Kampfansage

Gerade eben lag bei mir ein Spiel im Briefkasten, dessen Packung mir irgendwie seltsam vorkam. Von dem Spiel selber hatte ich noch nie gehört, das Coverbild war nicht sonderlich hübsch, aber trotzdem strahlte diese Packung ein gewisses Maß an Wohlwollen direkt in mein sonst so kaltes, schwarzes Herz.

So stand ich da im Hausflur, starrte auf die Packung, vergaß meine Nachbarin zu grüßen und grübelte. Woran lag es? Die Antwort: am Rand! Der Rand der Packung, sowie ihre Farbgebung sind geschickt so gestaltet worden, dass die Box den unverkennbaren Duft eines LucasArts Adventures ausströmte.

Viele LucasArts Boxen hatten nämlich so einen Rand, ihr erinnert euch? Ganz oben auf dem Rand stand dann „LucasArts Entertainment Company presents“. Tja, und genau so einen Rand hat auch dieses Spiel. Nur dass halt „LucasArts“ mit „Daedalic“ vertauscht worden ist, was zugeben nicht so gut klingt. Wobei Daedalic ja noch geht. Es gibt Leute die nennen ihre Firma ZUXXEZ. Oder 10tacle.

Apropos Tentakel. Erinnert ihr euch noch an das lila Tentakel? Klar doch. Das hatte zwei ganz spezifische Farben. Ein bestimmtes lila und ein bestimmtes grün. Tja, und genau in diesen Farben ist sowohl der Rand der Packung als auch der Titel des Spiels gehalten. Zufall? Ich denke nicht.

Das ist alles gar nicht so total offensichtlich, aber trotzdem ziemlich eindeutig. Kurz: Gut gemacht. Für alle, die aber durch die Farbgebung noch nicht in ausreichend in Nostalgiestimmung geraten sind, hat die Packung auch noch einen weiteren, eindeutigeren Hinweis zu bieten: „Von den Leuten die Monkey Island gut finden!“.

Das ist natürlich ganz schön dreist, zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mit diesem Spiel nichts zu tun habe. Ich muss aber gestehen, dass ich grinsen musste.

Trotzdem, diese Packung ist eine Kampfansage.

Das Adventure-Genre ist zwar alles andere als tot, aber die durchschnittliche Qualität ist so niedrig, und vor allem so weit von den alten LucasArts-Klassikern entfernt, dass man sich mit so einer Packung und so einem Spruch gaaaaaanz weit aus dem Fenster lehnt.

Also, ich installiere gerade. Ein Ersteindruck folgt später.

Hochauflösende Ebenenschaft Qual

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In letzter Zeit habe ich mir immer wieder mal ein gutes Einzelspieler-Rollenspiel gewünscht. Tatsächlich liegt bei mir immer noch der Witcher rum, und der hat mir - soweit ich ihn gespielt habe - sehr gut gefallen. Allerdings warte ich da lieber noch ein bisschen auf die angekündigte Special Edition.

Ich hatte Hoffnung auf Drakensang, da es quasi als “Baldur’s Gate mit 3D-Grafik” angekündigt worden ist, aber das mussten sie natürlich frisch verschieben. Ansonsten sehe ich spontan nichts, was in der Hinsicht interessant wäre und in näherer Zukunft raus käme. Also habe ich mal einen Blick in die Vergangenheit geworfen.

Da gibt es nämlich diesen einen Rollenspielklassiker, den ich bis heute nicht gespielt habe: Planescape Torment.

Ja, da raunt die Menge. Kann das sein? Ist das möglich? Wie konnte das passieren?

Die Antwort lautet: die Auflösung.

Die Infinity Engine konnte ursprünglich nämlich nur 640×480 Pixel anzeigen. Das ist an sich nicht so schlimm, ich spiele schließlich auch heute immer noch die alten LucasArts-Spiele in 320×200. Aber in der Auflösung ist der von der Welt gezeigte Ausschnitt schon verdammt klein. Schlimmer noch, kurz nach Planescape kamen die ersten Infinity Engine Spieler aus, welche die Möglichkeit boten eine höhere Auflösung einzustellen.

Als Planescape ursprünglich veröffentlicht wurde, hatte ich schlicht keine Zeit für ein fettes Rollenspiel. Und als ich es dann später spielen wollte, war ich durch Spiele wie Icewind Dale schon auflösungsverwöhnt.

Ich hatte natürlich immer vor, Planescape trotzdem zu spielen. Der Plan war allerdings auf einen Patch zu warten, mit dem man das Spiel in mehr als 640×480 spielen konnte. Irgendwann wurde zwar klar, dass dieser Patch nicht von Black Isle kommen würde, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ein Fan-Patch dieses Problem recht zügig beheben würde.

Aus “zügig” wurden in diesem Fall acht Jahre.

Kaum vorstellbar, aber meine inzwischen längst aufgegebene Hoffnung auf einen Hi-Res-Fan-Patch hat sich gerade erfüllt. Mit dem Widescreen Mod lassen sich alle alten Infinity Engine Spiele in so ziemlich jeder denkbaren Auflösung fahren.

Ich weiß jetzt, was ich dieses Wochenende mache.

In Deckung

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Es gibt einen Level in Call of Duty 4, der mich sehr an meinen Sommerurlaub erinnert. Man fährt mit dem Auto über einen Pass im Altai-Gebirge und wird ständig von nervigen Russen mit Kalaschnikows aufgehalten. Zugegeben, in Call of Duty 4 schießen die Russen mit den Kalaschnikows auf einen, während es die Jungs diesen Sommer bei Drohgebärden belassen haben. Außerdem kann ich mich spontan nicht an Raketen spuckende Hind-Hubschrauber erinnern.

Trotzdem, die Gegend haben sie bei Infinity Ward sehr authentisch nachgebildet.

Womit wir auch schon bei dem herausragenden Merkmal von Call of Duty 4 sind. Es zeichnet in nahezu jedem Level eine unglaublich dichte und intensive Atmosphäre. Von den Gassen einer fiktiven nahöstlichen Stadt, bis zu zentralrussischen Gebirgsdörfern fühlt sich das Spiel immer so an, als wäre man wirklich dort. Selbst wenn man wirklich schon mal dort war.

Überraschenderweise ist das Spiel damit umso besser, je weniger geschossen wird. Die SAS-Einsätze bei denen man sich im hohen Gras versteckt und an Gegnern vorbei schleicht, um dann mit dem Schalldämpfer gezielt das eine oder andere Ziel auszuschalten, sind wesentlich spannender und intensiver, als die Einsätze mit den Marines, bei denen sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine grob geschätzte Summe von 500.000€ an 7,62mm Munition in der Luft befindet.

Highlight ist dabei eine Nachbildung der nuklearen Geisterstadt Prypiat, Heimat von Tschernobyl. Wer sich dabei geschickt anstellt, kommt in der ersten Hälfte der Mission vollständig ohne Feindkontakt aus, nur um dann auf einer verzweifelten Flucht durch verlassene Appartment-Gebäude einen verletzten Kollegen hinter sich herzuschleifen. Das Ganze gipfelt in einer verzweifelten Abwehrschlacht am berühmten Riesenrad der Stadt.

Großes Kino. Nur halt viel besser als Kino, weil es eben ein Videospiel ist.

Technisch weiß Call of Duty 4 dabei auch auf ganzer Linie zu überzeugen. Das Spiel läuft immer butterweich und ist sowohl völlig frei von den üblichen Texture-Pop-Problemen als auch vom übertriebenen Einsatz von Effekten wie HDR oder Normal Mapping.

Inhaltlich stellt sich das Spiel allerdings etwas fragwürdig auf. Da werden Leute im Schlaf erschossen sowie fröhlich gefoltert aggressiv verhört, nur um nach Ablauf ihres Nützlichkeitsdatums eine Kugel in den Kopf zu bekommen. Wenn das jetzt im Kontext einer düsteren Meditation über die Natur des modernen Krieges geschehen würde, wäre das durchaus in Ordnung, denn natürlich schießt ein Spezialkommando schlafenden Gegnern in den Kopf.

