Die Menge Macht’s

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Wahrlich, ich sage euch: Borderlands wird der beste Shooter aller Zeiten. Moment, sagt ihr jetzt. Das Spiel ist doch noch lange nicht fertig, sagt ihr jetzt. So richtig viel weiß man darüber doch noch gar nicht, sagt ihr jetzt.

Ich kann eure Skepsis verstehen, aber hört mich an, gute Leute! Ich kann meine Aussage beweisen. Jawohl, beweisen. Passt auf.

Lemma: Die Qualität eines Shooters wird von der Anzahlder im Spiel vorhandenen Waffen bestimmt. 1.367 Rückseiten von Spielepackungen können nicht irren.

Beweis: Borderlands hat über 500.000 Waffen.

Q.E.D.

Also, freuet euch ihr Antigamer, denn der Heiland kommt und sein Name ist Borderlands!

Einmal bücken bitte

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Gute Nachrichten! Rock Band kommt am 23. Mai nach Europa. Zunächst zwar nur als 360 Exklusivtitel, aber als Besitzer von zwei Plastikgitarren für die Xbox ist mir das persönlich egal. Das ist aber nicht die einzige gute Nachricht! Wir kriegen hier in Europa sofort das vollständige Programm des amerikanischen Onlineshop. Das sind satte 70 Songs zum Download. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass sie uns die Hälfte der Songs verwehren und den Rest scheibchenweise verteilen. Prima.

Selbst der Preis ist gar nicht so schlecht. Da hatte ich ja auch das schlimmste befürchtet. Stattdessen gibt es nur die übliche Abzocke mit einer 1-zu-1 Umsetzung des Dollarpreises in Euro. Damit kriegen wir das Spiel für 169€.

Moment.

Kriegen wir nicht.

169€ ist zwar der Preis, aber das sind die Kosten für die Instrumente ohne Spiel. Jawohl, ohne Spiel. Für das Spiel gibt es noch mal spontan die unverbindliche Preisempfehlung von 69€. Für alle die so geschockt sind, dass sie nicht mehr richtig Kopfrechnen können: Das sind mal lässig 240 Eier für ein Videospiel.

Um das noch mal zusammen zu fassen: Der komplette Satz Instrumente inklusive Spiel kostet in den USA 169 Dollar. Das sind beim aktuellen Dollarkurs umgerechnet 107€. In Europa zahlen wir für den gleichen Spaß 240€. Ich würde sagen: Das ist das Doppelte! Ist es aber nicht. Es ist mehr als das Doppelte!

240€!

Für den Preis habe ich mir mal ein Auto gekauft. Ein AUTO! Das war ziemlich gut, und habe noch vier Räder inklusive Reifen dazu bekommen. Und einen lila Plastikdelfin, der am Rückspiegel hing!

Ich habe mit viel Spannung auf die europäische Version von Rock Band gewartet, aber für den Preis könnt die mir mal den Buckel runter rutschen. Selbst wenn ich aus Geld gemacht wäre, würde ich mir das Spiel nicht kaufen. Die Leute würden einen ja auf der Straße auslachen, wenn sie erfahren wie sehr man abgezockt wurde.

Ganz ehrlich, Electronic Arts, ich hatte mich so auf Rock Band gefreut, dass ich selbst bereit gewesen wäre, meine schlimmsten Preisbefürchtungen zu zahlen. Dummerweise habt ihr es aber geschafft meine schlimmsten Preisbefürchtungen noch mal ordentlich zu überbieten.

Ich glaube ich zahle weniger Geld, wenn ich das komplette Rock Band Set in den USA bestelle, ordentlich Porto zahle, dann noch die fetten Zollgebühren schlucke (die es übrigens ab Dezember nicht mehr gibt, hurra!), dann das Region 1 Spiel IN DEN MÜLL schmeiße, nur die Instrumente behalte und mir das europäische Spiel hier im Laden kaufe.

Kurz gesagt: FAIL.

BONUSABZOCKE: Die Songs sind hier wohl auch teurer als da drüben!

Gamehunt 2

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Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

Ernten oder nicht ernten?

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Bei Eurogamer gibt es derzeit mal wieder ein Interview, das auf meiner nach oben offenen Bullshit-Skala eine glatte 8 erreicht. Nicht dass der Artikel an sich schlecht wäre, im Gegenteil. Dass, was Ken Levine von Irrational Games da über sein neues Spiel Bioshock erzählt, lässt den vom Mainstream gelangweilten Leser vor Vorfreude Purzelbäume schlagen. Da ist von Philosophie die Rede, von unvereinbaren Weltanschauungen, von Religion, Wissenschaft und Moral. Dem Spieler soll möglichst viel Handlungsfreiheit an die Hand gegeben werden, er soll ganz nach seinem eigenen Gewissen Entscheidungen treffen und damit die Geschichte selber formen. Klingt nach GOTY 10/10 othergameslol, nicht wahr?

Habe ich auch gedacht, bis ich dann voller Vorfreude das zur gleichen Zeit veröffentlichte Preview gelesen habe. Da hört sich das dann auf einmal ganz anders an. Irgendwie hatte ich ja nach dieser Einführung eine Art Rollenspiel erwartet, aber allem Anschein nach ist Bioshock nur ein weiterer “wenn es sich bewegt ist es ein Feind” Shooter. Die ach so vollmundig beworbene Entscheidungsfreiheit beschränkt sich in realiter auf a) bearbeite ich das Monster mit einem Schraubenschlüssel, b) zünde ich das Monster an, um es dann, wenn es sich verzweifelt zu retten versucht, mit Elektroschocks zu töten oder c) spiele ich Pipemania an einem Computerterminal, damit mir eine Selbstschussanlage die Drecksarbeit abnimmt? Nach Lektüre des Artikels komme ich zu dem Schluss, dass meine Wahl lediglich den modus operandi der genreüblichen Metzelorgie beeinflusst, und ansonsten keinen weiteren Einfluss auf die Geschichte hat. Die im Interview angesprochene zwiespältige Rolle der Wissenschaft verkommt in Bioshock zum fadenscheinigen Hintergrund für ebenso alberne wie statusverbessernde Implantate.

Ach ja, wie war das noch gleich mit der Moral?

The game then spells it out to us. If we harvest, we get maximum Adam, but she dies. If we rescue, we get substantially less Adam but, Tenenbaum desperately appeals to our conscience, it will be worth our while. Our call.

We grab the girl and draw her right up to us. She’s screaming, fear etched into her face, hopelessly, pathetically writhing and trying to push us away. “No! No! NOOO!” She still seems pretty human to us…

Nun, wie sagt der Brite so treffend, der Beweis des Puddings ist im Geesse, und was bislang vom Spiel zu sehen ist sieht ja für einen Egoshooter durchaus ganz lecker aus (um mal im metaphorischen Bild zu bleiben). Aber das war es dann auch. Bioshock ist offenbar kein moralisches Diorama und auf nicht die Neuerfindung des interaktiven Rades, sondern nur ein etwas weniger tumbes Mach-alles-tot Spiel. Sieht so aus, als müssten wir noch ein wenig länger auf einen wirklich anspruchsvollen Softwaretitel warten.

