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Grüße aus Rio

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Oder mit anderen Worten: Wer in den nächsten Tagen ein Update von mir erwartet, der hat sich geschnitten. Nur eins noch. Die Printmagazine sind hier genauso scheiße wie daheim. Siehe Fotobeweis. Mein Favorit: Die “PlayKill”. Ooookay.

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(Mario-Bild von Vincent-VEC. Danke!)

27 Kommentare Autor: Richard
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Da war doch noch was…

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Ich muss noch was zu Play Vanilla schreiben. Hatte ich ja versprochen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn irgendwie bringt sie mein Blut nicht so Recht in Wallung. Weder auf die positive, noch auf die negative Art und Weise. Ja, das ganze Heft ist etwas bemüht, unter anderem mit seinen Interviews von irgendwelchen Viva-Moderations-Sternchen, von denen die meisten anscheinend so gut wie gar nicht spielen, für das Interview aber mal brav so tun als ob. Gewisse Fotos bei denen sich besagte Sternchen dann lasziv eine PSP in den Ausschnitt stecken, wirken fast so als wären sie aus dem Sony-Pressearchiv gekramt und nicht extra für eine Frauenzeitschrift aufgenommen worden.

Apropos Pressearchiv, einige Artikel kommen sehr stark wie Werbung rüber und nicht wie echter redaktioneller Inhalt. Das “Interview” mit Regina Hallmich zu “ihrem” Box-Manager hätte so auch von Ataris Pressestelle formuliert werden können. Wenn es nicht gar von Ataris Pressestelle formuliert wurde.

Insgesamt würde ich mich als Frau nicht so ganz ernst genommen fühlen. Man hätte vielleicht ein paar interessantere Frauen zu ihrem Hobby befragen können, als Viva-Tussi Collien Fernandenz und “Rockgöre” Liza Li. Inhaltlich ist das alles sehr, sehr seicht. Von den unglaublich oberflächlichen Spielekritiken (die immerhin völlig frei irgendwelchem Wertungskasten-Bullshit sind) bis hin zu Aussagen die implizieren, dass Spiele bei denen man mehr als zwei Knöpfe drücken muss, ja für Frauen eher nichts wären.

Zwei von zwei befragten Frauen (beide attraktiv und intelligent) fühlten sich von der Zeitschrift aber zumindest nicht aktiv beleidigt und beide verbrachten viel Zeit auf den Seiten mit den Accessoires. Zumindest in der Hinsicht hat man also die Zielgruppe korrekt erfasst. Auch die Bravo-Foto-Lovestory mit einer Dreiecksbeziehung zwischen ihr, ihm und einer PS3 ist so schlecht, dass sie schon wieder gut ist und führte bei den Testpersonen zu großer Erheiterung.

Am Ende gebe ich dem Blatt nicht mehr als sechs Monate (vor allem wenn man weiter so viele Werbebeiträge als redaktionellen Inhalt verkauft), aber ich hätte auch nichts dagegen, falls es sich wider Erwartung doch etablieren kann. Wenn ich die Wahl hätte in der Öffentlichkeit eine Play Vanilla oder eine Gamestar zu lesen, würde ich mich mit der Play Vanilla jedenfalls deutlich weniger schämen.

Mal schauen wie sich die Sache entwickelt.

30 Kommentare Autor: Richard
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Unter Druck

Die Spiele-Print-IVW-Zahlen für das 3. Quartal 2006 sind raus, und sie sehen erwartungsgemäßg mies aus. Ach, was red ich da, sie sind eine Katastrophe. Kennt ihr die letzte Szene aus “The Day After”? Ja, genau so. Im Vergleich zum 3. Quartal 2005 haben die meisten der größeren Printmagazine um die 15-20% ihrer Leser verloren, die Bravo Screenfun sogar beinahe 50%. Unser aller Liebling, die Gamestar, ist auf eine Auflage von knapp unter 250.000 gerutscht. Das waren mal über 100.000 mehr!

Wir sind hier wahrlich keine Experten, was den Print-Markt angeht, aber wir fragen uns trotzdem, wo die ganzen Leute hin sind. Hier ein paar Erklärungsversuche. Wahrscheinlich sind ein paar von ihnen totaler Stuss. Vielleicht sogar alle! Betrachtet sie bitte als die Wiedergabe meiner subjektiven Eindrücke. Wie immer freuen wir uns, wenn sich jemand “aus dem Biz” in den Kommentaren zu Wort meldet und ein bisschen Licht ins Dunkel bringt.

Vermutung 1: in den Zeitschriften steht nur Schrott. Tut mir leid, Fabian und Heiko und Knut und Gunnar und Petra und Dirk und Rüdiger; ihr seid alle super, ich hör’ euch gerne beim Singen zu und so, bitte bestraft mich nicht mit Liebesentzug. Ich sage ja auch gar nicht, dass ihr nicht schreiben könnt. Das könnt ihr. Sehr gut sogar! Nein, ich frage mich lediglich, ob die Welt tatsächlich mehrseitige, oft floskeldurchsetzte Tests zu Titeln braucht, über die der gemeine Internetuser eh schon alles weiß, bevor er auch nur einen Blick in eure Magazine geworfen hat. Mal von euren immer bizarrer werdenden Wertungskästen, den inzwischen wirklich komplett unlustigen Videobeiträgen und den total überflüssigen Demo-DVDs ganz zu schweigen. Hey! Eure beigelegten Vollversionen sind ab und zu ganz nett. Aber das wisst ihr ja selbst.

