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… aber bitte nicht nachmachen!


Ok, dieser Trailer zu Metal Gear Solid Rising deckt die ganze Bandbreite zwischen “fruchtig” und “durchaus ein klein wenig blutig” und “igitt!” ab. Ich denke, darauf kann man sich einigen.

Das neue Metal Gear Solid ist sicher nichts für Kinder. Das ist die andere Sache, die einigermaßen klar vermittelt wird. Darüber hinaus bringt mich so einiges ins Grübeln.

Wirklich putzig und ein ganz klein wenig verwirrend, dass Entwickler Shigenobu Matsuyama von Kojima Productions Monate nach jenem E3 Trailer scheinbar kalte Füße bekommt und einen Skandal à la GTA befürchtet. Man wolle die Spieler keineswegs zu solcherlei fröhlichen Schnetzelorgien ermutigen, heißt es da und “der Trailer ist fast schon übertrieben”. Da wäre ich ja nie drauf gekommen – der Trailer, am Ende ist der leicht überzogen? Keine Chance.

Komischerweise steht da drin dick und weiß “Cut.” und “Cut what you will.” und enthält über seine 2:32 Minuten Laufzeit vielleicht 20 Sekunden ohne Schnipselei. Dieser Trailer ist voller cut.

We do not recommend you play like the trailer.

Entweder ist das geschickte PR, um den Trailer vom April vor dem Release noch mal so richtig ins Gespräch zu bringen oder eine der dämlichsten Entwickleräußerungen einer an dämlichen Äußerungen nicht gerade armen Branche. Oder beides gleichzeitig.

Ein anderes Highlight im Eurogamer Interview: Matsuyama beschreibt wie das Schleich-Element im Spiel “Action-Stealth” und nicht “Wait-Stealth” ist – denn: ”

You will hide because you don’t want to be spotted by the enemy.

Also ganz anders und neu als in anderen Versteckspielen: Man will nicht vom Feind gesehen werden. Hm, irgendwie will mir der innovative Aspekt nicht recht klar werden. Das hier muss erstmalig in der Geschichte der Spieleszene sein: Der Hersteller macht mit einem bewusst reißerischen Trailer Werbung – das darin gezeigte Gameplay sollte der Kunde aber noch lieber nicht wirklich ausprobieren. Warum? – Das wäre …ein Fehler, heißt es nebulös.

Whoa. I’m learning my English now.

Glaub’ ich sofort, Matsuyama-san.

18 Kommentare Autor: Denis
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Leihgespielt: 20 Minuten Heavy Rain

heavyrain

Denis hat eine neue Playstation 3 und leiht sich bei seinen Freunden Spiele aus, die er entweder nur mal kurz anspielt oder nicht mehr von ihnen lassen kann. Dies sind seine Abenteuer.

Nun nun. Das ist es also, der groß angekündigte spielbare Krimi um den Origamikiller. Das sieht ja doch eher etwas steif aus, was die Animation angeht, so schießt mir der erste Eindruck durch den Kopf. Ich bin auch auch nicht sicher, warum ich nun aufstehen muss – immerhin ist das so eine Sache die ich auch im Real Life nur höchst ungern erledige. Warum kann mein bislang namenloser Charakter nicht einfach in seiner scheinbar direkt aus Unhappy Hipsters geklauten Wohnung bleiben und sich einfach auf die andere Seite drehen… um noch eine vielleicht unverdiente, aber doch sehr angenehme Runde zu pennen? Das wäre doch mal die vielgewünschte Handlungsfreiheit, die ich endlich mal in modernen Spielen umgesetzt sehen möchte verlange!

Verdammt noch mal, das musste mal gesagt werden.

Dann kommt die Frau nach Hause und ich verhampel es, ihr die Einkäufe abzunehmen und fühle mich sehr realitätsnah wie ein nutzloser Trampel – nichts gearbeitet und dann noch nichtmal ein halbwegs nützlicher Einkaufstütenabnehmer. Hmm-hmm. Ich habe dann Heavy Rain erst einmal liegen gelassen und weiter Uncharted 2 gespielt – das fängt ungleich dramatischer an und man kann nicht schon im Tutorial so schmählich versagen.

Ein Film muss den Zuschauer in 10 Minuten packen; Heavy Rain schafft es bei aller Filmnähe nicht einmal, die einfachsten Gesetze eines Krimidrehbuchs zu befolgen. Ich gebe das Spiel trotzdem noch nicht auf.

