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Retro-spektive

uridium


Ich habe ein Problem mit Retrogaming.

“Wie kommt das denn?” und “Brauchst du einen guten Therapeuten?”, werden sicher einige der ersten Reaktionen sein, schließlich habe nicht ich – ein älterer Herr in der unbeliebteren Hälfte der 30s – selbst Jahre und Monate vor dem ollen Atari und dem knuffigen 64er verbracht und habe ich nicht auch tausend Tode gestorben, ohne je über das dritte Level von Ghosts ‘n Goblins hinauszukommen?

Stimmt alles.

Mein Problem liegt darin, dass öfters behauptet wird, dass die damaligen Spiele besser waren. Das man damals weniger Wert auf Technik und Blendkram wie bombastische Grafik und symphonischen Sound legte, sondern auf das ausgefeilte Gameplay und lange Spielzeiten.

Damals war die Technik absolut genauso wie heute ein echtes Verkaufsargument – und Schulhoflegenden wie das nicht ganz leichte Uridium waren sogar eher für ihre saubere Technik als für ihr ausgefeiltes Gameplay bekannt. Damals jedenfalls. Auch Klassiker Elite war zuerst als eines der ersten Vektorgrafikspiele und für die fast vollständige Handlungsfreiheit bekannt und deutlich weniger für die gute Spielbarkeit. Das Teil wurde nach einer Weile reichlich dröge.

Apropos nicht ganz leicht: Viele “Retro-Games” sind sauschwer. Kaum jemand hat damals regelmäßig Spiele durchgespielt – gerade Actionspiele haben sich an Arcadeautomaten orientiert, die am liebsten das gesamte Kleingeld aller anwesenden Kids haben wollten, im Idealfall ohne jemals durchgezockt zu werden. Folgerichtig war das Gameplay der höheren Levels selten anders als zu Beginn – kaum jemand würde so weit kommen, dafür machte man es richtig schwer, oft grenzwertig zu “unspielbar”. Besser gesagt: Sowas wie richtig ausgefeiltes Gameplay von Anfang bis Ende gab es selten, damals wurden Games in erster Linie über die Screenshots auf der Packung und in Spielzeitschriften verkauft. Genau so spielen sich dann auch viele Sachen aus der 8bit/16bit Ära.

Grafikpomp sorgt heute natürlich immer noch für Aufsehen, aber Neuigkeiten verbreiten sich viel schneller. Es gab keine spielbaren Demos. Es gab keine Onlinecommunity, über die sich die Szene gegenseitig vor Gurken warnte. Das ist heute alles besser.

Es gab auch damals einen Technikwettlauf – auch wenn die sich langsam entwickelnde Hardware besser ausgenutzt werden musste und nicht alle zwei Jahre ein neuer Computer ins Haus kam: Geblendet wurde auch damals und dabei wurde eben jedes irgend mögliche Fitzelchen Bling aus der Hardware gekitzelt. Das war beeindruckend, machte die Spiele aber nicht automatisch besser. Nur wenige waren so originell wie etwa Paradroid. Originell hat sich auch nur selten gut verkauft.

Die ganze Retrosache klingt für mich wie die wehmütigen Sprüche der Leute, die von der jeweils ach so tollen Musik aus ihrer Jugend schwärmen – es gibt ja schließlich heute gar keine richtige Musik mehr, oder? Nichts… handgemachtes mehr, richtig?

Ne, finde ich nicht. Ganz und gar nicht.

Darum können mich auch Remakes alte Spiele nur selten begeistern, egal wie nah sie dem Original auch kommen mögen. Die sind nicht selten mit viel, viel Liebe gemacht und oft sogar kostenlos. Aber ich bin eben nicht mehr der unglaublich frustresistente 11jährige Junge, der nächtelang vor Ultima V saß und versuchte, irgendwie sowohl dem elizabethanischen Englisch als auch den schier unfassbaren Ladezeiten der acht (!) Diskettenseiten gerecht zu werden, die während des Spiels gewechselt werden wollten. Niemals würde ich das noch mal auf mich nehmen. Es war eine der großartigsten Erinnerungen, die ich an ein Spiel hatte und all das gehörte untrennbar zusammen.