“Rampage”

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Neues School Shooting in USA. Diesmal an einer Uni. 31 Tote, inklusive dem Täter. Irgendwie schwer vorstellbar, besonders wenn man selbst erst vor ein paar Stunden noch in einem Hörsaal gestanden hat.

Noch weiß man nichts Genaues. Der Kampf um die Nominierungen zur Presidentschaftswahl 2008 ist allerdings schon in vollem Gange, somit ist ein Instrumentalisierung dieses traurigen Vorfalls so gut wie garantiert. Die ersten Kandidaten haben schon reagiert. Mal abwarten. Ob die Videospiele ins Gespräch kommen werden oder nicht, es ist kaum damit zu rechnen, dass mit dieser Tragödie würdevoll umgegangen wird.

Update: Und es geht los. [1] [2]

Update: Angriff der üblichen Verdächtigen! Mal sehen was Herr Pfeiffer und seine Gesellen noch so alles an Kapital aus den 32 Leichen rauskratzen werden. Ob der Täter überhaupt Videospiele gespielt hat, ist natürlich noch völlig unklar, aber was stören solche unwichtigen Details. (Da er College-Student war, ist es natürlich sehr wahrscheinlich, dass er sie gespielt hat. Genauso wie fast alle sein Opfer sie gespielt haben werden.)

Ich frage euch nur einmal…

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Mir ist gerade aufgefallen, dass einige von euch möglicherweise noch nicht im Besitz eines Guitar Hero Spiels sind. Diesen Leute möchte mal kurz eine Frage stellen.

Habt ihr eigentlich einen an der Waffel?

Ernst gemeinte Frage. Ich will euch nicht beleidigen, oder so. Ich möchte wirklich wissen was eure major malfunction ist, Numbnuts! Woran liegt es? Metacritic Score in den 90ern für euch nicht hoch genug für euch? Zu cool für eine Plastikgitarre? Keine PS2? Keine 360? Nicht genug Headshots und Exlosionen? Mangel an Kettenbikinibabes? Keine Arme? Gehirn zu klein? Seele verkauft? PC Action-Abonnent?

Oder könnt ihr einfach Videospiele nicht ausstehen?

Vielleicht gehört ihr zu den Leuten, die ihre Kinder immer anschreien sie sollen den “verdammtem Krach” ausmachen? Vielleicht hasst ihr Musik. Und Spaß. Und Freude, Sonnenlicht und alles was schön ist auf dieser Welt?

WAS IN ALLER WELT IST LOS MIT EUCH?!?

Du.

Ja genau. Du. Ich schaue dich an. Warum hast du noch kein Guitar Hero? Rechtfertige dich in den Kommentaren.

Sofort.

Sagt ein Sündenbock zum anderen: “Du bist schuld!”

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Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, abgekürzt (festhalten!) “G.A.M.E”, hat sich zu dem Amoklauf in Emsdetten geäußert und damit meisterhaft bewiesen, warum Spiele in Deutschland keine Lobby haben.

Aber arbeiten wir uns mal systematisch durch. Zunächst mal macht der “G.A.M.E.” (kicher!) ganz deutlich klar, dass er nur eine Minderheit der deutschen Entwickler repräsentiert.

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum.

Sehr geschickt, so nimmt man sich gleich das Mandat und stellt klar, dass man nicht mit Autorität für die Branche reden kann.

Edit: Ich hatte zuerst 40% der Produzenten gelesen, in Wirklichkeit sind es “40 Produzenten”. Ich weiß nicht, was das jetzt für einen Prozentsatz ergibt, jedenfalls muss ich die Kritik natürlich zurückziehen. Sorry.

Nach dem üblichen Verteilen von ein bisschen mehr oder weniger ernst gemeinter Anteilnahme (und wir wollen hier mal wohlwollend davon ausgehen dass sie ernst gemeint ist) fühlt man sich verpflichtet mitzuteilen, dass viele Videospielentwickler nicht als Waisen aufgewachsen sind (”wir haben Familie!”) und dass manche es sogar geschafft haben ihre Gene weiterzureichen (”viele von uns sind Väter, Mütter”). Wer derartige Selbstverständlichkeiten als wichtige Tatsachen in die Welt hinausposaunen muss, der macht klar, dass er das aus irgendwelchen Gründen eben nicht für selbstverständlich, sondern irgendwie für eine besondere und ungewöhnliche Leistung hält.

Dann wendet man sich “energisch” (also mit ein paar leeren Worthülsen) gegen die Kriminalisierung des Berufsstandes Videospielentwickler und des Mediums Videospiele. Soweit in Ordnung. Was sollen sie auch sonst sagen?

Als nächstes weist man strikt jede Schuld von sich:

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat.

Belegt wird diese klare Aussage mit, äh, gar nichts. Außer vielleicht mit einem vagen Hinweis auf “viele aktuelle Aussagen von Experten”. Auf welche, na ja, das wird nicht gesagt. Dadurch setzt man sich äußert geschickt dem Verdacht aus, dass es in Wirklichkeit nur wenige Aussagen gibt und dass diese im Zweifelsfall nicht von Experten stammen.

Der Verdacht wäre falsch, aber woher soll der unbedarfte aber skeptische Leser das wissen? Kann es so schwer sein, im richtigen Moment mal den Namen von ein, zwei Professoren fallen zu lassen? Guckt mal das Heute Journal, die kriegen das auch hin.

Na gut, als nächstes dann der Hinweis auf Deutschlands tolles Jugendschutzsystem an dem man aktiv mitarbeitet. Das stimmt natürlich. Da kann ich jetzt gar nichts Schnippisches zu sagen. Mist.

Der nächste Absatz bietet aber wieder viele Möglichkeiten. Zunächst mal kommt die Feststellung:

Computerspieler sind keine Randgruppe.

Das ist an sich richtig. Wir Spieler sind eine so große Gruppe, dass wir eigentlich ein denkbar schlechtes Ziel für Diskriminierung abgeben sollten. Dummerweise sind wir völlig unorganisiert und werden, wenn überhaupt, von Organisationen wie dem “G.A.M.E.” (Augenroll) vertreten, die an Zahn- und Hilflosigkeit kaum zu überbieten sind.

Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner.

Wer ernsthaft glaubt, dass ein 40-jähriger Politiker und ein 70-jähriger Rentner von Videospielen genauso begeistert sind, wie ein 6-jähriges Mädchen, der ist nicht nur naiv, der ist schlichtweg dumm.

Wir sind inzwischen soweit, dass 6-jährige Mädchen tatsächlich häufig schon von Videospielen begeistert sind. (Laut einer Liste eines amerikanischen Einzelhandelsverbandes taucht sowohl das Nintendo DS als auch die Playstation 3 in den Top 10 der Liste von häufigsten Weihnachtswünschen von Mädchen auf.) Das ist ein großer Sieg. Wer aber mal versucht hat, seinem Opa auch nur das Konzept eines Videospiels zu erklären, der wird wissen dass die Lage auf der anderen Seite des Alterspektrums völlig anders aussieht. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber auch diese Ausnahmen sind selten. Dass 40-jährige Politiker selten Videospiele spielen, kann man im übrigen im Moment ganz gut der Presse entnehmen. Schaut mal rein, lieber Bundesverband.