Aber ich denke schon noch daran, was da noch auf mich warten könnte – eventuell muss ich Rührei machen? Die Küche wischen? Meine lieben Antigamer, ich spüre mein Herz gerade ganz heftig pochen. Meine Hände zittern beim tippen, so dass ich besser den Beitrag schnell beende. Ich kann es nämlich kaum erwarten.

12 Kommentare Autor: Denis
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Die Konsolidierung des Leihspielers: Von PC zu PS

Atari 2600

Wenn ich mal ganz ehrlich bin, dann hat meine Spielerkarriere damals an einer Konsole begonnen; damals als man die Spiele noch auf kleinen schwarzen Kistchen transportierte, die man wie alle Datenträger “Kassetten” nannte, jedenfalls taten wir Kinder das. Die Konsole war eine Atari 2600, noch im klassischen “Eiche rustikal” Design, welches so hervorragend in die trügerisch sichere Wohnung des so dicken wie coolen Nachbarsjungen passte – cool, weil er nicht nur eine Atari 2600 besaß und fiese Spiele wie Chopper Command, sondern auch weil er jedes Mal Captain Future im Fernsehen anschauen durfte. Außerdem lebte er bei seinen bereits prä-atari schwerhörigen Großeltern, was es entschieden leichter machte, die Spiele richtig – ungestört und in voller Lautstärke nämlich – zu genießen.

Das war dann aber auch mit Konsolen, niemals hätten meine Eltern so ein … Ding angeschafft, das nur für Spiele gedacht war und nicht etwa – so wie ein Commodore 64 – auch ein unglaublich lehrreiches Gerät, welches dann auch angeschafft wurde. “Aber da kommen uns keine Spiele drauf, ist da klar?.” Klar doch. Niemals.

Nun, das war vor – Du meine unsterbliche Güte! – eindeutig mehr als 20 Jahren mein letzter Kontakt zur Spielkonsole, dem unheiligen Feind des anspruchsvollen Computerspielers. Irgendwann war da der PC und nach ein paar Jahren brauchte man nicht einmal mehr einen Joystick. Bis vor wenigen Wochen. Da steht jetzt also diese windschnittige, ungemaserte Plastikkiste aus dem Hause Sony und natürlich spielt sie ganz freundlich Videos aus dem WLAN ab und frisst glücklich alle möglichen Filmschillerscheiben. Eigentlich war das ihre Aufgabe. Spielen? Auf einer Konsole? Nie-mals.

Natürlich bin ich nicht so weit, mir Spiele zu kaufen, so viel Stolz ist mir (noch) geblieben – aber zum Glück gibt es gute Freunde, die mir gelegentlich in unterirdischen Bielefelder Kaschemmen eine Tasche voll aktueller, flugs durchgespielter Toptitel unterschieben können.

Die probiere ich nun der Reihe nach durch und stelle fest: Da fehlt doch etwas an der sonst wundervollen PS was sich am ollen Atari so gut gemacht hat – vielleicht habt ihr es auch bemerkt: Der Joystick. Wie soll man denn sonst ein Spiel steuern, mit diesen vielen kleinen Knubbeln auf diesem… Controller etwa? Das geht? Ich habe meine wohlbegründeten Zweifel, auf dem Sofa zu spielen, das war schon schockierend genug für mich und nun auch noch weder Tasten noch Knüppel, das ist fast schon zu viel für mich. Meine Klauen sind einfach zu dick und zu gichtig und bewegungseingeschränkt für sowas, oder? So schnell gebe ich nicht auf. Aber ich leide in Zukunft nicht länger allein. (Eigentlich leide ich gar nicht, die PS3 macht mir nämlich eine Menge Spaß, aber ich brauche ja wohl eine wenig Drama, oder?)

Nach einer grausigen Demütigung im Multiplayer – WipeOut HD gegen angeblich “schrecklich schlechte” Freunde – ich kürze das Geschehen sinnwährend auf “Denis trifft auf Mauer – Bumm!” – werde ich weitere Erschütterungen meines Gamer-Egos hier vor aller Antigamer Augen dokumentieren. Ich, der Leihspieler.

Auch wenn Sony einfach keinen Joystick herausbringen will. (Warum nicht? Schamlos.)

16 Kommentare Autor: Denis
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Notizen für 2008

Huch! 2007, ein wirklich spannendes Jahr für Leute, die gerne mal was spielen, ist auf einmal vorbei. Einfach so. Höchste Zeit, sich Gedanken über seine guten Vorsätze für 2008 zu machen! Keine Angst, ich werde euch nicht mit Krams wie “mal wieder 5 Kilo abnehmen”, “weniger gemein zur Freundin sein” und “öfters Mama anrufen” langweilen, sondern nur mit all den kleinen, schönen, Spiele-bezogenen Dingen!

