Archiv für Schlagwort: Gewalt

Äh….3?

Es ist E3! Zeit für neue Konsolen! Neue Spiele! Neue Ideen! Dinosaurier! Außer es ist gleichzeitig das Jahr 2012, dann gibt es nichts davon. Trotzdem folgen in zufälliger Reihenfolge ein paar Gedanken zu den paar Brosamen die uns die Spielebranche gestern vor die Füße geworfen hat.

Watch Dogs ist mit Abstand der interessanteste Titel den es zu sehen gab. Klar, gegen Ende des Trailers degeniert das ganze dann doch wieder in eine Schießerei mit Cover-Mechanik, aber das Spiel ist wenigstens konzeptionell ambitioniert. In der Hinsicht wirkt es auch mich fast wie ein Nachfolger zum ersten Assassin’s Creed. Außerdem hat es erstklassigen Regen.  Regen ist immer gut.

Apropos Regen, Beyond hat mich auf den ersten Blick nicht vom Hocker gehauen. Immerhin hat der Trailer die Frage geklärt warum das Mädchen aus The Last of Us ein neues Design bekommen hat und jetzt nicht mehr aussieht wie Ellen Page. Sony hat nämlich die echte Ellen Page angeheuert um in Beyond die Hauptrolle zu spielen. Da wäre es wohl etwas peinlich gewesen, wenn die gemerkt hätte dass sie ohne gefragt zu werden auch noch in einem anderen Spiel des gleichen Verlegers aufgetaucht wäre. Ansonsten sieht der Trailer jetzt nicht schlecht aus, zeigt aber noch keinerlei Spielmechanik und bietet auch auf den ersten Blick keine so spannende Geschichte. Ich bleibe mal vorsichtig optimistisch. Vorsichtig.

Wo wir gerade von The Last of Us gesprochen haben: das ist eins von diversen Spielen dieses Jahr die  eigentlich interessant sein könnten, sich aber durch ein ungebührliches Maß an Gewalt  auszeichnen. Muss hier wirklich jeder Schädel mit sattem Knackgeräusch und Blutfontäne eingeschlagen werden? Immerhin zeigt sich das Mädchen das mal aussah wie Ellen Page davon nicht vollständig unbeeindruckt. Möglicherweise ist es im Kontext der Geschichte weniger plakativ-krass wie im Trailer?

Zum Thema krass: Tomb Raider. Oh Gott, nein Danke. Selten habe ich bei einem Trailer eine so starke und sofortige Abneigung gegen ein Spiel entwickelt. Für Fans der Saw-Filme mag es ja eine gewissen Anziehungskraft haben Lara dabei zuzuschauen wie sie gequält wird, aber ich brauche das nicht. Allein die Soundkulisse aus permanentem Schreien und Stönen war ziemlich abstoßend. Was das mit Tomb Raider zu tun haben soll, ist mir sowieso nicht klar. Kein Interesse.

Eine ähnliche Reaktion habe ich auch auf Far Cry 3. Wenn man großmütig sein will, kann man den Entwicklern unterstellen dass FC3 eine Homage an Conrads Heart of Darkness wird, eine düstere Reise in die Untiefen der menschlichen Seele, welche es dem Spieler erlaubt die Dualität seiner eigenen Natur zu erforschen. Entweder das oder sie haben einfach nur jede Menge Titten, Drogen und Gewalt in einen First Person Shooter gepackt. Nennt mich zynisch, aber ich tippe auf letzteres.

Dagegen ist ist der Hitman: Absolution Trailer in dem der Hitman eine Kompanie leicht bekleideter Kampfnonnen ermordet, geradezu harmlos-amüsant. Nicht dass er dafür sorgt, dass ich das Spiel haben will, aber warum gerade der Trailer die Gemüter erhitzt hat, kann ich mir jetzt nicht wirklich erklären.

Der Pitch von Star Wars 1313 dürfte recht kurz gewesen sein: “Lasst uns eine exakte Kopie von Uncharted machen. Aber mit Star Wars Lizenz!” So sieht das Ergebnis dann auch aus. Wie Uncharted, nur in ödem Grau. Oder wie ein PR-Mensch es nennen würde: “mature and gritty”. Sieht nicht unbedingt schlecht aus, aber zu Uncharted gehört mehr als gut inszenierte Cliffhanger und eine gesunde Dosis Cover-Shooting. Zum Beispiel Farben und interessante Charaktere. Trotzdem, “Uncharted: Star Wars” ist jetzt nicht das schlechteste Konzept der Welt und die Grafik ist schon gut, trotz Graufilter. Schaunmermal.

