
Vor zwei Wochen habe ich etwas Tolles getan: ich habe einen iMac gekauft. Den ganz großen. 24″ voller Liebe. Und einem 2.33 GHz Core 2 Duo. Einer GeForce 7600 GT. Und 2 GB RAM.
Und ein paar Tage später habe ich etwas Schlimmes getan: ich habe per Boot Camp Windows darauf installiert. Weil so ein Gerät ja auch als Spielemaschine ganz interessant sein könnte. Und es für OSX so gut wie keine Spiele gibt. Hier also mein kleiner Erfahrungsbericht.
Um das Fazit vorweg zu nehmen: eine tolle Spielemaschine ist auch der aufgemotzte 24″ iMac nicht. Die Performance ist super, das per Dual-Boot-Option installierte Windows läuft stabil, die Spiele laufen ganz hervorragend. Woran liegt es also?
An meiner Liebe zu OS X. Meinen Spielekonsolen. Und an World of Warcraft. Alle drei haben mich nämlich verdorben.
So lange ich auch mit Windows gearbeitet habe, von OS X kann mich so schnell nichts mehr weg zerren. Ich war früher selber einer von denen, die die ganzen Apple-Freaks für eine seltsame, verschworene Sekte und Apple-Rechner für Spielzeug hielten. Wahrscheinlich muss man einfach eine Weile damit gearbeitet haben. Wahrscheinlich bedarf es erst dieser beinahe religiösen Erfahrung. Und wahrscheinlich sind wir — die Apple-Freaks — tatsächlich sowas wie eine Sekte. Wie es auch sein mag; während ich in OS X entspannt arbeiten kann, macht mich Windows nur noch nervös. Und manchmal auch aggressiv.
Das habe ich auch wieder gespürt, als ich nach der erfolgreichen Installation das erste Mal in mein frisches Windows reingebootet habe. Beim ersten Booten meines OS X wollte dieses erstmal ein Foto von mir machen. Hat nur noch gefehlt, dass es mir einen Strauß Blumen überreicht. Und Windows? Kein Dock, kein Spotlight, erstmal x Treiberupdates und zig Reboots, bis alles so war, wie es sein sollte. Yay.
Dann das erste Spiel installiert. Battlefield 2142, mit dem ich neulich irgendwie Mitleid hatte, aber das ist ein anderer Antigames-Artikel. InstallShield. Patch downloaden (was überraschend schnell ging und nicht mal die Suche nach einem funktionierenden Mirror von mir verlangte — cool) und installieren. Ewig in den Settings rumdoktorn. Dem Shader-Berechnungs-Balken zuschauen. Die Settings nochmal hochschrauben. Dem Shader-Berechnungs-Balken nochmal zuschauen. Auf einmal vermisste ich nicht mehr OS X, sondern meine Konsolen. Die sind toll. DVD rein und fertig. Alles andere langweilt mich inzwischen sehr.
Dann verspürte ich den Drang, doch wieder World of Warcraft zu spielen. Irgendwie braucht man eigentlich keine anderen Spiele neben WoW. Und das gibt’s auch für OS X. Also zurück in mein Lieblingsbetriebssystem, wo WoW übrigens fantastisch läuft. Ich kann es sogar blitzschnell zwischen dem pompösen 1920×1200-Vollbild-Modus und dem Fenstermodus hin- und herschalten, während nebenher noch lauter anderer Kram läuft. Windows swapped sich da bei mir erstmal einen ab und bleibt manchmal einfach komplett stehen.
Einziger Haken: der aufgemotzte iMac — und tatsächlich nur der aufgemotzte; der mit der 7600 GT — unterstützt in OS X ausgerechnet kein Antialiasing. Worunter gerade World of Warcraft arg leidet. Scheiße! Laut Blizzard liegt das an mangelhaften nVidia-Treibern für OS X. Angeblich soll das mit Leopard, der nächsten Version von OS X, die irgendwann im Sommer kommen soll, behoben sein. Warten wir’s ab.
Und dann ist da die Sache mit den 1920×1200 Pixeln. Ist natürlich eine geile Auflösung. Aber um Spiele in nativer Auflösung laufen zu lassen, reicht auch eine GeForce 7600 GT mit 256 MB RAM einfach nicht aus. Weshalb man die meisten — WoW ist da zum Glück eine Ausnahme, aber ich habe ja auch noch kein Antialiasing angeschaltet — auf eine niedrigere Auflösung runterschrauben muss, damit sie flüssig laufen. Und nicht-native Auflösungen auf TFTs, naja… ihr wisst, worauf ich hinaus will.
Der iMac ist geil. Mal abgesehen von der superen Performance und dem schicken Look hat das Ding einen Haufen Goodies wie WLAN, Bluetooth und Firewire direkt eingebaut. Außerdem läuft OS X darauf! Es handelt sich um einen tollen, kompakten Alleskönner. Nur eine echte Spielemaschine ist er immer noch nicht. Denn wer will schon in Windows reinbooten?
Insgeheim hoffe ich darauf, dass die jüngsten Erfolge des Macs die Publisher dazu bringen werden, OS X als Spieleplattform ernster zu nehmen. Dann fällt mir aber ein, dass der PC-Spiele-Markt irgendwie einem Zombie gleicht: er läuft noch herum, aber alle wissen bereits, dass er tot ist. Und auf einmal ist es mir egal, denn spielen kann ich auch auf den Konsolen.
Jetzt muss mich nur noch jemand davon abhalten, aus Konsumgeilheit trotzdem einen neuen Spiele-PC zu ordern. Seufz!