Hendriks gute Spiele-Vorsätze für 2008:

» mehr von den gekauften Spielen auch wirklich ausgiebig spielen (bzw. durchspielen). Viele teuer eingekaufte Spiele landen nach wenigen Tagen, manchmal sogar schon wenigen Stunden im Regal und werden dort erst wieder in tausendundfünf Jahren von den außerirdischen Invasoren ausgegraben, die in den Ruinen der menschlichen Zivilisation nach Spuren unserer Unterhaltungsgewohnheiten suchen und sich über Sims 2 mit allen Addons (sogar das mit den Tierchen!) wundern.

» weniger Spiele kaufen, mehr Spiele ausleihen! Als frischer Brightonian werde ich mich bald bei lovefilm.com anmelden, wo man nicht nur Film-DVDs, sondern auch Videospiele ausleihen kann. Ideal für solche “meh, aber vielleicht macht’s ja doch Spaß”-Machwerke wie Sk8te oder die nächsten fünf Needs for Speeds. Falls doch eine Perle dabei sein sollte, kann ich sie immer noch kaufen. Dafür kostet mich der ganze Rest sehr viel weniger als bisher.

» die PS3 wirklich nur dann kaufen, wenn es ein echt wahnsinniges, exklusives Super-Spiel dafür gibt. Bei der PS2 war es damals für mich GTA3. Bei der PS3 sehe ich da aktuell nichts am Horizont, nicht mal Little Big Planet macht mich seit der GC-Enttäuschung noch groß an. Ich muss der Versuchung widerstehen, mir das doofe Teil einfach trotzdem zu kaufen. Gna!

» mehr World of Warcraft spielen. Nicht zu viel, immerhin habe ich ein echtes Leben, mit tollen Freunden, die mich ständig besuchen kommen, und einem Facebook-Foto, auf dem ich viel besser aussehe als in echt. Hmm; okay. Streicht das alles. Ich sollte World of Warcraft spielen, und zwar viel davon. Meine Gilde braucht mich.

» öfters mal Leute zum Spielen einladen! Spiele machen, wie so ziemlich jede andere Aktivität, in der Gruppe einfach mehr Spaß. Und wozu hab ich sonst Wii Sports und ein Wohnzimmer mit verhältnismäßig viel Platz? Auf Xbox Live von dummen Amerikanern als Nazi beschimpft zu werden ist doof. Hier machen das intelligente Engländer!

» mal wieder in die Spieleentwicklung reinschnuppern. XNA soll ja geile Scheiße sein und wär mir fast genug wert, um meinen armen Mac durch eine Bootcamp-Windows-Partition zu verschändeln. Die Tools gibt es inzwischen alle kostenlos — eigentlich gute Zeiten für Hobby-Entwickler. Viele werden sicherlich frustriert sein, dass nach ein paar durchhackten Nächten mit Chips und Cola kein Sims 2 mit allen Addons (sogar das mit den Tierchen!) entsteht, mit dem man die außerirdischen Invasoren beeindrucken kann, aber irgendwie müssen die Kids es ja lernen, und Platz für ein paar coole Indie-Casual-Titel gibt es immer. Oder Spiele im Web? Flash ist inzwischen eine ernstzunehmende Plattform für Spiele und Spielchen aller Art, und Microsofts Konkurrent Silverlight wird da auch noch ein Wörtchen mitreden wollen.

Wünsche euch allen auf diesem Weg ein gemütliches Weihnachtsfest und einen großartigen Rutsch ins neue Jahr. Ich freu mich drauf.

52 Kommentare Autor: Hendrik
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Re: Mangel an neuen Beiträgen

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Wahrscheinlich hat sich noch niemand hier gefragt, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Der Grund ist folgender: im Moment geht mir alles rund ums Thema Videospiele so richtig auf den Sack. Ich bin jetzt schon lange genug dabei -nicht bei Antigames natürlich, sondern bei meinem Hobby- um zu wissen, dass diese Apathie/Lethargie immer phasenweise auftritt und nie von langer Dauer ist. Dennoch, im Moment würde ich die gesamte Industrie und alle, die sich ihr verbunden fühlen, am liebsten mal wieder in ein Fass mit rostigen Nägeln stecken und im Meer versenken. Alles, was vor kurzem noch im grünen Bereich war, erscheint mir heute irgendwie grau (oder doch eher beige? Oder braun?)