Leider ist Call of Duty 4 aber eher in einer Jerry Bruckheimer-Realität angesiedelt, in der männliche Männer und ihre besten Freunde höchstpersönlich nukleare Sprengköpfe zu Boden ringen, während sie mit dem linken großen Zeh 5000 kommunistisch-terroristische Soviet/Araber-Schergen („Yalla, yalla, Towarischtsch!“) umkegeln.

Klar, wer ein Call of Duty Spiel ernst nimmt, ist entweder Amerikaner oder hat es selbst entwickelt. Möglicherweise beides. Dennoch, ein leicht bitterer Beigeschmack bleibt hängen.

Was vielleicht am meisten erstaunt, ist der Mangel an spielerischem Fortschritt. Was Call of Duty 4 macht, das macht es richtig. Aber wer bitte designed im Jahre 2007 noch einen militärischen Shooter, bei dem man nicht richtig in Deckung gehen kann oder vernünftig um die Ecken schießen darf?

Trotzdem, das Spiel ist technisch einwandfrei, zum Teil überraschend atmosphärisch und häufig sogar verdammt spannend. Der finale Countdown ist bei mir zum Beispiel exakt drei Sekunden vor dem Weltuntergang stehen geblieben.

Ich gebe offen zu, ich habe meine Faust in Siegerpose geballt. Wie es ein richtig männlicher Mann halt macht, wenn er gerade die Welt vor dem Fox News Feindbild gerettet hat. Ist ja auch eine ordentliche Leistung.

Insbesondere wenn er zu blöd ist richtig in Deckung zu gehen.

Aus alt mach HD

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Erinnert sich noch jemand an Dragon’s Lair? So wie ich unsere Leser kenne lautet die Antwort wahrscheinlich zu 90% “aber klar”. Genauer gesagt hätte ich fragen sollen ob sich noch jemand daran erinnert, wie entsetzlich schlecht Dragon’s Lair war. Das Ergebnis wäre aber wohl ähnlich ausgefallen. Für die beiden Jungspunde im Publikum: Dragon’s Lair, ebenso wie die direkt Fortsetzung und das Weltraum-Abenteuer Space Ace, waren frühe Versuche im Genre der interaktiven Filme. Von Laserdisc wurde ein Trickfilm abgespult, und der Spieler drückte im richtigen Moment die richtige Taste, um nicht schon wieder einen grässlichen Tod zu sterben.

Das lief dann in etwa so ab: Dirk the Daring steht in einem Gang. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Zweiter Versuch: Dirk the Daring steht in einem Gang. Der Spieler drückt nach links. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Versuche drei bis fünf: Der Spieler probiert alle möglichen Richtungen aus und findet durch Zufall die richtige. In einer kurzen Filmsequenz hüpft Dirk über die Grube. Sofort erscheint die nächste Todesfalle und der “Spass” geht von vorne los. Ausserdem gab es da noch extrem primitive Minispiele, die zumindest auf dem C64 ziemlich frustrierend ausfielen.

Der einzige, und ich meine der wirklich einzige Grund, weswegen die Leute damals vor dem Automaten Schlange standen, war die absolut bombastische Grafik. Kein Wunder, das Spiel wurde ja schliesslich komplett von einem Riesendatenträger abgespult. Daher wundert es etwas, dass Digital Leisure für diese “completely arcade authentic HD version” auf dem PC nicht nur unverschämte $50 verlangen, sondern das Spiel Machwerk und seine Ableger demnächst auch noch auf der PS3 veröffentlichen wollen. Ich gehe davon aus, dass sich Don Bluth und seine Spiessgesellen im Audiokommentar wortreich für Dragon’s Lair entschuldigen.

Der Ehrliche ist wie üblich der Dumme

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Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal kurz Sonys Downloadservice für PS1-Spiele erwähnt. Damals verkündete ein britisches Playstation-Magazin, dass geneigte PSP-Besitzer in diesem Jahr ein wahres Füllhorn an alten Spielen angeboten bekommen würden, darunter zahlreiche von vielen geliebte Klassiker. Nun, wie es jetzt aussieht, war meine Skepsis berechtigt. Statt das anämische PSP-Portfolio mit einem Schlag um dutzende Triple-A Titel zu erweitern, verkommt das Angebot zu einer zynischen Abzocke, die Xbox Live Arcade und Nintendos Virtual Console im direkten Vergleich richtig gut aussehen lässt. Zunächst mal muss sich jeder, der PS1-Spiele auf seiner PSP laufen lassen will, eine PS3 zulegen. Denn nur damit lassen sich im Moment Sachen aus dem Onlineladen kaufen. Klar, laut Sony soll man das später auch direkt mit dem PC oder der PSP erledigen können, aber derzeit ist das Retroreservoir noch ein verdammt exklusiver Club. Besonders in Europa, denn mangels 600€ teurer Zusatzhardware hierzulande kann ich mir natürlich auch noch kein 10€ PS1-Spiel auf den Memory Stick ziehen. Nicht dass ich das ob dieser Mondpreise machen würde, aber ich habe bisher ja noch nicht mal eine Wahl.

Apropos Wahl. Selbst wenn ich mein Geld selber drucken würde und die Oberen bei Sony mir endlich erlauben würden, ihre Spiele zu kaufen, ja selbst dann würde mir das bisherige Angebot nur ein müdes Stirnrunzeln entlocken. Wer zum Teufel ist bloss auf die Idee gekommen, Tekken 2 und Hot Shots Golf in das anfängliche Aufgebot zu packen? Von beiden Serien gibt es schon ein ganze Zeit lang bessere Versionen auf der PSP, so dass wohl nur Leute mit akuter Geldnot auf die schwächeren PS1-Teile zurückgreifen würden. Aber Leute mit akuter Geldnot würden sich wohl kaum eine PSP und eine PS3 kaufen. Argh, der Schwachsinn bereitet mir körperliche Schmerzen! Den Rest des Lineups habe ich schon wieder vergessen, war aber dezent unspektakulär.

Und jetzt der Clou an der Sache. Die bösen bösen Softwarebastler sind natürlich schon wieder drei Schritte weiter. Während treudoofe Idioten wie ich brav die leeren Versprechungen der Hersteller schlucken und auf bessere Zeiten warten, haben findige Tüftler ihr Handheld schon längst in eine tragbare Playstation verwandelt, so wie es anfangs auch offiziell angedacht war. Mit Hilfe einer modifizierten Firmware und einem Blanko-Emulator (beides nicht wirklich koscher) steht den Retrofreuden selbst mit einer heimischen PSP nichts mehr im Weg. Noch besser, mit entsprechenden Tools ist es inzwischen möglich, beliebige PS1-Spiele von CD zu rippen und auf seinem Handheld abzuspielen, und das sogar in komprimierter Form, für mehr Spiel pro Karte. Als ehrlicher Kunde stehe ich also mit nett gemeinten Zusagen, aber doch eher leeren Händen da, während clevere Spieler bereits daheim und unterwegs Symphony of the Night zocken, und dass ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Daher mein dringender Appell an Sony: Leute, die Katze ist aus dem Sack! Wer entsprechendes Know-how besitzt, kann schon jetzt für lau PS1-Spiele auf seine PSP schaufeln, und das ohne PS3! Also vergesst den ganzen DRM-Scheiss -dafür ist es jetzt zu spät-, einigt euch pronto mit den Lizenzinhabern und bietet mir möglichst viele alte Spiele zum Kauf an - und zwar im Doppeltempo. Als jahrelanger treuer Kunde fühle ich mich gelinde gesagt veräppelt. Es macht mir überhaupt nichts aus, für den Bonus der Mobilität selbst Geld für Spiele hinzublättern, die schon längst als Original bei mir im Regal stehen; aber ihr müsst sie mir auch anbieten! Nicht so olle Kamellen wie Tekken 2, sondern eine solide Auswahl aus allen Genres. Sonst kaufe ich mir doch noch eine zweite PSP, nur zum modden. Und dann seht ihr von mir keinen Euro mehr.

Wise from your gwave!

