Einmal bücken bitte

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Gute Nachrichten! Rock Band kommt am 23. Mai nach Europa. Zunächst zwar nur als 360 Exklusivtitel, aber als Besitzer von zwei Plastikgitarren für die Xbox ist mir das persönlich egal. Das ist aber nicht die einzige gute Nachricht! Wir kriegen hier in Europa sofort das vollständige Programm des amerikanischen Onlineshop. Das sind satte 70 Songs zum Download. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass sie uns die Hälfte der Songs verwehren und den Rest scheibchenweise verteilen. Prima.

Selbst der Preis ist gar nicht so schlecht. Da hatte ich ja auch das schlimmste befürchtet. Stattdessen gibt es nur die übliche Abzocke mit einer 1-zu-1 Umsetzung des Dollarpreises in Euro. Damit kriegen wir das Spiel für 169€.

Moment.

Kriegen wir nicht.

169€ ist zwar der Preis, aber das sind die Kosten für die Instrumente ohne Spiel. Jawohl, ohne Spiel. Für das Spiel gibt es noch mal spontan die unverbindliche Preisempfehlung von 69€. Für alle die so geschockt sind, dass sie nicht mehr richtig Kopfrechnen können: Das sind mal lässig 240 Eier für ein Videospiel.

Um das noch mal zusammen zu fassen: Der komplette Satz Instrumente inklusive Spiel kostet in den USA 169 Dollar. Das sind beim aktuellen Dollarkurs umgerechnet 107€. In Europa zahlen wir für den gleichen Spaß 240€. Ich würde sagen: Das ist das Doppelte! Ist es aber nicht. Es ist mehr als das Doppelte!

240€!

Für den Preis habe ich mir mal ein Auto gekauft. Ein AUTO! Das war ziemlich gut, und habe noch vier Räder inklusive Reifen dazu bekommen. Und einen lila Plastikdelfin, der am Rückspiegel hing!

Ich habe mit viel Spannung auf die europäische Version von Rock Band gewartet, aber für den Preis könnt die mir mal den Buckel runter rutschen. Selbst wenn ich aus Geld gemacht wäre, würde ich mir das Spiel nicht kaufen. Die Leute würden einen ja auf der Straße auslachen, wenn sie erfahren wie sehr man abgezockt wurde.

Ganz ehrlich, Electronic Arts, ich hatte mich so auf Rock Band gefreut, dass ich selbst bereit gewesen wäre, meine schlimmsten Preisbefürchtungen zu zahlen. Dummerweise habt ihr es aber geschafft meine schlimmsten Preisbefürchtungen noch mal ordentlich zu überbieten.

Ich glaube ich zahle weniger Geld, wenn ich das komplette Rock Band Set in den USA bestelle, ordentlich Porto zahle, dann noch die fetten Zollgebühren schlucke (die es übrigens ab Dezember nicht mehr gibt, hurra!), dann das Region 1 Spiel IN DEN MÜLL schmeiße, nur die Instrumente behalte und mir das europäische Spiel hier im Laden kaufe.

Kurz gesagt: FAIL.

BONUSABZOCKE: Die Songs sind hier wohl auch teurer als da drüben!

Land Unter

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Stellt euch vor, es war ein langer, anstrengender Tag. Ihr habt nach langem Kurven endlich einen Parkplatz in der Nähe eurer Wohnung gefunden, hängt euch die Laptoptasche um und trottet nach Hause. Jetzt noch eine Dusche, ein paar Runden Forza 2 und dann ab ins Bett. Morgen ist Sonntag, da könnt ihr ausschlafen und abspannen.

Als ihr ins Haus geht, wundert ihr euch, wieso die Haustür offen und blockiert ist. Am Fahrstuhl wundert ihr euch dann, wieso der Fußboden so nass ist. Na ja, egal, ihr seid müde und wollt nur nach Hause.

Im fünften Stock angekommen, seht ihr einen Zettel in eurer Tür klemmen. Irgendeine Nachricht vom Nachbarn, vielleicht?

Baden-Württemberg, Polizeipräsidium Mannheim

Uh oh. Egal was auf dem Zettel steht, das kann nichts Gutes mehr werden.

Betrifft: „Polizeilich geöffnete Wohnung“

Wie BITTE?

Am 23.07.07 um 20.30 Uhr wurde Ihre Wohnung polizeilich geöffnet. Der Grund hierfür war: [x] Wasserrohrbruch

Ach du Scheiße. Visionen einer komplett durchnässten Wohnung schwirren durch mein Hirn. Mein Computer! Mein Projektor! Ist der Mamorfußboden ruiniert?

Ich zücke die Schlüssel und versuche die Tür zu öffnen. Anscheinend bin ich wohl noch nervöser als ich mich fühle. Irgendwie kriege ich den Schlüssel nicht ins Schloss.

Moment mal. Der passt nicht ins Schloss.

Ich zücke noch mal den Zettel.

Die Tür wurde durch einen Schlüsseldienst die Feuerwehr verschlossen. Die Schlüssel Schlüssel können sie sich bei dem Polizeirevier Mannheim-Innenstadt abholen.

Ach, das war schön, zur Polizei zu laufen und sich unterwegs in bunten Farben auszumalen, wie verwüstet die Wohnung ist. Noch schöner dort zu erfahren, dass sie die Tür erst nicht aufgekriegt haben und deshalb einen Leiterwagen(!) gerufen haben, dann mein Badezimmerfenster eingeschlagen(!) haben und so in die Wohnung gekommen sind.

Sehr schön auch, dass sie quasi jede Person die ich kenne angerufen haben. Freunde, Kollegen, Verwandte in diversen Städten, etc. Nur mich selber haben sie nicht erreicht. Was auch daran liegen könnte, dass mein neues Handy erst gestern gekommen ist. Als ich schon weg war.

Nicht dass es etwas gebracht hätte, mich zu erreichen. Ich war zu dem Zeitpunkt ein gutes Stück weg, auf der Autobahn. Und meine Kollegin, die für solche Fälle einen Ersatzschlüssel hat, ist dieses Wochenende im Schwarzwald gewesen. Alles optimal koordiniert, quasi.

Aber am Ende ist es alles nicht so schlimm:

Den Spielekonsolen ist nichts passiert.

P(Gallenblase) = 0,02

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Quests in MMOGs sind so eine Sache. So richtig spannende und involvierte Aufgaben zu entwickeln, ist nahezu unmöglich, da man sich die Welt ja mit den anderen Spielern teilen muss und auch nicht verändern darf. Also kriegen wir immer wieder Mission der Marke “Jage 10 Wölfe und komm dann zurück” aufs Auge gedrückt.

Eigentlich gibt es ja nur zwei wichtige Arten von Quests, solche in denen man Monster erschlagen muss und solche in denen man Gegenstände aufsammeln soll. Der Übergang ist da natürlich fließend. Die meisten Aufsammeln-Missionen sind auch Plattmach-Missionen, denn die zu sammelnden Gegenstände werden von Monstern bewacht. Dann gibt es noch die Plattmach-Missionen die gleichzeitig Aufsammel-Missionen sind, was dann der Fall ist, wenn den Monstern nach dem Plattmachen entsprechende Gegenstände aus der Tasche purzeln.

Manchmal werden solche Missionen noch etwas anderes gerahmt, aber das ist auch nur Augenwischerei. Wenn man zum Beispiel seinen Ruf bei einer bestimmten Fraktion verbessern soll, dann macht man das halt mit, genau, Monterplattmachen oder Gegenständeaufsammeln.

Zusätzlich gibt es noch die Kuriermissionen, bei denen man einem bestimmten NPC eine Nachricht oder einen Gegenstand überbringen soll. Dabei handelt es sich aber entweder um einen Rahmen für eine Monsterplattmachquest, weil der NPC von Gegnern umringt ist, oder es einfach ein Trick um den Spieler an einen bestimmten Ort zu bringen, weil es dort weiter geht.

Grundsätzlich habe ich damit auch kein Problem. Das Kerngameplay der meisten MMOGs ist halt der Kampf. Da ist es offensichtlich, dass man in den typischen Quests irgendwie mit Bären oder Tentakeltieren aus der Tiefe ringt. Es gibt aber eine ganz bestimmte Art von Quest, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

Die verdammten Quests in denen per Zufall bestimmt wird, ob das gerade umgenietete Monster einen der zurzeit benötigte Questgegenstände dabei hatte.

Meine Güte, was soll der Scheiß?

Wir kennen das doch alle. Der Vize-König von Fantasyhausen hat uns freundlich aber bestimmt gebeten, ihm doch dabei zu helfen die riesige Nase seiner hässliche Tochter zu verhübschen. Dazu braucht er einen Zaubertrank, für den ihm allerdings eine gewisse Zutat fehlt. 10 Einheiten einer bestimmten Zutat, um genau zu sein. Diese Zutat wird aus den Gallenblasen des Gemeinen Klauenviechs gewonnen, welches glücklicherweise gerade die Bauern westlich von Fantasyhausen terrorisiert. Also zieht man los um den Bauern zu helfen die Nase der Prinzessin kleiner zu machen. Das Gemeine Klauenviech gibt es vor Ort wirklich massenweise und sehr schnell hat man durch wiederholtes Drücken des Icons für den Zauberspruch “Verknote Innereien” das erste Klauenviech erlegt. Schnipp-schnapp, schnell die Gallennblase entfernt, einer erledigt, noch neun auf der Liste.