Für sämtliche Konsolenhersteller und ihre süss-saure Galle spuckenden Apologeten habe ich nur Verachtung übrig. Für die Kackspaten von Sony, weil die PS3 zwar Krebs heilen, aber nicht mal vernünftig alte Spiele emulieren kann. Zumindest hier in Europa, weil, wir kriegen hier schliesslich immer eine Extrawurst gebraten. Für die Binnenseepiraten von Microsoft, weil sie es tatsächlich geschafft haben, Geld in Punkte zu verwandeln und kumulative Hiscores zu einem salonfähigen Diskussionsbeitrag zu machen (“Hey, ich habe 62050 Punkte!” “Echt? Wodrin?” “Pacman, Winter Games und The Lurking Horror.”). Und für die Macrocneminaden von Nintendo, weil sie existieren! “Spiele? Wozu? Wir sind Nintendo, ihr Hunde!” Wisst ihr was, ihr könnt euch eure albernen Konsolen fürs Erste einmal dahin stecken, wo Bartel den Most holt.

Ebenso in den Verbannungscontainer gehört diese geifernde Brut, deren einzige Lebensaufgabe es zu seien scheint, wildfremden Leuten ihre Freizeitbeschäftigung madig zu machen. Und damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen (Gott mit dir, du Land der Bayern!), sondern ebenso diese bizarre Subspezies an Videospielern, die ihr vertrocknetes schwarzes Herz bei jeder sich bietenden Gelegenheit im gesamten Internet ausschütten müssen. Es ist mir sowas von scheissegal, dass Beliebte Serie X, Teil 5 jetzt auch auf der 360 erscheint. Wenn überhaupt, dann ist das ein Grund zum Feiern und kein Anlass zur Selbstbebauchpinselung, ihr blöden Labialspakaken. Denkt immer dran, sobald der INTERNATIONALE KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN TERRORISMUS™ ein Datennetzidentifikationspflichtgesetz hervorgebracht hat (nur noch eine Frage der Zeit), werde ich den Mob anführen, der euer Haus niederbrennt.

Ein donnerndes Pfuibuh geht bei dieser Gelegenheit auch an die “”Fachpresse”" (ein Satz Anführungszeichen hätte hier nicht mehr genügt), die sich auf der Suche nach Neuigkeiten in immer bizarreren Belanglosigkeiten ergeht. Wenn heutzutage irgendwo auf dieser Welt irgendein Mitarbeiter irgendeines Spiele-assoziierten Unternehmens in die Nähe eines Mikrophons oder einer Tastatur gelassen wird und irgendetwas sagt, dann wird daraus ganz schnell eine Nachrichtenmeldung epischen Ausmasses (Hallo Boris). Ebenso geht mir die heuchlerische Scheinheiligkeit der Presseheinis furchtbar auf die Nerven. Ist ja toll, dass immer mehr und immer verschiedenere Menschen Videospiele mögen, und dass nur wenige Prozent der hierzulande erscheinenden Spiele vor den strengen Augen der Tugendwächter in Ungnade fallen. Warum ist die Berichterstattung dann aber immer noch so dominiert von männlichen Männerspielen wie Halo, Gears of War und God of War? Wenn die umjubelten, millionenschweren Spitzenprodukte der Industrie zum Grossteil immer noch solche Spiele sind, in denen man andere Spielfiguren vom Leben zum Tode befördert, dann ist das beschämend für uns als Spieler und Wasser auf die Mühlen unserer Kritiker.

So, und deshalb habe ich schon länger nichts mehr geschrieben.

48 Kommentare Autor: Stefan
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Konsolen-Schock: Sony macht was richtig!

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Mal ganz ehrlich, so langsam war es schon nicht mehr witzig. Erst war es ja echt amüsant sich über Sony lustig zu machen. Aber dann machten sie immer mehr falsch, bis sie schließlich so ziemlich alles falsch machten, was man nur falsch machen konnte. Und dann machten sie noch ein paar Sachen falsch, die man eigentlich gar nicht falsch machen konnte. Dieses inhaltliche Versagen wurde dann noch mal von dem unglaublichen Gebaren der Führungsriege verstärkt, die – mit einer erstaunlichen Realitätsferne ausgestattet – so auftraten als wollten sie, dass man sie hasst.