Wo wir gerade von überstrapazierten Franchises reden: es gibt ein neues Halo! Und das sieht genau so aus wie…die alten Halos! Da mich Halo nie sonderlich gefesselt hat, ist das eigentlich die einzige Info die ich brauche um es zu ignorieren.

Ignorieren werden werde ich wohl auch das neue Splinter Cell. Das einzig neue Idee die sie hier hatten war es wohl Michael Ironside zu feuern und Sam jetzt durch einen langweiligen Nobody spielen zu lassen. Obwohl “feuern” vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist, denn sie haben Michael Ironside explizit angeheuert um ihn in einem Video davon erzählen zu lassen, dass er gefeuert ist und Sam jetzt durch einen langweiligen Nobody gesprochen wird. Hä?? Die Begründung für den Schauspielerwechsel ist dann in etwa so: sie machen jetzt Motion Capture und Michael Ironside hat nicht den gleichen Körperbau wie Sam Fisher. Genau deswegen hat ja schon Avatar nicht funktioniert. Sam Worthington hat einfach nicht den gleichen Körperbau wie ein 3 Meter großer Na’vi. Hätte sich James Cameron auch denken können, der Anfänger!

Ganz nebenbei hat Ubisoft auch noch ein neues Assassin’s Creed für die Vita angekündigt: Assassin’s Creed III: Liberation. Na gut, ich habe keine Vita, und da ich all die müdenPlaystation-Franchise-Abkömmlinge für die PSP ignoriert habe, werde ich das auch für die Vita schaffen. Aber es spielt in New Orleans, was fast schon ein interessanter Ort ist. Und es spielt im Jahre 1768, was fast schon ein spannender Zeitpunkt für New Orleans ist, da der Ort in diesem  Jahr von französischer in spanische Hand wechselte. Was wiederum zu einer (erfolglosen) Revolte führte, in der unter anderem deutsche Siedler eine wichtige Rolle gespielt haben. Man darf sich auf viele schlechte Akzente bei den Sprechern gefasst machen.

Apropos müde Franchise-Abkömmlinge. es gibt ein neues Gears of War Prequel-Dings! Ich muss gestehen, das interessiert mich nicht die Bohne. Obwohl, ich muss ja gestehen, Bulletstorm war super. Und das neue Gears of War ist von People Can Fly. Und die haben Bulletstorm gemacht. Vielleicht sieht es wie Bulletstorm nur doof aus und ist heimlich super? Vielleicht, aber ich bezweifle dass ich 60€ ausgeben werde um das zu testen. Nicht mal für euch. Außer ihr sagt ganz lieb bitte. Mal schauen.

Ich habe übrigens nicht die geringste Ahnung was dieses Wonderbook Ding von Sony ist. Hat das was mit Harry Potter zu tun? Das Trailer impliziert das ganz stark, sagt es aber nicht explizit. Normalerweise bedeutet: nein, hat es nicht, sie möchten nur dass wir es denken. Außerdem taucht mitten im Trailer eine scheinbar von der Rechtsabteilung angeforderte Stimme auf, die einem sorgfältig erklärt, dass dieser Trailer nichts mit dem eigentlichen Spiel(?) zu tun hat. Äh, was?

Wenn ich da so über diese Liste und dann in mich gehe, freut sich wohl primär meine Playstation auf die Zukunft. Zumindest wenn man bei einer so mageren Ausbeute überhaupt von Freude reden kann. Microsoft hat eigentlich gar nichts angekündigt, oder? Machen die keine Spiele mehr? Also außer Halo? Ich habe gehört die Xbox kann jetzt Musik spielen? Auf schlauen Gläsern? Weckt mich wenn es Spiele gibt.