Flott verknotet man die Innereien eines weiteren GKVs und schnipp-schnapp… Moment mal! Keine Gallenblase. Auch nicht bei Viech drei, vier oder fünf. Damit nimmt das Drama seinen Lauf. Was nach einer kurzen Quests aussah, entwickelt sich zügig zu einem vierstündigen Genozidfeldzug gegen das Gemeine Klauenviech, immer auf der verzweifelten Suche nach den seltenen und wertvollen Gallenblasen.

Die Bauern freut es, der Spieler verzweifelt.

Liebe Spieledesigner, warum in aller Welt gibt es diese Quests? Wollt ihr uns ärgern, oder was soll das? Es gibt übrigens wirklich keinen Grund für diese Quests, denn sie sind nur eine leichte Variation der klassischen “Bring x Monster um und komm dann zurück”-Mission. Betrachten wir das mal genauer.

Jeder Questgegenstand (in unserem Fall die Gallenblase) hat eine bestimmte Droprate. Das ist die Wahrscheinlichkeit mit der ein entsprechendes Monster dem Spieler beim Sterben den gewünschten Gegenstand überreicht (in userem Fall 2%). Mit P(Gallenblase) = 0,02 muss der durchschnittliche Spieler also 500 Gemeine Klauenviecher erlegen, bis er die Quest erledigt hat. Mit anderen Worten, die Quest ersetzt eigentlich nur eine traditionelle “Kille 500 GKVs und komme dann zurück”-Quest.

Mit einem entscheidenden Unterschied: Durch das Zufallselement gibt es Extremfälle. Man kann davon ausgehen, dass die durchschnittliche Anzahl von erlegten GKVs pro erledigter Quest normalverteilt ist. Das bedeutet, dass die meisten Spieler in etwa 500 GKVs erschlagen, bis sie die 10 Gallenblasen zusammen haben. Wie oben erwähnt, entspricht diese Quest also für fast alle Spieler einer normalen “Töte 500 Monster Quest”. Pech haben aber die Leute, die am rechten Rand der Verteilung liegen. Die können nämlich auch schon mal 2000 Monster erlegen und trotzdem erst sieben Gallenblasen gefunden haben. Das frustet.

Ein Spieldesigner muss solche Extremfälle also als Nachteil in Kauf nehmen, aber kriegt man dafür auch einen Vorteil? Nein, zumindest keiner der mir einfällt. Was wichtige Kennzahlen angeht wie “aufgesammeltes Gold” oder “Zeit die ein Spieler in der Region verbringt” betrifft, arbeitet der Designer sowieso mit statistischen Werten. Es macht für ihn also keinen Unterschied, ob er dem Spieler direkt sagt er möge bitte x Monster plätten, oder ob er das Ganze in einer Zufallsquest verpackt.

Der Spieler hat auch keinen Vorteil. Die meisten Leute bringen halt ungefähr 500 Monster um. Selbst die Spieler die am linken Rand der Verteilung liegen und nur 100 GKVs jagen müssen, merken gar nichts von ihrem Glück, schließlich sieht es für sie einfach so aus, als hätte die Gallenblase eine Droprate von 10%. Schlimmer noch, was Loot und Erfahrungspunkte betrifft, hinken sie dem durchschnittlichen Spieler jetzt hinterher.

Also, liebe Designer, welcher Teufel reitet euch, wenn ihr diese Quests einbaut? Kann mir das jemand erklären?

Aus alt mach HD

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Erinnert sich noch jemand an Dragon’s Lair? So wie ich unsere Leser kenne lautet die Antwort wahrscheinlich zu 90% “aber klar”. Genauer gesagt hätte ich fragen sollen ob sich noch jemand daran erinnert, wie entsetzlich schlecht Dragon’s Lair war. Das Ergebnis wäre aber wohl ähnlich ausgefallen. Für die beiden Jungspunde im Publikum: Dragon’s Lair, ebenso wie die direkt Fortsetzung und das Weltraum-Abenteuer Space Ace, waren frühe Versuche im Genre der interaktiven Filme. Von Laserdisc wurde ein Trickfilm abgespult, und der Spieler drückte im richtigen Moment die richtige Taste, um nicht schon wieder einen grässlichen Tod zu sterben.

Das lief dann in etwa so ab: Dirk the Daring steht in einem Gang. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Zweiter Versuch: Dirk the Daring steht in einem Gang. Der Spieler drückt nach links. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Versuche drei bis fünf: Der Spieler probiert alle möglichen Richtungen aus und findet durch Zufall die richtige. In einer kurzen Filmsequenz hüpft Dirk über die Grube. Sofort erscheint die nächste Todesfalle und der “Spass” geht von vorne los. Ausserdem gab es da noch extrem primitive Minispiele, die zumindest auf dem C64 ziemlich frustrierend ausfielen.

Der einzige, und ich meine der wirklich einzige Grund, weswegen die Leute damals vor dem Automaten Schlange standen, war die absolut bombastische Grafik. Kein Wunder, das Spiel wurde ja schliesslich komplett von einem Riesendatenträger abgespult. Daher wundert es etwas, dass Digital Leisure für diese “completely arcade authentic HD version” auf dem PC nicht nur unverschämte $50 verlangen, sondern das Spiel Machwerk und seine Ableger demnächst auch noch auf der PS3 veröffentlichen wollen. Ich gehe davon aus, dass sich Don Bluth und seine Spiessgesellen im Audiokommentar wortreich für Dragon’s Lair entschuldigen.

Re: Mangel an neuen Beiträgen

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Wahrscheinlich hat sich noch niemand hier gefragt, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Der Grund ist folgender: im Moment geht mir alles rund ums Thema Videospiele so richtig auf den Sack. Ich bin jetzt schon lange genug dabei -nicht bei Antigames natürlich, sondern bei meinem Hobby- um zu wissen, dass diese Apathie/Lethargie immer phasenweise auftritt und nie von langer Dauer ist. Dennoch, im Moment würde ich die gesamte Industrie und alle, die sich ihr verbunden fühlen, am liebsten mal wieder in ein Fass mit rostigen Nägeln stecken und im Meer versenken. Alles, was vor kurzem noch im grünen Bereich war, erscheint mir heute irgendwie grau (oder doch eher beige? Oder braun?)

Für sämtliche Konsolenhersteller und ihre süss-saure Galle spuckenden Apologeten habe ich nur Verachtung übrig. Für die Kackspaten von Sony, weil die PS3 zwar Krebs heilen, aber nicht mal vernünftig alte Spiele emulieren kann. Zumindest hier in Europa, weil, wir kriegen hier schliesslich immer eine Extrawurst gebraten. Für die Binnenseepiraten von Microsoft, weil sie es tatsächlich geschafft haben, Geld in Punkte zu verwandeln und kumulative Hiscores zu einem salonfähigen Diskussionsbeitrag zu machen (”Hey, ich habe 62050 Punkte!” “Echt? Wodrin?” “Pacman, Winter Games und The Lurking Horror.”). Und für die Macrocneminaden von Nintendo, weil sie existieren! “Spiele? Wozu? Wir sind Nintendo, ihr Hunde!” Wisst ihr was, ihr könnt euch eure albernen Konsolen fürs Erste einmal dahin stecken, wo Bartel den Most holt.

Ebenso in den Verbannungscontainer gehört diese geifernde Brut, deren einzige Lebensaufgabe es zu seien scheint, wildfremden Leuten ihre Freizeitbeschäftigung madig zu machen. Und damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen (Gott mit dir, du Land der Bayern!), sondern ebenso diese bizarre Subspezies an Videospielern, die ihr vertrocknetes schwarzes Herz bei jeder sich bietenden Gelegenheit im gesamten Internet ausschütten müssen. Es ist mir sowas von scheissegal, dass Beliebte Serie X, Teil 5 jetzt auch auf der 360 erscheint. Wenn überhaupt, dann ist das ein Grund zum Feiern und kein Anlass zur Selbstbebauchpinselung, ihr blöden Labialspakaken. Denkt immer dran, sobald der INTERNATIONALE KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN TERRORISMUS™ ein Datennetzidentifikationspflichtgesetz hervorgebracht hat (nur noch eine Frage der Zeit), werde ich den Mob anführen, der euer Haus niederbrennt.