Vermutung 2: die Kids von heute haben besseres zu tun, als “Spielefachmagazine” zu kaufen. Hey, liebe Print-Macher, wart ihr in den letzten zwei, drei Jahren mal draußen? Wenigstens auf der Games Convention? Da hattet ihr doch alle Stände. Habt ihr nicht die Besucher beobachtet? Dann wäre euch sicher aufgefallen, dass der typische Spieler von heute komplett anders drauf ist als, sagen wir mal, ich vor ca. 15 Jahren. Was habe ich mich damals auf Spielezeitschriften u.Ä. gestürzt! War ja auch die einzige greifbare Informationsquelle. Ich war so ein richtiger Zockernerd, inklusive blasser Haut und dicker Brille. Spielezeitschriften haben zu mir gepasst wie Preißelbeeren zu Käsebrot. (*) Für die typischen interessierten Kids von heute sind Spiele nur ein Hobby unter vielen. Die meisten von ihnen interessieren sich mindestens genau so, wenn nicht sogar noch mehr, für Musik, Sport, Ausgehen, das andere Geschlecht. Manche lesen sogar Bücher oder gehen ins Theater. Spiele sind einfach derart mainstream geworden, dass man sich nicht mehr für sie zu schämen braucht. Zeitschriften, deren Covers von großbusigen Computerbabes oder grimmigen Axtkriegern verziert werden und die das neuste Fantasy-Rollenspiel analysieren, als wäre es ein portabler Nuklearreaktor, passen da einfach nicht rein.

Vermutung 3, “der Klassiker”: der Online-Markt klaut die Leute weg. Mir ist bewusst, dass dieser Punkt unter den Printlern heftig diskutiert wird. Ich kann mich lediglich darauf berufen, was ich bei mir selbst und bei meinen Bekannten beobachten konnte, und was eigentlich auch ganz logisch erscheint: online ist man einfach wesentlich zügiger informiert als per Print. An dieser Stelle verteidigen sich Print-Leute gerne mit der sicherlich nicht komplett falschen Behauptung, bei den gedruckten Magazinen würde die Qualität viel eher stimmen als bei Online-Sites. Aber hey, meint ihr, den gemeinen Spieleinteressierten kümmert das? Mal ganz ehrlich: die Artikel bei den meisten Online-Magazinen sind nicht gut. Trotzdem schaffen sie es in der Regel, die für den Leser wichtige Information zu transportieren. Das ist in manchen Fällen die Bewertung der Spiele. Oft aber auch etwas anderes. Was mich zum nächsten Punkt bringt:

Vermutung 4: die meisten Leute interessieren sich nicht wirklich für Spieletests. “Woah”, höre ich euch stöhnen, “was hat er nur geraucht, der Hendrik?” Nun, mal ehrlich: bei den meisten Spielen bildet man sich doch schon vor dem Release ein Urteil. Das kann natürlich an gelungenem Hype liegen. Aber auch daran, dass man einfach Fan einer Serie ist. Oder sich von einem bestimmten Spiel aus sonstwas für Gründen besonders angesprochen fühlt. (**) Und wenn dann ein Magazin diesem Spiel eine besonders miese Wertung gibt, ist halt das Magazin scheiße. Beispiel gefällig? Der mutige 4players.de-Test von Gothic 3 wird gerade im halben deutschsprachigen Intarweb mit purem Hass quittiert. Dabei ist er gar nicht mal so mutig, denn trotz des vernichtenden Fazits (“Das, was ihr morgen in der Box kauft, ist schlichtweg unfertig und leider in vielen Bereichen demotivierend, wenn man nicht beide Augen in blinder Ignoranz zudrückt”) gab es immerhin noch 68%.

Zusammenfassend drängt sich mir also der Verdacht auf, dass Spielezeitschriften fast nur noch von Leuten gekauft werden, die sich nicht (oder zumindest nicht regelmäßig) über das Internet informieren, sich generell nicht so sehr für Computer- und Videospiele interessieren und/oder Spiele tatsächlich für so komplexe Gebilde wie portable Nuklearreaktoren halten. Zum Beispiel Eltern. Oder hoffnungslose Romantiker wie ich, die darauf hoffen, dass auf einmal alles wieder so wird wie früher. Ach, so ein Quatsch. Ich bin einfach zu faul, mein Abo zu kündigen.

Aber was weiß ich schon.

(*) Preißelbeeren auf Käsebrot sind fucking fantastisch. Probiert’s mal aus.

(**) Oder man ist wie Richard und kauft Gothic 3, obwohl ihn alle davor gewarnt haben. Sogar er selbst. Haha, Sucker.

122 Kommentare Autor: Hendrik
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Punkt Dee Eh

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Eurogamer ist ja bekanntlich die einzig wirklich lesbare “klassische” Spieleseite die sich in den Weiten des Internetzes finden lässt. Frei von irgendwelchem Wertungskrampf werden da Spiele tatsächlich als Kulturgut rezensiert, gewürzt mit einer guten Portion britischem Humor. Ein kleines Wunder in der Masse der ganzen Kategorienunterteiler, Waschmaschinentester und Prozentpunkteverteiler, die sich ernsthaft für Spielejournalisten halten. Was ein bisschen Leidenschaft und die Fähigkeit einen Text zu verfassen doch für einen Unterschied machen kann.

So ganz hat der Name Eurogamer aber nie gestimmt. Eigentlich war es eher ein UKgamer, denn da sitzt nun mal die Redaktion. Preise werden gerne in Pfund angegeben, Veröffentlichungstermine gelten immer für England und intelligente Texte zum deutschen Jugendschutz lassen sich in Brighton auch nur begrenzt schreiben. Also dachte man sich dort wohl, dass man ja auch mal andere europäische Länder mit einem Eurogamer beglücken könnte. Der erste Versuch in diese Richtung ist eurogamer.de das gestern (halbwegs pünktlich zur Games Convention) seine Pforten öffnete.