Schnell werden vom “G.A.M.E.” (ihr wisst schon…) noch die Eltern in die Pflicht genommen (nicht falsch, aber auch keine sonderlich frische Idee) und dann fängt die Suche nach der wahren Ursache für den Amoklauf an.

Was ist die Antwort des “G.A.M.E.”? Wird das soziale Umfeld des Täters analysiert, sein Brief, seine Einsamkeit, seine Perspektivlosigkeit? Fragt man sich, warum niemand in der Lage war seine Probleme zu erkennen, oder gar seine Hilferufe zu hören?

Ach Quatsch. Man macht einfach das gleiche wie die Politiker und sucht sich einen eigenen Sündenbock. Für den “G.A.M.E.” sind nämlich die Waffen schuld!

Äh, wir waren es nicht! Der war’s!

Wie die Kindergartenkinder. Ich weiß nicht genau wie das funktionieren soll (vielleicht haben die Waffen ja nachts unter seinem Bett gelegen und ihm zugeflüstert “Du musst töööööten!”), aber ist ja auch egal. Hauptsache jemand anders ist schuld.

Fähigkeit zur Selbstkritik? Fehlanzeige. Konstruktive Hinweise auf echte Ursachen? Fehlanzeige.

Jeder der auf Spielerseite hingeht und mit dem Finger auf die Waffen zeigt, macht sich in meinen Augen lächerlich. Wenn Waffen die Ursache für den Amoklauf sein können, dann können es nämlich auch Spiele sein.

Wer selbst Sündeböcke sucht, der darf sich nicht beschweren, wenn er plötzlich einer ist.

Klar, eine Waffe ist etwas anderes als ein Videospiel. Letzteres ist ein Kulturgut und am Ende des Tages ist eine Waffe immer noch ein Gerät, das speziell zum Töten entwickelt wurde. Klar, er hätte die Waffen nie haben dürfen, aber man kann auch mit einem Küchenmesser Amok laufen. Die Frage ist doch, warum er überhaupt die Waffen haben wollte.

Der Frage will man beim “G.A.M.E.” aber lieber aus dem Weg gehen. Hauptsache jemand anders ist schuld. Wisst ihr was? Ich wette die würden sich mit Herrn Beckstein prima verstehen.

Das hat nicht lange gedauert

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Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.

Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.

Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.

Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?

Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?

Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.

Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.

Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.

Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”

Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.

Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.

Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.

Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.

Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.

Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (”tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.

Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.

Oder auch nicht.

Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:

Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?

Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

Man the fuck up!

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If you’re a masochist with a sick sense of humor, give God Hand a try, otherwise just watch the bizarre videos.

Sagt Gametrailers.com, und meint damit wohl dieses und besonders dieses Video. Nun gut, offensichtlich bin ich ein Masochist mit einem kranken Sinn für Humor, denn diesen Feiertag habe ich fast ausschliesslich mit Clover Studios letztem Spiel verbracht. Und was für ein Spiel es ist! Eigentlich dürfte God Hand nicht funktionieren, und in den ersten fünf Minuten sind bei mir auch sämtliche Spinnensinne losgegangen. Die Grafik ist grässlich, die Musik ebenso, die Level sehen so aus, als wären sie von einem Praktikanten mit Visual Basic zusammengezimmert worden, und der Humor bewegt sich auf niedrigem B-Film-Niveau. Und dennoch, oder gerade deshalb, habe ich mit God Hand so viel Spass wie lange nicht mehr.

Kurze Erklärung, worum es in dem Spiel überhaupt geht. God Hand ist im Prinzip Fist of the North Star - The Animated Movie - The Game. Das Spiel macht auch keinen Hehl daraus und zitiert den trashigen Animéklassiker gleich in der ersten Szene. Hauptdarsteller Gene prügelt sich in dieser wüsten Mischung aus Final Fight und Ninja Gaiden durch Horden an Gegnern, die so nur in einem Spiel von Capcom vorkommen. Was habe ich in den ersten vier Leveln nicht schon alles in den Orbit getreten (was durchaus wörtlich zu verstehen ist). Ein Schwuchtelpärchen in Stringtangas, das mich mit “wanna go brokeback, cowboy?” begrüsst, einen fetten Mexikaner namens Elvis, der eine buddhistische Gebetskette um den Hals trägt und einen giftigen Chihuahua hält, einen Lucha libre Gorilla und ein wüstes Sammelsurium an Dominas, Clowns, Robotern und Dämonen.

Aber nicht das wenig geschmacksneutrale Design der Widersacher macht God Hand zu einem Genuss für Masochisten, sondern der knüppelharte Schwierigkeitsgrad. Aus dem Verriss bei IGN ist es herauszulesen, hier hat das Spiel eindeutig über den Tester gesiegt. Es ist tatsächlich so, man stirbt, und zwar am laufenden Band. Jeder Gegner ist brandgefährlich, und im Rudel sind sie erst so richtig unausstehlich. Von den Bossen will ich erst garnicht reden, zehn bis zwanzig Versuche habe ich im Schnitt schon gebraucht. Und warum habe ich das Spiel trotz meiner geringen Frustrationstoleranz nicht schon längst in die Ecke gepfeffert? Ganz einfach, es ist immer fair zum Spieler. Auch wenn es anfangs nicht so aussieht, für jeden Treffer, den man einsteckt, ist man selbst verantwortlich. Ähnlich den Fight Night Spielen kann man mit dem rechten Analogstick verschiedene Ausweichmanöver ausführen und somit im Prinzip jedem Angriff entgehen. Wer sich also Zeit lässt, seine Gegner genau beobachtet und im richtigen Moment zuschlägt, übersteht ohne grössere Probleme auch die schwierigsten Passagen.

God Hand ist kompromisslos, laut und unverschämt. Genau das richtige für die Zeit zwischen zwei Rollenspielen.

Studiendesign könnte besser sein

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Vorhin bei Heise online gelesen: Niedersachsens Innenministerium will den Jugendschutz verbessern. Was in soweit erstaunlich ist, da das Bundesjugendministerium die bestehende Regelung erst vor kurzem für vollkommen ausreichend befunden hat. Aber nein, Innenminister Schünemann (müßig zu erwähnen, dass er auf der Gehaltsliste der CDU steht) sieht Handlungsbedarf, und arbeitet zusammen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen an Verbesserungsvorschlägen.