Ein donnerndes Pfuibuh geht bei dieser Gelegenheit auch an die “”Fachpresse”" (ein Satz Anführungszeichen hätte hier nicht mehr genügt), die sich auf der Suche nach Neuigkeiten in immer bizarreren Belanglosigkeiten ergeht. Wenn heutzutage irgendwo auf dieser Welt irgendein Mitarbeiter irgendeines Spiele-assoziierten Unternehmens in die Nähe eines Mikrophons oder einer Tastatur gelassen wird und irgendetwas sagt, dann wird daraus ganz schnell eine Nachrichtenmeldung epischen Ausmasses (Hallo Boris). Ebenso geht mir die heuchlerische Scheinheiligkeit der Presseheinis furchtbar auf die Nerven. Ist ja toll, dass immer mehr und immer verschiedenere Menschen Videospiele mögen, und dass nur wenige Prozent der hierzulande erscheinenden Spiele vor den strengen Augen der Tugendwächter in Ungnade fallen. Warum ist die Berichterstattung dann aber immer noch so dominiert von männlichen Männerspielen wie Halo, Gears of War und God of War? Wenn die umjubelten, millionenschweren Spitzenprodukte der Industrie zum Grossteil immer noch solche Spiele sind, in denen man andere Spielfiguren vom Leben zum Tode befördert, dann ist das beschämend für uns als Spieler und Wasser auf die Mühlen unserer Kritiker.

So, und deshalb habe ich schon länger nichts mehr geschrieben.

Der Ehrliche ist wie üblich der Dumme

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Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal kurz Sonys Downloadservice für PS1-Spiele erwähnt. Damals verkündete ein britisches Playstation-Magazin, dass geneigte PSP-Besitzer in diesem Jahr ein wahres Füllhorn an alten Spielen angeboten bekommen würden, darunter zahlreiche von vielen geliebte Klassiker. Nun, wie es jetzt aussieht, war meine Skepsis berechtigt. Statt das anämische PSP-Portfolio mit einem Schlag um dutzende Triple-A Titel zu erweitern, verkommt das Angebot zu einer zynischen Abzocke, die Xbox Live Arcade und Nintendos Virtual Console im direkten Vergleich richtig gut aussehen lässt. Zunächst mal muss sich jeder, der PS1-Spiele auf seiner PSP laufen lassen will, eine PS3 zulegen. Denn nur damit lassen sich im Moment Sachen aus dem Onlineladen kaufen. Klar, laut Sony soll man das später auch direkt mit dem PC oder der PSP erledigen können, aber derzeit ist das Retroreservoir noch ein verdammt exklusiver Club. Besonders in Europa, denn mangels 600€ teurer Zusatzhardware hierzulande kann ich mir natürlich auch noch kein 10€ PS1-Spiel auf den Memory Stick ziehen. Nicht dass ich das ob dieser Mondpreise machen würde, aber ich habe bisher ja noch nicht mal eine Wahl.

Apropos Wahl. Selbst wenn ich mein Geld selber drucken würde und die Oberen bei Sony mir endlich erlauben würden, ihre Spiele zu kaufen, ja selbst dann würde mir das bisherige Angebot nur ein müdes Stirnrunzeln entlocken. Wer zum Teufel ist bloss auf die Idee gekommen, Tekken 2 und Hot Shots Golf in das anfängliche Aufgebot zu packen? Von beiden Serien gibt es schon ein ganze Zeit lang bessere Versionen auf der PSP, so dass wohl nur Leute mit akuter Geldnot auf die schwächeren PS1-Teile zurückgreifen würden. Aber Leute mit akuter Geldnot würden sich wohl kaum eine PSP und eine PS3 kaufen. Argh, der Schwachsinn bereitet mir körperliche Schmerzen! Den Rest des Lineups habe ich schon wieder vergessen, war aber dezent unspektakulär.

Und jetzt der Clou an der Sache. Die bösen bösen Softwarebastler sind natürlich schon wieder drei Schritte weiter. Während treudoofe Idioten wie ich brav die leeren Versprechungen der Hersteller schlucken und auf bessere Zeiten warten, haben findige Tüftler ihr Handheld schon längst in eine tragbare Playstation verwandelt, so wie es anfangs auch offiziell angedacht war. Mit Hilfe einer modifizierten Firmware und einem Blanko-Emulator (beides nicht wirklich koscher) steht den Retrofreuden selbst mit einer heimischen PSP nichts mehr im Weg. Noch besser, mit entsprechenden Tools ist es inzwischen möglich, beliebige PS1-Spiele von CD zu rippen und auf seinem Handheld abzuspielen, und das sogar in komprimierter Form, für mehr Spiel pro Karte. Als ehrlicher Kunde stehe ich also mit nett gemeinten Zusagen, aber doch eher leeren Händen da, während clevere Spieler bereits daheim und unterwegs Symphony of the Night zocken, und dass ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Daher mein dringender Appell an Sony: Leute, die Katze ist aus dem Sack! Wer entsprechendes Know-how besitzt, kann schon jetzt für lau PS1-Spiele auf seine PSP schaufeln, und das ohne PS3! Also vergesst den ganzen DRM-Scheiss -dafür ist es jetzt zu spät-, einigt euch pronto mit den Lizenzinhabern und bietet mir möglichst viele alte Spiele zum Kauf an - und zwar im Doppeltempo. Als jahrelanger treuer Kunde fühle ich mich gelinde gesagt veräppelt. Es macht mir überhaupt nichts aus, für den Bonus der Mobilität selbst Geld für Spiele hinzublättern, die schon längst als Original bei mir im Regal stehen; aber ihr müsst sie mir auch anbieten! Nicht so olle Kamellen wie Tekken 2, sondern eine solide Auswahl aus allen Genres. Sonst kaufe ich mir doch noch eine zweite PSP, nur zum modden. Und dann seht ihr von mir keinen Euro mehr.

Die Qual der Wahl

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Mist. Im Moment habe ich ein halbes Dutzend Spiele angefangen und keins reizt mich so recht dazu, es weiter zu spielen. Das ist schlecht. Denn ich will ja was spielen. Und ich habe massenweise Spiele. Es gibt nur quasi bei jedem angefangenen Spiel einen triftigen Grund es gerade nicht zu spielen. Frust! Hier ist die Liste der Spiele mit dem jeweiligen Grund. Helft mir mal aus der Bredouille, und sagt mir was ich endlich durchspielen soll.

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Star-Allüren

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Gestern habe ich das neue Zelda durchgespielt. Ein hervorragendes Adventure, keine Frage. Aber eines wurde mir ständig wieder vor Augen geführt: Nintendo erlaubt sich Unverschämtheiten, die man kaum einem anderen Publisher durchgehen lassen würde. Das geht schon damit los, dass man als Gamecube-Besitzer mit einer kastrierten Version vorlieb nehmen muss. 16:9? Fehlanzeige. Dafür ist die Y-Achse beim Zielen invertiert, und es gibt keine Möglichkeit, dies zu korrigieren. Warum man auf diese Sparversion sogar noch eine Woche länger warten musste als auf die Wii-Fassung, ist wohl nur mit Marketinggründen zu erklären.

Aber auch als Besitzer von Nintendos neuer Wunderkonsole ist man nicht viel besser dran, denn die gröbsten Designschnitzer sind plattformunabhängig. Allein schon die Tatsache, dass man jedesmal beim Laden des Spielstandes einen Bildschirm zur Einstellung des Bildes präsentiert bekommt, macht mich ein wenig stutzig. Hallo? Spiele ich etwa ständig an den Settings meines Fernsehers rum? Ausserdem ist Zelda ja im Gegensatz zu anderen Spielen nun nicht gerade finster oder kontrastarm. Ein vermeidbares Ärgernis also, dass sich aber im Vergleich zu den gröberen Schnitzern wie eine Lappalie ausnimmt.

Im übertragenen Sinne ist The Legend of Zelda nämlich eine alternde Diva, die zwar immer noch ein Millionenpublikum verzaubern kann, aber doch schon deutliche Alterserscheinungen zeigt. Am deutlichsten zeigt sich das wie ich finde in der vollkommenen Entwertung von Geheimnissen. Früher, in den Anfangstagen der Serie, waren Rupien noch wertvoll. Man konnte damit Dinge kaufen, die einem das Heldenleben deutlich einfacher gemacht haben, mehr Pfeile etwa oder einen Heiltrank. Eine Truhe mit 20 Rupien zu finden war daher ein echtes Erlebnis, das durch das bekannte Kisten-Öffne-Jingle zusätzlich ein echtes “Gut gemacht!” Gefühl rüberbrachte. Und heute? Heute ist das Geldraffen zum reinen Selbstzweck verkommen, denn eine Herausforderung ist die Serie schon lange nicht mehr. Wozu sollte man noch Munition oder Bomben kaufen, wenn die aus jedem zweiten Gegner rausfallen und garantiert vor jedem Rätsel mit entfernten Zielen/Felsen/Fackeln ein Eimer mit Pfeilen/Bomben/Lampenöl rumsteht? Geradezu albern scheint es daher, dass Rupien in Twilight Princess ebenso selten sind wie Sand am Meer. In den Brieftaschen getöteter Feinde, im hohen Gras, unter Steinen, in der Erde, auf Bäumen, im Wasser, in Felsen - überall wimmelt es vor Edelsteinen. Es ist daher fast schon blanker Hohn, dass die Geldbörse des Helden zu Anfang gerade einmal 300 Rupien fasst, und auch im weiteren Verlauf des Spiels nicht viel weiter anschwillt. Schau her, scheint das Spiel zu sagen, all dieses wertvolle Geschmeide, und du Depp kannst es nicht mitnehmen.