Ehrlich gesagt war ich nicht sonderlich optimistisch, was das Projekt angeht. Das Teaserbild war nicht nur totkomprimiert ohne Ende, sondern hatte mit “Damit ihr heute schon wisst, was morgen gespielt wird!” auch eine extrem dämliche Tagline. Echt, superknackig das Ding. Getragen wird die Seite von der Firma Extent Media, deren Gründer mal für die PC Games verantwortlich waren, einem Blatt das tatsächlich Spielspaßkurvenmotivationsdiagramme zeichnet. Außerdem wurde Ahmet Iscitürk als Chefredakteur für Videospiele vorgestellt. Dass der Herr mal für die PC Action, dem schlimmsten Blatt unter all den schlimmen deutschen Blättern, gearbeitet hat, macht ihn nicht gerade eminent qualifiziert für eine intelligente und witzig geschriebene Seite. Damit will ich nicht sagen, dass er das nicht kann, nur dass er ziemlich außer Übung sein dürfte. Wer nicht weiß wie schlimm die PC Action ist, der kann sich ja mal durchlesen, wie sich dort ein neuer Redakteur so vorstellt. Zieht euch aber vorher Sachen an die schmutzig werden können, denn ihr werdet vor Fremdscham mindestens 25 Meter im Boden versinken.

Vielleicht wird es an dieser Stelle mal Zeit für ein kleines Geständnis. Ahmet hat nämlich versucht mich und Stefan als freie Redakteure für eurogamer.de zu rekrutieren. Stefan hat sehr höflich abgelehnt, ich habe auf meine charmante Art und Weise mal mit den oben genannten Gründen ein bisschen Zweifel an dem Projekt aufkommen lassen, und insbesondere mal seine PC Action-Vergangenheit ins Gespräch gebracht. Das kam nicht sonderlich gut an, worauf hin ich das Angebot dann gar nicht mehr ablehnen brauchte, weil es wohl nicht mehr existierte.

Ganz ehrlich, ich wäre ja auch peinlich berührt, wenn mich jemand daran erinnern würde, dass ich mal in aller Öffentlichkeit “Black Hammer – Leiden soll dein Loch” als meinen Lieblingsfilm benannt habe, aber es gibt halt Sachen die kann man nicht rückgängig machen und dann muss man eben dazu stehen.

Trotzdem wäre ich natürlich begeistert, wenn endlich mal eine richtig gute deutsche Vollprogramm-Spieleseite auftauchen würde. Klar, die interessantesten Artikel zum Thema Spiele wird man wohl weiterhin an Orten wie d-frag, GTA oder bei einem der Spieler finden, aber Blogger haben eben nicht die Zeit zu jedem Spiel, das auf den Markt geworfen wird, eine Kritik zu schreiben und auch nicht den Zugang zu Spieleentwicklern um Previews mit echtem Inhalt zu produzieren. Und was gäbe es für ein besseres Vorbild für so eine Seite als eurogamer?

Schauen wir uns das Ding also mal an. Zunächst mal muss man feststellen, dass es noch nicht gerade viel Inhalt gibt. Ich zähle insgesamt vier Spielekritiken und immerhin 16 Vorschauen.

Interessanterweise haben die guten Texte nie den Namen des Autors dran. Das recht locker geschriebene Review von Dead Rising ist zum Beispiel “vom Eurogamer-Team”, während die bemüht “flockig” geschrieben Kritik von Titan Quest von einer Tanja Menne unterschrieben ist. Wo der verkrampfte Schreibstil herkommt, zeigt dann eine kleine Googelei. Herr Iscitürk ist nämlich nicht der einzige deutsche Eurogamer der mal für die PC Action gearbeitet hat. (Frau Menne ist übrigens die erste Person auf der Welt, die das missglückte Lootsystem von Titan Quest mag, und deckt bei sich somit einen gewissen Kompetenzmangel im Bereich der Designanalyse auf.) Auch ihre “Ode an Gothic 3″, in der sie verkündet wie sehr Gothic 3 sie beim Pinkeln betört, hat akutes Fremdschämpotential. Wenn ich nochmal einen Blick auf die Namen der Gründer von Extent Media werfe, dann schätze ich mal, dass wir es hier mit den Nebenwirkungen eines akuten Falls von Nepotismus zu tun haben.

Gelungen ist allerdings das Preview des neuen Splinter Cells. Der Text wirkt persönlich, spricht die politische Dimension des Spiels an und bringt alle wesentlichen Neuerungen auf den Punkt, ohne dabei zu einer langweiligen Aufzählung zu verkommen. Der Autor? Wieder mal das anynome “Eurogamer-Team”.

Weniger geglückt ist dagegen Herbert Aichingers Kritik von Anstoss 2007. Der Text ist nämlich in etwa so aufregend wie das Spiel, und das hat ungefähr den Charme einer Erstsemestervorlesung in Investitionsrechnung. Aichinger hält auch American McGees krude Katastrophenposse “Bad Day L.A.” für eine scharfsinnige Satire und ist dafür sogar bereit über das primitive Spielprinzip hinweg zu schauen. Wetten das wird den englischen Kollegen nicht passieren?

Hoffen wir mal, dass das “Eurogamer-Team” bald einen Namen findet und mehr Artikel schreibt als Herr Aichinger und Frau Menne. Dann hat das Ding nämlich, diversen Ausrutschern zum Trotz, durchaus Potential. Ein echtes Eurogamer ist es zwar noch nicht, aber hier und da ist es jetzt schon lesbarer als die Gamestar. (Stimmt nicht wirklich. Ich habe meine Meinung geändert.) Ich denke der Feed wird mal abonniert. Hoffen wir auf das Beste.

55 Kommentare Autor: Richard
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Der Antigames Award™ “für besondere Inkompetenz” geht an…

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Überraschung, die Gamestar! Die neue Ausgabe ist nämlich raus und sie sorgt wieder mal dafür, dass ich meinen Glauben an die Menschheit verliere. Aber fangen wir von vorne an. Titelstory Dickster Test der aktuellen Ausgabe ist Prey. Das überrascht nicht wirklich, schließlich ist diesen Monat sonst absolut nichts raus gekommen, schon gar nicht für den PC. Prey erhält von der Gamestar eine Wertung von 87%. Auch das ist nicht überraschend, obwohl Prey sicher nicht so herzlich empfangen worden ist, wie sich das 3DRealms und Human Head gerne gewünscht hätten. Gamespy konnte sich gerade Mal zu 3,5 Sternen hinreißen lassen, Gamespot hat nur 7,5 Punkte dafür übrig gemacht, mache sind noch deutlicher geworden und die Verkaufszahlen haben auch noch keine Kassen in Brand gesetzt.