Aber es ist auch für immer vorbei.

Bild von Hecklerspray

35 Kommentare Autor: Denis
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Kampfansage

Gerade eben lag bei mir ein Spiel im Briefkasten, dessen Packung mir irgendwie seltsam vorkam. Von dem Spiel selber hatte ich noch nie gehört, das Coverbild war nicht sonderlich hübsch, aber trotzdem strahlte diese Packung ein gewisses Maß an Wohlwollen direkt in mein sonst so kaltes, schwarzes Herz.

So stand ich da im Hausflur, starrte auf die Packung, vergaß meine Nachbarin zu grüßen und grübelte. Woran lag es? Die Antwort: am Rand! Der Rand der Packung, sowie ihre Farbgebung sind geschickt so gestaltet worden, dass die Box den unverkennbaren Duft eines LucasArts Adventures ausströmte.

Viele LucasArts Boxen hatten nämlich so einen Rand, ihr erinnert euch? Ganz oben auf dem Rand stand dann „LucasArts Entertainment Company presents“. Tja, und genau so einen Rand hat auch dieses Spiel. Nur dass halt „LucasArts“ mit „Daedalic“ vertauscht worden ist, was zugeben nicht so gut klingt. Wobei Daedalic ja noch geht. Es gibt Leute die nennen ihre Firma ZUXXEZ. Oder 10tacle.

Apropos Tentakel. Erinnert ihr euch noch an das lila Tentakel? Klar doch. Das hatte zwei ganz spezifische Farben. Ein bestimmtes lila und ein bestimmtes grün. Tja, und genau in diesen Farben ist sowohl der Rand der Packung als auch der Titel des Spiels gehalten. Zufall? Ich denke nicht.

Das ist alles gar nicht so total offensichtlich, aber trotzdem ziemlich eindeutig. Kurz: Gut gemacht. Für alle, die aber durch die Farbgebung noch nicht in ausreichend in Nostalgiestimmung geraten sind, hat die Packung auch noch einen weiteren, eindeutigeren Hinweis zu bieten: „Von den Leuten die Monkey Island gut finden!“.

Das ist natürlich ganz schön dreist, zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mit diesem Spiel nichts zu tun habe. Ich muss aber gestehen, dass ich grinsen musste.

Trotzdem, diese Packung ist eine Kampfansage.

Das Adventure-Genre ist zwar alles andere als tot, aber die durchschnittliche Qualität ist so niedrig, und vor allem so weit von den alten LucasArts-Klassikern entfernt, dass man sich mit so einer Packung und so einem Spruch gaaaaaanz weit aus dem Fenster lehnt.

Also, ich installiere gerade. Ein Ersteindruck folgt später.

118 Kommentare Autor: Richard
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Hochauflösende Ebenenschaft Qual

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In letzter Zeit habe ich mir immer wieder mal ein gutes Einzelspieler-Rollenspiel gewünscht. Tatsächlich liegt bei mir immer noch der Witcher rum, und der hat mir – soweit ich ihn gespielt habe – sehr gut gefallen. Allerdings warte ich da lieber noch ein bisschen auf die angekündigte Special Edition.

Ich hatte Hoffnung auf Drakensang, da es quasi als “Baldur’s Gate mit 3D-Grafik” angekündigt worden ist, aber das mussten sie natürlich frisch verschieben. Ansonsten sehe ich spontan nichts, was in der Hinsicht interessant wäre und in näherer Zukunft raus käme. Also habe ich mal einen Blick in die Vergangenheit geworfen.

Da gibt es nämlich diesen einen Rollenspielklassiker, den ich bis heute nicht gespielt habe: Planescape Torment.

Ja, da raunt die Menge. Kann das sein? Ist das möglich? Wie konnte das passieren?

Die Antwort lautet: die Auflösung.

Die Infinity Engine konnte ursprünglich nämlich nur 640×480 Pixel anzeigen. Das ist an sich nicht so schlimm, ich spiele schließlich auch heute immer noch die alten LucasArts-Spiele in 320×200. Aber in der Auflösung ist der von der Welt gezeigte Ausschnitt schon verdammt klein. Schlimmer noch, kurz nach Planescape kamen die ersten Infinity Engine Spieler aus, welche die Möglichkeit boten eine höhere Auflösung einzustellen.