Jenseits der abwechselnd witzigen und peinlichen Kommentare von Phil Harrison und Co. war es aber immer die Konsole selber, die wirklich zählte. Was interessiert uns das Geschwätz von ein paar Anzügen, wenn das Gerät selber rockt. Dummerweise hat genau dieses Gerät leider nie ein ernsthaftes Feature geboten, dass die Konkurrenz nicht auch hatte. Nur halt in fertig. Und im Laden zu kaufen. Sony klammerte sich zwar immer wieder an Pseudo-Features wie 1080p und Blu-Ray, aber ersteres schob Microsoft mal lässig per Firmware-Update nach und zum Leidwesen von Sony merkten die meisten Leute, dass Blu-Ray nicht als Spielehardware gedacht war, sondern schlicht dazu dienen soll die PS3-Kunden für die Vorherrschaft eine Sony-Videoformates zahlen zu lassen.

Schlimmer noch, in vielerlei Hinsicht wirkte man, als hinke man der Konkurrenz hinterher. Die 360 gibt es seit geschätzten drei Ewigkeiten, aber in Europa ist die PS3 immer noch nicht raus. Dem zum zweiten Mal recycelten PS1-Controller nach der Vorstellung von Nintendos Wiimote noch hastig ein paar Bewegungsmelder einzubauen, war auch nicht gerade ein Zeichen von riesig viel Vision in Hause Sony.

Ach ja, und dann war da noch der Preis. Autsch.

Während sich die 360 also langsam aber sicher einen ordentlichen Next-Gen-Vorsprung erarbeitete und die Wii gar einen kleinen Begeisterungssturm auslöste, blieb außer akuter Fanboyitis eigentlich kein ernsthafter Grund sich für die PS3 zu begeistern. Klar, irgendwann werden interessante Exklusivspiele kommen und dann holt man sich das Ding halt. Sonys alte Werbekampagne schien plötzlich dennoch prophetisch zu sein: The Third Place indeed.

Hatte man sich am Anfang noch mit “massive damage”- und “Riiiiidge Racer”-Witzen amüsieren können, war die Beobachtung von Sony in letzter Zeit fast so, als hätte man einen Fisch auf dem Trockenen erwischt. Sein hilfloses Zappeln mag Anfangs noch ganz lustig gewesen sein, aber irgendwann hat man Mitleid und will ihn zurück ins Wasser werfen.

Zu dumm, dass es sich bei Sony um einen 68 Milliarden Dollar schweren Fisch handelt, dem einfach nicht zu helfen ist, wenn er sich nicht selbst zu helfen weiß.

Tja, und heute mussten wir dann gewaltig staunen. Der Fisch ist noch nicht wieder im Wasser, aber irgendwie hat er sich näher ans Ufer gezappelt. Wie hat der das gemacht?

Mit Home.

Tatsächlich hat die PS3 jetzt ein ernstzunehmendes Feature, dass die Konkurrenz nicht hat. Wir hatten uns alle ja schon lange gefragt, wie die Onlinestrategie der PS3 aussehen würde. Nachdem man in der letzten Generation quasi so getan hatte, als wäre “online” eine ansteckende Krankheit, und zum Launch der Konsole immer noch nichts zu vernehmen war, sah es zunächst nicht so gut aus. Das Beste auf das wir gehofft hatten, war eine zweitklassige und unausgereifte Nachprogrammierung von Microsofts exzellentem Live-Service.

Aber nix da. Die komplette Benutzeroberfläche der Konsole in ein MMO zu verwandeln, inspiriert von den Sims und Second Life, das ist mutig. Das hat Vision. Das macht uns leuchtende Augen. Sony mögen intern die zwar die Augen hauptsächlich leuchten, weil sie über all die neuen “revenue streams” nachdenken (glaubt ja nicht, dass die coolen Klamotten für euren Avatar umsonst sein werden), aber wir freuen uns einfach weil es neu und shiny ist.

“Neu” übrigens nicht im Sinne von “jetzt hat Sony endlich auch mal was gemacht”, sondern “neu” im Sinne von “endlich hat Sony bewiesen, dass dort zumindest noch die eine oder andere Person mit Vision sitzt”. Gott sei Dank. Wurde auch Zeit.

Also: Herzlichen Willkommen zurück im Spiel, Sony. Jetzt habt ihr unsere Aufmerksamkeit. Zum allerersten mal seit einer gewissen E3 mit historisch korrekten Riesengegnerkrabben. Wenn ihr diese Aufmerksamkeit weiterhin für Ankündigungen wie “Little Big Planet” nutzt und gewisse Leute einfach mal die Klappe halten und einen Hauch von Demut und gesundem Menschenverstand zeigen, dann können wir vielleicht wieder Freunde werden.