In Deutschland hat es das Spiel – obwohl es als einzige Neuerscheinung im Moment den Markt quasi für sich hat – gerade mal auf Platz 5 der Media Control Charts geschafft. Wohlgemerkt, nur im PC Segment. Selbst das EA Spiel zur Fußball-WM geht noch besser, obwohl selbst die “schwarz-rot-geilsten” unter uns inzwischen die Fahnen wieder eingerollt haben. Die schwachen Verkaufszahlen dürften unter anderem daran liegen, dass Prey halt nicht wirklich toll ist. Allein das Kerngameplay ist nicht besonders gut umgesetzt und fällt gegen Spiele wie HL2, FEAR oder selbst Quake 4 doch gewaltig ab. Tja, und ein Shooter in dem das Shooten nicht so richtig Spaß bringt, der hat auch keine guten Noten verdient. Zum Teil liegt es sicher auch daran, dass Protagonist Tommy ein absolutes Oberarsch ist, der in den ersten fünf Minuten seinen Großvater beleidigt, seine Freundin anmault und dann zwei Leuten mit einer Rohrzange den Schädel einschlägt, weil sie seine Freundin angemault haben. Symphatisches Kerlchen.

Allerdings es ist ja nicht die Aufgabe der Gamestar-Redaktion Spiele zu bewerten, sondern Magazine zu verkaufen. Da sich aber ein Magazin, dass kein einziges gutes Spiel enthält nicht wirklich verkaufen kann und die letzten Quartalszahlen der Gamestar gar nicht gut aussahen (-11% verkaufte Auflage und deutliches unterschreiten der magischen 300.000 Grenze), muss man sich beim Spielen von Prey eben die rosarote Brille aufsetzen. Dann sehen die Level auch nicht mehr so aus, als wären sie aus Fäkalien konstruiert, das Auswürfeln einer Wertung im oberen 80er-Bereich fällt nicht mehr so schwer und dem Leser fällt vielleicht nicht so sehr auf, dass das Heft sonst voller Perlen wie “Dr. Grips Gehirntrainer” (29%), “Sky Aces – Reichsadler” (19%) und “Pro Angler” (24%) ist.

Aber ganz ehrlich: Die Wertung von Prey ist mir herzlich egal. Genau so wie das Spiel. Wenn die Verkaufszahlen der ersten Woche ein Indikator sind, geht es auch dem Rest der Welt so. Was mich dann aber doch auf die Palme gebracht hat, war die Begründung für den Gamestar Award, den man dem Spiel an die Backe geklebt hat. Den hat es nämlich “für Ideenreichtum” bekommen.

Eigentlich kann man den Award sogar irgendwie nachvollziehen. Das Spiel hat ja tatsächlich einige halbwegs frische Ideen dabei. Mit Schwerkraftplatten an der Wand zu laufen, haben wir zwar schon ein dutzend Mal gemacht, aber eben noch nicht in einem Shooter. Die Portale sehen zumindest grafisch sehr cool aus, auch wenn sie sehr gerne als Ausrede verwendet werden, um Monster direkt hinter den Spieler zu beamen. (Hmm, steht das vielleicht in den Lizenzbedigungen für die Doom 3 Engine?) Dann gibt es da noch dieses Indianerzeugs mit der Astralprojektion. Auch schon gehabt, aber eben auch noch nicht mit Indianern und noch nicht in einem Shooter. Und hey, welches andere Spiel hat schon ein Körperteile scheißendes Riesenrektum? Auf solche Ideen muss man erstmal kommen!

Insofern war mir erst nicht klar, warum mir dieser Award so furchtbar falsch vorkam. Nach ein paar Minuten hat es dann aber Klick gemacht. Mir fiel nämlich ein anderes Spiel ein. Eines der besten Spiele des letzten Jahres. Ein Spiel, das einen größeren Ideenreichtum hatte, als alle anderen Spiele des letzten Jahres zusammen. Ein Spiel, das trotz alledem (und trotz diverser anderer positiver Eigenschaften) bei der Gamestar bloß magere 77% bekommen hat. Ihr wisst schon. Psychonauts.

Also habe ich noch mal nachgeschaut. Hat Psychonauts auch so einen Award bekommen? Bestimmt. Muss ja. Wenn Prey den verdient hat, dann hat Psychonauts ihn mit drei goldenen Sternchen am Bande verdient. Bestimmt haben die Gamesternchen das richtige getan und auch Psychonauts diesen…

Nein. Haben sie nicht.

Ich bin jetzt zu der Erkenntnis gekommen, dass die Gamestar in Wirklichkeit gar kein Spielemagazin ist. Tatsächlich ist sie eine Verschwörung, um mich in den Wahnsinn zu treiben. So schockierend inkompetent kann man nämlich gar nicht sein. Selbst nach Jahren der Abstumpfung durch das Testen von Klassikern wie “Dark Vampires” (20%) kann man Videospiele nicht so hassen, dass man solchen Schwachsinn verzapft. Man kann einfach nicht. Ich weigere mich, das zu glauben.

Und jetzt entschuldigt mich. Ich gehe ein bisschen nach draußen, meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Immer und immer wieder. Bis der Schmerz aufhört.