Dagegen gibt es zunächst mal überhaupt nichts einzuwenden, schliesslich gehört der Schutz der Jugend irgendwie auch in Schünemanns Aufgabengebiet. Problematisch ist nur, dass er schon im Vorfeld zu verstehen gegeben hat, was er unter Verbesserung versteht. Laut Heise gehört der Innenminister zum christdemokratischen Herstellungs- und Vertriebsverbot Lager, und kann sich mit der Haltung der Bundesregierung so garnicht anfreunden. Was liegt da näher, als sich mit anerkannten Experten für Jugendgewalt zusammenzutun? Leider ist auch der Direktor des KfN, Prof. Christian Pfeiffer, für informierte Videospieler kein unbeschriebenes Blatt. Wieder und wieder und wieder hat sich Herr Pfeiffer öffentlich als Kritiker von gewalttätigen Spielen hervorgetan, so dass die Frage erlaubt sei: was bitte soll bei der Schünemann-Studie herauskommen? Was, wenn die KfN-Forscher zu dem Schluss kommen, dass derzeit alles in Ordnung ist? Werden die Ergebnisse dann unter den Teppich gekehrt, wie es zum Beispiel die Tabakindustrie macht? Mal ehrlich, wenn Schünemann und Pfeiffer über Videospiele plauschen ist das wahrscheinlich in etwa so wie die angeregte Diskussion von Bush und Crichton zum Thema Klimawandel.

Bleibt zu hoffen, dass auch dieser “populistische Schnellschütze” vom Bundesjugendministerium abgewatscht wird. Übrigens, die nächste Landtagswahl findet in Niedersachsen im Frühjahr 2008 statt. Ich gehe jede Wette ein, dass pünktlich zum Wahlkampf ein paar opportune Ergebnisse vorliegen.

Fußtritt, Feuerball, Fertig!

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1,4 Gigabyte ist die Dark Messiah Demo groß. Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als auf eine Cover-CD der PC Player ein ganzer Haufen Demos passte? Egal, das Ding ist jedes Bit wert. Das Spiel wird ganz groß.

Dark Messiah ist, als hätte Looking Glass ein Actionspiel gemacht und aus Versehen gute Grafik eingebaut. Wir reden hier aber nicht von einem Actionspiel mit Maschinengewehren, sondern von einem Actionspiel mit Schwerten! Und Feuerbällen! Und Fußtritten! Zack, ab mit dem Orc in die Stachelfalle! Oder über die Klippe! Besser noch, man friert erst den Rand der Klippe ein, tritt den Orc dann und schaut wie er hilflos in den Abgrund glitscht. Oder man schneidet ein Seil durch und lässt den armen Kerl von der Schwingfalle treffen! Man kann auch ein Fass nehmen und ihm damit eins auf die Rübe geben! Ein Fußtritt gegen ein Holzbrett bringt ein Regal zum Einsturz und begräbt seinen Kollegen unter jeder Menge Schrott. Wenn er dann noch zuckt: Coup de Grace! Noch mehr Orcs? Kein Thema. Es gibt Powerattacken bei denen man sich in coole Posen wirft. Und fiese Fatalities! Kopf ab in Zeitlupe? Kein Thema!

Auch nicht schlecht: Anlauf, Sprung und Angriff von oben. Da bleibt kein Gegner auf den Beinen. Wem ein direkter Feuerball zu einfach ist, der zündet halt die ganze Gegend an und schubst die Gegner dann erst in die Flammen. Keine Kette an der man nicht hochklettern kann, kein Seil das nicht durchgeschnitten, kein Brett das nicht zersplittert werden kann. Kick, punch, block, ein Arschtritt und ab in die spitzen Pfähle da vorne. Wer will, darf auch schleichen, aber mal ganz ehrlich, wer will das schon wenn man als Magier seine Gegner einfrieren und dann treten kann (Klirr!) oder wenn man als Krieger mit seinem Gegner Schwerter kreuzt, diesen dann nach wildem Klicken auf seinen Kollegen wirft, welcher verdutzt in die Feuergrube fällt und kurz darauf laut brennend in die nächste Pfahlfalle rennt.

In Dark Messiah ist man kein Viewport mit angeklebter Waffe, sondern hat wirklich das Gefühl, in der Welt des Spiels physikalisch zu existieren. Nichts ist niet- nagel- fußtritt- oder feuerballfest und es wird einem nie die Kontrolle weggenommen. Man ist immer sofort bereit für die nächste Aktion, selbst wenn mal was schiefgelaufen ist. Schwerthieb hat nicht gesessen? Macht nichts, Fußtritt, Feuerball, fertig!

Wenn es ein Problem mit Dark Messiah gibt, dann vielleicht dass es Oblivion für mich ruiniert hat. Wenn ich da jetzt mein Schwert ziehe, komme ich mir immer vor wie ein invalider, Betonschuhe tragender Faultroll, der nach jedem Treffer des Gegners erst mal eine halbe Stunde lustlos in der Gegend rumsteht, bis er sich dann endlich bequemt wieder den Arm zu heben und einen Fuß vor den anderen zu setzen. Gaaanz laaaangsaaaam. Aufgepasst Bethesda, so macht man das mit den Schwertern. Und mit den Fußtritten.

Ab jetzt hat bitte jedes Spiel einen Fußtritt. Und Pfähle in der Wand. Danke.

“Alle populistischen Schnellschützen müssen beschämt sein”

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Erfreuliches gibt es heute bei heise online zu lesen. Das Bundesjugendministerium hält die bestehenden Regelungen zum Jugendmedienschutz offenbar für ausreichend und entzieht den Stammtisch-Tieffliegern, die sich vor allem aus dem Unionslager rekrutieren, damit fürs Erste die Lufthoheit. Die fordern schon seit Jahren ein Verbot von “Killerspielen”, was immer das auch sein mag, und haben sich diese Klausel auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag festschreiben lassen. Dabei leuchtet mir ja durchaus ein, dass man der derzeitigen Gewaltfixierung der Branche notfalls auch gesetzlich einen Riegel vorschieben sollte, aber bei jeder Gelegenheit gleich nach Verboten schreien zu müssen finde ich - gelinde gesagt - ziemlich albern. Besonders wenn man die beliebte Politiker-Technik des “Pudding an die Wand nagelns” verwendet und sich nur ja nicht auf irgendwas festlegt.

Worum geht es denn nun genau? Laut heise hat die FDP eine kleine Anfrage zum Thema Jugendschutz an die Bundesregierung gestellt und bekam als Antwort zu hören, dass im Moment alles paletti sei. Die Kooperation von Kontrollorganen und Wirtschaft funktioniert prima, und ohnehin sei nur ein verschwindend geringer Teil der getesteten Videospiele übermässig gewalttätig. Kein Bedarf also für schärfere Gesetze. Und oh Wunder, es scheint tatsächlich zu funktionieren! Man sehe sich nur mal den aktuellen Fall Dead Rising an. Capcom hat das Spiel bei der USK zur Prüfung vorgelegt, die USK hat eine Kennzeichnung verweigert, und als Konsequenz haben Capcom und Microsoft beschlossen, das Spiel nicht in Deutschland zu veröffentlichen (mehr dazu auch hier). Capcom könnte das Spiel also theoretisch hierzulande rausbringen, wenn da nicht Microsofts eigene Jugendschutz-Bemühung und die Gefahr einer Indizierung durch die BPjM dazwischenkämen. Die Verantwortung wird also an den Publisher zurückgereicht, ohne durch irgendeine Form von Zensur einzugreifen, was ich persönlich für eine ziemlich gute Lösung des Problems halte. Klar, es ist kompliziert und für Aussenstehende nur schwer nachzuvollziehen, aber es ist allemal transparenter als die Situation vor der Neuregelung der Jugendschutzgesetze.