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28 Spiele auf einer UMD, Donnerwetter! Nicht, dass ich jemals Zeit oder Lust hätte, die alle ausführlich zu spielen. Aber ich will ja keinem Titel Unrecht tun, und habe daher jedes Spiel erstmal für genau fünf Minuten getestet. Hier meine Eindrücke.

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LoMM?

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Ich bin immer wieder überrascht, was so an mir vorbei geht. Ich bin ja eigentlich immer der Meinung, dass es in der Videospielewelt nichts gibt, worüber ich nicht genauestens Bescheid wüsste, aber manchmal lerne ich halt doch was Neues. Oder was Altes. Also was neues Altes quasi. Oder ist es was altes Neues? Egal.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass Dark Messiah gar nicht das erste First-Person Actionspiel mit Might & Magic Lizenz ist? Ich dachte echt, ich würde alle Might & Magic Spiele kennen. Von den klassischen ersten drei Teilen, über die cool kombinierbaren vierten und fünften Teile (World of Xeen!), die nahezu identischen und auch identisch furchtbaren Teile sechs, sieben und acht, sowie den auf ganz neue Art und Weise furchtbaren Teil neun. Dann war da noch die Heroes Reihe, von eins bis fünf, das etwas missglückte Swords of Xeen, was quasi eine Art World of Xeen 2 war, das ebenfalls missglückte 3rd-Person Actionspiel Crusaders of Might & Magic und dessen wenig verbessertes Sequel Warriors of Might & Magic. Sogar vom Fan-Projekt Might & Magic Tribute habe ich schon mal gehört.

Aber Legends of Might & Magic war mir neu. Das mag an zwei Dingen liegen. Zunächst mal, erschien das Spiel, als es mit Publisher 3DO so langsam zu Ende ging. Irgendwie hatte die Firma ja den Flop der 3DO Konsole überlebt und sich dann diverse Jahre mit schlechten Sequels zu Army Men und eben Might & Magic über Wasser gehalten. Beim Release von Legends of Might & Magic stand das Wasser aber schon Unterkante Oberlippe, was wohl zu einem Werbebudget von ca. 2,69€ geführt hat.

Die finanziellen Probleme von 3DO könnten auch die Ursache für das seltsame Genre des Spiels sein, denn was ursprünglich als Einzelspieler-Actionspiel mit Rollenspielelementen gedacht war, wurde später als eine Art Fantasy-Counter-Strike veröffentlicht. Obwohl, es war eigentlich nicht eine „Art“ Fantasy-Counter-Strike, sondern es war genau das. Ich wette irgendeine wichtige Person von 3DO ist damals mal bei den Entwicklern herein gekommen und hat gesagt: „Hey Jungs, wir brauchen Kohle. Dieses Actionrollenspieldingsda, an dem ihr baut, das dauert mir zu lange. Die Kids spielen doch heute alle Counter-Strike. Macht doch mal so was. Mittwoch ist Abgabe. Zack, zack!“.

Wichtige Person sprach. Und es wurde Licht LoMM.

Kleinere Unterschiede zu Counter-Strike waren im fertigen Spiel dann aber doch auszumachen. Zum Beispiel gibt es in den Leveln von LoMM neben den anderen Spielern auch noch neutrale Monster zu finden. Also Skelette, diverse Homo Dinosauriensis und auch den ein oder anderen Drachen. Außerdem sind einige der Klassen nahezu komplett auf den Nahkampf ausgerichtet, was natürlich zu anderen Taktiken geführt haben dürfte.

Außerdem ist Legends überraschend hübsch. Basierend auf der Lithtech-Engine hat es einen netten bunt-stilisierten Look und ist weder beige noch kackbraun. Gar nicht schlecht.

Ein Blick auf die Kritiken von damals zeigt aber, dass das Spiel mit einer erstaunlichen Apathie empfangen wurde. Mehr als ein Counter-Strike brauchte die Welt wohl nicht. Das haben zwar damals ca. 1.723 andere Counter-Strike-Clones auch erfahren müssen, aber die hatten nicht mal Feuerbälle und Druiden. Haupkritikpunkte in den Kritiken zu LoMM sind ein Mangel an Bots und eine schlechte Balancierung, gerade was die Nahkämpfer betrifft, die gegen Magier und Bogenschützen wohl keine Schnitte hatten.

Der finale Todesstoß für das Spiel war aber wohl, dass es keiner gekauft hat, weil keiner davon wusste. Das wiederum führte dazu, dass es kaum Server gab und somit bot sich auch keine Chance für die Bildung einer Fangemeinde, egal wie klein.

Es gibt übrigens eine Demo, aber erwartet nicht, dass noch Server laufen. Wenn ihr einen findet, dann bin ich das wohl. Ich sitze hier gerade und lasse den Server-Browser im Hintergrund laufen. Mal schauen, was passiert.

Wenn ihr also diese Woche Dark Messiah of Might & Magic spielt, gedenkt für ein paar Minuten seinem armen älteren Bruder Legends of Might & Magic. Der hat nie eine Chance bekommen und wohnt jetzt wahrscheinlich einsam und allein irgendwo unter einer Brücke. Eigentlich nicht fair.

Blick zurück im Frust

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In einem Anfall von Wahnsinn habe ich gestern nochmal Gothic 2 inklusive Erweiterung installiert. Der aktuelle Teil würde meinen Rechner sowieso zum schmelzen bringen, und irgendwie konnte ich mich noch düster daran erinnern, dass ich das Spiel eh nicht besonders mochte. Aber ich will ja einem so hoch gelobten Spiel nicht Unrecht tun und habe ihm deshalb noch eine zweite Chance gegeben. Nachdem ich mir telefonisch die Bestätigung habe geben lassen, dass “nicht besonders mochte” noch sehr freundlich ausgedrückt war, habe ich dann also die komplette Gold-Edition auf die Platte geschaufelt. Kleiner Tipp für potentielle Käufer: installiert wird nicht von “Installations-CD” 1 oder 2, sondern der “Spiel-CD”. Und wenn man dann nach Installations-CD #2 gefragt wird, muss man natürlich Nummer 1 einlegen. Is klar.

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Everything old is new again…

Ich habe eben “Geheimakte Tunguska” gekauft. Nach drei Stunden Spielzeit entwickelt sich bei mir da ein verdammt gutes Gefühl. Wenn das Spiel nicht noch herbe den Bach runter geht, dann reden wir hier vom besten Adventure seit “The Longest Journey”. (Nein, nicht seit Dreamfall, ich meine den ersten Teil.) Meine Güte, es hat sogar Dinosaurier! Jedem Adventure-Fan würde ich morgen dringend einen Besuch bei seinem Spieledealer anraten. Der Rest der Welt kann ja meine ausführliche Kritik abwarten, die garantiert kommen wird sobald ich durch bin.

Einen Kritikpunkt hätte ich aber. Das Spiel hat einen Knopf, mit dem jeder momentan sichtbare Hotspot angezeigt wird. Das ist super. Es hilft beim Nachdenken über Rätsel, man findet immer sofort alle Gegenstände und übersieht nie wieder einen Ausgang. Mit anderen Worten, es ist unverzichtbar und jedes Adventure sollte es haben. Soweit, so gut.

Auf der Homepage des Spiels nennt Animation Arts diesen Knopf aber (leicht dämlich) den “Snoop Key” und verkündet: “Geheimakte Tunguska bietet als erstes Point & Click Adventure die innovative Rätselhilfe Snoop Key.”

Das ist eine glatte Lüge. Den hatte nämlich schon Simon the Sorcerer 2. Im Jahre 1995. Damals hieß er zwar noch nicht “Snoop Key”, sondern ganz profan “F10″, hat aber genau das gleiche gemacht, nämlich alle Hotspots im Bild mit einem Sternchen markiert. Ich weiß das ganz genau, weil ich die Idee schon damals genial fand, und dieses Feature seitdem in jedem Adventure gesucht habe. Den Machern von Tunguska ging es wohl genauso, aber anscheinend sind sie davon ausgegangen, dass sie die einzigen sind, die sich daran erinnern, und dachten deshalb, sie könnten sich das als große “Innovation” auf die eigenen Fahnen schreiben. Ts, ts.