129 Kommentare Autor: Richard
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Pressespiegel: Hitman Blood Money

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Nachdem ich mir am Montag einige Gedanken zu Hitman: Blood Money gemacht habe, dachte ich mir, ich schaue mal nach was meine Freunde von der Printpresse so zu dem Thema zu sagen haben. Im Moment kommen ja nicht allzu viele Spiele raus, da sollte ein neuer Hitman doch für ein paar Seiten Text gut sein. Also habe ich mich in den Supermarkt begeben und mal bei diversen Magazinen die Kritiken Tests zu Hitman gelesen.

Zunächst mal ein Wort zur neuen GEE. Sie ist pink. Nicht irgendein Pink, nein, Neonpink. Kinder, so geht das nicht. Bei der Farbe kann man die Zeitschrift auf dem Band im Supermarkt nicht mal mehr verschämt unter den Schnapsflaschen verstecken. Besonders ärgerlich, da bei der GEE die Farbe eigentlich das einzige ist, was für das man sich schämen müsste. Deutschlands lesbarstes Spielemagazin findet nämlich auch zu Hitman ein paar halbwegs intelligente Worte. “Bei keinem anderen Spiel hinterfragt man sein eigenes Tun so oft wie bei Hitman”, heißt es da. Das Spiel sei vor allem Spielern mit “intakter Selbstreflexion” zu empfehlen. Ganz meine Meinung. Nur ein bisschen mehr Text wäre vielleicht nett gewesen. Die Besprechungen der Spiele sind bei der GEE doch immer arg knapp gehalten. Trotzdem, Daumen hoch.

In eine andere Kerbe schlägt die PC Action, wo man voll auf Geschmacklosigkeitskurs geht. Die Missionen seien “so unmoralisch wie noch nie” (wohlgemerkt, das hält man dort für einen Pluspunkt) und Hitman Blood Money sei endlich mal ein Spiel, dass “den Titel ‘Killerspiel’ verdient” hätte (auch das ist in der Welt der PC Action scheinbar eine gute Sache). Ist hier vielleicht ein Politiker, der diesen Steilpass nutzen möchte? Herr Beckstein? Herr Schünemann? Danke, liebe PC Action. Schön dass ihr so hart daran arbeitet uns allen das Leben schwer zu machen.

Anscheinend hält man sich dort drüben auch für witzig, was zu einigen peinlichen Momenten führt. Beispiel gefällig? In einem Kasten verkündet uns die PC Action nämlich, dass der Hitman auch Lady Di und John F. Kennedy auf dem Gewissen hätte. Haha. Ich schmeiß mich weg. Es ist meist schon schlimm genug, wenn humorlose Leute versuchen Witze zu reißen Wenn sich solche Typen dann auch noch an schwarzem Humor versuchen, kann das schon sehr unangenehm werden.

Die PC Games spart sich solche Peinlichkeiten, hat aber zum Inhalt des Spiels irgendwie gar nichts zu sagen. Oder vielleicht doch? Ich bin mir nicht ganz sicher, denn der Artikel war so öde geschrieben, dass ich mittendrin eingezzzzzzzzzzz….

Noch so ein kleiner Tipp am Rande, liebe PC Games/Action. Es verleitet nicht gerade zum Kauf, wenn ich mich beim Kiosk erstmal durch zwanzig Seiten Werbung wühlen muss, bevor ich zum Inhaltsverzeichnis komme. Immerhin könnt ihr, jetzt wo ihr ein Printäquivalent zu Popup-Ads gefunden habt, zumindest in einem Bereich mit der Onlinekonkurrenz mithalten. Super.

Jetzt zu meinen Freunden von der Gamestar. In klassischer Manier wird hier Hitman wie eine Waschmaschine getestet. Ich weiß nicht, ob Hitman ein Top- oder Frontlader ist, aber wer sich durch den drögen Artikel quält, kann das sicher herausfinden. Wie üblich ist alles voller Kästchen in denen man die Drehzahl, den Wasserverbrauch und die Seitenzahl des Handbuchs nachlesen kann. Mit anderen Worten: Die Gamestar hat nichts zu sagen, sagt es aber mit vier Seiten Text und einem Haufen von Statistiken. Quasi wie in einer VWL-Vorlesung. Oder der PC Games.

So ein leicht flaues Gefühl hatte man dann aber wohl doch gehabt, denn immerhin man in einem der Meinungskästen ein bisschen Kritik. Christian Schmidt findet da sogar recht deutliche Worte: “Kaltblütiges Ermorden von Unschuldigen darf keine Unterhaltung sein.” Warum sich solche Kritik nicht im eigentlichen Text wieder findet, oder warum diese These nicht diskutiert wird, weiß ich auch nicht. Schließlich sind die anderen Redakteure ja anscheinend der Meinung, dass das kaltblütige Ermorden von Unschuldigen sehr wohl Unterhaltung sein darf. (Wir lassen jetzt mal außen vor, dass man in Hitman keine Unschuldigen umbringen muss, wenn man nicht will, außer Drogenbarone und Sklavenhändler fallen seit neuestem unter die Kategorie “unschuldig”.) Jedenfalls sagt Michael Graf über Hitman: “Für mich ein Hit, Mann!” (haha, noch so ein Brüller) und Daniel Matschijewsky nennt Hitman einen “hochspannenden PC-Thriller”. Da hätte man doch ein interessantes Streitgespräch draus machen können. Aber das hätte die Zielgruppe wohl zu sehr verstört. Nachher entwickeln die gar noch ein schlechtes Gewissen beim Spielen von Hitman. Wo kommen wir denn da hin? So scheint der eine, einsame Meinungskasten doch ein bisschen eine Alibifunktion zu haben.

Aber hey, immer noch besser als die PC Action.

93 Kommentare Autor: Richard
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Durchgeblättert

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Ist euch das auch schon passiert? Ihr steht im Supermarkt an der Kasse und stellt fest, dass ihr kein Bargeld dabei habt. Normalerweise keine Thema. Schließlich hat man diverse Plastikkarten im Gepäck. Aber was, wenn man nur eben schnell eine Gurke und drei Tomaten für den Salat mitnehmen wollte und neben der Kasse eine Schild mit der Aufschrift „Kartenzahlung erst ab 5€“ prangt?

