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Um Himmels Willen

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Auf eurogamer.de versucht Jan Schneider gerade, sich über das christliche Adventure Heaven lustig zu machen. Dabei wird klar: Er hält nicht viel von Religion. In der Hinsicht sind wir uns durchaus einig. Nicht einig sind wir uns darin, dass Heaven wirklich Spott und Häme verdient hat.

Bei Heaven handelt es sich um ein Adventure im 360°-Renderstil mit christlich-religiösem Hintergrund. Einen Trailer gibt es auf der offiziellen Webseite, ein paar Screenshots findet ihr bei justadventure.com.

Ganz ehrlich: der Trailer ist gar nicht so schlecht. Ja, die Verwendung von Hans Zimmers Score aus The Lion King ist etwas komisch und die Charaktere wirken ein wenig steif. Aber generell sieht das doch ganz nett aus. Das gilt auch für die Screenshots, gerade für die Verhältnisse des Adventure-Genres, das ja nicht gerade mit Entwicklungsbudgets in Ubisoft-Clancy-Spiel-Größe gesegnet ist.

Tatsächlich hat Entwickler Genesis Works einige Leute mit an Bord, die man durchaus ernst nehmen muss. Dabei ist insbesondere Stephan Martiniere zu nennen, der drei Jahre lang Visual Art Director bei Cyan war. Das ist ein Studio welches im visuellen Bereich immer Maßsstäbe für die Branche gesetzt hat.

Nicht das Heaven absolut großartig aussehen würde. Der Himmel hat anscheinend viele Palmen, überall Swimming Pools, alle sind weiß angezogen und die weiblichen Engel (falls es denn Engel sein soll) tragen so fette Paris-Hilton-”They bought me all these iceies”-Diamantketten um den Hals.

Kurz gesagt, Genesis Works Vision des Himmels liegt so irgendwo zwischen teurem Kreuzfahrtschiff und einem Disney Ride und ist ohne Frage ein bisschen naiv-trivial. Aber das gilt so ziemlich für jede Videospiel. Gears of War ist auch naiv-trivial und weder Command & Conquer noch Mario glänzen mit sonderlich feinsinnig ausgearbeiteten Welten. Kurz: Das Spiel sieht soweit in keinster Weise schlechter aus, als die meisten anderen Adventures die zurzeit produziert werden.

Wieso also die Häme? Mangels kritikwürdigen Elementen im Spiel stürzt Herr Schneider sich auf die offizielle Webseite des Entwicklers. Er zitiert von dort folgenden Satz:

Jesus is our Saviour, Healer, and Guide. We give God the full glory for our lives and impact we can have on others around us.

Jans Kommentar dazu ist: “Autsch”. Autsch? Wieso Autsch? Ja, sie sind religiös. Darüber mögen wir den Kopf schütteln, aber das ist verdammt nochmal ihr Recht. Wenn man ein Christ ist, dann ist Jesus eben der Heiland und man sollte sein Leben auf Gott ausrichten. Dürfen die das jetzt nicht mehr sagen, nur weil wir das seltsam finden? Noch ein Zitat:

Whenever we get a chance, we like to spread the experience.

Aus Gründen die mir nicht ganz klar sind, liest Jan da heraus, dass die Entwickler des Spiels gerne afrikanische Kinder prügeln. Hallooo? Jemand zu hause, McSchneider? Das ist echt völlig daneben.

Wenn Videospiele langfristig relevant bleiben sollen, dann muss man mit ihnen auch eine Message rüberbringen dürfen. Je mehr Leute genau das machen, desto schwerer fällt es übrigens auch Politikern mit näherrückenden Wahlterminen, Videospiele als Sündenbock für alles Übel unserer Gesellschaft zu missbrauchen. Andersrum fällt es Organisationen wie dem Deutschen Kulturrat um so leichter Videospielen Rückendeckung zu geben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Aussage solcher Spiele nicht kritisiert werden dürfen. Im Gegenteil, dafür wäre ich dankbar. Selbst wenn ein Spiele heutezutage mal eine Aussage hat, dann wird sie ja im Allgemeinen geflissentlich ignoriert, denn eine intelligenter inhaltlicher Diskurs passt halt nicht in einen Wertungskasten.

Man darf auch gerne religiöse Spiele dafür kritisieren, dass sie einen Inhalt transportieren, den man für fragwürdig hält. Ich selbst habe das mit Left Behind, einem Spiel in dem Ungläubige wie Jan und ich mit einer Kugel in den Kopf aus dem Weg geräumt werden, ausführlich gemacht.