Wenn ich ein Anwalt ohne Gewissen wäre, könnte ich jetzt vielleicht eine Abmahnung wegen Unlauteren Wettbewerbs abschicken und hätte 5.000€ gewonnen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich bin kein Anwalt, was weiß ich schon über Abmahnungen.

Zu behaupten man habe etwas erfunden, das es schon seit 1995 gibt, ist jedenfalls nicht die feine Art. Egal ob man Anwalt ist, oder nicht.

Leichen pflastern ihren Weg

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Und das ist auch gut so, schliesslich steht Ragnarök vor der Tür, und in Asgard herrscht gerade ein eklatanter Mangel an Kriegern. Also beschliesst ein etwas gelangweilt wirkender Odin, die Valkyre Lenneth nach Midgard zu schicken um geeignete Einherjar für den bevorstehenden Weltuntergang zu sammeln.

Ihr ahnt es wahrscheinlich, es geht um Valkyrie Profile: Lenneth, das wahrscheinlich teuerste Playstation-Spiel aller Zeiten. Besser gesagt, um dessen kürzlich erschienene PSP-Umsetzung. tri-Ace sind ja bekannt für ihre ungewöhnlichen Rollenspiele, und auch dieses Spiel macht da keine Ausnahme. Das fängt schon beim Szenario an; statt wie üblich die Vernichtung der Welt zu verhindern, kommt es hier nur darauf an den Æsir zum Sieg über die Eisriesen zu verhelfen. Folgerichtig müssen daher alle Charaktere die man so trifft erstmal sterben. In ausgedehnten Zwischensequenzen werden tapfere Krieger heimtückisch gemeuchelt, Prinzessinnen vergiftet und Ritter zu Tode gefoltert, nur um anschliessend als Einheri an Lenneths Seite zu kämpfen.

Ähnlich ungewohnt gibt sich die Spielstruktur. Es gibt keine durchgehende Story, vielmehr ist Valkyrie Profile in Zeiteinheiten bis zur Apokalypse eingeteilt, die sich wiederum über acht Kapitel erstrecken. Städte besuchen, die Seelen der Gefallenen einsammeln, Dungeons erforschen - alles kostet wertvolle Zeit, und am Ende jedes Abschnitts kommt Freya vorbei um über den Fortgang der Schlacht gegen die Vanir zu berichten. Je mehr und bessere Krieger man in der Zwischenzeit nach Asgard geschickt hat, desto wohlwollender gibt sich Odin und bedenkt Lenneth mit grosszügigen Geschenken. Das Problem ist nur, so ein hochgelevelter Kämpfer fehlt dann natürlich in der eigenen Party, was die folgenden Dungeons deutlich schwerer macht. Ein kniffliger Balanceakt.

Aber lassen wir den Testaspekt mal einen Moment beiseite, ausführliche Reviews gibt es schliesslich genug. Viel wichtiger ist Valkyrie Profile als Indikator für die Qualität der unlängst versprochenen emulierten PS1-Spiele. Und da habe ich gute Nachrichten für euch. Lenneth sieht auf der PSP hervorragend aus! Natürlich muss man berücksichtigen, dass das Spiel für 16:9-Darstellung angepasst wurde (was manchmal zu unschönen Blur-Effekten führt), aber die Sprite-basierte Grafik und die gezeichneten Hintergründe haben nichts von ihrer zeitlosen Eleganz verloren. Hinzu kommen ein bombastischer Soundtrack und glasklares Voice Acting, die über Kopfhörer so richtig gut zur Geltung kommen. Auch die Akkulaufzeit der Konsole ist kein grosses Problem. Erstens ist Valkyrie Profile durch seine episodische Struktur eh prima dafür geeignet, für (relativ) kürzere Zeiten am Stück gespielt zu werden, und zweitens geht die PSP bei Energiemangel in den Standby-Modus, so dass der aktuelle Fortschritt nicht verloren geht. Die Ladezeiten sind ebenfalls vernachlässigbar und sollten bei den tatsächlich emulierten Spielen noch weniger ins Gewicht fallen, da sie ja schliesslich vom Memory Stick gestartet werden.

Alles in allem bin ich daher sehr zufrieden mit Valkyrie Profile Lenneth, nicht nur weil es ein ausgezeichnetes Rollenspiel ist, sondern auch weil es meine Vorfreude auf demnächst tragbare Spiele wie Castlevania: Symphony of the Night, UmJammer Lammy oder Persona 2 enorm gesteigert hat. Apropos Castlevania: laut 1up.com erscheint Symphony of the Night in Kürze auf Xbox Live Arcade. Wer dann nicht zugreift ist selber Schuld.

Das haben wir davon

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Stefan hat gestern einige interessante Sachen zum Thema “Alte Spiele auf neuer Hardware” gesagt. Keine Frage, das ist ein großer Trend. Jede der Next Gen Konsolen verspricht nicht nur Rückwärtskompatibilität zu ihrer direkten Vorgängerhardware, sondern soll es auch erlauben alte Spieleklassiker runterzuladen und zu spielen. Tatsächlich bietet die Xbox 360 beides, wenn auch nicht immer mit einer perfekten Umsetzung.

Ich finde das absolut großartig. Nicht weil ich sonderlich viel Interesse daran habe, meine Abende im Jahre 2006 mit Frogger oder Joust zu verbringen, sondern weil das einen unglaublich wichtigen Beitrag zur Erhaltung von alten Spielen leistet. Auf dem Gebiet geschieht nämlich bisher erschreckend wenig.

Bei Gemälden, Filmen und Musik wird oft unglaublich großer Aufwand getrieben, um alte Werke zu erhalten. Bilder werden aufwendig restauriert, Musik wird immer wieder auf neue Trägermedien kopiert und Filme werden aufwendig gelagert oder remastered. Trotzdem herrscht in diesen Gebieten ein erstaunlicher Schwund. Wie viele Gemälde sind für immer zerstört worden? Wie viele interessante Musikaufnahmen sind in irgendwelchen Archiven verrottet? Es wird geschätzt, dass von allen Filmen die in der Stummfilmzeit gedreht worden sind, nur noch 15% existieren. Es gibt Schauspieler, die in ihrer Zeit riesige Stars waren, die 40 Filme gedreht haben und von deren Werk nur noch zwei oder drei Streifen erhalten sind. Gerade aus der Frühzeit des Fernsehens existiert kaum noch eine Aufnahme, weil einfach keine Aufnahmen gemacht wurden und selbst Filme von berühmten Regisseuren wie Hitchcock sind für immer verloren gegangen.

Die Gründe für solche Verluste sind vielseitig. Manchmal sind es Unfälle (viele Filme sind in Lagerbränden verschwunden, weil das verwendete Celluloid sehr leicht brennbar war) und manchmal sind Gewaltakte schuld daran (mit dem World Trade Center ist eine nicht unerhebliche Menge an Kunst zerstört worden). Häufig ist es aber einfach Gier oder Ignoranz. Wer weiß wie viele Werke einfach weggeworfen wurden, weil einfach keiner daran dachte, dass sie es Wert sind aufbewahrt zu werden oder weil einfach keiner mehr Lust hatte die Lagerung zu bezahlen?

Die Aufbewahrung alter Spiele braucht zwar wenig Lagerplatz, hat aber ihre eigenen Tücken. So reicht es zum Beispiel nicht, einfach eine Kopie des Spiels irgendwo zu lagern. Wichtig ist auch der Erhalt des Quellcodes, um ein späteres Remastern der Spiele zu ermöglichen. Gerade in dem Bereich dürfte schon massiver Schaden angerichtet worden sein. Ich bin mir sicher, dass nur noch für einen Bruchteil aller erhaltenen Spiele der Quellcode existiert. Das kann selbst bei recht neuen Spielen der Fall sein. Wenn das Studio pleite geht, wird halt einfach der Server abgeschaltet, die Platte formatiert und fertig. Außerdem reicht es auch nicht, einfach das Spiel und dessen Quellcode sicher aufzubewahren. Man braucht auch die nötige Hard- und Software um das Spiel abzuspielen. Sonst steht man in 50 Jahren mit einem Haufen digitaler Daten da, die völlig unlesbar und somit wertlos sind. Idealerweise erhält man nicht nur die Hardware und die passenden Betriebssysteme, sondern auch davon wiederum die Pläne und den Quellcode. Nur so kann man sicherstellen, dass man auch auf der Hard- und Software der Zukunft noch einen passenden Emulator entwickeln kann. All das ist nicht trivial und mit erheblichem Kosten- und Zeitaufwand verbunden.