Dann schaut man sich ganz schnell nach etwas um, womit man seinen Gesamtpreis über diese magische 5€-Grenze treiben kann. Und was ist geschickt neben der Kasse platziert? Genau, die Schnapsfläschchen das Regal mit den Zeitschriften.

Also habe ich mir nochmal eine GEE gekauft. Nachdem der letzte Versuch dank “Waffenporno“-Cover und akutem EA-in-den-Arsch-kriechens nicht so gut gelaufen war, hatte ich das Magazin ja schon fast abgeschrieben. Aber Gurke sei Dank, bekommt es jetzt eben eine zweite Chance. Seid Live dabei, während ich die neue GEE durchblättere!

Die Aufmachung der Zeitschrift ist übrigens immer noch recht gefällig. Diesmal in knallrot und mit Lara Croft drauf. Nicht sonderlich originell, aber ihr Comebackversuch ist sicherlich das interessanteste was diesen Monat passieren wird. Gut gefällt mir, dass auf der Rückseite keine Werbung drauf ist. Ich weiß nicht wieso, aber auch haptisch ist Heft sehr angenehm und hinterlässt insgesamt ein sehr hochwertiges Gefühl. So was lasse ich durchaus auf dem Tisch liegen, ohne mich dafür schämen zu müssen.

Seite 1: Zigarettenwerbung. Unschön, aber von irgendwas müssen die bei der GEE ja auch leben. EA kann schließlich nicht jeden Monat eine doppelseitige Anzeige kaufen.

Sie haben übrigens die DVD weggelassen. Zitat: “Es gab gute GEE-DVDs und nicht so gute GEE-DVDs”. Die vom letzten Monat war dann wohl eine der nicht so guten.

Seite 9: Nintendo bringt offensichtlich eine neue Version des DS raus! Im PCX-Forum würde man dazu so was sagen wie “Jesus Christus geboren!” oder “Hannibal überquert die Alpen!”. Auf manche Dinge sollte ein Printmagazin halt einfach verzichten. Insbesondere wenn es sich an Leute wendet, die von dem Thema schon einen Hauch Ahnung haben und diese aufregende Neuigkeit schon seit Wochen wissen.

Seite 12: Top Gear, die beste Autosendung der Welt, wird erwähnt. Das gibt Bonuspunkte. Auch wenn der Gran Turismo Film aus der letzten Staffel schon vor längerer Zeit als Video-Meme durchs Netz geisterte.

Seite 19: Kleiner Bericht über Cooking Mama. Ob da jemand Antigames liest?

Seite 21: Interview Keith Schofield. Kein sonderlich toll geführtes, aber die Richtung stimmt.

Seite 26ff: Tomb Raider Coverstory. Noch keine Zeit gehabt die zu lesen. Leider kann man sich den Hinweis auf die alte Nudepatch-Nummer nicht verkneifen. Inklusive Screenshot. Aus den Screenshots ohne entblößte Boobies kann man jedenfalls entnehmen, dass sich Lara in dem Spiel häufiger mal umzieht. Xanthia lässt grüßen.

Seite 36: Interview mit einer CDU-Politikerin über die “Killerspiel”-Debatte. Na ja, Debatte kann man es nicht nennen, denn anscheinend sind CDU-Politiker zwar fröhlich bereit alles zu verbieten, was nicht bei zwei auf den Bäumen ist, aber wesentlich weniger fröhlich dazu bereit solche Verbotsforderung auch öffentlich zu verteidigen. Die Suche nach einem Gesprächpartner hat sich jedenfalls wohl als arg schwierig herausgestellt. Lesen werde ich das Interview später. Habe gerade keine Lust mich aufzuregen.

Seite 41ff: Tolle Reportage über Online-Shooter mit WW2-Thematik und wie der unkritische und kontextfrei Umgang der Entwickler mit diesem Szenario von braunem Gesocks als Rekrutierungsmittel missbraucht wird. Darüber wollte ich selber mal was schreiben. Hat sich jetzt wohl erledigt. Freut mich ehrlich gesagt aber, denn von so was will ich mehr sehen! Schade nur, dass man sich nicht getraut hat auch mal ein paar Spieleentwickler mit solchen Sachen zu konfrontieren. Das dürfen die Redakteure diverser Zeitschriften übrigens ruhig als Aufforderung verstehen. Wenn ihr das nächste Mal die Entwickler von Medal of Brothers in Duty seht, dann fragt sie doch mal ausnahmsweise nicht nach ihrem geilen Bump-Mapping, sondern hakt mal nach warum sie da so unkritische Heldenverehrung betreiben.

Seiten 74 bis 86: Ganze 12 Seiten hat die GEE für Spielekritiken übrig. Und eigentlich kann man das auch nicht wirklich Spielekritiken nennen, was die da so schreiben. Es handelt sich dabei eher um nette kleine Reflektionen über die einzelnen Titel. Bei einer Kaufentscheidung hilft das alles wenig. Wer hier Wertungskästen oder überhaupt eine Wertung sucht, der hat sich geschnitten. Stört mich überhaupt nicht, ich weiß ja sowieso schon was ich will und was ich lieber liegen lasse. Trotzdem kann man da auch Gunnar Lotts Verteidigung der “Stiftung Warentest”-Methode verstehen lernen. Ein bisschen Wertung darf es für viele Leute dann sicher doch sein. Mir gefällt’s aber.

Seite 88f: DVD Reviews. Brauche ich das in einer Spielezeitschrift? Nö.

Seite 90f: Musik Reviews. Brauche ich das in einer Spielezeitschrift? Nö.

Seite 93: Ein Mofa Review. Brauche ich das in einer…na, ihr wisst schon.