Seinen Gipfel findet dieser inflationäre Umgang mit Geld in den Schatzkisten. Gerade bin ich mit Eisenstiefeln und Krallenhand eine schlüpfrige Rampe hochgeklettert, und musste mich unterwegs auch noch mit allerlei Getier anlegen. Zweimal bin ich komplett runtergerauscht, und erklimme nun mit grimmiger Miene und diversen Flüchen auf den Lippen erneut die Rutschbahn. Aber jetzt stehe ich an der Spitze, und hinter diesem Wasserfall wartet meine wohlverdiente Belohnung. “50 Rupien! Aber dein Beutel ist ja schon voll. Du ARSCH!” Das Problem ist, auf solche Beleidigungen reagiere ich wie eine Ratte im Versuchslabor. Wenn ich auf einen Knopf drücke und dafür eine gewatscht bekomme, dann werde ich das in Zukunft lassen. Nur leider lässt einen Zelda nicht so leicht davonkommen. Das gleiche Rätsel, für das man an der einen Stelle einen Sack voll Edelsteinen (also nichts) bekommt, könnte an einem anderen Ort einen Schlüssel als Belohnung bereithalten. Wie der letzte Volldepp löst man also eine Knobelei nach der nächsten, denn es könnte ja zum Weiterkommen wichtig sein. Es mag ja durchaus Spieler geben, die Rätseln um des Rätselns Willen, aber mir ist die klassische Aufwand-Belohnung-Struktur definitiv lieber.

Darüber hinaus halten einen die Entwickler für geistig zurückgeblieben. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man die Funktion elementarster Dinge ständig wieder erklärt bekommt. Leute, ich habe über die Jahre schon hunderte von Bomben hochgehen lassen, ich weiss inzwischen wie das geht. Und die gelben Rupien sind zehn Rupien wert, das ist mir bekannt. Man kann es mit dem Händchen halten wirklich auch übertreiben, zumal sich an der grundlegenden Spielmechanik seit Jahren nichts gravierendes geändert hat.

Bei all dem Gemaule sollte man eines allerdings nicht vergessen: es macht trotzdem Spass, denn das Dungeondesign ist wie immer hervorragend. Schade nur, dass das trotzdem mit jedem neuen Zelda immer grösser wird.

Das hat nicht lange gedauert

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Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.

Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.

Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.

Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?

Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?

Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.

Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.

Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.

Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”

Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.

Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.

Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.

Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.

Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.

Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (”tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.

Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.

Oder auch nicht.

Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:

Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?

Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

Sackgasse

Tja, nun ist es wohl soweit: nachdem mein Windows-PC und ich eine Beziehungspause eingelegt haben, fragt sich nun auch Chris von nebenan, ob sich der Kauf seines neuen Spiele-PCs wirklich gelohnt hat, und sogar die Gamestar stellt in Frage, ob das alles noch einen Sinn hat. Die Technik, die man heute bekommt, rockt — wie immer; aber noch nie war es so schwierig, einen echten Grund für ein Spiele-PC-Komplettupgrade zu finden. Mal abgesehen davon werden immer weniger Titel exklusiv für den PC veröffentlicht. Erleben wir die letzten Tage des PCs als Spieleplattform?

Seien wir mal ehrlich, so nett sich Anno 1701 auf einer Monstermaschine in allen Details auch spielen würde, eigentlich braucht man das nicht wirklich. Und das ist nur eines der Spiele, die ich mir — in einem Versuch, die frostige Beziehung zu meinem PC wieder etwas aufzutauen — in den letzten Wochen zugelegt habe, die nicht mehr so richtig flott laufen, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür geben sollte. Zum Beispiel Sid Meier’s Railroads, das zwar knuddelig aussieht, aber auch nicht gerade ein solch spektakuläres Grafikfeuerwerk bietet, welches die eher durchwachsene Performance rechtfertigen würde. Gunnar hat völlig Recht: gerade bei solchen vermeintlich auf den Massenmarkt ausgerichteten Titeln wundert einen das schon etwas.

Ich bin schon eine ganze Weile am Überlegen, ob ich mir nun einen neuen PC zum Spielen gönnen sollte oder nicht. Vor kurzem traf ich tatsächlich den Entschluss, demnächst einen zu kaufen. Einen ordentlich ausgestatteten Monster-PC, der auch ein paar Jahre “halten” würde. Aber Artikel wie die beiden oben verlinkten holen mich dann wieder auf den harten Boden der Windows-Realität zurück. Letztendlich wären die Spiele doch nur flüssiger, aber nicht besser. Was mir wieder einen Großteil der Kaufmotivation nimmt. Hmpf. Oder Juchuh?

Ich frage daher einfach mal die Antination. Vielleicht übersehe ich etwas? Was wäre für euch ein Grund, in den nächsten Monaten einen neuen Spiele-PC zu kaufen? Wenn überhaupt?

Hartes Schicksal

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Gestern folgendes in der Spieleabteilung beim Saturn in Mannheim überhört:

Mann, ich suche was mit Zweiter Weltkrieg aber es gibt ja einfach nichts!!

Wir sind alle verloren.

PSP Demobakel

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Es gibt so Tage (oder besser Wochen), da hat man einfach nicht so viel Bock auf Videospiele. Angeschlagene Gesundheit, haufenweise Arbeit, Terminstress und nicht zuletzt das Gears of War Post-Hype Gekeife haben mich in letzter Zeit etwas von meinem Lieblingshobby abgebracht. Klar, für eine schnelle Runde God Hand oder einen erneuten Speed Run von Resident Evil 4, diesmal nur mit Infinite Launcher und Pistole ist immer Zeit; aber dass ich seit einer Woche Final Fantasy XII nicht mehr angefasst habe, ist laut Bibel eigentlich ein sicheres Zeichen für den baldigen Weltuntergang.

In solchen Momenten gibt es an und für sich nichts besseres als ein Demo oder zwei, um einfach mal wieder den Spielekompass zu norden. Schliesslich gibt einem so eine Demo die Möglichkeit zu einem Blick über den Tellerrand, und begeistert mich im besten Fall für völlig neue Spielekonzepte, die ich sonst nichtmal mit der Kneifzange angepackt hätte. Daher bin ich nach langer Zeit mal wieder bei YourPSP vorbeigesurft um zu schauen, was es auf Sonys offizieller PSP-Seite so Neues gibt. Und bevor ihr fragt, mein Computer ist zu alt für alle in den vergangenen Jahren erschienenen Demos, wie ich neulich bei DMoM&MOMGWTF mal wieder schmerzlich feststellen musste. PSP-Demos müssen es also sein. Aber was soll ich sagen, eine so lahmarschige Seite wie YourPSP findet man im weltweiten Netz zum Glück nur selten. Seit meinem letzten Besuch sind sage und schreibe drei neue Demos hinzugekommen. Damit erhöht sich die Zahl von Spielen, von denen es eine Probeversion gibt, auf drei. Eine der Neuerscheinungen ist nämlich noch eine Demo von Loco Roco. Aber sei’s drum, der eigentliche Grund, weswegen ich dies schreibe, ist Ridge Racers 2.

Meine erste und einzige Erfahrung mit Ridge Racer habe ich damals mit dem allerersten Teil auf der Playstation gesammelt. Einzige deshalb, weil ich Checkpoint-Racer noch nie sonderlich mochte, und weil eine Kollision mit einem Konkurrenten den eigenen Karren fast bis zum Stillstand abgebremst hat. Aber ich dachte mir eben, nach so langer Zeit könnte ich der Serie eigentlich mal wieder eine Chance geben. Also die Firmware auf den neusten Stand gebracht (was auch ein ziemlicher Akt war), die 10 MB grosse Demo gezogen und losgedüst. Fahrphysik aus der Hölle! Na gut, sich bei Ridge Racer über einen Mangel an Realismus zu beschweren ist ungefähr so müssig als wenn man Unreal Tournament eine wirklichkeitsferne Darstellung von Feuergefechten ankreidet. Aber wenn der eigene Bolide ein ähnliches Kurvenverhalten wie die Murmel aus Marble Madness aufweist, dann landet der Spielspass in Sekundenschnelle im Strassengraben. Um es etwas überspitzt auszudrücken, 90% der Zeit befindet sich der Wagen in einer ausgedehnten Seitwärtsbewegung. Und weil dafür null Talent erforderlich ist, habe ich die Demo gleich beim ersten Versuch geschafft. Motivation, eine bessere Rundenzeit herauszuschliddern: null. Wahrscheinlichkeit, dass ich mir das Spiel zulege: ebenfalls null. Zumal die Demo ohne Musik und Kommentator kommt, weil das ja noch einen halben MB mehr Platz gebraucht hätte. Uuuh, schlimm.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, YourPSP ist gruseliger als das Schreckenskabinett von Dr. Phibes, die Ridge Racers 2 Demo ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und meine Stimmung, insbesondere was Videospiele angeht, ist auf einem Rekordtief. Was ein Glück, dass das genau die richtige Einstellung für einen echten Antigamer ist.