Als Planescape ursprünglich veröffentlicht wurde, hatte ich schlicht keine Zeit für ein fettes Rollenspiel. Und als ich es dann später spielen wollte, war ich durch Spiele wie Icewind Dale schon auflösungsverwöhnt.

Ich hatte natürlich immer vor, Planescape trotzdem zu spielen. Der Plan war allerdings auf einen Patch zu warten, mit dem man das Spiel in mehr als 640×480 spielen konnte. Irgendwann wurde zwar klar, dass dieser Patch nicht von Black Isle kommen würde, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ein Fan-Patch dieses Problem recht zügig beheben würde.

Aus “zügig” wurden in diesem Fall acht Jahre.

Kaum vorstellbar, aber meine inzwischen längst aufgegebene Hoffnung auf einen Hi-Res-Fan-Patch hat sich gerade erfüllt. Mit dem Widescreen Mod lassen sich alle alten Infinity Engine Spiele in so ziemlich jeder denkbaren Auflösung fahren.

Ich weiß jetzt, was ich dieses Wochenende mache.

21 Kommentare Autor: Richard
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In Deckung

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Es gibt einen Level in Call of Duty 4, der mich sehr an meinen Sommerurlaub erinnert. Man fährt mit dem Auto über einen Pass im Altai-Gebirge und wird ständig von nervigen Russen mit Kalaschnikows aufgehalten. Zugegeben, in Call of Duty 4 schießen die Russen mit den Kalaschnikows auf einen, während es die Jungs diesen Sommer bei Drohgebärden belassen haben. Außerdem kann ich mich spontan nicht an Raketen spuckende Hind-Hubschrauber erinnern.

Trotzdem, die Gegend haben sie bei Infinity Ward sehr authentisch nachgebildet.

Womit wir auch schon bei dem herausragenden Merkmal von Call of Duty 4 sind. Es zeichnet in nahezu jedem Level eine unglaublich dichte und intensive Atmosphäre. Von den Gassen einer fiktiven nahöstlichen Stadt, bis zu zentralrussischen Gebirgsdörfern fühlt sich das Spiel immer so an, als wäre man wirklich dort. Selbst wenn man wirklich schon mal dort war.

Überraschenderweise ist das Spiel damit umso besser, je weniger geschossen wird. Die SAS-Einsätze bei denen man sich im hohen Gras versteckt und an Gegnern vorbei schleicht, um dann mit dem Schalldämpfer gezielt das eine oder andere Ziel auszuschalten, sind wesentlich spannender und intensiver, als die Einsätze mit den Marines, bei denen sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine grob geschätzte Summe von 500.000€ an 7,62mm Munition in der Luft befindet.

Highlight ist dabei eine Nachbildung der nuklearen Geisterstadt Prypiat, Heimat von Tschernobyl. Wer sich dabei geschickt anstellt, kommt in der ersten Hälfte der Mission vollständig ohne Feindkontakt aus, nur um dann auf einer verzweifelten Flucht durch verlassene Appartment-Gebäude einen verletzten Kollegen hinter sich herzuschleifen. Das Ganze gipfelt in einer verzweifelten Abwehrschlacht am berühmten Riesenrad der Stadt.

Großes Kino. Nur halt viel besser als Kino, weil es eben ein Videospiel ist.

Technisch weiß Call of Duty 4 dabei auch auf ganzer Linie zu überzeugen. Das Spiel läuft immer butterweich und ist sowohl völlig frei von den üblichen Texture-Pop-Problemen als auch vom übertriebenen Einsatz von Effekten wie HDR oder Normal Mapping.

Inhaltlich stellt sich das Spiel allerdings etwas fragwürdig auf. Da werden Leute im Schlaf erschossen sowie fröhlich gefoltert aggressiv verhört, nur um nach Ablauf ihres Nützlichkeitsdatums eine Kugel in den Kopf zu bekommen. Wenn das jetzt im Kontext einer düsteren Meditation über die Natur des modernen Krieges geschehen würde, wäre das durchaus in Ordnung, denn natürlich schießt ein Spezialkommando schlafenden Gegnern in den Kopf.