Am Ende gibt es zu nur zwei Gründe, welchen diesen Aufwand für jemanden rechtfertigen. Der erste Grund ist die Erkenntnis, dass es sich dabei um Arbeiten handelt, die einen künstlerischen oder historischen Wert haben, der hoch genug ist, um eine aktive Erhaltung sinnvoll scheinen zu lassen. Gelder für diese Art der Erhaltungen kommen meist vom Staat oder von Stiftungen. Es sollte klar sein, dass bei diesen Institutionen noch kein Bewusstsein für Videospiele als Kulturgut existiert. Glücklicherweise haben die Spielefans hier einen großen Beitrag geleistet. Abandonware-Seiten und die Emulationsszene haben sich zwar immer in einer legalen Grauzone bewegt, aber ich mir sicher dass zukünftige Generationen sehr dankbar für ihre Arbeit sein werden.

Der andere Grund ist schlichtweg Geld. So haben Filmstudios schon lange gemerkt, dass ihr Katalog an alten Filmen eine Menge Geld wert sein kann. Das war nicht immer so. Bevor es Fernsehen oder VHS gab, konnte man Filme nur im Kino sehen. Wenn die Zeit eines Filmes im Kino abgelaufen war, wurde er quasi wertlos. Aber auf DVD werden auch 60 Jahre alte schwarz-weiß-Filme, ja sogar Stummfilme plötzlich wieder bares Geld wert. Auch die Musikindustrie wird noch in 50 Jahren ordentlich Geld mit Elvis Presley und neuen Tupac Singles machen können, solange sie das Quellmaterial sorgfältig aufbewahrt.

Genau diese finanzielle Motivation für die Aufbewahrung von Spielen taucht jetzt durch die neue Generation von Hardware auch für die Spieleindustrie auf. Eingebaute Massenspeicher, weit verbreiteter Internetanschluss und die Bereitschaft online zu bezahlen, machen für die Publisher plötzlich Spiele wieder interessant, die vor ein paar Jahren finanziell noch völlig wertlos waren.

Das ist gut so, denn alte Spiele müssen erhalten werden. Manche weil sie historisch interessant sind. “Raid on Bungeling“ Bay ist zum Beispiel kein sonderlich tolles Spiel, aber es wird als erstes Spiel von Will Wright irgendwann mal einen nicht unerheblichen kulturhistorischen Wert haben. (Und dessen Indizierung wird für Deutschland ziemlich peinlich sein.) Selbst Spiele die in 20 Jahren den künstlerischen und historischen Wert von radioaktivem Sondermüll haben werden, wie zum Beispiel nahezu alle Spiele die in den letzten Jahren bei EA entwickelt wurden, sollten aufbewahrt werden, und sei es nur als warnendes Beispiel. Andere Spiele müssen erhalten werden, weil sie schlichtweg gut sind. Ich wette zum Beispiel, dass sich die ganzen alten Mario Spiele genauso gut spielen, wie New Super Mario Brothers, wofür ich gerade ohne mit der Wimper zu zucken 38€ auf den Tisch gelegegt habe. Bei Tetris weiß ich sogar, dass es sich noch genau so gut spielt wie an dem Tag an dem es designed wurde.

Live Arcade, Nintendo Virtual Console und wie sie alle heißen, werden nicht alle Spiele retten, aber eine ganze Menge. Vor allem weil sie bei den Spielvertrieben ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es sich lohnen kann, seine alten Spiele mit etwas Sorgfalt zu behandeln.

Dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn 4,65€ für Joust heutzutage vielleicht ein bisschen viel ist.

Vorwärts in die Vergangenheit

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Die Konsolenmacher scheinen eine neue Goldgrube gefunden zu haben: olle Kamellen. Klar, schon zur Regierungszeit der Pharaonen packten Publisher ein paar “Klassiker” mit fragwürdiger Spielbarkeit in einen schicken neuen Karton und verlangten königliche Unsummen für den Spass. Während das Geschäft mit den Antiquitäten der Softwaregeschichte bisher allerdings nur ein nettes Zubrot war, scheint es sich in der kommenden Konsolengeneration zum essentiellen Standbein zu mausern. Sowohl Microsoft als auch Sony und Nintendo versprechen exquisites Retro-Vergnügen für ihre Konsolen. Dabei gibt es die Spiele der jeweils letzten Generation dank Abwärts-Kompatibilität bei allen dreien umsonst. Microsoft versucht sich bereits mehr oder weniger erfolgreich an einer Softwarelösung (August 05: “Xbox 360 will be backward compatible with the top-selling games on Xbox“; Juni 06: “nobody is concerned anymore about backward compatibility“; ein paar Tage später “We’re going to get darn close to that stated goal of every title done“), Sony verspricht wie üblich das Blaue vom Himmel (”Sony is very concerned about quality and backward compatibility. They want to get this right“) und Nintendo hat ohne grosses Mediengetöse Anschlüsse für Cube-Zubehör in sein Wii eingebaut.

Diese positive Seite der Retromanie ist durchaus Applaus wert, schliesslich zwingt niemand die Konsolenmacher, kostenlos für ein grösseres Portfolio zu sorgen. Ausserdem sieht man ja am Beispiel der 360, dass man bei halbherziger Arbeit eher Undank als Lob erntet. Kritisch finde ich es allerdings, wenn gerade für die ganz alten Klamotten plötzlich Geld auf den Tisch gelegt werden soll. Man sehe sich zum Beispiel einmal das Xbox Live Arcade Aufgebot von Midway an: Gauntlet, Joust, Robotron und Smash TV bringen die 80er auch in dein Wohnzimmer, für geschmeidige 4,65€ pro Stück. Beziehungsweise 400 “Points”, diese gestaltlose neue Währung, die man nur in furchtbar ungeraden Blöcken kaufen kann. Was man mit den überzähligen Punkten anstellen soll? Blöde Frage, mehr kaufen natürlich bis es wieder passt. Nicht verwechseln sollte man die Punkte übrigens mit den Punkten, will sagen dem noch viel nutzloseren Gamer Score. Ernsthaft, ich dachte anfangs wirklich, man könnte mit Erfolgen in den Spielen anschliessend Sachen vom Xbox-Marktplatz kaufen. So ein bisschen wie die Nintendo STARS eben. Pustekuchen.

Aber genug des Microsoft-Gebashes; was macht derweil die Konkurrenz? Wenn man den Versprechungen von Sony glauben schenkt, dann kann ihr eigenes Live-Derivat Kaffee kochen, Krebs heilen und die nächste Bundestagswahl gewinnen. Sprich, was Genaues ist noch nicht bekannt. Da die Playstation-Macher allerdings Meister des Strg-C/Strg-V sind, rechne ich fest mit einem Multiplattform-Release von Frogger et al. Konkreteres weiss man dagegen zum Thema PSP trifft PSone. Nach Angaben eines britischen Magazins sollen bis Ende nächsten Jahres etwa 7.000 PS1-Spiele zum Download bereitstehen, was Sony bisher allerdings mit einem “na ja, schauen wir mal” kommentiert. Angeblich sollen die Oberkracher Final Fantasy VII und VIII, Silent Hill und Castlevania zu den ersten neuerdings portablen Spielen gehören. Das klingt doch fast schon zu schön, um wahr zu sein.

Ähnliches hört man von Nintendo. Dank Virtual Console sollen auf dem Wii tonnenweise alte Spiele laufen, von Miyamotos gesammelten Mariospielen seit den seligen 8-bit Zeiten über Mega Drive-Spiele bis hin zu PC-Engine Klassikern. Im Einzelnen wird es natürlich von den jeweiligen Rechteinhabern abhängen, was wir uns legal runterladen dürfen und was als lieblos aufgemotzte Neuauflage zum Vollpreis ins Regal gehängt wird. Auf den ersten Blick prima klingt das Angebot aber allemal.