ESC-ESC-ESC-ESC!!

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Man kann ja über Prey sagen was man will - ich zum Beispiel sage, es ist totaler Mist - aber eins macht es richtig. Wenn man es startet, landet man direkt im Hauptmenü. Wenn man andere Spiele startet, muss man erstmal ca. 50 Renderlogos ertragen und dann wahrscheinlich noch zwei bis drei Renderintros abbrechen, bevor man auch nur daran denken darf, mit dem Spielen anzufangen.

Geht euch das auch auf den Keks? Jedes mal wenn man ein Spiel startet, muss man erstmal dabei zuschauen, wie sich diverse Firmen selbst beweihräuchern. Da ist das Logo des Publishers, das Logo des Entwicklers, das Logo des Studios, welches das Spiel auf die Plattform eurer Wahl portiert hat, dann das Logo des Entwicklers vom Multiplayer-Teil, das Logo vom Hersteller des Videocodecs, das Logo von Herstellers der Grafikengine, des Soundsystems, vielleicht noch ein kleines THX Logo, das ewig nervige ENN-Fiddi-AHHHH! Logo, dass mich dazu gebracht hat auf ATI umzusteigen und am Schluss noch das Logo vom Pizzaservice, bei dem die Entwickler immer bestellt haben.

Renderlogo, Renderlogo, Renderlogo, ARGH!

Wie nervig das ist, ist mir gestern Abend wieder aufgefallen. Da musste ich nämlich ständig Dark Messiah neu starten, denn eine Runde mit dem Spiel ist ein ausgedehnter Besuch in Absturzhausen. Jeder neu geladene Level führt bei mir grundsätzlich zu einem Absturz. Grundsätzlich. Und weil das Spiel auf der Source-Engine basiert, gibt es natürlich alle zwei Minuten einen neuer Level und somit auch einen neuen Absturz. Da kommt Freude auf.

Man kann dann das Spiel neu starten, sein Glück noch mal versuchen und beim vierten oder fünften Versuch lädt er dann vielleicht den Level oder spielt die Zwischensequenz ab. Wobei es immer schlecht ist, wenn er eine Zwischensequenz abspielt, denn danach kommt ja direkt wieder ein neuer Ladevorgang uuuuund Rumms! Zu schade, dass man nicht während der Zwischensequenz speichern kann.

Wenn man das Spiel dann an einem Abend ca. 20 Mal gestartet hat, lernt man flott, ganz schnell hintereinander Escape zu drücken, um die ganzen Logos und Intros abzubrechen, mit denen man beim Spielstart genervt wird. Meine Güte. Als müsste man bei den ewig langen Ladezeiten nicht sowieso schon genug warten, bis Dark Messiah wieder auswürfelt, ob es abstürzen möchte, oder nicht.

Ich bin der Meinung ein Entwicklungsstudio darf ab sofort nur noch dann ein Renderlogo haben, wenn es schon mindestens drei Spiele entwickelt hat, ohne dabei pleite gegangen oder von Take 2 gekauft worden zu sein. Ich meine, normalerweise lohnt sich das Logo doch gar nicht. Welches mit viel Enthusiasmus gegründete Studio überlebt denn heute noch das erste Spiel?

Die Geschichte ist doch immer die gleiche. Studio wird gegründet, Studio entwickelt erstes Spiel, Spiel verkauft sich unter Erwartungen, Studio wird von Electronic Arts gekauft, in EA Bottrop-Kirchhellen umbenannt, darf dann 12 Monate lang irgendwelchen Lizenzdreck entwickeln, bevor es eingestampft und den Angestellten angeboten wird, sie könnten ihre Jobs gerne behalten, wenn sie bereit sind innerhalb von 24 Stunden nach Alaska zu ziehen und bei EA Kotzebue an Catwoman 2 zu arbeiten. Fürs halbe Gehalt natürlich. Und auch nur, wenn man sich angemessen dankbar zeigt und die nächsten drei Jahre lang 80-Stunden-Wochen schiebt.

Ganz geschickt stellt sich bei der Renderlogo-Thematik übrigens Sid Meier’s Railroads an. Wenn man da am Anfang mehrfach hintereinander Escape drückt, dann bricht das Spiel nicht nur die Renderlogos ab, sondern schmeißt einen auch gleich auf den Desktop zurück.

Die Nachricht ist klar: “Du wirst dir unsere Renderlogos anschauen. Und du wirst sie mögen, Bitch!”

Ich hasse euch alle

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Ihr habt mich schon richtig verstanden. Warum kauft keine Sau von euch Paraworld? 15.000 Stück? Platz 18 in den Charts, runter von Platz 16? Das könnt ihr doch nicht ernst meinen?

Hallo, das Spiel hat DINOSAURIER! Und zwar massenweise und überall. In der eigenen Armee, in der Armee des Gegners, als Nahrungsquelle, als Nahrungssenke, in groß, in klein, zu Wasser, zu Lande und in der Luft, fleischfressend, pflanzenfressend, ausgewachsen und als Baby, mit Rüstung, ohne Rüstung, mit Lasten, Reitern und Kanonen auf dem Rücken und in jeder denkbaren Farbe. Überall Dinosaurier!

Außerdem sind die Produktionswerte toll. Das Spiel sieht zum Beispiel super aus. So richtig super. Noch ein gutes Stück besser, als ich nach der Demo dachte. Und die Musik ist phantastisch. Hier wird nicht versucht mit einem Orchester zu vertuschen, dass man das mit dem Komponieren noch ein bisschen üben muss (Hallo Gothic 3!), sondern da haben sie echt jemanden gefragt, der sich mit so was auskennt. Generell ist die Atmosphäre des Spiels großartig. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, einfach nur über die Karte zu scrollen und die wunderbare Welt aufzusaugen. Einfach toll gemacht.

Man kriegt auch richtig was für sein Geld. Es gibt ganze 16 Missionen, die allesamt nicht nur sehr umfangreich, sondern auch sehr abwechslungsreich gestaltet sind. Es gibt keine Ecke auf den riesengroßen Karten, die nicht liebevoll von Hand gestaltet worden ist. Überhaupt steckt ganz offensichtlich eine große Menge Herzblut in dem Spiel. Der fühlbare Enthusiasmus der Entwickler ist extrem ansteckend. Man kann nach einer Weile eigentlich gar nicht mehr anders, als Paraworld ins Herz zu schließen. Außerdem ist es wirklich poliert. Da gibt es nirgendwo raue Ecken und Kanten und mir ist im ganzen Spiel kein Bug aufgefallen. Da können gewisse Damen und Herren mit einem Fisch im Firmennamen noch einiges von lernen.

Haken gibt es eigentlich kaum welche. Das Spiel ist amateurhaft geschrieben, okay. Aber was soll’s. Es ist Pulp. Das muss keinen Sinn machen. Die miesen Dialoge ignoriert man halt. Was nicht heißt, dass sie da nächstes Mal nicht jemanden fragen sollten, der sich mit so was auskennt, aber es macht das Spiel jetzt nicht wirklich kaputt. Außerdem ist es am Ende des Tages halt ein stinkgewöhnliches RTS. Wer das Genre überhaupt nicht mag, dem verzeihe ich somit vielleicht einen Nichtkauf des Spiels. Aber nur dem! Der Rest von euch hat sich gefälligst in den Kommentaren zu rechtfertigen.

Also, Paraworld sieht toll aus, klingt toll, spielt sich prima, ist super atmosphärisch und verdammt viel Spiel fürs Geld, warum kauft keine Sau das Ding? An den Spielzeitschrift-Wertungen kann es nicht liegen. Die sind alle ziemlich prima. Am Spiel selber liegt es offensichtlich auch nicht. Siehe oben.

Meiner Meinung nach gibt es für die schwachen Verkaufszahlen zwei Gründe.

Grund 1: Ihr seid alle doof. Nein, wirklich. Ich hasse euch. Ihr habt doofe Ohren und riecht schlecht. Sonst würdet ihr nicht so was wie das hier schreiben. Mal jenseits solcher frustgetriebener Allgemeinbeleidigungen ist es leider wirklich so, dass Paraworld halt Pulp ist und keiner Pulp haben will. Sei es Crimson Skies oder Sky Captain, solche Sachen floppen immer. Das ist nahezu garantiert. Bitter, aber wahr.

Grund 2: Bei Sunflowers sind alle doof. Irgendein verkaufsstrategisches Genie hat es doch tatsächlich geschafft, Paraworld in etwa zum gleichen Zeitpunkt rauszubringen wie Company of Heroes. Wer auf die Idee gekommen ist, ein deutsches Dinosaurier-RTS parallel zum WW2-RTS des 2-Tonnen-RTS-Gorillas Relic auf den Markt zu bringen, gehört dringend aus dem Genpool entfernt. Was hilft eine 87% Wertung, wenn direkt daneben im Regal ein Spiel gleichen Genres mit einem 91%-Sticker steht, noch dazu von einem respektierten Entwickler und mit einem bewiesenermaßen verkaufsförderndem Szenario?