Und trotzdem werden sich die Berufspolterer in ein paar Monaten wieder wie die Geier auf das Thema stürzen können, denn natürlich werden sich interessierte Spieler Dead Rising kaufen. Schliesslich haben wir freien Warenverkehr und so ein Zombiemetzelspiel aus der Schweiz oder England unterscheidet sich naturgemäss nur wenig vom deutschen Pendant. Ich bin mal gespannt wie lange Frontal 21 braucht, um über Leichenteile und die unorthodoxe Verwendung von Powerdrills zu berichten. Was machen wir dann? Grenzen zu? Computer verbieten? So abwegig ist das nicht, bei der Union denkt man immerhin schon über die Einführung “geeigneter technischer Maßnahmen” nach, um Jugendliche von Onlinespielen fernzuhalten.

Richtiggehend drollig finde ich dagegen die Forderung des niedersächsischen Kultusministers Bernd Busemann, die “Herstellung und den Vertrieb solcher Spiele in Deutschland” zu verbieten. Einfach mal rumgestänkert, auch wenn es keinen Sinn macht. Trotz meines eher geringen Verständnisses für rechtliche Zusammenhänge sehe ich darin einen so tiefen Eingriff in die unternehmerische Freiheit, dass der Gesetzgeber sicher gerne mal ein ernstes Wort mit Herrn Busemann wechseln möchte. Und überhaupt, ein Herstellungsverbot für gewalttätige Spiele in Deutschland würde im Jahr etwa 0,7 Titel betreffen, während id Software fleissig weiter an Kettensägenmassaker XXV: Return of the Kettensägenmassaker schraubt. Aber Hauptsache von Richtung des Stammtisches gibt es erstmal zustimmendes Nicken, und er hat seinen Namen mal in den Medien gelesen.

Um mein Geschwafel nochmal zusammenzufassen: Jugendschutz ist wichtig. Strenge Regelungen zur Kontrolle von Medieninhalten sind gut, immerhin gibt es kein gottgegebenes Recht auf ungefilterten Gewaltkonsum. Industrie und Politik müssen gemeinsam für die Einhaltung dieser Regeln sorgen. Aber! Diese Gesetze gibt es schon. Sie funktionieren. Publisher und Kontrollgremien arbeiten prima zusammen. Die Forderungen nach noch mehr Verboten sind daher reiner Populismus. Schön, dass man es im zuständigen Ministerium genauso sieht.

Pressespiegel: Hitman Blood Money

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Nachdem ich mir am Montag einige Gedanken zu Hitman: Blood Money gemacht habe, dachte ich mir, ich schaue mal nach was meine Freunde von der Printpresse so zu dem Thema zu sagen haben. Im Moment kommen ja nicht allzu viele Spiele raus, da sollte ein neuer Hitman doch für ein paar Seiten Text gut sein. Also habe ich mich in den Supermarkt begeben und mal bei diversen Magazinen die Kritiken Tests zu Hitman gelesen.

Zunächst mal ein Wort zur neuen GEE. Sie ist pink. Nicht irgendein Pink, nein, Neonpink. Kinder, so geht das nicht. Bei der Farbe kann man die Zeitschrift auf dem Band im Supermarkt nicht mal mehr verschämt unter den Schnapsflaschen verstecken. Besonders ärgerlich, da bei der GEE die Farbe eigentlich das einzige ist, was für das man sich schämen müsste. Deutschlands lesbarstes Spielemagazin findet nämlich auch zu Hitman ein paar halbwegs intelligente Worte. “Bei keinem anderen Spiel hinterfragt man sein eigenes Tun so oft wie bei Hitman”, heißt es da. Das Spiel sei vor allem Spielern mit “intakter Selbstreflexion” zu empfehlen. Ganz meine Meinung. Nur ein bisschen mehr Text wäre vielleicht nett gewesen. Die Besprechungen der Spiele sind bei der GEE doch immer arg knapp gehalten. Trotzdem, Daumen hoch.

In eine andere Kerbe schlägt die PC Action, wo man voll auf Geschmacklosigkeitskurs geht. Die Missionen seien “so unmoralisch wie noch nie” (wohlgemerkt, das hält man dort für einen Pluspunkt) und Hitman Blood Money sei endlich mal ein Spiel, dass “den Titel ‘Killerspiel’ verdient” hätte (auch das ist in der Welt der PC Action scheinbar eine gute Sache). Ist hier vielleicht ein Politiker, der diesen Steilpass nutzen möchte? Herr Beckstein? Herr Schünemann? Danke, liebe PC Action. Schön dass ihr so hart daran arbeitet uns allen das Leben schwer zu machen.

Anscheinend hält man sich dort drüben auch für witzig, was zu einigen peinlichen Momenten führt. Beispiel gefällig? In einem Kasten verkündet uns die PC Action nämlich, dass der Hitman auch Lady Di und John F. Kennedy auf dem Gewissen hätte. Haha. Ich schmeiß mich weg. Es ist meist schon schlimm genug, wenn humorlose Leute versuchen Witze zu reißen Wenn sich solche Typen dann auch noch an schwarzem Humor versuchen, kann das schon sehr unangenehm werden.

Die PC Games spart sich solche Peinlichkeiten, hat aber zum Inhalt des Spiels irgendwie gar nichts zu sagen. Oder vielleicht doch? Ich bin mir nicht ganz sicher, denn der Artikel war so öde geschrieben, dass ich mittendrin eingezzzzzzzzzzz….

Noch so ein kleiner Tipp am Rande, liebe PC Games/Action. Es verleitet nicht gerade zum Kauf, wenn ich mich beim Kiosk erstmal durch zwanzig Seiten Werbung wühlen muss, bevor ich zum Inhaltsverzeichnis komme. Immerhin könnt ihr, jetzt wo ihr ein Printäquivalent zu Popup-Ads gefunden habt, zumindest in einem Bereich mit der Onlinekonkurrenz mithalten. Super.

Jetzt zu meinen Freunden von der Gamestar. In klassischer Manier wird hier Hitman wie eine Waschmaschine getestet. Ich weiß nicht, ob Hitman ein Top- oder Frontlader ist, aber wer sich durch den drögen Artikel quält, kann das sicher herausfinden. Wie üblich ist alles voller Kästchen in denen man die Drehzahl, den Wasserverbrauch und die Seitenzahl des Handbuchs nachlesen kann. Mit anderen Worten: Die Gamestar hat nichts zu sagen, sagt es aber mit vier Seiten Text und einem Haufen von Statistiken. Quasi wie in einer VWL-Vorlesung. Oder der PC Games.

So ein leicht flaues Gefühl hatte man dann aber wohl doch gehabt, denn immerhin man in einem der Meinungskästen ein bisschen Kritik. Christian Schmidt findet da sogar recht deutliche Worte: “Kaltblütiges Ermorden von Unschuldigen darf keine Unterhaltung sein.” Warum sich solche Kritik nicht im eigentlichen Text wieder findet, oder warum diese These nicht diskutiert wird, weiß ich auch nicht. Schließlich sind die anderen Redakteure ja anscheinend der Meinung, dass das kaltblütige Ermorden von Unschuldigen sehr wohl Unterhaltung sein darf. (Wir lassen jetzt mal außen vor, dass man in Hitman keine Unschuldigen umbringen muss, wenn man nicht will, außer Drogenbarone und Sklavenhändler fallen seit neuestem unter die Kategorie “unschuldig”.) Jedenfalls sagt Michael Graf über Hitman: “Für mich ein Hit, Mann!” (haha, noch so ein Brüller) und Daniel Matschijewsky nennt Hitman einen “hochspannenden PC-Thriller”. Da hätte man doch ein interessantes Streitgespräch draus machen können. Aber das hätte die Zielgruppe wohl zu sehr verstört. Nachher entwickeln die gar noch ein schlechtes Gewissen beim Spielen von Hitman. Wo kommen wir denn da hin? So scheint der eine, einsame Meinungskasten doch ein bisschen eine Alibifunktion zu haben.

Aber hey, immer noch besser als die PC Action.

Hitman, Puccini und die dunklen Ecken deiner Seele

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Hitman. Wie geht man eigentlich mit so einem Spiel um? Eigentlich kann die Serie ja jedem Verbotspolitiker als Paradebeispiel für all die schrecklichen Killerspiele dienen, denn Töten ist in Hitman das eindeutig festgelegte Spielziel. Der Hitman (und somit der Spieler) hat schließlich die Aufgabe Menschen zu töten. Das ist sein Job. Er setzt seinen Opfern dabei tödliche Spritzen, ersticht und erdrosselt sie, wirft sie vom Balkon oder schießt ihnen einen Kugel in den Kopf, mal aus der Ferne mit Hilfe eines Scharfschützengewehrs, mal aus der Nähe mit einer schallgedämpften Pistole. Er tut dies für schnödes Geld. Keine Selbstverteidigung, keine Rettung der Welt, keine Zweifel, keine Reue. Einfach solange die Kehle zuschnüren, bis das Opfer aufhört zu zappeln und die Sache ist erledigt. Für den Hitman ist das ein ganz normaler Tag im Büro.

Klarer Fall eigentlich. Auch ich, als erklärter Kritiker der gewaltbesessenen Videospielbranche, sollte also eigentlich kräftig gegen die Serie wettern. Aber trotzdem…

Irgendwie ist Hitman nämlich gar nicht so, wie die üblichen Schieß- und Schlitzspiele, denn es verfügt über ein erstaunlich großes Maß an Eleganz, sowohl im Hinblick auf die Präsentation als auch auf das Gameplay. Hitman ist kein Actionspiel. Das Tempo ist gemäßigt, das Vorgehen des Spielers stets wohlüberlegt. Die einzelnen Missionen bieten viele Möglichkeiten den Auftrag sowohl zu erfüllen als auch scheitern zu lassen und ein sauber ausgeführter Hit erfordert oft wesentlich mehr Hirnschmalz als die ganzen blöden Objektkombinationsrätsel in dem, was sich heute so Adventure schimpft. Wer auf plumpes Ballern steht, wird an Hitman wenig Freude finden. Wer es liebt, wenn ein komplexer Plan funktioniert, schon viel eher. Auch die edle Inszenierung hält da mit. Hitman ist sehr vornehm und zurückhaltend präsentiert. Orte wie Opernhäuser, Raddampfer oder Weinplantagen sind einfach nicht die üblichen Schauplätze von Videospielen. Ich wette die meisten Spieleentwickler haben in ihrem Leben noch kein Oper gehört, aber die Jungs von IO Interactive setzen im dritten Level eine Probe von Tosca in Szene. Das betrachtet man gerne als Wiedergutmachung für fünftausend Spiele voller billigem Lizenzhiphop. Gerade mir, als erklärtem Fan von Puccini, geht da schon ein bisschen das Herz auf.

Keine Frage, Hitman hat tatsächlich eine ordentliche Portion Stil und Klasse. Nicht nur verglichen mit stumpfer Ballerkacke wie Quake 4 oder reaktionärer Militärwerbung wie Ghost Recon, sondern auch ganz für sich allein betrachtet. Nur kommt man dann halt doch irgendwann wieder an den Punkt, wo man sich an sein Opfer anschleicht, die Kaliumchlorid-Spritze zückt und sich überlegt ob man das wirklich tun möchte.

IO Interactive will einem die Antwort auf diese Frage so einfach wie möglich machen und so sind die potentiellen Opfer immer irgendwelche Drogenbarone, Menschenhändler oder andere Berufsverbrecher und Schlechtmenschen, die selber keine Probleme mit so etwas hätten und es auch gerne mal spontan praktizieren. Eigentlich gibt es auch nur eine Antwort auf diese Frage, schließlich kann man den aktuellen Level nur beenden, wenn man die Zielpersonen tötet. Hitman bietet viele spielerische Freiheiten, aber die Wahl ob man tötet oder nicht, verweigert einem das Spiel. Höchstens wie und wie viel getötet wird, darf man selbst entscheiden.

Also drückt man ab. Schließlich ist eine Deinstallation die einzige echte Alternative dazu. Wer gerade 50€ für das Spiel auf den Tisch gelegt hat, wird sich dafür bestimmt nicht entscheiden, auch wenn er in dem Moment vielleicht nicht mehr ganz sicher ist, ob ein anderes Spiel nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.

Dennoch, muss man wirklich ein schlechtes Gewissen haben? Schließlich geht von der Figur eines professionellen Killers einfach eine gewisse Faszination aus. Wer die leugnet, lügt. Wir alle haben uns schon beim Schauen von Filmen wie “Day of the Jackal” dabei erwischt, dass sich ein Teil von uns wünschte, der Killer wäre erfolgreich. Viele berühmte Filmhelden sind schlussendlich oft nichts anderes als glorifizierte Berufskiller. Oder glaubt ihr etwa, James Bonds Lizenz zum Töten wäre eine Selbstverteidigungsmaßnahme?

Wo liegt die Quelle dieser Faszination? Wünschen wir uns manchmal einfach eine weniger komplexe Gefühlswelt? Ein Leben ohne Reue und Zweifel kann manchmal ganz verlockend klingen. Bewundern wir vielleicht die Perfektion und Zielorientiertheit solcher Killerfiguren? So gradlinig wie der Hitman lebt sicher keiner von uns sein Leben. Kommen da einfach unsere niederen Instinkte hoch? Bei so manch bestialischem Verbrechen hat sich sicher der eine oder andere von uns mal kurzfristig gewünscht, dem Täter einfach eine Kugel in den Kopf jagen zu können.

Am Ende wissen wir natürlich alle, dass die Welt eben komplex ist und ein Leben ohne Reue eine ziemlich traurige Existenz wäre. Uns ist klar, dass im Zickzack zu leben eben doch interessanter ist als ein Dasein auf Scheuklappenkurs. Und wenn der erste Schock erstmal verdaut ist, dann ziehen wir eben doch ein rechtstaatliches Verfahren der Selbstjustiz vor.