Uuuund Schluss. Mal sehen wie brauchbar die Lara Titelstory und das Interview mit der CDU-Frau ist, aber trotz Mofa-Review gefällt mir das Heft im Großen und Ganzen sehr gut. Dem durchschnittlichen Prozentpunkteverteilermagazinleser würde jedenfalls glatt der Kopf explodieren, wenn er da reinschauen würde.

Schön.

36 Kommentare Autor: Richard
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Über den Sinn und Unsinn von “Top X” Listen

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Neulich hat das japanische Magazin Famitsu (beste Spielezeitschrift der Welt oder überbewertetes Werbeblatt der Spieleindustrie, je nachdem wen man gerade fragt) seine Leser nach den 100 besten Spielen aller Zeiten gefragt. Das Ergebnis ist, sagen wir mal, interessant. Tonnenweise Rollenspiele, ein paar Beat-em-ups, eine Handvoll Sporttitel und mehr oder weniger skurrile Einzelkandidaten auf den hinteren Plätzen. Und weil sich über solche Listen natürlich prima streiten lässt, gab es in den üblichen Foren natürlich prompt die üblichen Diskussionen mit den üblichen Argumenten.

Fraktion A mag Rollenspiele und preist die Liste als göttliches Zeichen aus einer besseren Welt. Gruppe B bevorzugt andere Genres und kritisiert die Leser besagter Zeitschrift als hoffnungslose Scheuklappenträger mit Inselmentalität. Die zwischen den Stühlen sitzende Abteilung C erscheint fünf Minuten später und merkt an, dass die Liste anbetracht des soziokulturellen Hintergrundes der befragten Leserschaft zwar durchaus so in Ordnung geht; jedoch ist die offensichtlich falsche Reihenfolge der genannten Spiele nur durch das zweifellos junge Alter der Beitragenden sowie den grossen Medienbuhei für aktuellere Titel zu erklären. Zum Schluss taucht dann die Zyniker-Sektion D auf und erklärt solche Listen für inhärent schwachsinnig. B beleidigt A, A beleidigt C, C beleidigt B und D streut ungerichtet Affronts in die Menge. Kurzum, eine ganz normale Internet-Diskussion entbrennt. Bis zur nächsten Liste natürlich.

Dabei haben natürlich alle irgendwie recht. Und auch wieder nicht. Es ist eben alles ziemlich kompliziert. Klar ist doch, jede Umfrage dieser Art spiegelt immer nur die Meinung einer überschaubaren Gruppe zu einem definierten Zeitpunkt wider. Klar ist auch, dass sich die Leute selbst nicht sicher sind, was sie mögen. Probiert’s mal aus wenn ihr mir nicht glaubt, schreibt eure Top 10 der besten Musik, Spiele oder Filme auf und ihr werdet merken, wie verdammt schwierig das ist. Sind die Rolling Stones im Vergleich zu heutigen Bands wirklich noch so gut, wie ich sie in Erinnerung habe? Nehme ich ICO nur in die Liste auf, weil ich dann auf Andere avantgardistischer wirke? Und welcher Film ist wirklich besser, Alien oder Aliens? Eben, nicht einfach. Und überhaupt, die wenigsten Leute haben in ihrem Leben genug Spiele gespielt, um ihre Lieblinge in Relation zu anderen Titeln vernünftig einordnen zu können. Daher landen gute populäre/gehypte Spiele auch regelmässig so weit vorne, da halt kaum jemand weiss, dass beispielsweise Aliens vs Predator besser ist als Halo.

Warum also überhaupt Top X Listen? Simple Erklärung, Menschen lieben Listen. Im besten Fall bestätigen sie unseren jetzt auch offiziell guten Geschmack, im schlechtesten sind sie eben von Vornherein nichts wert oder stellen ein Menetekel des Massenmarktes dar. In jedem Fall aber sind sie eine prima Grundlage für Diskussionen, und seine Meinung kundzutun ist nunmal oberste Pflicht und grösstes Hobby eines jeden Internetbürgers. Daher, obwohl ich diese Phrase eigentlich hasse: Diskutiert!

28 Kommentare Autor: Stefan
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Fische, Pinguine, Yetis, Curling und Nippel

Achtung, ich schreibe wieder über die Gamestar. Aber keine Sorge, heute bin ich ganz lieb. Ich kann ja nicht anders und blättere da beim Supermarkt immer mal wieder durch oder schaue mir zumindest die Wertungen im PCX Forum an. Was mich diesmal wirklich erstaunt hat, waren die Spiele die da getestet wurden. Hier mal eine Auszug:

- Pinguin vs. Yeti
- Call a Pizza Dude (8%!)
- Nipplegate
- Mall Tycoon 3
- Curling 2006
- Fish Tycoon

Und das sind nur die Spiele die schon vom Namen her offensichtlich als Dreck erkennbar sind. Da tummeln sich die Spiele mit Wertungen zwischen 8 und 41 Prozent nur so. Ganze 15 Stück gibt es davon. Spiele über 80 Prozent? Bloß fünf Stück. Davon schaffen es vier nur so gerade eben über diese Grenze, eins davon ist eine Compilation alter Spiele und eins eine Erweiterung. Zudem ist die Gamestar von einem Spiel ja nur wirklich begeistert, wenn es über 85% bekommt. Das schafft genau eins dieser fünf Spiele. Und das ist wiederum die gerade erwähnte Erweiterung (für Sims 2).

Der Rest ist Mittelbau, irgendwo 42 und 79% und somit sicher seinen Preis nicht wert. Von den meisten dieser Spiele habe ich noch nie gehört, obwohl ich nun wirklich ein fleißiger Newsseitenleser bin. Die Spiele die ich erkenne, sind meistens lieblose Konsolenports die man besser auf der Konsole gelassen hätte.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass Februar halt kein sonderlich guter Monat für Spiele ist. Und das stimmt natürlich auch. Aber als ich noch PC Zeitschriften abonniert hatte, war all dieser Schrott nicht im Heft zu finden, dafür aber zumindest immer ein richtig ordentliches Exklusivspiel für den PC.