Trotzdem bin ich neulich ins Grübeln geraten. Machen wir als Kunden bei der Sache wirklich so ein gutes Geschäft? Zwar kennt noch niemand die Preise für den PSP-Download-Service und die Virtual Console, aber wenn man Live Aracde als Massstab anlegt, dann wird die Vergangenheit so richtig teuer. Wenn ein Spiel aus der Zeit unserer Ahnen schon 4 1/2 Eypos kostet, was sollen wir dann für “neuere” Sache anlegen? 10€? 15€? Wer weiss, aber demnächst kommt ja Street Fighter 2 für Live raus, dann sehen wir weiter. Apropos SF2, fällt da jemandem was auf? Richtig, das Spiel gibt es schon für die alte Xbox. Als Hyper Version (quasi ein “Best of” Street Fighter 2), mit SFIII: 3rd Strike, Live-Unterstützung für beide Spiele und dem passenden Animé. Und das im Ausverkauf für ungefähr 600 Points. Problem nur, die Anniversary Collection gehörte bei weitem nicht zu den “top-selling games on the Xbox”, daher gibt es auch keinen Patch, damit es auch auf der 360 läuft. Lieber nehmen Microsoft und Capcom einen noch nicht genauer definierten Geldberg für den nicht mehr ganz frischen Urahn aller Prügelspiele, und hauen wie nichts Gutes auf die Hypepauke. Nicht dass ich den Leuten Absicht unterstellen würde, ich impliziere sie nur. Oh, ich vergass übrigens zu erwähnen, dass man mit seinen überzähligen Points auch klitzekleine Bilderchen kaufen kann, zum Preis von etwa 30 Cent pro 64×64-Jpeg. Okay!

Für die Publisher ist so ein Retro-Downloadservice jedenfalls eine Lizenz zum Geld drucken. Wenn die Emulation erstmal steht, braucht man nur noch einen Server mit fetter Bandbreite, der Rest passiert von alleine. Entwicklung und Vertrieb fallen raus, Überkapazitäten und Händlermargen sind Schnee von gestern. Kein Vergleich zu den von allen Seiten beklagten irrsinnigen Entwicklungskosten für die neuen Konsolen. Und das Beste daran, der Kunde zahlt freiwillig für Onlinegebühren und Speichermedien. Ein Schlaraffenland. Und was springt für uns dabei raus? Was unterscheidet so ein Stück runtergeladener Software von der bisher üblichen Emulation, wenn man die offensichtlichen rechtlichen Unterschiede mal für einen Moment beiseite lässt? Wohin mit den so erworbenen Spielen, wenn man die Konsolen irgendwann einmal auf dem Dachboden einlagert? Wieviel darf man für so alte Sachen denn heute noch verlangen? Fragen über Fragen. Gewöhnt euch aber schon mal dran, dass die Vergangenheit in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen wird als bisher.

Nachtfalken

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Es war kein guter Tag für Raz. Mittags hat er sich wieder mit seinem Vater gestritten, auch wenn er schon gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich ging. Abends kam dann der Anruf mit den Verkaufszahlen von Psychonauts. Danach ist er ein paar Stunden einsam durch die Nacht gewandert, einfach um den Kopf wieder frei zu kriegen. Jetzt versucht er seine kalt gewordene Seele mit einem Kaffee aufzuwärmen. Ohne großen Erfolg…

Mit Ben und Laverne hat es die Zeit auch nicht gut gemeint. Lavernes psychische Probleme sind in den letzten Jahren immer schlimmer geworden und Ben hat inzwischen sein Motorrad verkauft, weil kein Geld für Alkohol mehr da war. Die Einstellung von Full Throttle 2 war nicht einfach für ihn. Hin und wieder treffen sich die beiden nachts in Tim’s Café Americain und reden über die gute alte Zeit, als die Zukunft noch voller Möglichkeiten schien. Irgendwie gehen sie nach diesen Abenden immer noch ein Stück einsamer nach Hause.

Nur Manny hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Immerhin hat er einen Job, auch wenn die Zeiten, in denen er sein eigenes Casino hatte, lange vorbei sind. Trotzdem, er ist bisher immer auf den Füßen gelandet, warum nicht auch diesmal? Klar, Glottis Freitod vor zwei Jahren war ein herber Rückschlag, aber man darf nie verzweifeln. Wer weiß, vielleicht ruft schon morgen Tim Schafer an und erzählt von seinen Plänen für Grim Fandango 2. Wenn nicht, dann wird halt weiter Kaffee ausgeschenkt.

Morgen ist Samstag. Da kommt manchmal Sam vorbei, erzählt die neuesten Geschichten von Max und berichtet über die Arbeiten an seinem neuen Spiel.

Das macht Mut.

Bunte Klötzchen

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Alexey Pajitnovs Tetris könnte als eines der großen Meisterwerke des 20ten Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Ich vergesse immer wieder, wie gut es ist. Das ist super, denn so kann ich es alle paar Jahre neu entdecken. Es ist heute so frisch und spielbar wie vor über 20 Jahren. In weiteren 20 Jahren wird sich daran nichts geändert haben. Ich behaupte mal, dass Tetris auch in 200 Jahren noch existieren und den Leuten unzählbare Stunden ihres Leben rauben wird. Oder versüßen, je nachdem wie man das betrachtet.

Umso trauriger ist, dass Tetris DS eine ziemlich altbackene Umsetzung dieses klassischen Spielprinzips ist. Mit seiner pixeligen Grafik und den thematischen Anleihen an diverse Nintendo-Klassiker, versucht es Retro-Charme zu versprühen, wirkt dabei aber eher lustlos. Eine schlicht-moderne Präsentation, vielleicht inspiriert vom DS Lite wäre mir lieber gewesen. Auch die diversen neuen Spielmodi sind alle ziemlich nutzlos, spaßfrei und haben zum Teil nur wenig mit Tetris zu tun. Am Ende spielt man einfach nur den klassischen Modus.

Der ist immerhin solide implementiert, auch wenn das kontroverse Hover-Feature aus Tetris Worlds wieder dabei ist. Immerhin gibt es einen drahtlosen Zweispielermodus. Meisterwerk oder nicht, für 35€ hätte ich mir zumindest eine bessere Präsentation gewünscht. Mehr als zwei Einstellungen im Optionsmenü wären vielleicht auch nicht schlecht gewesen. Trotzdem werde ich heute Nacht wohl wieder von bunten Klötzchen Träumen. Währenddessen könnt ihr in den Kommentaren mal euren Highscore posten.

Meiner ist 247.208, bei Level 18. (Standard/Marathon)

Es war nur einmal…

Ist ja mal wieder Zeit, dass ich mich hier zu Wort melde. In den letzten Wochen passierte in meinem Leben spielemäßig nicht so viel — naja, World of Warcraft (ja, ich habe wieder ein Abo) und Guitar Hero, aber über die beiden wurde schon genug geschrieben.

Deswegen habe ich mir etwas neues einfallen lassen! Ich schreibe heute mal nicht über die Spiele, die ich spiele, sondern über die, die ich nicht spiele, und die trotzdem bei mir im Regal stehen. Im Laufe der Jahre habe ich nämlich einen ganzen Haufen Spiele gekauft, die ich dann nur ganz kurz gespielt habe. Fangen wir mal mit den folgenden drei Titeln an:

Arena Wars: lustiges, kleines Multiplayer-RTS. Von einem deutschen Entwickler. Ach, Quatsch, Arena Wars ist gar kein RTS. Eher ein Actionspiel mit Strategieelementen, immerhin geht es nicht um tiefgehende strategische Planung epischer Schlachten, sondern um schnelle Scharmützel und noch schnelleres Reagieren auf die Aktionen des Gegners. Interessant: das Spiel wurde komplett in .NET entwickelt. Auch nett: hat man eine Webcam, sendet das Spiel das aufgenommene Videobild an die anderen Spieler. Hat bei mir leider nie funktioniert. Scheißteil. Warum habe ich es nur kurz gespielt? Ich war einfach zu schlecht. Oh, und man hat kaum Gegner mit Vollversion gefunden. Wahrscheinlich lohnt sich die Installation heute gar nicht mehr — spielt es überhaupt noch jemand? (Die offizielle Website wird von krawall.de gehostet und wurde das letzte Mal im September 2005 aktualisiert.)