Leider ist Call of Duty 4 aber eher in einer Jerry Bruckheimer-Realität angesiedelt, in der männliche Männer und ihre besten Freunde höchstpersönlich nukleare Sprengköpfe zu Boden ringen, während sie mit dem linken großen Zeh 5000 kommunistisch-terroristische Soviet/Araber-Schergen („Yalla, yalla, Towarischtsch!“) umkegeln.

Klar, wer ein Call of Duty Spiel ernst nimmt, ist entweder Amerikaner oder hat es selbst entwickelt. Möglicherweise beides. Dennoch, ein leicht bitterer Beigeschmack bleibt hängen.

Was vielleicht am meisten erstaunt, ist der Mangel an spielerischem Fortschritt. Was Call of Duty 4 macht, das macht es richtig. Aber wer bitte designed im Jahre 2007 noch einen militärischen Shooter, bei dem man nicht richtig in Deckung gehen kann oder vernünftig um die Ecken schießen darf?

Trotzdem, das Spiel ist technisch einwandfrei, zum Teil überraschend atmosphärisch und häufig sogar verdammt spannend. Der finale Countdown ist bei mir zum Beispiel exakt drei Sekunden vor dem Weltuntergang stehen geblieben.

Ich gebe offen zu, ich habe meine Faust in Siegerpose geballt. Wie es ein richtig männlicher Mann halt macht, wenn er gerade die Welt vor dem Fox News Feindbild gerettet hat. Ist ja auch eine ordentliche Leistung.

Insbesondere wenn er zu blöd ist richtig in Deckung zu gehen.

54 Kommentare Autor: Richard
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Aus alt mach HD

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Erinnert sich noch jemand an Dragon’s Lair? So wie ich unsere Leser kenne lautet die Antwort wahrscheinlich zu 90% “aber klar”. Genauer gesagt hätte ich fragen sollen ob sich noch jemand daran erinnert, wie entsetzlich schlecht Dragon’s Lair war. Das Ergebnis wäre aber wohl ähnlich ausgefallen. Für die beiden Jungspunde im Publikum: Dragon’s Lair, ebenso wie die direkt Fortsetzung und das Weltraum-Abenteuer Space Ace, waren frühe Versuche im Genre der interaktiven Filme. Von Laserdisc wurde ein Trickfilm abgespult, und der Spieler drückte im richtigen Moment die richtige Taste, um nicht schon wieder einen grässlichen Tod zu sterben.

Das lief dann in etwa so ab: Dirk the Daring steht in einem Gang. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Zweiter Versuch: Dirk the Daring steht in einem Gang. Der Spieler drückt nach links. Eine Fallgrube öffnet sich unter ihm. Bitte Münze nachwerfen. Versuche drei bis fünf: Der Spieler probiert alle möglichen Richtungen aus und findet durch Zufall die richtige. In einer kurzen Filmsequenz hüpft Dirk über die Grube. Sofort erscheint die nächste Todesfalle und der “Spass” geht von vorne los. Ausserdem gab es da noch extrem primitive Minispiele, die zumindest auf dem C64 ziemlich frustrierend ausfielen.

Der einzige, und ich meine der wirklich einzige Grund, weswegen die Leute damals vor dem Automaten Schlange standen, war die absolut bombastische Grafik. Kein Wunder, das Spiel wurde ja schliesslich komplett von einem Riesendatenträger abgespult. Daher wundert es etwas, dass Digital Leisure für diese “completely arcade authentic HD version” auf dem PC nicht nur unverschämte $50 verlangen, sondern das Spiel Machwerk und seine Ableger demnächst auch noch auf der PS3 veröffentlichen wollen. Ich gehe davon aus, dass sich Don Bluth und seine Spiessgesellen im Audiokommentar wortreich für Dragon’s Lair entschuldigen.

