
Mal ganz ehrlich, so langsam war es schon nicht mehr witzig. Erst war es ja echt amüsant sich über Sony lustig zu machen. Aber dann machten sie immer mehr falsch, bis sie schließlich so ziemlich alles falsch machten, was man nur falsch machen konnte. Und dann machten sie noch ein paar Sachen falsch, die man eigentlich gar nicht falsch machen konnte. Dieses inhaltliche Versagen wurde dann noch mal von dem unglaublichen Gebaren der Führungsriege verstärkt, die – mit einer erstaunlichen Realitätsferne ausgestattet – so auftraten als wollten sie, dass man sie hasst.
Jenseits der abwechselnd witzigen und peinlichen Kommentare von Phil Harrison und Co. war es aber immer die Konsole selber, die wirklich zählte. Was interessiert uns das Geschwätz von ein paar Anzügen, wenn das Gerät selber rockt. Dummerweise hat genau dieses Gerät leider nie ein ernsthaftes Feature geboten, dass die Konkurrenz nicht auch hatte. Nur halt in fertig. Und im Laden zu kaufen. Sony klammerte sich zwar immer wieder an Pseudo-Features wie 1080p und Blu-Ray, aber ersteres schob Microsoft mal lässig per Firmware-Update nach und zum Leidwesen von Sony merkten die meisten Leute, dass Blu-Ray nicht als Spielehardware gedacht war, sondern schlicht dazu dienen soll die PS3-Kunden für die Vorherrschaft eine Sony-Videoformates zahlen zu lassen.
Schlimmer noch, in vielerlei Hinsicht wirkte man, als hinke man der Konkurrenz hinterher. Die 360 gibt es seit geschätzten drei Ewigkeiten, aber in Europa ist die PS3 immer noch nicht raus. Dem zum zweiten Mal recycelten PS1-Controller nach der Vorstellung von Nintendos Wiimote noch hastig ein paar Bewegungsmelder einzubauen, war auch nicht gerade ein Zeichen von riesig viel Vision in Hause Sony.
Ach ja, und dann war da noch der Preis. Autsch.
Während sich die 360 also langsam aber sicher einen ordentlichen Next-Gen-Vorsprung erarbeitete und die Wii gar einen kleinen Begeisterungssturm auslöste, blieb außer akuter Fanboyitis eigentlich kein ernsthafter Grund sich für die PS3 zu begeistern. Klar, irgendwann werden interessante Exklusivspiele kommen und dann holt man sich das Ding halt. Sonys alte Werbekampagne schien plötzlich dennoch prophetisch zu sein: The Third Place indeed.
Hatte man sich am Anfang noch mit “massive damage”- und “Riiiiidge Racer”-Witzen amüsieren können, war die Beobachtung von Sony in letzter Zeit fast so, als hätte man einen Fisch auf dem Trockenen erwischt. Sein hilfloses Zappeln mag Anfangs noch ganz lustig gewesen sein, aber irgendwann hat man Mitleid und will ihn zurück ins Wasser werfen.
Zu dumm, dass es sich bei Sony um einen 68 Milliarden Dollar schweren Fisch handelt, dem einfach nicht zu helfen ist, wenn er sich nicht selbst zu helfen weiß.
Tja, und heute mussten wir dann gewaltig staunen. Der Fisch ist noch nicht wieder im Wasser, aber irgendwie hat er sich näher ans Ufer gezappelt. Wie hat der das gemacht?
Mit Home.
Tatsächlich hat die PS3 jetzt ein ernstzunehmendes Feature, dass die Konkurrenz nicht hat. Wir hatten uns alle ja schon lange gefragt, wie die Onlinestrategie der PS3 aussehen würde. Nachdem man in der letzten Generation quasi so getan hatte, als wäre “online” eine ansteckende Krankheit, und zum Launch der Konsole immer noch nichts zu vernehmen war, sah es zunächst nicht so gut aus. Das Beste auf das wir gehofft hatten, war eine zweitklassige und unausgereifte Nachprogrammierung von Microsofts exzellentem Live-Service.
Aber nix da. Die komplette Benutzeroberfläche der Konsole in ein MMO zu verwandeln, inspiriert von den Sims und Second Life, das ist mutig. Das hat Vision. Das macht uns leuchtende Augen. Sony mögen intern die zwar die Augen hauptsächlich leuchten, weil sie über all die neuen “revenue streams” nachdenken (glaubt ja nicht, dass die coolen Klamotten für euren Avatar umsonst sein werden), aber wir freuen uns einfach weil es neu und shiny ist.
“Neu” übrigens nicht im Sinne von “jetzt hat Sony endlich auch mal was gemacht”, sondern “neu” im Sinne von “endlich hat Sony bewiesen, dass dort zumindest noch die eine oder andere Person mit Vision sitzt”. Gott sei Dank. Wurde auch Zeit.
Also: Herzlichen Willkommen zurück im Spiel, Sony. Jetzt habt ihr unsere Aufmerksamkeit. Zum allerersten mal seit einer gewissen E3 mit historisch korrekten Riesengegnerkrabben. Wenn ihr diese Aufmerksamkeit weiterhin für Ankündigungen wie “Little Big Planet” nutzt und gewisse Leute einfach mal die Klappe halten und einen Hauch von Demut und gesundem Menschenverstand zeigen, dann können wir vielleicht wieder Freunde werden.
Vielleicht.
PS: Microsoft flattern schon die Hosen. Boris Schneider versucht auf seinem Blog gerade verzweifelt, Sony Home schlecht zu reden. So nach dem Motto “das ist doch eh alles scheiße und überhaupt, die kriegen das bestimmt nie fertig”. (Wann ist aus dem coolen Boris von damals eigentlich dieser Unsympath geworden? Echt Schade.)