Ubisofts hat zwar ein ganz ordentliches Programm an Spielen vorgestellt (unter anderem mehr Rayman: Origins!) aber den Peniswitz-besessenen Diddlididi-Mann vom letzten Jahr durch zwei Leute zu ersetzen die offensichtlich lieber drei Jahre in einem kongolesischen Gefängnis verbracht hätten als noch einen weiteren total spotanen Witz vom Teleprompter abzulesen, hat nicht wirklich funktioniert. Die arme Frau wurde nach jeder Videoeinspielung gezwungen pseudo-enthusiastisch “Awesome!” zu rufen, und man konnte ihr deutlich ansehen wie sie dabei im Laufe der Veranstaltung immer größere Stücke ihrer Seele aushauchen musste.

Leute, lasst die zugeblingten Rapper und die peinlichen Tanznummern und die B-Level Sportstars die ihr Taschengeld aufbessern müssen. Ihr wirkt nur verzweifelt. Es funktioniert nicht. Was übrigens auch nicht funktioniert ist, während der E3 alle Leute zu feuern in der Hoffnung dass alle zu begeistert von Playstation All-Smash Battle  Brothers sind, um es zu merken. You stay classy, THQ!

Zum Abschluss kommen wir mal zum wichtigsten Thema: Dinosaurier. Ich habe noch keine gesehen? Das alleine macht diese E3 zu einem massiven Flop. Aber wer weiß, noch ist die Messe ja nicht vorbei. Wer Dinosaurier sieht, sagt bitte sofort Bescheid!

16 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , ,
… aber bitte nicht nachmachen!


Ok, dieser Trailer zu Metal Gear Solid Rising deckt die ganze Bandbreite zwischen “fruchtig” und “durchaus ein klein wenig blutig” und “igitt!” ab. Ich denke, darauf kann man sich einigen.

Das neue Metal Gear Solid ist sicher nichts für Kinder. Das ist die andere Sache, die einigermaßen klar vermittelt wird. Darüber hinaus bringt mich so einiges ins Grübeln.

Wirklich putzig und ein ganz klein wenig verwirrend, dass Entwickler Shigenobu Matsuyama von Kojima Productions Monate nach jenem E3 Trailer scheinbar kalte Füße bekommt und einen Skandal à la GTA befürchtet. Man wolle die Spieler keineswegs zu solcherlei fröhlichen Schnetzelorgien ermutigen, heißt es da und “der Trailer ist fast schon übertrieben”. Da wäre ich ja nie drauf gekommen – der Trailer, am Ende ist der leicht überzogen? Keine Chance.

Komischerweise steht da drin dick und weiß “Cut.” und “Cut what you will.” und enthält über seine 2:32 Minuten Laufzeit vielleicht 20 Sekunden ohne Schnipselei. Dieser Trailer ist voller cut.

We do not recommend you play like the trailer.

Entweder ist das geschickte PR, um den Trailer vom April vor dem Release noch mal so richtig ins Gespräch zu bringen oder eine der dämlichsten Entwickleräußerungen einer an dämlichen Äußerungen nicht gerade armen Branche. Oder beides gleichzeitig.

Ein anderes Highlight im Eurogamer Interview: Matsuyama beschreibt wie das Schleich-Element im Spiel “Action-Stealth” und nicht “Wait-Stealth” ist – denn: ”

You will hide because you don’t want to be spotted by the enemy.

Also ganz anders und neu als in anderen Versteckspielen: Man will nicht vom Feind gesehen werden. Hm, irgendwie will mir der innovative Aspekt nicht recht klar werden. Das hier muss erstmalig in der Geschichte der Spieleszene sein: Der Hersteller macht mit einem bewusst reißerischen Trailer Werbung – das darin gezeigte Gameplay sollte der Kunde aber noch lieber nicht wirklich ausprobieren. Warum? – Das wäre …ein Fehler, heißt es nebulös.

Whoa. I’m learning my English now.

Glaub’ ich sofort, Matsuyama-san.

18 Kommentare Autor: Denis
Tags: ,
Die Menge Macht’s

menge.jpg

Wahrlich, ich sage euch: Borderlands wird der beste Shooter aller Zeiten. Moment, sagt ihr jetzt. Das Spiel ist doch noch lange nicht fertig, sagt ihr jetzt. So richtig viel weiß man darüber doch noch gar nicht, sagt ihr jetzt.

Ich kann eure Skepsis verstehen, aber hört mich an, gute Leute! Ich kann meine Aussage beweisen. Jawohl, beweisen. Passt auf.