Es ist zum Haareraufen.

Deshalb der offizielle Aufruf an die Antination: Kauft euch gefälligst Paraworld, ihr Säcke! Sofort. Ich will nämlich Teil 2.

Blick zurück im Frust

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In einem Anfall von Wahnsinn habe ich gestern nochmal Gothic 2 inklusive Erweiterung installiert. Der aktuelle Teil würde meinen Rechner sowieso zum schmelzen bringen, und irgendwie konnte ich mich noch düster daran erinnern, dass ich das Spiel eh nicht besonders mochte. Aber ich will ja einem so hoch gelobten Spiel nicht Unrecht tun und habe ihm deshalb noch eine zweite Chance gegeben. Nachdem ich mir telefonisch die Bestätigung habe geben lassen, dass “nicht besonders mochte” noch sehr freundlich ausgedrückt war, habe ich dann also die komplette Gold-Edition auf die Platte geschaufelt. Kleiner Tipp für potentielle Käufer: installiert wird nicht von “Installations-CD” 1 oder 2, sondern der “Spiel-CD”. Und wenn man dann nach Installations-CD #2 gefragt wird, muss man natürlich Nummer 1 einlegen. Is klar.

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Game Design 2.0

Als ich mich vor kurzem auf der Games Convention 2006 über die neuesten Errungenschaften im Bereich der interaktiven elektronischen Unterhaltung informieren wollte, fiel mir vor allem auf, dass es kaum welche gab. Keine große Überraschung eigentlich; dass kaum noch Titel auf den Markt kommen, bei denen es sich nicht um den fünfmilliardsten Aufguss ein und der selben Spielidee handelt, ist ja nicht nur bei uns Antigamern ein beliebtes Diskussionsthema.

Es ist eine bizarre Situation: noch nie war die Divergenz zwischen der Technik, auf der unsere Spiele heute laufen, und dem, was die Spiele damit anstellen, so groß wie heute. Während immerhin Nintendo mit dem Wii etwas Neues zu probieren versucht, scheinen sich Microsoft und Sony parallel zu CPU- und GPU-Herstellern primär auf die Steigerung der Grafikpower zu konzentrieren. Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass die meisten Spieleentwickler gar nicht mehr mit der Produktion entsprechend aufwändiger Grafikpracht hinterher kommen. Die Branche freut sich erstmal, weil sie auf der Packungsrückseite damit werben kann, dass der linke Nippel des Protagonisten mehr Polygone hat als ein kompletter Quake-Level; und wundert sich dann, dass das Spiel trotzdem kaum jemanden interessiert.

Eine ganz andere Branche hat in den letzten Jahren bezüglich dieses Wettrüstens eine wichtige Lektion gelernt. Eine Branche, die sich nur eine klitzekleine Schnittmenge mit der Spieleindustrie teilt; die Branche, die sich vor 6 Jahren mutig New Economy nannte, dann spektakulär scheiterte, und inzwischen wieder ordentlich Aufwind verspürt. Richtig, es geht ums World Wide Web mit all seinen schönen, nützlichen, brauchbaren, spaßigen und gerne auch mal komplett sinnfreien Angeboten.

Dort hat man nämlich nach dem Crash vor ein paar Jahren vor allem eines gelernt: dass weniger manchmal mehr ist. Und dass großer Erfolg auch mit etwas erreicht werden kann, das technisch gar nicht so schwierig umzusetzen ist: mit Vernetzung und sozialer Interaktion. Online-Foto-Alben gab es auch schon vor Flickr, aber erst Flickr hatte den “sozialen” Dreh raus. Flickr, um mal bei dem Beispiel zu bleiben, kann nämlich auch Spaß machen, ohne dass man selber auch nur ein einziges Foto hochlädt; immerhin gibt es da sehr viele coole Fotos von anderen Leuten zu sehen, die man kommentieren und sogar direkt bekritzeln kann. Jetzt könnte man meinen, Spiele und Websites seien ja nun wirklich zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, entwickelt von komplett unterschiedlichen Leuten. Denkste! Vor dem großen Erfolg und der Übernahme durch Yahoo arbeiteten die Flickr-Erfinder nämlich an einem etwas schrulligen web-basierten Multiplayerspiel names Game Neverending. Ihre Perspektive auf das Thema Game Design wird sicherlich eine Rolle bei der Entwicklung von Flickr gespielt haben, zeichnet sich letzteres doch durch einige sehr — im wahrsten Sinne des Wortes — spielerische Mechanismen aus, die auch von Angeboten wie del.icio.us und digg.com aufgegriffen wurden. Man kann die beiden letztgenannten Angebote zum bloßen Speichern der eigenen Bookmarks benutzen. Aber man kann sie auch wie ein Spiel spielen, indem man versucht, die beliebtesten Bookmarks einzustellen oder die meisten Diggs zu sammeln.

Innerhalb dieser “Web 2.0″-Branche glaubt man inzwischen fest an die überraschende Wirksamkeit der Verknüpfung von Anwendung und Spiel; den Kern einer Anwendung durch Hinzufügen einer sozialen Ebene so zu erweitern, dass sie gleichzeitig nützlich ist und Spaß macht, bildet die Basis für viele erfolgreiches Neugründungen.

Eine Erkenntnis, die der Spielebranche komplett egal zu sein scheint. Wenn irgendwo über Vernetzung und soziale Interaktion geredet wird, geht es fast ausschließlich um Systeme wie Xbox Live, die lediglich eine Auswertungsebene, vielleicht ein Matchmakingsystem, aber niemals eine feste Gameplaykomponente darstellen. Die Kernanwendung — das eigentliche Spiel — bleibt unberührt. In The Movies kann man seine selbstgedrehten Filmchen zwar auf die Website zum Spiel hochladen, aber auch die ist ansonsten komplett losgelöst vom eigentlichen Spiel (und nur in Internet Explorer für Windows voll funktionsfähig, seufz). Will Wrights heiß erwartetes Spore soll sich immerhin die Daten zu den verschiedenen Spezies, die das Universum des Spielers bevölkern, über einen zentralen Server von anderen Spielern abholen — das ist Vernetzung, okay, aber von Interaktion kann da noch keine Rede sein.

Die Web-Branche hat begriffen, dass sie von Spielen lernen kann. Jetzt sollte die Spiele-Branche begreifen, dass es auch umgekehrt funktioniert. Mal schauen, ob mir ein paar spontane Ideen dazu einfallen, wie das aussehen könnte: zum Beispiel wäre es in Sims 3 cool, mit meinen Figuren die Städte anderer Spieler zu besuchen. Ich möchte andere Spieler als Buddies markieren und ihnen Briefe zukommen lassen. Oh, oder werft doch die doofen Multiplayer-Lobbies aus den Echtzeitstrategiespielen raus: für das nächste Age of Empires wünsche ich mir ein Metaspiel, in dem sich die Spieler der Welt um die Länder eben dieser streiten. Und im nächsten Unreal Tournament könnte ich mir gut einen eingebauten User-Content-Browser vorstellen, wo man von anderen Usern erstellte Maps und Mods direkt downloaden, kommentieren und bewerten kann. Und wieso gibt es immer noch so viele Multiplayer-Shooter ohne eingebautes Clan-Management?

Liebe Spielebranche: die Optik eurer Spiele ist nicht die einzige Schraube, an der ihr drehen könnt. Ganz ehrlich, wenn ihr euren Spielen ein paar coole Community-Features spendiert, über die ich zusammen mit anderen Leuten das Gebotene erkunden oder mich über ihre selbstgestrickten Levels, Filme oder Spore-Spezies erfreuen kann, darf der linke Nippel des Protagonisten auch gerne eine einfache Textur sein. Von mir aus mit Bumpmap.

Antigamesgeburtstagsdinosauriergewinnspiel: Die Gewinner! (Teil 1)

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Okay liebe Antination, es wird Zeit die Gewinner unseres großen antigamesgeburtstagsgewinnspiels zu verkünden. Zunächst muss aber der Erkenntnisgewinn der Verantstaltung resümiert werden. Also, was haben wir gelernt?

Lektion 1: Unsere Anitleser rocken. Anfangs habe ich mir ja tatsächlich Sorgen gemacht, ob wir überhaupt ausreichend Teilnehmer finden würden. Aber nix da. Wir haben einen richtig großen Haufen an Beiträgen bekommen. Einige sind schon eine Stunde nach Verkündung des Wettbewerbs bei uns eingetrudelt, während andere tatsächlich eine Minute vor Mitternacht am letzten Tag über die Ziellinie gehechelt sind. Auch die Qualität ist überraschend gut gewesen, aber das werdet ihr ja gleich selber sehen.

Lektion 2: Dinosaurier rocken. Wenn noch irgendjemand daran Zweifel hatte, dass Dinosaurier jedes Spiel verbessern können, der wird gleich bei der Präsentation der Wettbewerbsbeiträge eines Besseren belehrt.