Vielleicht.

PS: Microsoft flattern schon die Hosen. Boris Schneider versucht auf seinem Blog gerade verzweifelt, Sony Home schlecht zu reden. So nach dem Motto “das ist doch eh alles scheiße und überhaupt, die kriegen das bestimmt nie fertig”. (Wann ist aus dem coolen Boris von damals eigentlich dieser Unsympath geworden? Echt Schade.)

101 Kommentare Autor: Richard
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Wo Logo, Wii?

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Meine Wii ist mir immer noch sehr sympathisch. Im Moment bereitet sie mir z.B. mit ExciteTruck überraschend viel Freude. Aber auch jenseits davon habe ich sie einfach gerne. Unter anderem sieht sie einfach schick aus, besonders wenn das blaue Licht leuchtet (für das ich mir übrigens immer noch einen Anschaltknopf irgendwo in den Optionen wünsche). Mit der Wii und dem DS Lite sind Nintendo endlich mal Konsolen geglückt, die man nicht unbedingt vor seinen Besuchern verstecken möchte.

Klar, das Design ist mehr oder weniger von Apple abgeguckt, aber was soll’s. Besser von den Experten klauen, als es schlecht selber zu machen. Nach den diversen Designdesastern der jüngeren Vergangenheiten (Xbox 1, PS2, Original-DS) und auch der nicht so jungen Vergangenheit (PS3) ist es gut zu wissen, dass auch die Videospielbranche hin und wieder dazu in der Lage ist, gutes Industriedesign abzuliefern.

Das gilt im übrigen auch für das Hauptmenü der Wii. Ich finde die Channels zwar ein wenig albern, aber trotzdem. Die Wii Menüs sehen nicht nur schick aus, sie sie funktionieren auch prima und klingen sogar gut!

Eine ganz wichtige Sache fehlt der Wii aber. Nämlich ein vernünftiges Startup-Logo. Wenn ich eine Konsole anschalte, dann will ich gefälligst, dass das da eine schicke Animation mit ein bisschen Gebimmel abgespielt wird. Klar, gar keine Animation ist immer noch besser als das ensetzliche Video, mit dem Xbox immer startet und dessen Geräuschkulisse anscheinend aus diversen Darmgeräuschen zusammengesetzt wurde. Andererseits hat gerade Nintendo hat mit dem Cube doch vorgemacht, wie man eine coole und sympathische Start-Animation hinbekommt.

Warum sie darauf bei der Wii verzichtet haben, ist mir nicht ganz klar. Das DS (Lite) hat ja auch noch eine. Für mich gehört so was irgendwie zur Identität einer Konsole dazu. Noch wichtiger, es hat geradezu Tradition.

Das allerschlimmste ist aber, dass man beim Start der Wii nicht nur auf eine Animation verzichten muss, sondern dass diese mit einer blöden Gesundheitswarnung ersetzt wurde.

“Videospielen könnte ihren Kopf zum Explodieren bringen. Drücken Sie bitte A um dies zu bestätigen.”

Na vielen Dank, Nintendo. Anstatt uns mit einem schnuckeligen Logo aufzumuntern, kriegen wir erstmal so einen Downer präsentiert. Echt, eeines Tages werden wir morgens von unseren Betten informiert, dass das Leben voller Enttäuschungen ist, und gefragt ob wir nicht lieber liegen bleiben wollen. Wenn wir das verneinen, werden wir dann digital unterschreiben wir müssen, dass wir trotz ausführlicher Warnungen und sowohl völlig freiwillig als auch im Vollbesitze unserer geistigen Fähigkeiten trotzdem aufstehen wollen.

Diese Attitude ist nicht sehr…Nintendo, zumal andere Konsolen ja auch auf diesen Unsinn verzichten. Klar, bei der 360 ist die Wahrscheinlichkeit beim Tennisspielen von der deiner Freundin eine Wiimote ins Gesicht geknallt zu bekommen deutlich geringer als auf der Wii, aber andererseits hat ja auch das DS so eine Gesundheitswarnung. Wofür? Keine Ahnung. Ich habe die nie gelesen.

Immerhin hat das DS noch den Anstand uns mit einer Animation von der deprimierenden Warnung abzulenken. Ba-da-bing!