Aber Jan kritisiert nicht den Inhalt des Spiels, denn er kennt den Inhalt des Spiels ja noch gar nicht. Wir wissen schließlich fast nichts über Heaven, außer dass es irgendwie christlich ist und wohl zum Teil im Himmel spielt. Aber das ist Jan anscheinend schon viel. Er hält es wohl schon für unverschämt, wenn es jemand mal wagt eine andere Weltsicht als die Schneidersche zu vertreten.

Peinlich.

99 Kommentare Autor: Richard
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Hört nicht auf die Stimmen

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Ihr kennt das. Diese Forenweisheiten. Dinge die von allen Bewohnern des Spieleinternets für die absolute Wahrheit gehalten werden. Sachen die, wenn sie jemand in im Internet behauptet, sofort jeder als korrekt empfindet und lautstark unterstützt. Klassisches Beispiel: “Grafik ist nicht alles.” Alternativ kann natürlich auch das identische Gegenstück: “Gameplay ist alles.” verwendet werden.

Von nicht ganz so großer Statur, aber auch sehr beliebt: “Spiele sind heutzutage zu kurz.” Gern genommen auch die Forderung nach universeller Rückwärtskompatibilität für die aktuell favorisierte bzw. antagonisierte Konsole. Es hat noch niemanden gegeben, der das nicht sofort mit Begeisterung unterschrieben hat, egal ob er gerade Evangelist oder Antagonist der entsprechenden Spielehardware war.

Ein gutes Erkennungszeichen für solche Sprüche ist übrigens, dass jeder der etwas anderes behauptet sofort von allen Anwesenden auf dem nächsten Internetscheiterhaufen geröstet wird. Wie kann er so was behaupten? Ist der irre? Es weiß doch jeder, dass das so ist! O’REALY? Verachtung, Hohn, Banhammer.

Das interessante daran ist natürlich, dass diese Weisheiten – trotz ihrer nahezu universellen Akzeptanz als unverrückbare Naturgesetze – fast immer falsch sind.
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148 Kommentare Autor: Richard
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Namcos Antwort auf die Gretchenfrage

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Hat hier noch jemand ausser mir Neon Genesis Evangelion gesehen? Im Magnum Opus von Gainax prügeln sich psychisch gestörte Jugendliche in Riesenrobotern mit anderen Riesenrobotern, die Engel darstellen sollen. Im optisch sehr ansprechenden Film End of Evangelion werden dann alle Menschen bis auf zwei der Roboterpiloten gekillt und die Welt quasi auf Null zurückgesetzt. Was dabei an religiösem Symbolismus aufgefahren wird, geht auf keine Kuhhaut. Ständig werden einem Kreuze und Kreise um die Ohren gehauen, und -mal ehrlich- der Titel sagt eigentlich schon alles.

Was uns zu Xenosaga bringt. Mit heftigen Spoilern, daher an dieser Stelle erstmal ein [Lesen]. Continue Reading »

40 Kommentare Autor: Stefan
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Zurückgeblieben

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Stellt euch vor, ihr sitzt im Flugzeug und denkt gerade über die scharfe Frau eures Nachbarn nach. Ihr starrt so aus dem Fenster und überlegt euch, was ihr alles mit ihr anstellen werdet, sobald ihr Mann auf Geschäftsreise ist, als sich plötzlich Unruhe im Flugzeug ausbreitet. Einige der Passagiere sind verschwunden. Einfach so. Ihre Kleidung liegt in Haufen auf ihren Plätzen und keiner kann sich erklären wo sie hin sind.

Eine Notlandung später stellt ihr fest, dass dieses Phänomen nicht auf euer Flugzeug beschränkt war. Überall auf der Welt sind Leute verschwunden. Bei Tempo 200 auf der Autobahn, beim Frühstück oder auf dem Klo. Nur ihre Kleidung ist noch da, ansonsten gibt es keine Spur von ihnen.

So beginnt das Buch “Left Behind”, ein Fantasyroman der amerikanischen Autoren Tim LaHaye and Jerry B. Jenkins über das Ende der Welt. “Left Behind” ist das erste Buch einer ganzen Serie, von der in den USA schon über 60 Millionen Bücher verkauft worden sind und die bereits drei Filme inspiriert hat. Soweit ist das alles zwar äußerst lukrativ aber nicht sonderlich spektakulär.
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57 Kommentare Autor: Richard
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