Lemma: Die Qualität eines Shooters wird von der Anzahlder im Spiel vorhandenen Waffen bestimmt. 1.367 Rückseiten von Spielepackungen können nicht irren.

Beweis: Borderlands hat über 500.000 Waffen.

Q.E.D.

Also, freuet euch ihr Antigamer, denn der Heiland kommt und sein Name ist Borderlands!

44 Kommentare Autor: Richard
Tags: ,
Einmal bücken bitte

The_worship_of_Mammon.jpg

Gute Nachrichten! Rock Band kommt am 23. Mai nach Europa. Zunächst zwar nur als 360 Exklusivtitel, aber als Besitzer von zwei Plastikgitarren für die Xbox ist mir das persönlich egal. Das ist aber nicht die einzige gute Nachricht! Wir kriegen hier in Europa sofort das vollständige Programm des amerikanischen Onlineshop. Das sind satte 70 Songs zum Download. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass sie uns die Hälfte der Songs verwehren und den Rest scheibchenweise verteilen. Prima.

Selbst der Preis ist gar nicht so schlecht. Da hatte ich ja auch das schlimmste befürchtet. Stattdessen gibt es nur die übliche Abzocke mit einer 1-zu-1 Umsetzung des Dollarpreises in Euro. Damit kriegen wir das Spiel für 169€.

Moment.

Kriegen wir nicht.

169€ ist zwar der Preis, aber das sind die Kosten für die Instrumente ohne Spiel. Jawohl, ohne Spiel. Für das Spiel gibt es noch mal spontan die unverbindliche Preisempfehlung von 69€. Für alle die so geschockt sind, dass sie nicht mehr richtig Kopfrechnen können: Das sind mal lässig 240 Eier für ein Videospiel.

Um das noch mal zusammen zu fassen: Der komplette Satz Instrumente inklusive Spiel kostet in den USA 169 Dollar. Das sind beim aktuellen Dollarkurs umgerechnet 107€. In Europa zahlen wir für den gleichen Spaß 240€. Ich würde sagen: Das ist das Doppelte! Ist es aber nicht. Es ist mehr als das Doppelte!

240€!

Für den Preis habe ich mir mal ein Auto gekauft. Ein AUTO! Das war ziemlich gut, und habe noch vier Räder inklusive Reifen dazu bekommen. Und einen lila Plastikdelfin, der am Rückspiegel hing!

Ich habe mit viel Spannung auf die europäische Version von Rock Band gewartet, aber für den Preis könnt die mir mal den Buckel runter rutschen. Selbst wenn ich aus Geld gemacht wäre, würde ich mir das Spiel nicht kaufen. Die Leute würden einen ja auf der Straße auslachen, wenn sie erfahren wie sehr man abgezockt wurde.

Ganz ehrlich, Electronic Arts, ich hatte mich so auf Rock Band gefreut, dass ich selbst bereit gewesen wäre, meine schlimmsten Preisbefürchtungen zu zahlen. Dummerweise habt ihr es aber geschafft meine schlimmsten Preisbefürchtungen noch mal ordentlich zu überbieten.

Ich glaube ich zahle weniger Geld, wenn ich das komplette Rock Band Set in den USA bestelle, ordentlich Porto zahle, dann noch die fetten Zollgebühren schlucke (die es übrigens ab Dezember nicht mehr gibt, hurra!), dann das Region 1 Spiel IN DEN MÜLL schmeiße, nur die Instrumente behalte und mir das europäische Spiel hier im Laden kaufe.

Kurz gesagt: FAIL.

BONUSABZOCKE: Die Songs sind hier wohl auch teurer als da drüben!

30 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , , , ,
Gamehunt 2

manhunt2.jpg

Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

90 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , , ,
Ernten oder nicht ernten?

harvester.jpg

Bei Eurogamer gibt es derzeit mal wieder ein Interview, das auf meiner nach oben offenen Bullshit-Skala eine glatte 8 erreicht. Nicht dass der Artikel an sich schlecht wäre, im Gegenteil. Dass, was Ken Levine von Irrational Games da über sein neues Spiel Bioshock erzählt, lässt den vom Mainstream gelangweilten Leser vor Vorfreude Purzelbäume schlagen. Da ist von Philosophie die Rede, von unvereinbaren Weltanschauungen, von Religion, Wissenschaft und Moral. Dem Spieler soll möglichst viel Handlungsfreiheit an die Hand gegeben werden, er soll ganz nach seinem eigenen Gewissen Entscheidungen treffen und damit die Geschichte selber formen. Klingt nach GOTY 10/10 othergameslol, nicht wahr?