Vampire: Bloodlines: was zum Teufel? Alle sagten, es sei super. Ich hab’s mir blind geholt und fand es ganz furchtbar. Mal von den spielspaßvernichtenden Bugs abgesehen fand ich das Ganze trocken, öde und irgendwie frickelig. Soll ich es nochmal probieren, jetzt, wo es bestimmt vernünftige Patches gibt?

Gore: ein alberner Shooter. Der mir viel Spaß gemacht hat. Weil da nämlich Leute Feuer fangen und dann panisch kreischen. Bei sowas muss ich lachen. Nein, ganz ehrlich, Gore war meiner Meinung nach viel besser als sein Ruf. Vor allem im Multiplayer. Warum habe ich es nur kurz gespielt? Keine Ahnung. Ich glaube, Gore werde ich mal wieder installieren… und dann auf Mitspieler hoffen.

Fortsetzung folgt.

Next Gen Old School

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Ich kämpfe gerade mit mir, ob ich New Super Mario Bros. kaufen soll. Die Kritiken sind jedenfalls exzellent und mein DS könnte mal wieder neues Futter gebrauchen. Allerdings habe ich mit Spielen die den Stylus nicht verwenden eher schlechte Erfahrungen gemacht. Andererseits bin nach der E3 sowieso auf einem kleinen Nintendo-Trip und die Versuchung ist ziemlich groß.

Beim Grübeln über diese gewichtige Entscheidung ist mir allerdings aufgefallen, dass ich eigentlich noch nie ein klassisches Mario Jump’n'Run gespielt habe. Zwar habe ich gewisse Erinnerung an ausgiebige Mario Sessions mit einem geliehenen Gameboy, weiß dabei allerdings nicht mehr um welches Spiel es sich dabei gehandelt hat. Außerdem habe ich eine Menge Mario 64 gespielt, aber wenn wir ehrlich sind, zählt das beides nicht so recht. Die klassischen Titel für das NES und SNES habe ich tatsächlich nie gespielt.

Als diese Spiele raus kamen, haben Konsolen für mich nämlich einfach nicht existiert. Ich habe damals komplett auf dem Computer gespielt. Konsolen waren völlig außerhalb meiner Wahrnehmung. Ich kann nicht mal jemanden, der eine hatte und habe sie wohl generell als Kinderspielzeug abgetan. Die konnte man ja nicht mal selber programmieren!

So ist es gekommen, dass ein großer Haufen von Videospieklassikern völlig an mir vorbei gegangen ist, obwohl ich alt genug bin um einen Großteil der Computer- und Videospielgeschichte bewußt miterlebt haben zu können und auch mein ganzes Leben lang gespielt habe. Ich spiele tatsächlich schon so lange, dass ich nicht einmal mehr weiß, was mein erstes Spiel war.

Trotzdem habe ich keins der klassischen Marios oder Sonics oder Zeldas gespielt. Was ist das coolste Mario Spiel? Der schlechteste 2D Sonic Teil? War Zelda 2 besser als Zelda 1? War Teil 3 eine Enttäuschung oder ein Superhit?

Keine Ahnung.

Um so mehr freue ich mich deshalb auf Xbox Live Arcade und auf die Nintendo Virtual Console und auf (wie auch immer Sony das entsprechende Ding nennen wird). Nicht jedes dieser “Klassiker” wird den Titel wirklich verdienen und auch heute noch Spaß machen, aber ich wette ich werde so manches Juwel entdecken. Auf teuren Next-Gen-Konsolen Spiele mit 16 Farben zu spielen, ist ein bißchen wie “Die Sieben Samurai” auf einem 16:9 HDTV-Fernseher zu gucken. Ein bißchen Overkill, macht aber einen Riesenspaß. Ich freue mich drauf.

Empfehlungen werden übrigens jetzt schon entgegen genommen.

Wellenreiten in schwarz-weiß

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Es sieht so aus, als hätte GTA ihr N64 Projekt erstmal auf Eis gelegt. Schade eigentlich. Damit mein kleiner Beitrag dazu nicht für immer verschwindet drucke ich halt selber. Bitteschön:

Ich hatte mal ein N64. Für ziemlich kurze Zeit. Damals bin ich über den Sommer nach Frankfurt gezogen, um dort zu arbeiten. Da ich dort eigentlich keinen Menschen kannte, alle Museen und sonstigen Sehenswürdigkeiten schon abgegrast hatte und mir immer komisch vorkam wenn ich allein ins Kino ging, habe ich mir dann ein N64 geholt. Damals war ich noch ein recht überzeugter Computerspieler, der zwar eine lange Karriere vom C64 über den Atari und Amiga bis hin zum PC hinter sich hatte, aber nie im Besitz einer Konsole gewesen war. Insofern war das für mich ein relativ großer Schritt.

An Spielen hatte ich Mario 64, Shadows of the Empire, Wave Race und Turok. Alle diese Spiele kenne ich übrigens mehr oder weniger nur in schwarz-weiß. Der Grund? Ich hatte in Frankfurt eben nur einen ca. 20 Jahre alten, ziemlich kleinen schwarz-weiß Fernseher zur Verfügung. Am Besten ohne Farben spielen ließ sich von den vier Spielen übrigens Wave Race. Okay, grafisch hat es etwas unter dem Farbmangel gelitten, aber mit Ausnahme einer einzigen Rennstrecke ließ es sich ohne Probleme spielen. Und den einen Level habe ich halt auswendig gelernt. Wave Race war auch das einzige dieser Spiele, das ich durchgespielt habe. Es war kurzweilig, sah gut aus und hatte eine super Steuerung. Was braucht der Mensch noch? Okay, Farben vielleicht. Aber man kann halt nicht alles haben.

So richtig von Konsolen überzeugt hat mich das N64 übrigens nicht. Das machte dann erst die Xbox. Ob’s damals an den Spielen lag, oder am Mangel an Farben, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich es nach meiner Rückkehr recht schnell wieder verkauft. An Wave Race habe ich aber immer noch schöne Erinnerungen. Stilecht in schwarz-weiß. Und deswegen ist es für mich persönlich das beste N64 Spiel aller Zeiten.

Elektroschrott?

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Nachdem ich Anfang der Woche total viel über brandneue Hardware geredet habe, wird es jetzt mal Zeit über ganz alte Platinen zu reden. Ich bin nämlich dabei meinen Schrank auszumisten und es ist erstaunlich was ich darin alles finde. Neben einer Menge Kabel für Geräte die es gar nicht mehr gibt, habe ich unter anderem eine ganze Batterie von Grafikkarten entdeckt. Es gibt Speicherriegel für Boards die ich nicht mehr habe, Boards für die ich keine Speicherriegel mehr habe und manchmal sogar Boards mit Speicherriegeln drin. Jede Menge alte Soundkarten, Netzwerkkarten, Fritz! ISDN-Karten und Karten von denen wahrscheinlich nicht mal mehr der Hersteller weiß, was sie mal gemacht hat. Falls der Hersteller überhaupt noch existiert. Es gibt noch das RF-Anschlusskabel meines N64 (das habe ich dem Nachbesitzer wohl nicht beigelegt, sorry) diverse kaputte CPU-Lüfter und 80MB (ja, Megabyte) Festplatten. Glaubt mir, ihr wollt nicht wissen wie viele IDE-Kabel ich besitze. Von Brillenputztüchern aus dem Jahre 1992 ganz zu schweigen.

