
Ich liebe 24. Wenn Jack “Jack Bauer” Bauer sich durch Horden von Terroristen* foltert, dann geht mir einfach das Herz auf. Klar, das ist nicht sonderlich politisch korrekt, aber niemand improvisiert so schön aus einer Schreibtischlampe ein Folterwerkzeug wie Jack. Wenn du morgen früh aufwachst, dann nur weil Jack Bauer wollte, dass du aufwachst.
Als häufigste Todesursache von Männern aus dem mittleren Osten, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Jack Bauer auch mal unseren Konsolen einen Besuch abstattet. Schließlich rufen überdurchschnittlich viele Gegner in Videospielen “Yalla! Yalla!”, bevor wir ihnen ein bis zweihundert Kugeln durch den Kopf jagen. Normalerweise ist für solche Spiele Ubisoft mit ihrer “Tom Clancy”-Marke verantwortlich, aber in diesem Fall hat Jack Bauer Sony Cambridge mit vorgehaltener Waffe gezwungen in zu digitalisieren.
“Finish this game! NOW! I have nothing to lose!”
Genau das haben sie dann auch gemacht und so steht “24 – The Game” jetzt in den Läden. (Hierzulande allerdings erst in zwei Wochen.) Dabei sehen die ersten Kritiken allerdings eher nicht so gut aus. Gamespot gibt dem Spiel eine 6.2 und IGN sogar nur 4.2. Und seien wir mal ehrlich, die meisten von uns wussten gar nicht, dass IGN so niedrige Zahlen überhaupt verteilt.
Jetzt wo sie Jack Bauer verärgert haben, werden sie natürlich nie wieder irgendwelche Zahlen verteilen können. Nein, liebe Redaktion, es hilft auch nicht eurer Schreibtischlampen zu verstecken. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euch die Augäpfel zu entfernen. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euch einen Finger nach dem anderen zu brechen. Jack braucht keine Schreibtischlampe, um euren Chirurgen dazu zu zwingen euch auf dem OP-Tisch sterben zu lassen.
Da ich als “liberal” ja sowieso nur noch lebe, weil ich Jack bisher geschickt aus dem Weg gegangen bin, weiß ich genau was ich tun muss um nicht auf seiner shitlist zu landen: Ich lobe sein Spiel!
Jawohl, “24 – The Game” rockt.
Und ich sage das nicht nur, weil ich meine Augen, Finger und Familie mag, oder weil ich allergisch gegen Elektroschocks bin. Ich mag es wirklich.
Zunächst mal muss man die Präsentation loben. Alle Originalschauspieler sind dabei. Ausnahmsweise sehen diese im Spiel auch nicht aus wie entsetzliche Zombieversionen ihrer selbst, sondern sind erschreckend originalgetreu nachgebildet. Und was sie sagen macht Sinn! Okay, es macht keinen Sinn, weil es in der Serie ja auch nie Sinn macht. Aber ihr wisst schon was ich meine. Das Ganze ist halt gut geschrieben. Und die Musik (vom Originalkomponisten) ist auch prima. Überhaupt hat das Spiel alles, was einem 24-Fan das Herz höher schlagen lässt. Es gibt jede Menge Splitscreens, Kim ist mal wieder in Gefahr, Nina ist böse, Jack schreit an Stühle gefesselte Leute an und Chloe runzelt dauernd die Stirn.
Im Großen und Ganzen fühlt man sich bei dem Spiel so, als dürfte man bei einer neuen Staffel der Serie mitmachen. Eigentlich gibt es ja kaum ein größeres Lob für so eine Art von Spiel.
Klar, es gibt auch Schwachpunkte. Die Steuerung der 3rd Person Shooter Level ist nicht wirklich sonderlich gelungen. Wenn man so was schon aus einem anderen Spiel klaut (in diesem Fall 007: Everything or Nothing), dann bitteschön auch richtig. Wobei, EA hat das ja selber für das letzte Bond-Spiel nicht hinbekommen. (Nutzloses Triviawissen des Tages: Der Komponist von 24, Sean Callery, hat auch die Musik für Everything or Nothing gemacht.) Außerdem ist die Framerate in den Autoleveln doch arg zäh.
Die Shooter- und Autolevel machen dann auch den Hauptanteil des Spiels aus. Aufgelockert wird das alles allerdings noch durch einen riesigen Haufen von Minispielchen. Da werden Gefangene ausgequetscht, Satellitenfotos analysiert und Bomben entschärft. Außerdem darf man Scharfschütze spielen, Türschlösser knacken und Dateien entschlüsseln. Und wenn man sich bei Sony auch nicht ganz an das Echtzeitgimmick der Serie gehalten hat, so fühlt sich das Spiel trotzdem fast so an. Das liegt unter anderem auch daran, dass die meisten Sachen irgendwie unter Zeitdruck passieren.
Für einen Fan der Jack Bauer Power Hour gleicht 24 – The Game seine spielerischen Schwächen jedenfalls locker durch ein flottes Tempo, super Präsentation und viel Abwechslung wieder aus. Wärmstens empfohlen.
Und denkt immer daran: Der einzige Grund, warum ihr noch bei Bewusstsein seid, ist dass Jack Bauer keine Lust hat euch zu tragen.
* Alternativ sind auch die Ehemänner seiner Freundin akzeptabel.