Habe ich auch gedacht, bis ich dann voller Vorfreude das zur gleichen Zeit veröffentlichte Preview gelesen habe. Da hört sich das dann auf einmal ganz anders an. Irgendwie hatte ich ja nach dieser Einführung eine Art Rollenspiel erwartet, aber allem Anschein nach ist Bioshock nur ein weiterer “wenn es sich bewegt ist es ein Feind” Shooter. Die ach so vollmundig beworbene Entscheidungsfreiheit beschränkt sich in realiter auf a) bearbeite ich das Monster mit einem Schraubenschlüssel, b) zünde ich das Monster an, um es dann, wenn es sich verzweifelt zu retten versucht, mit Elektroschocks zu töten oder c) spiele ich Pipemania an einem Computerterminal, damit mir eine Selbstschussanlage die Drecksarbeit abnimmt? Nach Lektüre des Artikels komme ich zu dem Schluss, dass meine Wahl lediglich den modus operandi der genreüblichen Metzelorgie beeinflusst, und ansonsten keinen weiteren Einfluss auf die Geschichte hat. Die im Interview angesprochene zwiespältige Rolle der Wissenschaft verkommt in Bioshock zum fadenscheinigen Hintergrund für ebenso alberne wie statusverbessernde Implantate.

Ach ja, wie war das noch gleich mit der Moral?

The game then spells it out to us. If we harvest, we get maximum Adam, but she dies. If we rescue, we get substantially less Adam but, Tenenbaum desperately appeals to our conscience, it will be worth our while. Our call.

We grab the girl and draw her right up to us. She’s screaming, fear etched into her face, hopelessly, pathetically writhing and trying to push us away. “No! No! NOOO!” She still seems pretty human to us…

Nun, wie sagt der Brite so treffend, der Beweis des Puddings ist im Geesse, und was bislang vom Spiel zu sehen ist sieht ja für einen Egoshooter durchaus ganz lecker aus (um mal im metaphorischen Bild zu bleiben). Aber das war es dann auch. Bioshock ist offenbar kein moralisches Diorama und auf nicht die Neuerfindung des interaktiven Rades, sondern nur ein etwas weniger tumbes Mach-alles-tot Spiel. Sieht so aus, als müssten wir noch ein wenig länger auf einen wirklich anspruchsvollen Softwaretitel warten.

25 Kommentare Autor: Stefan
Tags: , , ,
“Rampage”

black.jpg

Neues School Shooting in USA. Diesmal an einer Uni. 31 Tote, inklusive dem Täter. Irgendwie schwer vorstellbar, besonders wenn man selbst erst vor ein paar Stunden noch in einem Hörsaal gestanden hat.

Noch weiß man nichts Genaues. Der Kampf um die Nominierungen zur Presidentschaftswahl 2008 ist allerdings schon in vollem Gange, somit ist ein Instrumentalisierung dieses traurigen Vorfalls so gut wie garantiert. Die ersten Kandidaten haben schon reagiert. Mal abwarten. Ob die Videospiele ins Gespräch kommen werden oder nicht, es ist kaum damit zu rechnen, dass mit dieser Tragödie würdevoll umgegangen wird.

Update: Und es geht los. [1] [2]

Update: Angriff der üblichen Verdächtigen! Mal sehen was Herr Pfeiffer und seine Gesellen noch so alles an Kapital aus den 32 Leichen rauskratzen werden. Ob der Täter überhaupt Videospiele gespielt hat, ist natürlich noch völlig unklar, aber was stören solche unwichtigen Details. (Da er College-Student war, ist es natürlich sehr wahrscheinlich, dass er sie gespielt hat. Genauso wie fast alle sein Opfer sie gespielt haben werden.)