Also Nintendo, hier sind meine Forderungen für das nächste System-Update: Erstens, ein schickes Start-Logo. Zweitens, einen Knopf um die blaue Lampe permanent einzuschalten. Drittens, weniger Warnungen vor der großen bösen Welt. Wenn ihr gehorcht, dann verspreche ich auch mir das eine oder ander überteuerte VC-Spiel zu holen. Vielleicht Pilotwings 64?

Obwohl, ich schätze das wäre wiederum eine Forderung für sich.

54 Kommentare Autor: Richard
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Was vom Tage übrig blieb

E3 und kein Ende. Vor lauter Pressekonferenzen sollte man aber nicht vergessen, dass es dieses Jahr eigentlich um Software geht, immerhin war die E3 2005 ja das Jahr der grossen Konsolenenthüllungen, jetzt geht es für die drei Firmen eigentlich nur darum, ihre Claims abzustecken. Denis ist ja schon auf PC-Rollenspiele eingegangen, heute soll es daher um Konsolentitel gehen, die mir besonders ins Auge gefallen sind (autsch!).

Super Paper Mario

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Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich bin richtig scharf auf dieses Spiel. Und eigentlich auch nur deshalb, weil es absolut fantastisch aussieht und auch noch für den sträflich vernachlässigten Gamecube erscheint. Hoffen wir mal, dass sich NoE nicht wieder drei Jahre Zeit lässt, bis das Spiel auch hier zu haben ist. Der Japan-Termin ist immerhin schon im August.

Persona 3

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Freunde obskurer japanischer Rollenspiele werden sich freuen zu hören, dass Persona 3 wohl auch in den Staaten veröffentlicht wird. Das stand angeblich anfangs ein wenig auf der Kippe, da Selbstmord wohl eines der zentralen Themen dieses Spiels ist und sich im Trailer reihenweise Schüler erschiessen, um Dämonen zu beschwören. Tja, schon Persona 2 war eher was für Erwachsene, und wer es noch nicht gespielt hat, sollte das schleunigst nachholen.

Cooking Mama

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Dazu habe ich ja neulich schon was geschrieben, und inzwischen hat Publisher Majesco einen Release im Westen bestätigt. Wenn das mal kein Kaufgrund für ein DS ist. Ich muss Richard bei Gelegenheit mal fragen, was es mit Cooking Mama Wii auf sich hat. Geht ja nicht an, so Gerüchte in die Welt zu setzen, ohne sie mit Quellen zu untermauern.

Rogue Galaxy

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Jawoll, nach einer viel zu langen Wartezeit wurde das Action-Rollenspiel von Level 5 endlich für die Staaten angekündigt. Wurde aber auch Zeit. Zur Beschwichtigung packt Sony aber eine grosszügige Menge an Boni obendrauf. Ein neuer Planet, neue Quests, ein verbessertes Kampfsystem und tonnenweise neue Gegenstände sollten zur Kompensation eigentlich ausreichen. Wer mit Level 5 nun überhaupt nichts verbinden kann, sollte dringend Dark Chronicle spielen, mithin eines der besten Spiele für die PS2.

Silent Hill: Origins

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Auch die PSP kriegt neues Spielefutter in Form von Silent Hill: Origins, einem Prequel zur Serie. Es bleibt abzuwarten, ob Konami auch auf einem Handheld eine ansprechende Horroratmosphäre erzeugen kann, aber gespannt bin ich allemal. Die Details sind bisher sehr spärlich, laut Gamefront.de spielt man einen Trucker namens Travis O’Grady, der dank neuartigem “Barricade System” Möbel durch die Gegend schieben kann. Nun ja, das klingt ja noch nicht wirklich gruselig.

So, und jetzt seid ihr dran.

22 Kommentare Autor: Stefan
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Zehn Jahre Gräber plündern – Eine Retrospektive

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Ein rosarot gefärbter (?) Rückblick auf Aufstieg und Fall von Lara Croft in sieben Kapiteln. Das könnte jetzt etwas länger werden, deshalb gibt’s als Erstes mal ein Continue Reading »

38 Kommentare Autor: Stefan
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Quicky in der Gruft

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Also dann, das neue Tomb Raider ist da. Das Spiel ist super, keine Frage, und definitiv eine gelungene Wiederbelebung der totgesagten Serie. Hut ab, Crystal Dynamics, das war eine prima Leistung. Aber diese Seite hiesse nicht Antigames, wenn wir uns ewig lange mit den positiven Seiten von Videospielen aufhalten würden. Das machen schon die Anderen für uns. Also, was gibt es an Frau Crofts aktuellem Auftritt rumzumäkeln?