Dennoch, diese Gefühle und Gedanken sind da. Deswegen nutzen wir Kunst und Unterhaltung um diese zu erforschen. Bücher und Filme helfen uns dabei herauszufinden, was wir wirklich denken und fühlen. Am Ende merken wir halt, dass wir doch ganz froh sind, wenn der Schakal gescheitert ist. Videospiele erlauben es uns sogar noch viel besser die dunkleren Ecken unserer Seelen auszuleuchten, als passive Medien wie Film und Literatur. Schließlich schaue ich in einem Videospiel so einem Charakter nicht bloß bei der Arbeit zu, nein, ich bin dieser Charakter. Ich muss nicht die Handlungen einer anderen Person extern bewerten, ich muss über meine eigenen Handlungen reflektieren. Wenn es mir am Ende einer Mission etwas schwer fällt, einen Drogenbaron zu töten, dann stumpft mich das nicht ab, sondern mir wird wieder klar dass ich so was in der realen Welt eben nicht gut heißen würde.

Wie bewusst wir das tun, spielt dabei keine Rolle. Ich vermute IO Interactive hat sich solche Gedanken gar nicht gemacht. Dennoch ist Hitman sicher aus genau so einer Faszination entstanden. Was wäre wenn? IO hat ein Spiel gemacht das diese Frage beantwortet, weil sie ihnen selber auf der Seele brannte. Wir kaufen Hitman also nicht, weil wir gerne virtuell töten, sondern weil auch wir gerne die Antwort wissen würden. Egal, was wir vordergründig als Kaufgrund sehen oder angeben.

Müssen wir also ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir Hitman spielen? Nein, müssen wir nicht.

Zumindest nicht, solange wir dabei noch ein schlechtes Gewissen haben.

Ich geb’s auf…

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Aus einem Eurogamer Interview mit dem Produzenten des Scarface-Spiels:

Using the left and right analog sticks, you can aim the reticule precisely - aiming for the head or kneecap, for example. In fact, according to producer Cam Weber, “You can actually target the left or right testicle.” Which brings us neatly to the reward you’ll receive for your efforts - ‘Balls Points’. Collect enough and your Balls Meter will fill up to the point where Tony goes into a Blind Rage, unleashing all manner of violent destruction on anything that gets in his way.

Sie haben tausende von Jahren menschlicher Kulturgeschichte und die ganzen Möglichkeiten eines aufregenden neuen Mediums zur Vergügung und das einzige was ihnen einfällt ist mir die Wahl zu geben, ob ich meinen Gegnern den linken oder rechten Hoden wegschießen möchte? Tja, diese schwerwiegende Entscheidung kann ich natürlich erst treffen, wenn ich weiß für welchen Hoden ich mehr “Balls Points” bekomme.

Wisst ihr was? Die Innenminister der CDU haben doch recht. Am besten wir verbieten den ganzen Scheiß. Dann muss ich mich wenigstens nicht mehr so viel aufregen.

SWAT 4 - Killerspiel mal anders

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Obwohl ich eigentlich kein grosser PC-Spieler bin, habe ich mir letzte Woche die SWAT 4 Gold Edition gekauft. Ehrlich gesagt hatte ich sowohl mit Ravenshield als auch dem ersten Splinter Cell grossen Spass, aber irgendwann geht einem die ständige Tom Clancy-Indoktrination doch massiv auf die Nerven. Warum also nicht was neues ausprobieren und statt knallharter Soldaten mit Totenköpfen auf den Armen mal unterbezahlte Gesetzeshüter ins Gefecht schicken?

In SWAT 4 führt man mit seinem fünf Mann starken Sondereinsatzkommando insgesamt 16 “Festnahmen mit hohem Risiko” durch, dank Addon sind es in der Gold Edition nochmal einige mehr. Dabei geht man im Prinzip immer gleich vor; Leute vor einer Tür aufstellen, nächsten Raum ausspähen, stürmen (oder stürmen lassen, ist für die eigene Gesundheit wesentlich besser). So weit, so bekannt. Anders als im offensichtlichen Genrekollegen Rainbow Six kann man jetzt allerdings nicht einfach so alles über den Haufen ballern, was einem vor eine seiner zahlreichen Flinten kommt. Immerhin mimt man einen Polizisten, und Verdächtige in Leichensäcken kann man halt so schlecht verhören. Also pustet man den schwer bewaffneten Ganoven Pfeffer ins Gesicht, beschiesst sie mit Bohnensäckchen, ärgert sie mit Gummikügelchen und brüllt sie an; immer in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann ergeben.

Irgendwie ist es zwar skurril, wenn man zu fünft einen kleinen Drogendealer anbrüllt und er trotz allem nicht aufgibt, aber dennoch sind solche lebensnahen Konfliktsituationen wesentlich spannender als das übliche “wer schiesst schneller”. Das soll jetzt nicht heissen, dass SWAT 4 perfekt sei, oh nein. Die KI hat Macken, das Spiel wird im Laufe der Zeit kackschwer und die lieben Kollegen rühren keinen Finger, wenn man es ihnen nicht befiehlt. Trotzdem ist es nett zu sehen, dass es auch männliche Männerspiele gibt, die einen trotz der martialischen Aufmachung für ein gewaltfreies Vorgehen belohnen. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad darf man bereits neu laden, wenn man auch nur einen einzigen Gangster in Notwehr erschiesst. Das ist zwar dank renitenter und äusserst Verhaftungs-unwilliger Bösewichte so gut wie unmöglich, aber dennoch ein begrüssenswerter Ansatz. Leider passt er wohl nicht ganz zur derzeiten “Best of the best” Euphorie rund um den nicht versiegenden Output von Herrn Clancy. Schade drum.

The following takes place between 7:00pm and 8:00pm

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Ich liebe 24. Wenn Jack “Jack Bauer” Bauer sich durch Horden von Terroristen* foltert, dann geht mir einfach das Herz auf. Klar, das ist nicht sonderlich politisch korrekt, aber niemand improvisiert so schön aus einer Schreibtischlampe ein Folterwerkzeug wie Jack. Wenn du morgen früh aufwachst, dann nur weil Jack Bauer wollte, dass du aufwachst.

Als häufigste Todesursache von Männern aus dem mittleren Osten, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Jack Bauer auch mal unseren Konsolen einen Besuch abstattet. Schließlich rufen überdurchschnittlich viele Gegner in Videospielen “Yalla! Yalla!”, bevor wir ihnen ein bis zweihundert Kugeln durch den Kopf jagen. Normalerweise ist für solche Spiele Ubisoft mit ihrer “Tom Clancy”-Marke verantwortlich, aber in diesem Fall hat Jack Bauer Sony Cambridge mit vorgehaltener Waffe gezwungen in zu digitalisieren.

“Finish this game! NOW! I have nothing to lose!”