75 Kommentare Autor: Richard
Tags: ,
Ich frage euch nur einmal…

jackguitarhero.jpg

Mir ist gerade aufgefallen, dass einige von euch möglicherweise noch nicht im Besitz eines Guitar Hero Spiels sind. Diesen Leute möchte mal kurz eine Frage stellen.

Habt ihr eigentlich einen an der Waffel?

Ernst gemeinte Frage. Ich will euch nicht beleidigen, oder so. Ich möchte wirklich wissen was eure major malfunction ist, Numbnuts! Woran liegt es? Metacritic Score in den 90ern für euch nicht hoch genug für euch? Zu cool für eine Plastikgitarre? Keine PS2? Keine 360? Nicht genug Headshots und Exlosionen? Mangel an Kettenbikinibabes? Keine Arme? Gehirn zu klein? Seele verkauft? PC Action-Abonnent?

Oder könnt ihr einfach Videospiele nicht ausstehen?

Vielleicht gehört ihr zu den Leuten, die ihre Kinder immer anschreien sie sollen den “verdammtem Krach” ausmachen? Vielleicht hasst ihr Musik. Und Spaß. Und Freude, Sonnenlicht und alles was schön ist auf dieser Welt?

WAS IN ALLER WELT IST LOS MIT EUCH?!?

Du.

Ja genau. Du. Ich schaue dich an. Warum hast du noch kein Guitar Hero? Rechtfertige dich in den Kommentaren.

Sofort.

143 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , ,
Sagt ein Sündenbock zum anderen: “Du bist schuld!”

bundesverband.jpg

Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, abgekürzt (festhalten!) “G.A.M.E”, hat sich zu dem Amoklauf in Emsdetten geäußert und damit meisterhaft bewiesen, warum Spiele in Deutschland keine Lobby haben.

Aber arbeiten wir uns mal systematisch durch. Zunächst mal macht der “G.A.M.E.” (kicher!) ganz deutlich klar, dass er nur eine Minderheit der deutschen Entwickler repräsentiert.

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum.

Sehr geschickt, so nimmt man sich gleich das Mandat und stellt klar, dass man nicht mit Autorität für die Branche reden kann.

Edit: Ich hatte zuerst 40% der Produzenten gelesen, in Wirklichkeit sind es “40 Produzenten”. Ich weiß nicht, was das jetzt für einen Prozentsatz ergibt, jedenfalls muss ich die Kritik natürlich zurückziehen. Sorry.

Nach dem üblichen Verteilen von ein bisschen mehr oder weniger ernst gemeinter Anteilnahme (und wir wollen hier mal wohlwollend davon ausgehen dass sie ernst gemeint ist) fühlt man sich verpflichtet mitzuteilen, dass viele Videospielentwickler nicht als Waisen aufgewachsen sind (“wir haben Familie!”) und dass manche es sogar geschafft haben ihre Gene weiterzureichen (“viele von uns sind Väter, Mütter”). Wer derartige Selbstverständlichkeiten als wichtige Tatsachen in die Welt hinausposaunen muss, der macht klar, dass er das aus irgendwelchen Gründen eben nicht für selbstverständlich, sondern irgendwie für eine besondere und ungewöhnliche Leistung hält.

Dann wendet man sich “energisch” (also mit ein paar leeren Worthülsen) gegen die Kriminalisierung des Berufsstandes Videospielentwickler und des Mediums Videospiele. Soweit in Ordnung. Was sollen sie auch sonst sagen?

Als nächstes weist man strikt jede Schuld von sich:

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat.

Belegt wird diese klare Aussage mit, äh, gar nichts. Außer vielleicht mit einem vagen Hinweis auf “viele aktuelle Aussagen von Experten”. Auf welche, na ja, das wird nicht gesagt. Dadurch setzt man sich äußert geschickt dem Verdacht aus, dass es in Wirklichkeit nur wenige Aussagen gibt und dass diese im Zweifelsfall nicht von Experten stammen.

Der Verdacht wäre falsch, aber woher soll der unbedarfte aber skeptische Leser das wissen? Kann es so schwer sein, im richtigen Moment mal den Namen von ein, zwei Professoren fallen zu lassen? Guckt mal das Heute Journal, die kriegen das auch hin.

Na gut, als nächstes dann der Hinweis auf Deutschlands tolles Jugendschutzsystem an dem man aktiv mitarbeitet. Das stimmt natürlich. Da kann ich jetzt gar nichts Schnippisches zu sagen. Mist.

