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Dinosaurier zum tippen

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klickerklickerklick… klack. Klick. Klickklickerklik-klack.

Erinnert ihr euch an das Geräusch, liebe Spieler gereifter Sorte? Für mich war es der Soundtrack langer Wartezeiten auf dem ziemlich ausgeleierten schwarzen Ledersofa meiner Zahnärztin. Die Sprechstundenhilfe war damit beschäftigt, auf der Tastatur ihres Compaq-PC wichtige Sachen einzuhacken. Das hallte über den ganzen Flur. Schrecklich einerseits, andererseits schlief ich auf diese Weise nicht ein. Die Tastatur ihres Rechners war enorm. Sie sah aus, als könne man mit ihr eine kleinere Horde mongolischer Krieger aufhalten – lange genug, bis Hilfe eintraf.

Mongolische Horden werden heute nicht mehr hergestellt. Mechanische Tastaturen mit Klick sind auch aus der Mode gekommen, vor allem weil sie so verdammt teuer herzustellen waren und noch dazu… schwer genug waren, um mit einem einzigen Hieb einen barbarischen Schädel zu knacken.

Einige Jahre später tippe ich mehr oder weniger fleißig Daten ab. Ich benutze ein IBM-Terminal und meine Hände liegen auf einer Tastatur desselben Herstellers. Sie ist schwer und außerordentlich laut, wie die der Sprechstundenhilfe. Irgendwie macht es richtig Spaß darauf zu schreiben. Ein sanfter Druck auf eine beliebige Taste, sogleich ein freudiges Zurückfedern – es war… nein, es war ganz sicher nicht wie Sex.

Danach: Geschätzte 20 Jahre mit seelenlosen, harten elektronischen Tastaturen. Einige davon hatten sogar Displays (über diese Dinge reden wir besser nicht mehr).

Nun habe ich seit einigen Stunden wieder ein echtes Keyboard. Eine Tastatur mit Mikroschaltern wie damals. Eine Tastatur mit teuren Mikroschaltern. Meine Güte, ist die schwer. Meine Güte, ist die laut – klingt wie ein bescheidenes Maschinengewehr. Ich bin wieder einmal froh, alleine zu wohnen – trotzdem sollte ich morgen einmal meine Nachbarn ansprechen und mich erkundigen, ob sie aufgrund des MP-Feuers in der Nachbarschaft die Polizei gerufen haben.

Ich bin nämlich nicht sicher, ob ich aufhören kann zu tippen. Es ist ein wenig wie die diese gefürchtete Verpackungsfolie mit den Luftbläschen darin, die man so schön kaputtpoppen kann. Man kann nicht aufhören. Ich muss auf Tasten drücken, irgend etwas schreiben. Dazu kommt dieses lustvolle klickern und klackern, es sagt mir: Danke, das du mich gedrückt hast – du Finger, du! (Oh, bitte. Gern geschehen.) Und dann damit zu spielen! Allein das freudige Stöhnen meiner Freunde im TeamSpeak, die sich über die ganz neue, aber auch irgendwie heimelig-nostalgische Geräuschkulisse freuen. Vielleicht reagiert man auch ein wenig flotter als mit einer billigen moderne Elektroniktastatur. Aber ist das wichtig? Natürlich nicht.

Inzwischen weiß ich Bescheid über die verschiedenen Mikroschalter der Firma Cherry und ihren Klang, wie sie sich anfühlen – MX Black und MX Red und MX Brown und so weiter. Sachen, die ich gar nicht wissen wollte. Ich weiß, es ist zu spät für mich. Ich beginne wieder etwas zu tippen. Es könnte ein Artikel für antigames.de werden…

Klickklickklickklackklack… klackklackklack…

4 Kommentare Autor: Denis
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