Genau das haben sie dann auch gemacht und so steht “24 - The Game” jetzt in den Läden. (Hierzulande allerdings erst in zwei Wochen.) Dabei sehen die ersten Kritiken allerdings eher nicht so gut aus. Gamespot gibt dem Spiel eine 6.2 und IGN sogar nur 4.2. Und seien wir mal ehrlich, die meisten von uns wussten gar nicht, dass IGN so niedrige Zahlen überhaupt verteilt.

Jetzt wo sie Jack Bauer verärgert haben, werden sie natürlich nie wieder irgendwelche Zahlen verteilen können. Nein, liebe Redaktion, es hilft auch nicht eurer Schreibtischlampen zu verstecken. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euch die Augäpfel zu entfernen. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euch einen Finger nach dem anderen zu brechen. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euren Chirurgen dazu zu zwingen euch auf dem OP-Tisch sterben zu lassen.

Da ich als “liberal” ja sowieso nur noch lebe, weil ich Jack bisher geschickt aus dem Weg gegangen bin, weiß ich genau was ich tun muss um nicht auf seiner shitlist zu landen: Ich lobe sein Spiel!

Jawohl, “24 - The Game” rockt.

Und ich sage das nicht nur, weil ich meine Augen, Finger und Familie mag, oder weil ich allergisch gegen Elektroschocks bin. Ich mag es wirklich.

Zunächst mal muss man die Präsentation loben. Alle Originalschauspieler sind dabei. Ausnahmsweise sehen diese im Spiel auch nicht aus wie entsetzliche Zombieversionen ihrer selbst, sondern sind erschreckend originalgetreu nachgebildet. Und was sie sagen macht Sinn! Okay, es macht keinen Sinn, weil es in der Serie ja auch nie Sinn macht. Aber ihr wisst schon was ich meine. Das Ganze ist halt gut geschrieben. Und die Musik (vom Originalkomponisten) ist auch prima. Überhaupt hat das Spiel alles, was einem 24-Fan das Herz höher schlagen lässt. Es gibt jede Menge Splitscreens, Kim ist mal wieder in Gefahr, Nina ist böse, Jack schreit an Stühle gefesselte Leute an und Chloe runzelt dauernd die Stirn.

Im Großen und Ganzen fühlt man sich bei dem Spiel so, als dürfte man bei einer neuen Staffel der Serie mitmachen. Eigentlich gibt es ja kaum ein größeres Lob für so eine Art von Spiel.

Klar, es gibt auch Schwachpunkte. Die Steuerung der 3rd Person Shooter Level ist nicht wirklich sonderlich gelungen. Wenn man so was schon aus einem anderen Spiel klaut (in diesem Fall 007: Everything or Nothing), dann bitteschön auch richtig. Wobei, EA hat das ja selber für das letzte Bond-Spiel nicht hinbekommen. (Nutzloses Triviawissen des Tages: Der Komponist von 24, Sean Callery, hat auch die Musik für Everything or Nothing gemacht.) Außerdem ist die Framerate in den Autoleveln doch arg zäh.

Die Shooter- und Autolevel machen dann auch den Hauptanteil des Spiels aus. Aufgelockert wird das alles allerdings noch durch einen riesigen Haufen von Minispielchen. Da werden Gefangene ausgequetscht, Satellitenfotos analysiert und Bomben entschärft. Außerdem darf man Scharfschütze spielen, Türschlösser knacken und Dateien entschlüsseln. Und wenn man sich bei Sony auch nicht ganz an das Echtzeitgimmick der Serie gehalten hat, so fühlt sich das Spiel trotzdem fast so an. Das liegt unter anderem auch daran, dass die meisten Sachen irgendwie unter Zeitdruck passieren.

Für einen Fan der Jack Bauer Power Hour gleicht 24 – The Game seine spielerischen Schwächen jedenfalls locker durch ein flottes Tempo, super Präsentation und viel Abwechslung wieder aus. Wärmstens empfohlen.

Und denkt immer daran: Der einzige Grund, warum ihr noch bei Bewusstsein seid, ist dass Jack Bauer keine Lust hat euch zu tragen.

* Alternativ sind auch die Ehemänner seiner Freundin akzeptabel.

Milgram 2006

Im Jahre 1961 entwickelte der Psychologe Stanley Milgram ein Experiment, das berühmt werden sollte. Inspiriert vom Gerichtsverfahren gegen Adolf Eichmann, wollte er herausfinden, wie Willens der Mensch ist Befehlen zu folgen, auch wenn diese in Konflikt mit seinem Gewissen stehen. Das Experiment sah wie folgt aus:

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Prädikat: Besonders Grausam

Wer herausfinden möchte, warum die Spielebranche hoffnungslos kaputt ist, sollte man einen Blick in die aktuelle Gamestar werfen. Oder es besser lassen, denn die wesentlichen Statistiken habe ich hier sowieso schon zusammengefasst:

Verwendung des Wortes Ballern und seiner Derivate: 34 Mal.
Verwendung des Wortes Schießen und seiner Derivate: 37 Mal.
Verwendung des Wortes Shooter:

126 Mal.

Das ist übrigens fast einmal pro Seite.

Ist es da nicht etwas scheinheilig, sich darüber aufzuregen dass Frontal über brutale Computerspiele berichtet? Nicht das ich hier die polemischen und gnadenlos Einschaltquoten-orientierten Berichterstattung von Frontal verteidigen möchte. Das fiele mir im Traum nicht ein. Aber man sollte da meiner Meinung nach auch nicht am Montag mit 50.000 Protest-Unterschriften in der Hand an die Tür klopfen und am Dienstag in seiner Zeitschrift fröhlich allen davon erzählen, dass man in „Call of Duty 2“ im Alleingang Hundertschaften von Gegnern niedermachen könne (Seite 33) und dem Spiel dann noch attestieren, es habe “sehr gutes Potential”.

Noch eine Statistik gefällig? In der aktuellen Gamestar gibt es 32 Tests. Wenn man mal von Sportspielen absieht, wie groß ist wohl die Anzahl der Spiele darunter in denen es nicht darum geht Gegner zu “zerlegen”, zu “plätten” und zu “töten”?

3.

Für alle die es genau wissen wollen, es handelt sich bei diesen Spielen um „Emergency Room“, „Deep Sea Tycoon“ und „Elektromeister Lampe“. Durchschnittswertung dieser Spiele?

35%.

Update: Okay, ich habe habe Myst 5 und Bone übersehen. Sorry dafür. Damit sind es fünf Spiele und die Durchschnittswertung ist 50%. An meiner Aussage ändert das wenig. Ich habe nochmal nachgezählt: In 16 der 33 getesten Spiele tötet man Menschen. Und auch die harmloseren Spiele werden in der Gamestar entsprechend martialisch beschrieben. Bei Creature Conflict werden als Vorteile das “große Arsenal” und die “ausgewogenen Waffen” (”30 Stück”!) hervorgehoben. Und in Black & White 2 kann man mit dem Meteoriteneinschlag “eine komplette Armee vernichten”. Übrigens: Wer seine “Kreatur auf Kampf optimiert”, kann jeden Level in 40 Minuten lösen!