Es gab wohl mal Zeiten, wo ein einziger Anschluss für eine Maus (nix USB, nix PS/2, sondern wie auch immer der Anschluss hieß der davor kam) tatsächlich eine eigene Steckkarte gerechtfertigt hat. Warum habe ich eigentlich die Standfüße eines Gehäuses aufbewahrt, das ich schon lange nicht mehr habe? Und dann zwischen dem ganzen Technikschrott plötzlich etwas ganz Überraschendes. Ein großes blaues Tuch voller phosphoreszierender Leuchtsterne, das mir vor vielen, vielen Jahren mal meine damalige gebastelt hat. Das Tuch hing damals lange an der Decke über meinem Bett. Bis diese Freundin nicht mehr meine Freundin war. Da steht man dann irgendwie dreißig Sekunden lang mit diesem staubigen alten Tuch ganz still in der Ecke und das Gehirn spult im Schnellvorlauf plötzlich jede Menge Erinnerungen ab. Momente von denen nicht nur die Details verblasst waren, sondern die man komplett vergessen hatte.

Danach schaut man auch die Hardware irgendwie mit anderen Augen an. Meine Originalverpackte Adlib-Karte steht bei mir schon lange als Sammlerstück im Regal. Aber jetzt stehe ich hier vor jeder Menge alter Technik, die ich eben noch wegschmeißen wollte, mich inzwischen aber an die guten alten Zeiten erinnert. Mal abgesehen vom Gehäuse habe ich tatsächlich noch den vollständigen 386-SX16 Rechner von ca. 1990 rekonstruieren können. Selbst die Anleitung für den Koprozessor ist noch da. Oder das handgeschriebene Datenblatt für die Festplatte. Jetzt nimmt mein Vater das alles an sich. Ich weiß nicht genau was er damit vor hat (mal abgesehen davon dass es technisch gesehen immer noch ihm gehört), aber ich irgendwie total froh, dass es nicht weggeworfen wird.

Aber da ist noch mehr. Mein Soundblaster 16. Ein gemeinsames Geschenk meiner Eltern und meiner Oma zu Weihnachten. Meine erste 3D-Beschleunigerkarte (eine Diamond Monster 3D). Ihr Nachfolger eine Voodoo 2 Karte von Creative. Behalten oder wegwerfen? Die Festplatten kommen wohl alle in den Müll, aber ich frage mich schon, was für Datenjuwelen da noch magnetisch festgehalten sind, die jetzt nie wieder jemand anschauen wird.

Es gibt auch so harmlose Kleinigkeiten, wie das cool designte und batteriebetriebene Mikrofon einer alten Sun Workstation, aus Zeiten als eine Sun Workstation noch absolute Traumhardware war und mich mein Vater manchmal mit zur Uni genommen hat, damit ich dort auf genau solchen Maschinen ins Internet konnte. Damals hatten die meisten Leute noch nie vom Netz gehört und Mosaic war der Browser der Wahl.

Na ja, das meiste wird wohl im Müll landen. Aber eins behalte ich auf jeden Fall. Den 486-DX33 Prozessor aus meinem ersten komplett selbstgekauften Rechner. Quadratisch, praktisch, gut.

Entspannungstherapie

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Die Welt kann ganz schön hart sein. Deadlines bei der Arbeit, Diplomarbeiten die sich unverschämterweise nicht von alleine schreiben, ein Winter der viel zu lange gedauert hat, ein Auto das langsam Rost ansetzt, und nicht genug Geld für einen neuen PC. Draußen lauern angeblich überall Terroristen und in wenigen Monaten muss man sich einen Job suchen.

Wenn man dann Zuflucht bei Videospielen sucht, wird alles noch härter. Denn wer soll sich bitteschön in Welten voller Gangsterhomies und Terroristentöter entspannen können? Schließlich lauern da ja auch überall Terroristen, diesmal sogar wirklich. Und wenn man seinen Job dort nicht bis zur Deadline erledigt hat, bustet einem sein Boss sogar eine Cap in den Ass.

Wenn man von dem ganzen Scheiß mal wieder die Schnauze voll hat, dann wünscht man sich man könnte in eine andere Welt entkommen. In eine Welt wo immer die Sonne scheint und wo aus dem Radio nur glückliche Musik kommt. Eine Welt die nur aus Nationalparks und Stränden besteht und in der die Kornfelder immer golden glänzen. Ein Land in dem tausend Sternschnuppen die Nacht erhellen. Eine Welt in der man nicht nur einen Ferrari hat, sondern gleich mehrere. Eine Welt in der nicht nur eine attraktive Frau auf dem Beifahrersitz sitzt, sondern sogar eine die sich nicht beschwert wenn man zu schnell fährt, ja einem für so ein Verhalten gar Herzchen zuwirft. Eine Welt in der Mexiko direkt hinter den Niagarafällen liegt und die Osterinseln per Autobahn erreichbar sind. Eine Welt in der man mit 300 Sachen über die Golden Gate Brücke rasen kann und es keinen stört. Eine Welt in der man sich auch freut, wenn man mal nur Vierter wird.

Mit anderen Worten, eine Welt die entspannt und einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert kann.

Diese Welt könnt ihr jetzt kaufen. Ihr Name ist “Outrun 2006 - Coast 2 Coast”, oder, wenn das Oblivion Übersetzungteam die deutsche Version gemacht haben sollte, “Auslauf 2006 - Küste Zwei Küste”. Wenn ihr dann in dieser Welt seid, könntet ihr euch theoretisch darüber ärgern, dass es sich dabei um einen extrem schlichten Arcaderacer mit archaischem Spieldesign handelt. Oder darüber, dass es auch auf der XBox ziemlich heftig pixelt. Aber das werdet ihr nicht tun.

Denn dafür werdet ihr viel zu entspannt sein.

Zurück in die Arena

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So ungefähr 1992 beschloss der bis dahin hauptsächlich durch Sportspiele wie die Wayne Gretzky Reihe und einige Terminator-Actionspiele bekannte Spieleentwickler Bethesda, ein Fantasyspiel zu machen. In diesem Spiel sollte sich der Spieler durch diverse Arenen kämpfen müssen, bis er am Schluss gegen den mächtigen Kampfmagier Jaga Tharn antreten durfte. Inspiriert durch Spiele wie “Ultima Underworld“ und “Legends of Valour“ sowie den Rutger Hauer Film “The Blood of Heroes“ sollte das Spiel eine Ich-Perspektive haben, in richtigem 3D laufen und einige Rollenspielelemente bekommen.

Am Ende der Entwicklung schauten alle überrascht auf und mussten feststellen, dass sie ein episches Rollenspiel gemacht hatten. Ganz ohne irgendwelche Arenakämpfe. Nur der Endgegner hieß immer noch Jaga Tharn.

Das Ganze stellte sich als etwas problematisch heraus, denn es war schon Werbung und sogar Packungen mit dem Namen “The Arena” gedruckt worden. Also dachte man sich schnell eine Ausrede aus (”Äh, das Leben in der Welt von Tamriel ist so hart geworden, dass die Bewohner ihr Land inzwischen einfach ‘Die Arena’ nennen.”) und schrieb noch “The Elder Scrolls” drunter, damit es rollenspieliger klang. Beides wurde noch flott in den Text des Vorspanns übernommen und alles war gut.

Na ja, nicht alles. Denn dummerweise hatte Publisher U.S. Gold mit einem Actionspiel gerechnet und nun guckte man dort etwas komisch aus der Wäsche, als einem von Bethesda eine handvoll Disketten mit einem Rollenspiel in die Hand gedrückt wurden. Man war eindeutig not amused und beschloss sich die beeindruckende Menge von 3000 Exemplaren herzustellen.

Bei Bethesda war man sich deshalb inzwischen relativ sicher, dass man die Firma ruiniert hatte. Glücklicherweise war das Spiel verdammt gut, hörte einfach nicht auf sich zu verkaufen und entwickelte sich zu einem Kult-Hit. Die Elder Scrolls Reihe war geboren. Der letzte Teil ging lässige vier Millionen Mal über die Ladentheke und die neueste Ausgabe namens “Oblivion“ ist der erste große Titel des Jahres 2006.

Da ich dummerweise nicht die Hardware habe dieses neue Spiel zu spielen, dachte ich mir ich gehe mal zu den Anfängen der Reihe zurück und schaue was Arena heutzutage noch taugt.

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