Der nächste Absatz bietet aber wieder viele Möglichkeiten. Zunächst mal kommt die Feststellung:

Computerspieler sind keine Randgruppe.

Das ist an sich richtig. Wir Spieler sind eine so große Gruppe, dass wir eigentlich ein denkbar schlechtes Ziel für Diskriminierung abgeben sollten. Dummerweise sind wir völlig unorganisiert und werden, wenn überhaupt, von Organisationen wie dem “G.A.M.E.” (Augenroll) vertreten, die an Zahn- und Hilflosigkeit kaum zu überbieten sind.

Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner.

Wer ernsthaft glaubt, dass ein 40-jähriger Politiker und ein 70-jähriger Rentner von Videospielen genauso begeistert sind, wie ein 6-jähriges Mädchen, der ist nicht nur naiv, der ist schlichtweg dumm.

Wir sind inzwischen soweit, dass 6-jährige Mädchen tatsächlich häufig schon von Videospielen begeistert sind. (Laut einer Liste eines amerikanischen Einzelhandelsverbandes taucht sowohl das Nintendo DS als auch die Playstation 3 in den Top 10 der Liste von häufigsten Weihnachtswünschen von Mädchen auf.) Das ist ein großer Sieg. Wer aber mal versucht hat, seinem Opa auch nur das Konzept eines Videospiels zu erklären, der wird wissen dass die Lage auf der anderen Seite des Alterspektrums völlig anders aussieht. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber auch diese Ausnahmen sind selten. Dass 40-jährige Politiker selten Videospiele spielen, kann man im übrigen im Moment ganz gut der Presse entnehmen. Schaut mal rein, lieber Bundesverband.

Schnell werden vom “G.A.M.E.” (ihr wisst schon…) noch die Eltern in die Pflicht genommen (nicht falsch, aber auch keine sonderlich frische Idee) und dann fängt die Suche nach der wahren Ursache für den Amoklauf an.

Was ist die Antwort des “G.A.M.E.”? Wird das soziale Umfeld des Täters analysiert, sein Brief, seine Einsamkeit, seine Perspektivlosigkeit? Fragt man sich, warum niemand in der Lage war seine Probleme zu erkennen, oder gar seine Hilferufe zu hören?

Ach Quatsch. Man macht einfach das gleiche wie die Politiker und sucht sich einen eigenen Sündenbock. Für den “G.A.M.E.” sind nämlich die Waffen schuld!

Äh, wir waren es nicht! Der war’s!

Wie die Kindergartenkinder. Ich weiß nicht genau wie das funktionieren soll (vielleicht haben die Waffen ja nachts unter seinem Bett gelegen und ihm zugeflüstert “Du musst töööööten!”), aber ist ja auch egal. Hauptsache jemand anders ist schuld.

Fähigkeit zur Selbstkritik? Fehlanzeige. Konstruktive Hinweise auf echte Ursachen? Fehlanzeige.

Jeder der auf Spielerseite hingeht und mit dem Finger auf die Waffen zeigt, macht sich in meinen Augen lächerlich. Wenn Waffen die Ursache für den Amoklauf sein können, dann können es nämlich auch Spiele sein.

Wer selbst Sündeböcke sucht, der darf sich nicht beschweren, wenn er plötzlich einer ist.

Klar, eine Waffe ist etwas anderes als ein Videospiel. Letzteres ist ein Kulturgut und am Ende des Tages ist eine Waffe immer noch ein Gerät, das speziell zum Töten entwickelt wurde. Klar, er hätte die Waffen nie haben dürfen, aber man kann auch mit einem Küchenmesser Amok laufen. Die Frage ist doch, warum er überhaupt die Waffen haben wollte.

Der Frage will man beim “G.A.M.E.” aber lieber aus dem Weg gehen. Hauptsache jemand anders ist schuld. Wisst ihr was? Ich wette die würden sich mit Herrn Beckstein prima verstehen.

73 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , ,
Das hat nicht lange gedauert

verboten.jpg

Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.

Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.

Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.

Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?

Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?

Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.

Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.

Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.

Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”

Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.

Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.

Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.

Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.

Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.

Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (“tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.

Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.

Oder auch nicht.

Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:

Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?

Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

143 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , , ,