Archiv für Schlagwort: MMOGs

Mehr oder weniger geheime Welten

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Wenn ich mal ehrlich bin: The Secret World hat einige der tollsten Moment, die ich jemals in einem MMO erleben durfte – nein, einige der tollsten Momente in Spielen überhaupt. Einige der besten Dialoge, eine Handvoll inspirierter Locations und besten Quests und dazu noch gar nicht wenige echte Gänsehautmomente. Aber ich habe es nach dem dritten Gebiet nicht mehr weitergespielt und dafür schäme ich mich etwas. Weil TSW richtig gut unzensiert ist, gelegentlich brilliant.

Die Musik ist klasse und die Stimmung ist so geschickt eingefangen – mit so viel Liebe ist das Spiel gestaltet worden, dass man die oh-so-gewaltigen Schwächen von TSW gar nicht richtig bemerken will: Es ist eine tolle Onlinewelt, aber höchstens ein durchschnittliches Spiel mit einer Reihe von innovativen Ideen in einem eher konservativen Spieldesign. Noch dazu hat man sich bei Funcom dazu entschlossen, das altbekannte Abo-Modell anstelle von “Free to Play” zu verwenden. (Tiefes Seufzen).

Nach 3 Wochen stellte ich fest, dass ich mit meinem Charakter mit seinen coolen ach-so-frei gewählten Fähigkeiten nicht weiter kam. Ich will nicht behaupten, ein besonders guter Spieler zu sein, aber darf doch wenigstens annehmen, ein erfahrener Zocket zu sein: TSW wurde ganz plötzlich ganz entschieden unfair und ich wurde genötigt, meinen “verskillten” Jürgen Klopp-Doppelgänger nach erfolgsversprechenden Muster neu aufzubauen. Willkommen zurück, liebe Klassengesellschaft. Da hatte ich erst einmal keine Lust mehr und beschäftigte mich mit anderen Sachen.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt kam nämlich Guild Wars 2 bei mir an. Das kostet im Gegensatz zu TSW keine monatlichen Gebühren und hat… ein wenig Story, die ganz okay ist und nicht wundervoll. Die Spielwelt ist Fantasy mit vielen Eigenheiten- wenig innovativ, aber mit viel Liebe gemacht. GW2 ist ein verdammt gutes, ausgefeiltes Spiel mit Tonnen von Mainstream-Appeal. Es macht genau das richtig, was ein MMO tun muss: Lust machen auf Spielen, noch mehr Lust machen auf Spielen mit anderen Leuten.

Es ist ein besseres Spiel und auch ein (viel) besseres MMO.

Trotzdem werde ich noch lange immer mal wieder wehmütig an diese paar unglaublichen Momente in The Secret World denken und dann… Guild Wars 2 starten. Tja, wenn TSW mal kostenlos spielbar wäre, dann… ach was, ihr solltet es wirklich mal erleben, auch wenn ihr GW2 schon auf der Platte habt.

4 Kommentare Autor: Denis
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Wie ich aufhörte SWTOR zu spielen und lernte ein Weichei zu sein

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Lieber sage ich es gleich zu Beginn: Star Wars: The Old Republic macht eine Menge Spaß. Mir jedenfalls machte es eine Menge Spaß; die ersten 20 Level könnten vielleicht sogar an den ersten 20 Levels von Age of Conan vorbeiziehen und die Goldmedaille in der bestimmt bald olympischen Disziplin „Schönster Einstieg in ein MMO, der sich nicht wie ein MMO anfühlt“ erringen. Ich wollte das Spiel nicht mögen, aber plötzlich hatte mein Schmuggler mein Herz gewonnen – in Rekordzeit.

Ich glaube, das geschah ungefähr in dem Moment als er seinen ersten wirklich beeindruckenden Spezialangriff in Form eines verdammt gemeinen Trittes in die Kronjuwelen eines kleiderschrankigen Fieslings ausübte. Ich wusste, das mit uns beiden – das könnte funktionieren.

Wenn man im Dialog immer wieder die besten Oneliner abfeuert, lenkt das ganz gut vom eigentlichen Gameplay ab. Das ist auch bitter notwendig, denn man bekommt nach kurzer Zeit den Eindruck, dass BioWare alle Erfahrungen der letzten Jahre schlicht verpennt hat. SWTOR spielt sich wie World of Warcraft: Gut balanciert, ordentlicher “Flow” – aber eben so wie WoW auf dem Stand von 2005. SWTOR ist ziemlich gut, solange es einen erfolgreich davon ablenkt, dass man eigentlich ein in jeder Hinsicht verdammt altbackendes MMO ohne irgend eine frische Idee spielt.

Man will wissen, wie es weitergeht. Rausfinden, was die eigenen Begleiter so für Geschichten haben. Die eigene Story zuende bringen und sich endlich an diesem Mistkerl rächen, der… nun, ich will nicht vorgreifen.

Sogar in Gruppenmissionen hat man es geschafft, diese klassisch-guten BioWare Dialoge funktionieren zu lassen – indem man die Mitspieler ziemlich erfolgreich dazu bringt, genauso so viel Handlungsfreiheit und Spontanität zu akzeptieren wie ein computergesteuerter NPC. Wären einige Mitspieler zwischenzeitlich durch Bots ersetzt worden – ich hätte es nicht bemerkt und mich lediglich gewundert, warum es so still im TeamsSpeak ist.

Nicht dass mich das gestört hätte.

Mein Schmuggler und ich, wir waren auf einer Mission. Wir waren Bros, Flügelmänner. Auch wenn er immer diese irgendwie liebenswerte Nervensäge war, irgendwie war das immer auf meiner Linie. Kein Wunder, ich drückte ja die Tasten. Verdammt, wir haben zusammen Frauen aufgerissen und Wookies gelaust. Auch wenn ich über diesen letzten Teil nicht so gern spreche.

Bis zu diesem sehr späten Abend, an dem ich etwas getrunken hatte – oder ich übermüdet war, ich trinke ja niemals Alkohol oder überhaupt irgendeine Flüssigkeit, liebe Kinder – und ich auf eine Taste drückte.

Die Taste war die mit der „2“ darauf. Sie leuchtete unheilvoll, aber das tun alle Tasten auf meiner G15.

Hey, er sollte nur eine kleine Spitzfindigkeit abfeuern. Genauso wie wir das immer gemacht haben. Da stand ja nicht wie üblich eine Warnung, dass mich diese Antwort in die Nähe der dunklen Seite der Macht bringen würde. Wir waren in Sicherheit.

Klick. Und dann… hatten wir auf einmal ein Beziehungsproblem. Was der Mann da von sich gegeben hat, das hatte rein gar nichts mit unserer Absprache zu tun. Der kleine Kapitalist hat sich zu einem großen Arschloch entwickelt und diese irgendwie heiße Begleiterin schaute mich schockiert an – dabei dachte ich doch, dass ihr beim Gedanken an Credits ein klein wenig heiß würde. Nein, sie wirkte eher eisig. Plötzlich war alles anders. Der Typ sagte Sachen, die so nicht abgesprochen waren.

Unerklärlicherweise empfand ich das in meinem nicht ganz zurechnungsfähigen Zustand als Verrat und loggte mich entrüstet aus. Ich mochte ihn irgendwie nicht mehr. Das kleine Arschloch. Ich ging Panzer abschießen und dann… schlafen und irgendwann übermüdet arbeiten.

Ich dachte in den nächsten Tagen manchmal an den Schmuggler und wie er mich hintergangen hatte. Vielleicht würden wir ja einfach später weitermachen und an unserer Beziehung arbeiten. Er war ja in Wirklichkeit gar nicht soooo cool wie er immer getan hatte!

Eine gute Story und gutes Character Building funktioniert nur so lange wie man das Gefühl hat, die Kontrolle zu haben und die Figur das tut, was man ihr aufgetragen hat. Je detailierter dieser Punkt ausgearbeitet ist und die emotionale Bindung wirklich gut funktioniert, desto schneller ist man auch aus der Geschichte „raus“, wenn sich eine Figur – insbesondere eben die eigene Figur – ohne guten Grund gegen ihre bisher eingeführte Persönlichkeit handelt. Ein kleiner Fehler in der Storyline und in den Dialogoptionen und… es ist passiert. In diesem Fall hat das Spiel ein Problem – die Illusion, die Entwicklung des Charakters selbst zu bestimmen ist dahin. Klar: In einem Singleplayer-BioWare Spiel hätten wir einfach ein Savegame geladen, seien wir doch mal ehrlich. Aber in einem MMO? Pustekuchen.

Dennoch, ich wollte immer mal wieder wieder weiterspielen… vielleicht einen neuen Charakter beginnen. Dann war der Moment vorbei und ich habe es doch nicht getan. SWTOR ist ohne seine Story einfach auch nur ein MMO von der Sorte, die ich in meinem Leben zuviel gespielt habe- nur eben noch eine Spur langweiliger. Außerdem war mein Herz gebrochen und… ach, es tut zu weh darüber zu schreiben. Ich hatte leider zuviel Zeit, nicht mehr an die Geschichte zu denken und mir das Gameplay genauer anzuschauen.

Einen Monat später habe ich dann den Account gekündigt.

Nicht so schlimm.

SWTOR hatte eh keine nennenswerten Saurier.

5 Kommentare Autor: Denis
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Funcom und die Hölle der Lokalisierung

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Ich lasse mich ja eigentlich gern zu Betatests einladen, besonders gern sogar zu irgendwie ganz interessanten MMO mit frischen Ideen wie Funcoms The Secret World. Es hat viel mit Horror zu tun. Horror in unserer modernen Welt; Grauen das uns unvorbereitet schnappt und nicht mehr loslässt. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass namenloser Schrecken mich bereits beim Öffnen einer Email packen könnte.
Gut gemacht, Funcom: Ihr habt mich ordentlich eingeschüchtert – aber vielleicht werde ich mich trotzdem zähneklappernd einzuloggen. Aber nur dann, wenn ihr mir glaubwürdig versichern könnt, dass das Spiel selbst nicht in diesem Stil übersetzt wird. Das wäre doch etwas zu hart für mich.

5 Kommentare Autor: Denis
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Conan! Was ist gut im Leben?

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Ich habe Age of Conan nie gehasst. Eigentlich habe ich es sogar ziemlich gern gespielt, obwohl ich damals beim Launch dabei war: Ich hatte sogar die Collector‘s Edition gekauft – inklusive einer komplett unleserlichen Kunstlederkarte von Hyborea, Home of Conan.
Beinahe jeder andere Vorbesteller hat das Spiel gehasst, wie es aussah – nach zwei Wochen war meine Freundesliste so leer wie der Kopf eines durchschnittlichen Regierungssprechers.

Dann hörte ich natürlich auch auf: Ich war ganz allein und so ab dem 50. Level gab es eigentlich gar nichts mehr zu tun außer fortgesetztem Massenmord an Fauna und gelegentlich auch rebellischer Flora. So ganz ohne moralische Rechtfertigung – auch „Story“, „Sinn“ oder „Quests“ – konnte selbst ich nicht weitermachen, schon gar nicht allein – ach, das hatte ich schon gesagt.

Nun bin ich wieder zurück, passend zur Erweiterung und nach einigen Wochen munteren Spielens bin ich ins Grübeln gekommen.
Zuerst die Fakten:

  1. Das Spiel ist gut geworden, es gibt nun eher zu viele Quests und Sachen zu tun, alles bei gleichbleibend wundervoller Atmosphäre und einer Menge Blutwurst. Die Dinosaurier hingegen suche ich noch. Trotzdem: Es lohnt sich wirklich oft genug, zu älteren MMOs zurückzukehren die einen beim Launch noch das Herz gebrochen haben. Ja, so war das.
  2. Musik und Grafik sind nach wie vor toll, noch toller auf einem großen TV und beschallt von einer feinen 5:1 Anlage. Leider ist das Spiel so kaum zu genießen, weil die Bedienelemente einfach viel zu fummelig sind und vom Sofa nicht zu erkennen. Ein weiteres Argument für die Konsolengemeinde, übrigens: Ich persönlich fordere ein optionales/optimales Sofa-UI für alle Spiele die ich mag!
  3. Über das PvP-Gameplay senke ich lieber mal den Mantel des Schweigens, ebenso über die Gildenstädte, die immer genau gleich aussehen. Wenn man seiner Heimat wenigstens einen Namen geben könnte…ach, das war sicher viel zu kompliziert für Funcom. Dafür gibt es verschiedene Architekturstile.

Nun komme ich aber wie bereits erwähnt ins Grübeln. Die geschätzten anderen Leute leveln mir weg, weil ich manchmal lieber – man glaubt es kaum – aus dem Haus gehe. Sei es nur für ein Bier nebenan – solche kleinen Freuden machen es unmöglich, einen Raid mitzumachen.

Ich habe ja auch sowas wie soziale Kontakte und ja, ich habe regelmäßig mit einer – ich wage es kaum zu sagen – Frau zu tun. Die meldet sich ja auch schonmal und ist leider (?) nicht in meiner Gilde. Ich bin also nicht jeden Abend ingame und das sorgt dafür, das ich deutlich weniger Spass im Spiel habe. Viele der Sachen, die ein MMO so spaßig machen – die fallen einfach aus.

Vielleicht bin ich zu alt für MMO, das glaub ich aber nicht, auf keinen Fall, niemals! Ich bin aber auch kein Casual-Spieler – ich will das Beste auf dem Markt und ich will Raids und Instanzen und all den Jazz. Was ich nicht brauche, ist Leistungsdruck. Ich habe ja schon einen Job, das reicht – außerdem will ich durchaus etwas erreichen im Spiel, nur eben nicht an vier komplett verspielten Abenden in der Woche. Ich habe keine Lust mehr darauf, dass ein Onlinespiel mir die Woche durchstrukturiert. Das finde ich unverschämt von dem.

Manchmal habe ich das Gefühl, die einzigen funktionierenden Gilden setzen sich aus Schülern und Arbeitslosen zusammen. Ich kann doch nicht der Einzige sein, der sowas wie ein Leben hat. Hat die Industrie da überhaupt etwas für mich… ich meine natürlich uns… auf Lager?

21 Kommentare Autor: Denis
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Mit Siebzig, da hört das Leben auf?

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Mein Erstkontakt mit Burning Crusade lief eher nicht so gut. Zum einen fand ich die Hellfire Peninsula visuell wenig prickelnd, zum anderen bin ich ständig gestorben. Wenn ich nicht von normalen Gegnern umgebracht wurde, hat mich irgendein Gigantomonster von seinem Stiefel gekratzt. Das war ein eher ungewöhnliches Gefühl, denn ich spiele einen Hunter.

Wer mal einen gespielt hat, weiß dass die im Allgemeinen ziemlich untötbar sind. Nicht so in Outland. Zumindest nicht bei mir. Ich bin tatsächlich so oft gestorben, dass ich mehr für Reparaturen und Tiernahrung ausgegeben habe, als durch abgelieferte Quests wieder rein kamen.

Kurz, der Frustfaktor war hoch. Also habe ich meinen Hunter liegen gelassen und erstmal einen Draenei Warrior erstellt. Der spielte sich deutlich entspannter, was auch daran lag, dass er ständig von einem Heiler begleitet wurde. So eine Warrior/Priest-Kombo ist auch mehr oder weniger untötbar, also habe ich mich gleich wie Zuhause gefühlt.

Im Laufe der Zeit wuchs die Gruppe dann auf vier bis fünf Leute an und wir begannen die ganzen Instanzen zu spielen. Leute ich sage euch, so muss World of Warcraft gespielt werden: Ein großer Tisch, ein paar nette Leute, massenweise ungesundes Essen und eine handvoll Laptops. Das ist fast wie in den guten alten Pen-und-Paper-Zeiten.

So ganz langsam nähern wir uns mit diesen Charakteren inzwischen Level 60. Daraus folgt, dass wir spätestens diesen Sommer die Burning Crusade Instanzen spielen werden. Das hat mich wiederum motiviert, mir den „Single-Player“-Anteil der Erweiterung noch mal anzuschauen.

Also habe ich die Zähne zusammengebissen und mich so lange durch die Hellfire Peninsula gestorben, bis ich eine neue Ausrüstung hatte. Außerdem habe ich auf Beastmaster umgeskilled, was mir das Leben zusätzlich vereinfacht hat. Inzwischen ist Grontarr wieder eine unaufhaltsame, untötbare Questmaschine geworden und ich habe in Outland doch noch eine Menge Spaß gehabt. Insbesondere der Zangarmarsh und Nagrand haben es mir angetan.

Es gibt allerdings ein kleines Problem: Ich bin gerade Level 69 geworden.

Normalerweise ist das ja eher ein Grund zur Freude („Ding!“ „Grats!“), in diesem Fall überrascht es mich allerdings etwas. Ich stecke nämlich zurzeit in den Blade’s Edge Mountains und werde lässig 70 sein, bevor ich da wieder raus komme. Dabei habe ich weder Shadowmoon Valley noch den Netherstorm überhaupt betreten! Ich habe keine einzige Instanz gemacht und im Terrokar Forest bisher alle Gruppenquests übersprungen.

Das scheint mir irgendwie nicht so recht austariert zu sein. Wie kann es passieren, dass man bei einer Erweiterung schon nach zwei Dritteln des Inhalts an der Levelgrenze angekommen ist?

Zugegeben, ich habe immer mit blauem Balken gespielt, also für alle Monster doppelte XP kassiert. Allerdings braucht das Leveln in BC auch so lange, dass es nahezu unmöglich ist, nicht permanent „ausgeruht“ zu sein. Ich habe in den letzten Wochen ziemlich intensiv gespielt, trotzdem aber nie auch nur das Ende des blauen Balkens gesehen, geschweige denn die lila Variante.

Insofern frage ich mich was ich machen soll, wenn ich Ende der Woche Level 70 bin? Vom Spieltyp her bin ich eigentlich eher der Explorer, insofern will ich auf jeden Fall noch die anderen Gebiete sehen. Gleichzeitig ist es schon irgendwie Verschwendung, wenn ich für all die Monster und Quests keine XP mehr einsacke. Ich habe nicht unendlich viel Spielzeit, da muss man schon optimierend denken.

Ich könnte durchaus pausieren bis Wrath of the Lich King raus kommt, und erst dann weiter spielen. Damit hätte ich kein Problem. Einmal die Woche WoW reicht. So würde ich den ganzen Inhalt sehen und Erfahrungspunkte dafür bekommen. Allerdings wäre das nur eine Verschiebung der Problematik. Am Ende bin ich Level 80 und habe erst die Hälfte von Wrath of the Lich King durch!

Hm, schwierig. Es lohnt sich jedenfalls nicht weiterzuspielen, um coole Gegenstände einzusammeln. Es wurde ja bereits angekündigt, dass in der nächsten Erweiterung grün wieder das neue lila sein wird.

Woran ich allerdings arbeite, ist mein Ruf bei den Trollen. Ich will endlich einen Dinosaurier zum Reiten haben! Tatsächlich habe ich gestern eine kleine Weltreise durch Azeroth gemacht und fast 40 der 50 Elder aufgesucht. Jeder davon bringt nämlich 75 Reputationspunkte bei der kompletten Horde, was auch die Trolle mit einschließt. Ansonsten kaufe ich permanent Runecloth, was leider nur in geringen Mengen zur Verfügung steht. Das will jedenfalls bezahlt werden, was wiederum das Questen doch sinnvoll machen würde. Wäre schon nett, auf einem Raptor in Northrend aufzutauchen.

Ein episches Flugmount hingegen dürfte finanziell bis Wrath of the Lich King eher nicht drin sein. Selbst mein normales episches Mount konnte ich mir erst mit Level 65 leisten. Außerdem wird man in Northrend erstmal nicht fliegen können, und sobald man es dann darf, wird dort genug Geld dafür abgefallen sein.

Also, was ratet ihr mir? Weiterspielen oder abwarten?

52 Kommentare Autor: Richard
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Doof-us

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Als Blogbetreiber kriegt man man ja eine ganze Menge von E-Mails. Wir haben hier Anfragen für Interviews, Job-Offerten, Angebote für Fotoshoots(!) und natürlich jede Menge Werbemails von Firmen, die irgendwie hoffen, dass ihr Spiel vielleicht mal einen Beitrag wert sein könnte.

Die meisten davon sind recht harmlos, manche der Angebote nehmen wieder sogar an. (Ich war letztens im Radio und Hendrik weigert sich immer noch, mir die Fotos von sich zu zeigen.) Häufig sind die Werbe-Mails allerdings erschreckend dilletantisch formuliert. Heute ist wieder mal eine Mail von genau dieser Sorte in den Briefkasten geflattert und ich dachte mir, ich beantworte sie mal in aller Öffentlichkeit. Zu Erziehungszwecken quasi.

Hallo Richard,

Hallo drittklassige PR-Person!

Ich habe soeben Ihren Blog Antigames.de besucht.

Das ist super! Vielen Dank für dem Besuch von meines Blog Antigames.de! Anscheinend haben Sie auch babelfish.altavista.com besucht, eine Seite mit der man ja ebenfalls viel Spaß haben kann.

Die dort angesprochenen Themen stimmen gut mit unseren Schwerpunkten überein.

Es ist gut zu wissen, dass Sie auch bei sich viel Wert auf Dinosaurier und das Dissen der Gamestar legen. Auch schön, dass Sie – anders als so manche unserer Leser – keine panische Angst vor Plastikgitarren haben. Vielleicht können wir nach dem Release von Rock Band ja mal zusammen ein paar Songs spielen. Aber nur, wenn Sie singen. Gregor nimmt schon die Drums und ich spiele Gitarre.

Ich bin der Verantwortliche für Kommunikation bei Ankama Games, einer Firma, die ein kostenloses Online-Computerspiel (ou Online-Videospiel) betreibt.

Ou! Also haben Sie bei Babelfish anscheinend die Option “Französisch nach Deutsch” gewählt. Übrigens: Sehr nett, mich daran zu erinnern, dass “Computerspiel” ein Synonym für “Videospiel” ist. Das vergesse ich nämlich ständig. Man merkt echt, dass Ihre Firma für den Bereich “Kommunikation” nur Verantwortliche einstellt, die sich echt damit auskennen.

Dieses Spiel wurde ausschließlich in Flash programmiert und lässt sich problemlos unter Windows, Mac und Linux spielen. Derzeit spielen bereits mehr als Millionen Spieler weltweit dieses Spiel mit großer Begeisterung.

Ausschließlich in Flash! Respekt. Das gibt es ja eher selten. Da steigt mein Interesse gleich. Vor allem weil ja Sie offensichtlich schon mehr als Dreißig Trilliarden-Billionen Hits auf Ihrer Webseite begeisterte Spieler haben!

Wir möchten nun ebenfalls mit Bloggern aus diesem Bereich Kontakt aufnehmen, da wir der Ansicht sind, dass es wichtig ist auch Ihre Meinung und Ihre Kommentare über die Welt der Computerspiele zu hören.

Aus welchem Bereich? Flash? Mac? Linux? Das ist jetzt eher nicht unser Fachgebiet. Oder hat Ihr Spiel vielleicht Dinosaurier? Dann wäre meine Meinung nämlich, dass es total rockt! Meine Kommentare über die Welt der Computerspiele können Sie allerdings auch auf meiner Blog lesen, ohne mich anzuschreiben. Aber weil es Ihnen so wichtig ist, hier eine kurze Zusammenfassung meiner hochqualifizierten Meinung:

- Es gibt zu wenig Dinosaurier in Spielen.
- Es gibt zu viel Gewalt in Videospielen.
- Ich kann Innenminister nicht ausstehen.
- Es gibt zu viele Spiele von EA.
- Es gibt nicht genug Spiele von Tim Schafer.
- Ich will mehr Videos mit Jade Raymond drin.
- Die Gamestar hat doofe Ohren.
- Ich habe immer Recht.

Ich hoffe das hilft Ihnen.

Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen über unser Spiel haben solltet, so schicken Sie uns einfach eine E-Mail (mit dem Betreff:

“Informationen für Blogs”) mit Ihrem Namen, Vornamen der URL Ihres Blogs und Ihrer Postadresse zu. Wir werden Ihnen dann so bald wie möglich unser Pressematerial, unsere Pressemitteilungen sowie einige Goodies für Ihren Blog zukommen lassen.

Goodies! Cool. Da werde ich sofort loslegen und (Ihnen eine Mail

schreiben. Wobei, da fällt) mir auf: Ich weiß den Vornamen der URL meines Blogs nicht! Was mache ich denn jetzt? Ich schätze da habe ich Pech gehabt. Och schade, ich hatte mich schon so sehr auf Ihre Pressemitteilungen gefreut.

Wir freuen uns über jede Form von Kommentar oder Verbesserungsvorschlägen und werden auf diese so schnell wie möglich eingehen.

Okay, dann habe ich hier den ersten Verbesserungsvorschlag: Wenn Sie schon unbedingt ihr dämliches Flashspielchen mit nervigen Spam-Mails ahnungslosen Blogbesitzern unterschieben wollen, dann wäre es super wenn sie irgendwo in Ihrer E-Mail DEN NAMEN DES SPIELS ERWÄHNEN WÜRDEN. Oh, und ich würde den Verantwortlichen für die Kommunikation feuern mal auf eine Schulung schicken. Könnte helfen.

Ich habe mit der Magie von Google übrigens nachgeschaut, wie ihr Spiel heisst. Ich muss sagen, der Name ist recht passend.

Mit freundlichen Grüßen,

Mit freundlichen Grüßen,

46 Kommentare Autor: Richard
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P(Gallenblase) = 0,02

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Quests in MMOGs sind so eine Sache. So richtig spannende und involvierte Aufgaben zu entwickeln, ist nahezu unmöglich, da man sich die Welt ja mit den anderen Spielern teilen muss und auch nicht verändern darf. Also kriegen wir immer wieder Mission der Marke “Jage 10 Wölfe und komm dann zurück” aufs Auge gedrückt.

Eigentlich gibt es ja nur zwei wichtige Arten von Quests, solche in denen man Monster erschlagen muss und solche in denen man Gegenstände aufsammeln soll. Der Übergang ist da natürlich fließend. Die meisten Aufsammeln-Missionen sind auch Plattmach-Missionen, denn die zu sammelnden Gegenstände werden von Monstern bewacht. Dann gibt es noch die Plattmach-Missionen die gleichzeitig Aufsammel-Missionen sind, was dann der Fall ist, wenn den Monstern nach dem Plattmachen entsprechende Gegenstände aus der Tasche purzeln.

Manchmal werden solche Missionen noch etwas anderes gerahmt, aber das ist auch nur Augenwischerei. Wenn man zum Beispiel seinen Ruf bei einer bestimmten Fraktion verbessern soll, dann macht man das halt mit, genau, Monterplattmachen oder Gegenständeaufsammeln.

Zusätzlich gibt es noch die Kuriermissionen, bei denen man einem bestimmten NPC eine Nachricht oder einen Gegenstand überbringen soll. Dabei handelt es sich aber entweder um einen Rahmen für eine Monsterplattmachquest, weil der NPC von Gegnern umringt ist, oder es einfach ein Trick um den Spieler an einen bestimmten Ort zu bringen, weil es dort weiter geht.

Grundsätzlich habe ich damit auch kein Problem. Das Kerngameplay der meisten MMOGs ist halt der Kampf. Da ist es offensichtlich, dass man in den typischen Quests irgendwie mit Bären oder Tentakeltieren aus der Tiefe ringt. Es gibt aber eine ganz bestimmte Art von Quest, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

Die verdammten Quests in denen per Zufall bestimmt wird, ob das gerade umgenietete Monster einen der zurzeit benötigte Questgegenstände dabei hatte.

Meine Güte, was soll der Scheiß?

Wir kennen das doch alle. Der Vize-König von Fantasyhausen hat uns freundlich aber bestimmt gebeten, ihm doch dabei zu helfen die riesige Nase seiner hässliche Tochter zu verhübschen. Dazu braucht er einen Zaubertrank, für den ihm allerdings eine gewisse Zutat fehlt. 10 Einheiten einer bestimmten Zutat, um genau zu sein. Diese Zutat wird aus den Gallenblasen des Gemeinen Klauenviechs gewonnen, welches glücklicherweise gerade die Bauern westlich von Fantasyhausen terrorisiert. Also zieht man los um den Bauern zu helfen die Nase der Prinzessin kleiner zu machen. Das Gemeine Klauenviech gibt es vor Ort wirklich massenweise und sehr schnell hat man durch wiederholtes Drücken des Icons für den Zauberspruch “Verknote Innereien” das erste Klauenviech erlegt. Schnipp-schnapp, schnell die Gallennblase entfernt, einer erledigt, noch neun auf der Liste.

Flott verknotet man die Innereien eines weiteren GKVs und schnipp-schnapp… Moment mal! Keine Gallenblase. Auch nicht bei Viech drei, vier oder fünf. Damit nimmt das Drama seinen Lauf. Was nach einer kurzen Quests aussah, entwickelt sich zügig zu einem vierstündigen Genozidfeldzug gegen das Gemeine Klauenviech, immer auf der verzweifelten Suche nach den seltenen und wertvollen Gallenblasen.

Die Bauern freut es, der Spieler verzweifelt.

Liebe Spieledesigner, warum in aller Welt gibt es diese Quests? Wollt ihr uns ärgern, oder was soll das? Es gibt übrigens wirklich keinen Grund für diese Quests, denn sie sind nur eine leichte Variation der klassischen “Bring x Monster um und komm dann zurück”-Mission. Betrachten wir das mal genauer.

Jeder Questgegenstand (in unserem Fall die Gallenblase) hat eine bestimmte Droprate. Das ist die Wahrscheinlichkeit mit der ein entsprechendes Monster dem Spieler beim Sterben den gewünschten Gegenstand überreicht (in userem Fall 2%). Mit P(Gallenblase) = 0,02 muss der durchschnittliche Spieler also 500 Gemeine Klauenviecher erlegen, bis er die Quest erledigt hat. Mit anderen Worten, die Quest ersetzt eigentlich nur eine traditionelle “Kille 500 GKVs und komme dann zurück”-Quest.

Mit einem entscheidenden Unterschied: Durch das Zufallselement gibt es Extremfälle. Man kann davon ausgehen, dass die durchschnittliche Anzahl von erlegten GKVs pro erledigter Quest normalverteilt ist. Das bedeutet, dass die meisten Spieler in etwa 500 GKVs erschlagen, bis sie die 10 Gallenblasen zusammen haben. Wie oben erwähnt, entspricht diese Quest also für fast alle Spieler einer normalen “Töte 500 Monster Quest”. Pech haben aber die Leute, die am rechten Rand der Verteilung liegen. Die können nämlich auch schon mal 2000 Monster erlegen und trotzdem erst sieben Gallenblasen gefunden haben. Das frustet.

Ein Spieldesigner muss solche Extremfälle also als Nachteil in Kauf nehmen, aber kriegt man dafür auch einen Vorteil? Nein, zumindest keiner der mir einfällt. Was wichtige Kennzahlen angeht wie “aufgesammeltes Gold” oder “Zeit die ein Spieler in der Region verbringt” betrifft, arbeitet der Designer sowieso mit statistischen Werten. Es macht für ihn also keinen Unterschied, ob er dem Spieler direkt sagt er möge bitte x Monster plätten, oder ob er das Ganze in einer Zufallsquest verpackt.

Der Spieler hat auch keinen Vorteil. Die meisten Leute bringen halt ungefähr 500 Monster um. Selbst die Spieler die am linken Rand der Verteilung liegen und nur 100 GKVs jagen müssen, merken gar nichts von ihrem Glück, schließlich sieht es für sie einfach so aus, als hätte die Gallenblase eine Droprate von 10%. Schlimmer noch, was Loot und Erfahrungspunkte betrifft, hinken sie dem durchschnittlichen Spieler jetzt hinterher.

Also, liebe Designer, welcher Teufel reitet euch, wenn ihr diese Quests einbaut? Kann mir das jemand erklären?

85 Kommentare Autor: Richard
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Ich habe was gekauft?!?

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Es ist schon seltsam, was man manchmal in der Einkaufstasche findet, wenn man nach Hause kommt. Also ich gestern Abend die Tasche ausgepackt habe, sah das ungefähr so aus:

  • neue Hose
  • zwei paar Socken
  • Paprika
  • Zwiebeln
  • Butter
  • Batterien
  • The Lord of the Rings Online: Shadows of Angmar™

Moment, was? The Lord of the Rings Online? Wann habe ich das denn gekauft? Ich schätze nach den Batterien, denn die habe ich bei Saturn geholt. Oh je. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm? Immerhin hat Eurogamer dem Spiel 9/10 gegeben! Da muss es ja quasi großartig sein.

Jedenfalls muss ich mich jetzt mit der Tatsache abfinden, dass ich habe mir The Lord of the Rings Online gekauft habe. Sagt mir in den Kommentaren ruhig wie doof ich bin. Währenddessen erzähle ich euch, wie es bisher so ist. Also zumindest wenn es gerade nicht abstürzt ist.

Und, fragt ihr mich jetzt, ist es 9-von-10-Punkten-großartig? Tja, sage ich da, ich weiß noch nicht so recht. Es stürzt halt ständig ab! Bis jetzt ist es eigentlich ganz nett, aber sicher keine OMG9/10BUYZ0RZNOWZ!!1-Empfehlung. Schauen wir uns das mal im Detail an.

Nicht so nett:

Die Grafik. Nicht hässlich oder so, aber es fehlt das gewisse Etwas. Visuell hat man sich stark am Film orientiert, man darf also keine eigenständige kreative Vision von Mittel-Erde erwarten. Kommerziell ist das sicher die richtige Wahl, aber es ist schon enttäuschend wenn das Intro mehr oder weniger auch für irgendein Add-on zu Battle for Middle-Earth geeignet wäre. Insgesamt ist der Look des Spiels etwas stilisierter und Comic-hafter als die diversen Spiele zum Film von EA, geht dabei aber nicht so weit, wie zum Beispiel WoW. Unschön ist das missglückte LoD-System mit ordentlich viel Pop-up und seltsam durchsichtigen Bäumen in der Distanz. Das hat Guild Wars schon vor längerer Zeit deutlich besser hinbekommen.

Das Interface. Deutlich besser als das desaströse Interface von Dungeons & Dragons Online, aber das Spiel muss sich in der Hinsicht trotzdem beschämt vor WoW und Guild Wars verstecken. Alles wirkt irgendwie klein und futzelig, die Icons sind nicht sehr eindeutig und generell ist es anstrengend für die Augen.

Habe ich schon erwähnt, dass es sich ständig aufhängt?

Nett:

Bisher kein Grind. Ja, es gab schon eine Quest der Marke “Bring 5 Wölfe um”, aber es waren eben nur fünf, nicht 20 und die Drop-Rate von Wildschweinfleisch war bisher 100%. Fast so, als hätte jedes Tier welches dabei. Haben die denn von WoW nicht gelernt, dass statistisch gesehen nur jedes fünfte Wildschwein aus Fleisch gemacht ist? Natürlich kann sich das noch ändern. Wer weiß, vielleicht werde ich heute Abend gebeten solange Orcs zu farmen bis irgendwann mal ein magisches Gebimmel aus einem raus fällt, aber bisher ist das Spiel in der Hinsicht sehr schmerzfrei. Schmerzfrei ist gut!

Deeds und Titles. Neben den üblichen Leveln kann man sich in LOTRO auch noch sogenannte “Titles” verdienen, indem man gewisse Taten vollbringt. Diese Titel kann man sich dann hinter den Namen kleben, so dass sie alle sehen können. So ein bisschen wie es das auch in Guild Wars gibt, nur wesentlich besser. Der erste Titel kommt umsonst und gibt die Herkunft an. Da wäre man also zum Beispiel “Blah-blah of Gondor”. Die restlichen Titel muss man sich verdienen, zum Beispiel durch das Erreichen von Level 5 ohne zu sterben “Blah-blah the Wary” oder durch das erledigen von Quests in einer bestimmten Gegend (“Honorary Sherrif”). Coole Sache eigentlich, weil man dadurch neben dem Erledigen von Quests und dem Erreichen von Leveln noch auf weitere Ziele hinarbeiten kann, zumal man durch die Titles auch zusätzliche Fähigkeiten erwerben kann.

So, ich gehe jetzt nach Hause und schaue mal, ob ein neuer Grafiktreiber die Absturzprobleme behebt. Und ich könnt mich dafür auslachen, dass ich es gekauft habe. Viel Spaß.

53 Kommentare Autor: Richard
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Massive Aussichten, Teil 3: Midgard Online

Midgard Online

Eine neue Ausgabe, ein neues Lizenzprodukt, ein neues Fantasy-MMORPG: Midgard Online ist allerdings interessanterweise ein weitgehend deutsches Gewächs, auch wenn es den Nachnamen mit so vielen US-Produkten teilt (interessant, oder?). Grundlage ist das älteste deutsche Pen&Paper Rollenspiel gleichen Namens – minus dem Nachnamen – immer schon ein Garant für hochkomplexe, etwas umständliche Regeln und einer sehr liebevoll ausgearbeiteten Spielwelt, deren Länder erheblich stärker als z.B. Warhammer an reale Epochen und Kulturen unseres eigenen geliebten Heimatplaneten angelehnt sind. Midgard ist -tpyisch deutsch?- ordentlich und sorgfältig, aber auch etwas -tpyisch deutsch?- bieder, wenig originell und farblos – es gibt gute Gründe, warum es bei weitem nicht das beliebteste Papierrollenspiel in hiesigen Gefilden ist.

“Warum daraus ein MMORPG machen und für die Lizenz zahlen? Das ist doch genau wie alle anderen Fantasyschmonzetten, nur blasser, ohne überzeugendes grafisches Konzept und langweiliger”, werdet ihr sagen – und damit seid ihr sicherlich nicht allein. Eine sehr wahrscheinlich der Wahrheit nahekommende Hypothese ist, dass ein Entscheidungsträger bei Frogster/Onlinewelten selbst Pen&Paper Spieler ist, der bei der Frage nach einer MMORPG Lizenz – ich stelle mir das Meeting gerade bildlich vor – begeistert aufgesprungen ist und seinen Kreuzzug begann, sein Rollenspiel in die MMO-Welt zu bringen – “Ich kenne genau DIE Lizenz für uns. Das älteste deutsche…” usw usw. Der Rest der Runde nickt ergriffen. Der Anfang.

Und das ist der heutige Stand: www.midgard-online.com. Wenn man sich die schwachen – wenig originellen und etwas biederen – Konzeptskizzen und die liebevollen, scheinbar direkt aus dem Hintergrund – nicht aus dem MMO-Material – übernommenden Regionsbeschreibungen einmal genauer betrachtet, ist eines klar: Hier sind Überzeugungstäter am Werk. Schmerzlich klar wird aber auch, dass es wirklich gar nicht mal so einen guten Eindruck macht. (Konzept-)Grafisch höchstens amateurhaft, designerisch altbacken mit Ideen, deren Umsetzbarkeit meiner Ansicht nach definitiv ungesichert ist. Eine der besten Regeln für gutes Schreiben, gutes Coding, gutes Zeichnen, gutes Spieldesign ist immer noch “Kill Your Darlings”. So etwas wie “möglichst genaue Umsetzung der Regeln”. Seid ihr euch damit wirklich sicher, OW/Frogster? Wäre nicht “ein möglichst spassiges Spiel” auch ein sinnvolles Ziel?

MO ist eines der wenigen aktuellen MMO-Projekte, die in ihrer Realitätsferne, ihrem wohlgemeinten Idealismus und ihrem designerischen Scheuklappendenken an die Boomzeiten um 2000 erinnern. Leider. Mit den Jahren hat man so manches mutige MMO-Design kommen und gehen gesehen und entwickelt zumindest ein ungefähres Gefühl dafür, was funktionieren kann. Das deutsche Fantasy-MMORPG Midgard Online ist -so wie es sich aktuell darstellt – ein Paradebeispiel für einen peinlichen Megaflop … mit Ansage. Hoffentlich liege ich total falsch, das würde mich ernsthaft freuen.

32 Kommentare Autor: Denis
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Massive Aussichten, Teil 2: Warhammer Online

Massive WAR

Ich habe doch gesagt, dass wir einen Trend zu dicken Lizenzen und machtvollen Franchises in der MMO-Szene haben? Genau, habe ich. Ist ja auch viel netter, schon einen eprobten Sandkasten zu verwenden, den die anderen Kinder auch ganz toll finden. Das beruhigt die Eltern die Investoren.

Games Workshop ist in letzter Zeit ziemlich erfolgreich gewesen, was die Vergabe ihrer Lizenzen angeht – dem satten Hit “Dawn of War” in ihrer (ziemlich eigenen) SF-Spielwelt Warhammer 40K folgte das zumindest ziemlich solide Mark of Chaos. Vorher gab es aber das das Millionengrab Warhammer Online, eine detailbeflissene MMO Umsetzung ihrer (ziemlich eigenen) Fantasywelt, die von Climax über Jahre hinweg verschleppt wurde, bis GW eines Tages den bis dahin voll aufgedrehten Geldhahn zudrehte – danach stand Climax mit einer fast fertigen fremdfinanzierten MMOG-Engine und GW mit einer Menge unverwendarem Artwork dar. Danach ging es schnell: Mythic Entertainment meldete Interesse an, sie bekamen die Lizenz (eine verbitterte Community gab es als kostenlose Beilage) und begann in Windeseile auf Basis ihrer erprobten Dark Age of Camelot Technologie ein von Grund auf anderes Spiel zu entwickeln. Eines, das sich ganz klar auf die Konflikte zwischen den verschiedenen Reichen (und Spielern) konzentriert – zum nicht unerheblichen Unwillen eines Großteils der Rollenspielfreudigen Community. Der stark an die Zinnminiaturen des Warhammer-Tabletops angelehnte Look von Warhammer Online: Age of Reckoning hatte ebenfalls einen schweren Stand vor einer Szene, die scheinbar zu einem großen Teil das bereits allgegenwärtige, stark vom WH-Look beeinflusste World of Warcraft schlicht nicht mehr sehen konnte und den üblen Mief eines schamlosen Plagiats witterte.

Mythic begann eine gnadenlose Kampagne, um das Wohlwollen des Volkes (zurück) zu gewinnen. Diaries, Previews und aktiv auf den Foren postende Entwickler sind eine Sache, etwas ganz anderes sind sonderbare Gestalten wie der verhinderte TV-Prediger Paul Barnett, der seine inzwischen kultisch verehrten Botschaften unter vollem Einsatz von MySpace, Youtube usw. unter die Leute bringt. Tatsächlich scheint der Hype zu funktionieren: Die Community glaubt tatsächlich, das Warhammer ganz anders ist als alle anderen Fantasywelten. UND sie glaubt, das WAR ganz anders sein wird als alle anderen MMORPGs. Ausserdem ist es ein Hobby, nicht nur ein Spiel.

Tatsächlich hat Mythic (inzwischen Teil von Electronic Arts) einiges Neues auf der Pfanne, auch wenn es sich hier klar eher um Evolution als einen Bruch mit allem Althergebrachtem handelt: Alles, was Spieler machen – sei es PvP, PvE oder Crafting, beeinflusst die Balance zwischen den beiden Fronten Ordnung und Zerstörung, Gebiete können besetzt, Städte eingenommen werden bis es dann zur entscheidenden Schlacht um die Hauptstadt des Gegners kommt. In WAR geht es um Krieg, nicht um Bausparen, Eigenheim und Teppichknüpfen. Wer sich damit und mit einen etwas eigentümlichen Sinn für Humor identifizieren kann, wird möglicherweise im Verlauf dieses Jahres eine solide Keilerei einplanen können. Allerdings: Bisher gibt es keine Hinweise auf Dinosaurier.

33 Kommentare Autor: Denis
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