Ich meine…Fish Tycoon? Nipplegate? Da wird einem so langsam klar, warum man seinen PC nicht aktualisiert hat, sein Spieleverzeichnis leer ist, alle nur noch WoW spielen und außer WoW auch keiner der Toptitel des letzten Jahres auf dem PC zu Hause war.

Selbst die Vorzeigeprodukte scheinen nicht mehr viel zu taugen. Commandos war mal ein echter Stein im Wertungsbrett aber die neue Folge kommt nur auf 72%. Battle for Middle-Earth kriegt nur 82%? Empire of War enttäuscht auch, da scheinen mir 81% fast zu gnädig.

Die Schlussfolgerung ist ziemlich klar: Der PC Markt ist völlig degeneriert. Nachdem inzwischen selbst all die guten Shooter auf Konsolen rauskommen, klammern sich nur noch die Echtzeitstrategie- und Sim-Genres an die Plattform, während diese ansonsten mit einem Haufen unerträglichem Schrott überschwemmt wird.

Das ist irgendwie schade, denn ich komme ja eigentlich aus dem Computerspielerlager. Ich bin mit C64, Atari ST und Amiga aufgewachsen, dann zum PC gekommen und eigentlich erst mit der aktuellen Generation voll in die Konsolen eingestiegen. War wohl gerade noch rechtzeitig.

Einziger Lichtblick: Independent Spiele kommen trotz Xbox Live Arcade immer noch fast komplett auf der PC raus. Und dafür braucht man nicht mal eine GeForce99999XT+GoALPHA!!1.

Allerdings auch keine Gamestar. Aber das ist ein anderes Thema. Wobei die Frage natürlich schon interessant ist, ob man sich dort wegen des andauernden Verfalls des PC Marktes Sorgen macht. Schließlich brauche ich keine Kaufberatung um zu wissen, dass “Fish Tycoon” mir keinen großen Spaß bringen wird.

24 Kommentare Autor: Richard
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Das sind 0,4% pro Jahr

Update: Die Diskussion mit Gunnar Lott in den Kommentaren ist inzwischen wesentlich interessanter als der Beitrag selber. Also ruhig auch mal weiter nach unten scrollen.

Kaum hat man sich vorgenommen nicht mehr über die Gamestar zu lästern, und dann so was. Eben ist mir beim Durchblättern der aktuellen Gamestar (Cover: Grimmiger Machomann mit Superwumme, was für eine Überraschung!) ein Test zu The Longest Journey ins Auge gefallen.

Was sagt ihr da? Das Spiel ist doch 2001 rausgekommen? Klar, Printmagazine sind für Leute mit Internetanschluss selten sonderlich aktuell, aber das geht dann doch einen Schritt zu weit, oder? Aber halt. Der Test ist legitim, denn TLJ steht jetzt wieder in den Regalen. Als Special Edition mit Windows XP Unterstützung und ein paar kleinen paar kleinen Boni.

Kurz was zum Spiel selber. Als es raus kam, wußten wir das noch nicht, aber es würde sich als im Laufe der Zeit als das letzte wirklich gute klassische Adventure herausstellen. The Longest Journey erzählt nicht nur eine toll geschriebene, epische Geschichte über das Schicksal zweier Welten, sondern inszeniert diese Welten auch wunderbar atmosphärisch und bevölkert sie mit liebenswerten und vielschichtigen Charakteren. Das Spiel hat einen Metacritic Score von 91 (“Universal Acclaim”) und gilt heute als Klassiker. Ein zweiter Teil namens Dreamfall wird dieses Jahr veröffentlicht.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals recht stinkig auf die Gamestar war, da sie diesem Meisterwerk eine Wertung von 79% gegeben hatte. Wer die Gamestar kennt, der weiß dass 79% alles andere als eine Kaufempfehlung darstellt. Zwar wurde das Spiel im Text durchaus gelobt, ja sogar positiv mit den alten LucasArts Klassikern verglichen, aber in der Welt von Gamestar durfte ein Spiel ohne Wummen und 3D-Grafik eben nicht über die magische 80% Grenze gehen. Also wurden schnell zwei Alibi-Fehler vorgeschoben (knifflige Rätsel und lange Dialoge) und das Spiel bekam halt nur 79%.

Zeitsprung. Jetzt ratet mal wieviele Prozentpunkte das gleiche Spiel im Jahre 2006 bekommt. Wieder 79%? Nein. Etwas weniger, weil laut Begleittext die Grafik “nicht mehr zeitgemäß” ist? Nein. Es bekommt 81%.

Ja Herrschaftszeiten, nach welcher Methodik gehen die da eigentlich vor? Man sollte fast meinen, dass Herr Lott sein Review von damals sogar nochmal gelesen hat, denn er bringt wieder die exakt gleichen Kritikpunkte (knifflige Rätsel und lange Dialoge). Also ist das exakt gleiche Spiel mit den exakt gleichen Problemen und einer nicht mehr zeitgemäßen Grafik plötzlich zwei Punkte mehr Wert? Woran liegt es? Schlechtes Gewissen, weil man dem Spiel damals Unrecht getan hat? Das machen die zwei Punkte auch nicht mehr gut. Und wenn, dann hätte man es wenigstens im Text eingestehen können. Vielleicht wäre er dann auch nicht so einschläfernd öde.

Oder würfeln die bei der Gamestar doch? Vielleicht haben die so ein Rollenspielsystem? Jedes Spiel fängt bei 100 Punkten an, dann werden 10 Punkte abgezogen weil es ein Adventure ist, 15 weil die Grafik 2D ist und am Schluss wird mit einem W10 gewürfelt, wie die Endnote aussieht.

Für alle die nicht rechnen wollen. 2001 hat Herr Lott eine 4 gewürfelt und dieses Jahr eine 6.

95 Kommentare Autor: Richard
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