Zunächst mal das Offensichtlichste, ich habe Tomb Raider Legend am Freitag nach der Arbeit gekauft und vor einer knappen Stunde die Credits vorbeirollen sehen. Das Spiel ist kurz, verdammt kurz. Niemand mit ein wenig Geschick und Erfahrung wird länger als sieben oder acht Stunden für die ganze Chose brauchen. Andererseits wird man in der Zeit allerdings hervorragend unterhalten, das Spiel ist spektakulär, abwechslungsreich und hat einige wunderschöne Abschnitte. Ausserdem gibt es einen Sack voller Extras wie zum Beispiel das vor Rätseln strotzende Croft Manor oder den motivierenden Time Attack Modus. Dennoch, die “Spiel pro Euro” Ration ist bei Legend extrem schlecht.

Dazu kommt, dass man durch weite Teile des Spiels tatsächlich ungehindert durchrennen kann. Weder die Puzzle- noch die Actionelemente sind auch nur ansatzweise fordernd, meistens gibt es nur zwei oder drei interaktive Elemente pro Raum, so dass man nie länger als fünf Minuten mit einem Puzzle verbringt. Die Ballersequenzen sind ebenso anspruchslos, die strunzdoofen Klonkrieger sprengen sich gerne mal selber in die Luft und werfen grosszügig mit Medikits um sich. Apropos Medikits, musste man mit den Dingern in früheren Teilen extrem haushalten, um die waghalsigen und schmerzhaften Klettertouren zu überleben, braucht man den Heilkram jetzt eigentlich nur noch für die Bosse. Und selbst die sind auch eher drollig als gefährlich, sobald man ihre Taktik durchschaut hat, sind sie Toast. Insgesamt erinnern mich die Actionsequenzen irgendwie an Ico. Die Entwickler haben sie wohl eingebaut weil sowas halt in ein Videospiel gehört, aber mehr als ein halbgares Extraelement sind sie nicht. Das gleiche gilt für die wenigen Quick Time Events und die zwei äusserst primitiven Motorradfahrten, die in etwa so gut in das Spiel passen wie die Gummischiff-Fliegerei in Kingdom Hearts.

Ansonsten orientiert sich Tomb Raider Legend meiner Ansicht nach zu sehr an Prince of Persia (mal wieder. Der erste Teile war ja offensichtlich vom 2D-Prinzen inspiriert, dann hat sich Sands of Time kräftig bei Tomb Raider bedient, und nun klaut Legend seinerseits von Prince of Persia 3D. Irgendwie ironisch). Waren die Level zumindest in den früheren Teilen noch ein einziger, überaus komplexer Kletterparcours, so wird man jetzt beim Hüpfen und Rennen doch ziemlich an der Hand geführt. Überall hängen praktische Reckstangen und Kletterseile, und eigentlich fehlen nur noch ein paar Wegweiser, um den Eindruck vom Abenteuerspielplatz komplett zu machen. Was bringt mir das bildhübsche tibetanische Kloster inklusive riesigem Steinbuddha, wenn ich lediglich am Seil hinüberschwingen und ein simples Physikrätsel lösen muss? Als Leveldesigner würde ich bittere Tränen weinen, wenn mein Kunstwerk nur für so ein einfaches Puzzle herhalten würde.

Eine weitere Kleinigkeit stösst mir als altem Tomb Raider Hasen ebenfalls sauer auf. Die Musik ist im neusten Teil bestenfalls belanglos, da sie eigentlich die ganze Zeit nur so vor sich hindudelt. Zur Erinnerung, in den alten Teilen kam man die meiste Zeit komplett ohne Musikbegleitung aus, was den Eindruck der Abgeschiedenheit der Schauplätze enorm verstärkt hat. Das hat sich jetzt erledigt, egal ob man in einer Gruft unter Cornwall oder im Jungle von Ghana herumwandert, ständig wird man mit langweiliger Musik berieselt. Schade drum, die Abwesenheit von Klang war meiner Meinung nach eines der wirkungsvollsten Stilmittel der Serie.

Mein Fazit: Tomb Raider Legend ist wirklich empfehlenswert, allerdings mit Einschränkungen. Es ist zu kurz, zu einfach und zu linear. Vieles wurde einer notwendigen Runderneuerung unterzogen, aber einiges wurde auch ohne Not zum Schlechteren geändert. Dennoch, ein kurzweiliges Spiel, das Lust auf mehr macht.

14 Kommentare Autor: Stefan
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