Lektion 3: Ich hatte eine Lektion 3, aber ich habe vergessen was sie war. Fällt euch was ein?

Ja, ja, sagt ihr jetzt, der ganze Unsinn interessiert ich doch überhaupt nicht, ich will wissen, ob ich gewonnen habe! Tja, da werdet ihr noch ein bisschen Geduld haben müssen, denn wie im Fernsehen werden wir das hier alles rückwärts bekannt geben. Die Gewinner gibt es erst ganz zum Schluss. Nur so können wir nämlich maximale Werbeeinnahmen garantieren.

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Ein Tag voller Tetris (und ordentlich viel Qualm)

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Manchmal ist so ein Nintendo DS wirklich nützlich. Selbst wenn Tetris das einzige Spiel ist, was man dabei hat. Zum Beispiel ist es super, um sich morgens die Wartezeit beim Friseur zu vertreiben, wenn der mal wieder zu viele Termine auf einen Haufen gelegt hat. Es ist sogar noch besser, wenn man auf dem Rastplatz Davert an der A1 auf den ADAC warten muss und die Dame am Telefon gerade so was gesagt hat wie “Wir versuchen ihnen innerhalb der nächsten ein bis zwei Stunden jemanden vorbei zu schicken.“.

Zugegeben, man geht häufiger zum Friseur, als dass man auf dem Rastplatz Davert auf den ADAC wartet, aber das kann ja auch mal passieren. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr habt um 12 Uhr einen Termin in Dortmund. Einen wichtigen Termin quasi. Stellt euch außerdem vor, ihr habt abends noch einen weiteren Termin in der Nähe von Frankfurt. Und dann stellt euch vor, ihr seid auf der A1 in Richtung Dortmund, irgendwo in der Nähe des Rastplatzes Davert und wollt einen LKW überholen. Dabei stellt ihr dann plötzlich fest, dass euer Wagen nicht mehr so richtig beschleunigen will. Also brecht ihr den Überholvorgang ab und fahrt den nächsten Rastplatz an. Zum Beispiel den Rastplatz Davert. Nur um sicher zu gehen.

Kaum fällt eure Geschwindigkeit unter 50, fällt euch so ein unangenehmer Qualm auf, der vorne rechts aus dem Auto quillt. Wenn das nicht schon unangenehm genug wäre, füllt plötzlich ein beißender Geruch den Innenraum. Also bremst ihr schnell, klaubt alle Wertsachen auf und entfernt euch erstmal vom Auto. Nur für den Fall, dass es sich spontan entscheidet komplett in Flammen aufzugehen. Nach dem das dann nicht passiert ist, ruft ihr halt den ADAC an. (Und wisst plötzlich wofür ihr immer diese blöden Gebühren bezahlt habt.) (Frage am Rande: Womit haben die Leute den ADAC gerufen bevor es Handys hab? Ich bin so froh, dass ich nicht ins Mittelalter geboren worden bin.)

Tja, wenn ihr euch das alles so vorstellt, dann könnte es halt tatsächlich passieren, dass ihr am Rastplatz Davert auf den ADAC warten müsst und die Dame am Telefon so was sagt wie “Wir versuchen ihnen innerhalb der nächsten ein bis zwei Stunden jemanden vorbei zu schicken.”. Ihr könntet euch dann natürlich mit der Frage beschäftigen, ob man für seine ADAC-Gebühren nicht vielleicht ein bisschen schneller bedient werden könnte, als innerhalb von ein bis zwei Stunden. Ist ja nicht so als wäre die A1 irgendwo durch eine zivilisationsfreie Wüste gebaut, oder so wenig befahren dass man da niemand postiert haben müsste. Wenn ihr kein Nintendo DS hättet, dann würdet ihr das wahrscheinlich auch tun. Aber wenn ihr ein Nintendo DS habt, dann spielt ihr lieber Tetris. Ist halt viel entspannender.

Man kann auf so einem Rastplatz natürlich auch andere Sachen machen. Zum Beispiel der Polizei dabei zuschauen, wie sie ein paar Leute wegen akuten Haschrauchens einkassiert. (AntiTipp™ des Tages: Wenn ihr auf der A1 einen Joint raucht, steckt ihn schnell wieder weg wenn ihr einen dunkelblauen Opel Omega seht. Das sind die Zivilfahnder.) Oder man kann sich nett mit den Herren vom Bundesamt für Güterirgendwas unterhalten (”Riechen sie hier so nach Bremsen?” - “Ja, das ist mein neues Parfum. Eau du Frain Fumer.”). Am Ende ist das aber alles nicht so gut, wie bei Tetris einen neuen Highscore aufzustellen.

So ein Nintendo DS ist übrigens auch super, wenn man auf der Fahrt zur Werkstatt keine Lust hat sich mit dem Fahrer des Abschleppwagens über die politische Situation im nahen Osten zu unterhalten. Einfach demonstrativ das DS gezückt und Ruhe ist. Auch sehr praktisch ist so ein Nintendo DS, wenn man unangemeldet bei Autowerkstatt auftaucht und erst mal eine Weile warten muss, bis sich ein freier Meister findet um das Auto anzugucken. Prima ist so ein Nintendo DS auch, wenn man dann an der Haltestelle auf den Bus wartet, der einen von der Werkstatt nach Hause bringen soll. Nützlich ist so ein Nintendo DS ebenfalls auf der Fahrt mit dem stark verspäteten Bus. Sehr dienlich ist so ein Nintendo DS gleichermaßen, wenn man feststellen muss, dass einen der Bus gar nicht nach Hause bringen kann, man umsteigen muss und man somit wieder 15 Minuten an einer anderen Haltestelle warten darf. Beliebt macht sich so ein Nintendo DS schließlich ebenso auf der ewig langen Fahrt mit dem zweiten stark verspäteten Bus.

Also, kann ich nur empfehlen, so ein Nintendo DS.

Wobei es allerdings nicht helfen wird, ist beim Bezahlen der Rechnung der Autowerkstatt. Dabei wird aber wohl eine Xbox 360 helfen können. Zumindest wenn der Kauf selbiger erstmal ein gutes Stück nach hinten verschoben wird.

Ich frage mich, ob mir die Xbox 360 auch dabei helfen kann meinem Chef zu erklären, warum ich nicht bei dem Termin war…

Der Antigames Award™ “für besondere Inkompetenz” geht an…

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Überraschung, die Gamestar! Die neue Ausgabe ist nämlich raus und sie sorgt wieder mal dafür, dass ich meinen Glauben an die Menschheit verliere. Aber fangen wir von vorne an. Titelstory Dickster Test der aktuellen Ausgabe ist Prey. Das überrascht nicht wirklich, schließlich ist diesen Monat sonst absolut nichts raus gekommen, schon gar nicht für den PC. Prey erhält von der Gamestar eine Wertung von 87%. Auch das ist nicht überraschend, obwohl Prey sicher nicht so herzlich empfangen worden ist, wie sich das 3DRealms und Human Head gerne gewünscht hätten. Gamespy konnte sich gerade Mal zu 3,5 Sternen hinreißen lassen, Gamespot hat nur 7,5 Punkte dafür übrig gemacht, mache sind noch deutlicher geworden und die Verkaufszahlen haben auch noch keine Kassen in Brand gesetzt.

In Deutschland hat es das Spiel - obwohl es als einzige Neuerscheinung im Moment den Markt quasi für sich hat - gerade mal auf Platz 5 der Media Control Charts geschafft. Wohlgemerkt, nur im PC Segment. Selbst das EA Spiel zur Fußball-WM geht noch besser, obwohl selbst die “schwarz-rot-geilsten” unter uns inzwischen die Fahnen wieder eingerollt haben. Die schwachen Verkaufszahlen dürften unter anderem daran liegen, dass Prey halt nicht wirklich toll ist. Allein das Kerngameplay ist nicht besonders gut umgesetzt und fällt gegen Spiele wie HL2, FEAR oder selbst Quake 4 doch gewaltig ab. Tja, und ein Shooter in dem das Shooten nicht so richtig Spaß bringt, der hat auch keine guten Noten verdient. Zum Teil liegt es sicher auch daran, dass Protagonist Tommy ein absolutes Oberarsch ist, der in den ersten fünf Minuten seinen Großvater beleidigt, seine Freundin anmault und dann zwei Leuten mit einer Rohrzange den Schädel einschlägt, weil sie seine Freundin angemault haben. Symphatisches Kerlchen.

Allerdings es ist ja nicht die Aufgabe der Gamestar-Redaktion Spiele zu bewerten, sondern Magazine zu verkaufen. Da sich aber ein Magazin, dass kein einziges gutes Spiel enthält nicht wirklich verkaufen kann und die letzten Quartalszahlen der Gamestar gar nicht gut aussahen (-11% verkaufte Auflage und deutliches unterschreiten der magischen 300.000 Grenze), muss man sich beim Spielen von Prey eben die rosarote Brille aufsetzen. Dann sehen die Level auch nicht mehr so aus, als wären sie aus Fäkalien konstruiert, das Auswürfeln einer Wertung im oberen 80er-Bereich fällt nicht mehr so schwer und dem Leser fällt vielleicht nicht so sehr auf, dass das Heft sonst voller Perlen wie “Dr. Grips Gehirntrainer” (29%), “Sky Aces - Reichsadler” (19%) und “Pro Angler” (24%) ist.

