was kryptische Zahlen- und Strichkombinationen wie 4-4-2 oder 1-2-3 überhaupt bedeuten, geschweige denn was da die richtige Wahl ist.
Die nächste Enttäuschung folgt gleich auf dem Fuße. Bei der Auswahl der Mannschaft darf man nämlich keine richtigen Teams wählen, sondern bloß Städte. Wer Schalke sucht, der wird nur Gelsenkirchen finden und von wegen “blau und weiß wie lieb ich dich”, das Logo der Mannschaft ist weiß-grün. Grün? Jungs, ich habe ja null Ahnung von Fußball, aber da stimmt was nicht.
Okay, auf geht’s! Na ja, nicht wirklich. Der Weg zum ersten Spiel ist lang und steinig. Budgetverhandlungen, Marketingverhandlungen, diese Statistik, jene Statistik, spannende Wahlen zum Mannschaftsrat und jede Menge andere Dinge, die ein BWLer mit Fußballfieber wahrscheinlich total aufregend findet, mich dann aber doch eher anöden.
Zwischenzeitlich versucht sich das Spiel übrigens mit Humor. Und zwar Humor der ganz besonders deutschen Gattung. Das äußert sich unter anderem in einem Nacktposter an der Wand des Managerbüros, das Stöhngeräusche von sich gibt, wenn man mit der Maus drüber fährt. Egal, ist wahrscheinlich zielgruppengerecht (die Sport Bild ist ein Sponsor) und man kann ja die Finger vom Poster lassen. Schlimmer sind schon die Sprachsamples, die man zum Beispiel bei den Budgetverhandlungen ertragen muss. Lehnt man zum Beispiel die Angebote des Vorstandes ab, dann lässt ein Sprecher (der so klingt als hätten sie einen der Programmierer vors Mikro gezerrt) irgendwelche Sprüche über seine Ex-Frau los, die wohl total witzig sein sollen, bei mir aber nur zu akutem Fremdschämen geführt haben.
Nach dem man dann endlich aus den Menüs fürs Training schlau geworden ist, klickt man auf “Go!” und … nichts geht. Zumindest nicht für diverse Wochen, denn genauso lang ist das erste Spiel noch weg. Also immer wieder auf Go! klicken, jeden Tag ein halbes Dutzend Transferangebote für seine Starspieler ablehnen, dämliche Zufallsereignisse ignorieren und dann endlich (endlich!) beginnt das erste Spiel.
Tja, und das wird doch tatsächlich komplett als Text dargestellt, mit einer Dramatik die einfach nicht zu unterbieten ist. Hallo Ascaron, das soll Anstoss 2007 sein, nicht Anstoss 1987. Kann man so was heutzutage noch ernst meinen? Ich verlange ja keine edle 3D Darstellung oder so, ist halt eine Wirtschaftssimulation. Aber ein bisschen mehr als eine öde Textwüste, dürfte es dann schon sein.
Ach ja, ich habe gewonnen. 3:0 gegen Hamburg. Gefreut habe ich mich nicht.
Ich schätze bis zum nächsten Ausprobieren eines Fußballmanagers dürften noch mal 15 Jahre vergehen.