Aber ganz ehrlich: Die Wertung von Prey ist mir herzlich egal. Genau so wie das Spiel. Wenn die Verkaufszahlen der ersten Woche ein Indikator sind, geht es auch dem Rest der Welt so. Was mich dann aber doch auf die Palme gebracht hat, war die Begründung für den Gamestar Award, den man dem Spiel an die Backe geklebt hat. Den hat es nämlich “für Ideenreichtum” bekommen.

Eigentlich kann man den Award sogar irgendwie nachvollziehen. Das Spiel hat ja tatsächlich einige halbwegs frische Ideen dabei. Mit Schwerkraftplatten an der Wand zu laufen, haben wir zwar schon ein dutzend Mal gemacht, aber eben noch nicht in einem Shooter. Die Portale sehen zumindest grafisch sehr cool aus, auch wenn sie sehr gerne als Ausrede verwendet werden, um Monster direkt hinter den Spieler zu beamen. (Hmm, steht das vielleicht in den Lizenzbedigungen für die Doom 3 Engine?) Dann gibt es da noch dieses Indianerzeugs mit der Astralprojektion. Auch schon gehabt, aber eben auch noch nicht mit Indianern und noch nicht in einem Shooter. Und hey, welches andere Spiel hat schon ein Körperteile scheißendes Riesenrektum? Auf solche Ideen muss man erstmal kommen!

Insofern war mir erst nicht klar, warum mir dieser Award so furchtbar falsch vorkam. Nach ein paar Minuten hat es dann aber Klick gemacht. Mir fiel nämlich ein anderes Spiel ein. Eines der besten Spiele des letzten Jahres. Ein Spiel, das einen größeren Ideenreichtum hatte, als alle anderen Spiele des letzten Jahres zusammen. Ein Spiel, das trotz alledem (und trotz diverser anderer positiver Eigenschaften) bei der Gamestar bloß magere 77% bekommen hat. Ihr wisst schon. Psychonauts.

Also habe ich noch mal nachgeschaut. Hat Psychonauts auch so einen Award bekommen? Bestimmt. Muss ja. Wenn Prey den verdient hat, dann hat Psychonauts ihn mit drei goldenen Sternchen am Bande verdient. Bestimmt haben die Gamesternchen das richtige getan und auch Psychonauts diesen…

Nein. Haben sie nicht.

Ich bin jetzt zu der Erkenntnis gekommen, dass die Gamestar in Wirklichkeit gar kein Spielemagazin ist. Tatsächlich ist sie eine Verschwörung, um mich in den Wahnsinn zu treiben. So schockierend inkompetent kann man nämlich gar nicht sein. Selbst nach Jahren der Abstumpfung durch das Testen von Klassikern wie “Dark Vampires” (20%) kann man Videospiele nicht so hassen, dass man solchen Schwachsinn verzapft. Man kann einfach nicht. Ich weigere mich, das zu glauben.

Und jetzt entschuldigt mich. Ich gehe ein bisschen nach draußen, meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Immer und immer wieder. Bis der Schmerz aufhört.

Pressespiegel: Hitman Blood Money

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Nachdem ich mir am Montag einige Gedanken zu Hitman: Blood Money gemacht habe, dachte ich mir, ich schaue mal nach was meine Freunde von der Printpresse so zu dem Thema zu sagen haben. Im Moment kommen ja nicht allzu viele Spiele raus, da sollte ein neuer Hitman doch für ein paar Seiten Text gut sein. Also habe ich mich in den Supermarkt begeben und mal bei diversen Magazinen die Kritiken Tests zu Hitman gelesen.

Zunächst mal ein Wort zur neuen GEE. Sie ist pink. Nicht irgendein Pink, nein, Neonpink. Kinder, so geht das nicht. Bei der Farbe kann man die Zeitschrift auf dem Band im Supermarkt nicht mal mehr verschämt unter den Schnapsflaschen verstecken. Besonders ärgerlich, da bei der GEE die Farbe eigentlich das einzige ist, was für das man sich schämen müsste. Deutschlands lesbarstes Spielemagazin findet nämlich auch zu Hitman ein paar halbwegs intelligente Worte. “Bei keinem anderen Spiel hinterfragt man sein eigenes Tun so oft wie bei Hitman”, heißt es da. Das Spiel sei vor allem Spielern mit “intakter Selbstreflexion” zu empfehlen. Ganz meine Meinung. Nur ein bisschen mehr Text wäre vielleicht nett gewesen. Die Besprechungen der Spiele sind bei der GEE doch immer arg knapp gehalten. Trotzdem, Daumen hoch.

In eine andere Kerbe schlägt die PC Action, wo man voll auf Geschmacklosigkeitskurs geht. Die Missionen seien “so unmoralisch wie noch nie” (wohlgemerkt, das hält man dort für einen Pluspunkt) und Hitman Blood Money sei endlich mal ein Spiel, dass “den Titel ‘Killerspiel’ verdient” hätte (auch das ist in der Welt der PC Action scheinbar eine gute Sache). Ist hier vielleicht ein Politiker, der diesen Steilpass nutzen möchte? Herr Beckstein? Herr Schünemann? Danke, liebe PC Action. Schön dass ihr so hart daran arbeitet uns allen das Leben schwer zu machen.

Anscheinend hält man sich dort drüben auch für witzig, was zu einigen peinlichen Momenten führt. Beispiel gefällig? In einem Kasten verkündet uns die PC Action nämlich, dass der Hitman auch Lady Di und John F. Kennedy auf dem Gewissen hätte. Haha. Ich schmeiß mich weg. Es ist meist schon schlimm genug, wenn humorlose Leute versuchen Witze zu reißen Wenn sich solche Typen dann auch noch an schwarzem Humor versuchen, kann das schon sehr unangenehm werden.

Die PC Games spart sich solche Peinlichkeiten, hat aber zum Inhalt des Spiels irgendwie gar nichts zu sagen. Oder vielleicht doch? Ich bin mir nicht ganz sicher, denn der Artikel war so öde geschrieben, dass ich mittendrin eingezzzzzzzzzzz….

Noch so ein kleiner Tipp am Rande, liebe PC Games/Action. Es verleitet nicht gerade zum Kauf, wenn ich mich beim Kiosk erstmal durch zwanzig Seiten Werbung wühlen muss, bevor ich zum Inhaltsverzeichnis komme. Immerhin könnt ihr, jetzt wo ihr ein Printäquivalent zu Popup-Ads gefunden habt, zumindest in einem Bereich mit der Onlinekonkurrenz mithalten. Super.

Jetzt zu meinen Freunden von der Gamestar. In klassischer Manier wird hier Hitman wie eine Waschmaschine getestet. Ich weiß nicht, ob Hitman ein Top- oder Frontlader ist, aber wer sich durch den drögen Artikel quält, kann das sicher herausfinden. Wie üblich ist alles voller Kästchen in denen man die Drehzahl, den Wasserverbrauch und die Seitenzahl des Handbuchs nachlesen kann. Mit anderen Worten: Die Gamestar hat nichts zu sagen, sagt es aber mit vier Seiten Text und einem Haufen von Statistiken. Quasi wie in einer VWL-Vorlesung. Oder der PC Games.

So ein leicht flaues Gefühl hatte man dann aber wohl doch gehabt, denn immerhin man in einem der Meinungskästen ein bisschen Kritik. Christian Schmidt findet da sogar recht deutliche Worte: “Kaltblütiges Ermorden von Unschuldigen darf keine Unterhaltung sein.” Warum sich solche Kritik nicht im eigentlichen Text wieder findet, oder warum diese These nicht diskutiert wird, weiß ich auch nicht. Schließlich sind die anderen Redakteure ja anscheinend der Meinung, dass das kaltblütige Ermorden von Unschuldigen sehr wohl Unterhaltung sein darf. (Wir lassen jetzt mal außen vor, dass man in Hitman keine Unschuldigen umbringen muss, wenn man nicht will, außer Drogenbarone und Sklavenhändler fallen seit neuestem unter die Kategorie “unschuldig”.) Jedenfalls sagt Michael Graf über Hitman: “Für mich ein Hit, Mann!” (haha, noch so ein Brüller) und Daniel Matschijewsky nennt Hitman einen “hochspannenden PC-Thriller”. Da hätte man doch ein interessantes Streitgespräch draus machen können. Aber das hätte die Zielgruppe wohl zu sehr verstört. Nachher entwickeln die gar noch ein schlechtes Gewissen beim Spielen von Hitman. Wo kommen wir denn da hin? So scheint der eine, einsame Meinungskasten doch ein bisschen eine Alibifunktion zu haben.

Aber hey, immer noch besser als die PC Action.