41 Kommentare Autor: Stefan
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Der Ehrliche ist wie üblich der Dumme

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Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal kurz Sonys Downloadservice für PS1-Spiele erwähnt. Damals verkündete ein britisches Playstation-Magazin, dass geneigte PSP-Besitzer in diesem Jahr ein wahres Füllhorn an alten Spielen angeboten bekommen würden, darunter zahlreiche von vielen geliebte Klassiker. Nun, wie es jetzt aussieht, war meine Skepsis berechtigt. Statt das anämische PSP-Portfolio mit einem Schlag um dutzende Triple-A Titel zu erweitern, verkommt das Angebot zu einer zynischen Abzocke, die Xbox Live Arcade und Nintendos Virtual Console im direkten Vergleich richtig gut aussehen lässt. Zunächst mal muss sich jeder, der PS1-Spiele auf seiner PSP laufen lassen will, eine PS3 zulegen. Denn nur damit lassen sich im Moment Sachen aus dem Onlineladen kaufen. Klar, laut Sony soll man das später auch direkt mit dem PC oder der PSP erledigen können, aber derzeit ist das Retroreservoir noch ein verdammt exklusiver Club. Besonders in Europa, denn mangels 600€ teurer Zusatzhardware hierzulande kann ich mir natürlich auch noch kein 10€ PS1-Spiel auf den Memory Stick ziehen. Nicht dass ich das ob dieser Mondpreise machen würde, aber ich habe bisher ja noch nicht mal eine Wahl.

Apropos Wahl. Selbst wenn ich mein Geld selber drucken würde und die Oberen bei Sony mir endlich erlauben würden, ihre Spiele zu kaufen, ja selbst dann würde mir das bisherige Angebot nur ein müdes Stirnrunzeln entlocken. Wer zum Teufel ist bloss auf die Idee gekommen, Tekken 2 und Hot Shots Golf in das anfängliche Aufgebot zu packen? Von beiden Serien gibt es schon ein ganze Zeit lang bessere Versionen auf der PSP, so dass wohl nur Leute mit akuter Geldnot auf die schwächeren PS1-Teile zurückgreifen würden. Aber Leute mit akuter Geldnot würden sich wohl kaum eine PSP und eine PS3 kaufen. Argh, der Schwachsinn bereitet mir körperliche Schmerzen! Den Rest des Lineups habe ich schon wieder vergessen, war aber dezent unspektakulär.

Und jetzt der Clou an der Sache. Die bösen bösen Softwarebastler sind natürlich schon wieder drei Schritte weiter. Während treudoofe Idioten wie ich brav die leeren Versprechungen der Hersteller schlucken und auf bessere Zeiten warten, haben findige Tüftler ihr Handheld schon längst in eine tragbare Playstation verwandelt, so wie es anfangs auch offiziell angedacht war. Mit Hilfe einer modifizierten Firmware und einem Blanko-Emulator (beides nicht wirklich koscher) steht den Retrofreuden selbst mit einer heimischen PSP nichts mehr im Weg. Noch besser, mit entsprechenden Tools ist es inzwischen möglich, beliebige PS1-Spiele von CD zu rippen und auf seinem Handheld abzuspielen, und das sogar in komprimierter Form, für mehr Spiel pro Karte. Als ehrlicher Kunde stehe ich also mit nett gemeinten Zusagen, aber doch eher leeren Händen da, während clevere Spieler bereits daheim und unterwegs Symphony of the Night zocken, und dass ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Daher mein dringender Appell an Sony: Leute, die Katze ist aus dem Sack! Wer entsprechendes Know-how besitzt, kann schon jetzt für lau PS1-Spiele auf seine PSP schaufeln, und das ohne PS3! Also vergesst den ganzen DRM-Scheiss -dafür ist es jetzt zu spät-, einigt euch pronto mit den Lizenzinhabern und bietet mir möglichst viele alte Spiele zum Kauf an – und zwar im Doppeltempo. Als jahrelanger treuer Kunde fühle ich mich gelinde gesagt veräppelt. Es macht mir überhaupt nichts aus, für den Bonus der Mobilität selbst Geld für Spiele hinzublättern, die schon längst als Original bei mir im Regal stehen; aber ihr müsst sie mir auch anbieten! Nicht so olle Kamellen wie Tekken 2, sondern eine solide Auswahl aus allen Genres. Sonst kaufe ich mir doch noch eine zweite PSP, nur zum modden. Und dann seht ihr von mir keinen Euro mehr.

65 Kommentare Autor: Stefan
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Wise from your gwave!

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28 Spiele auf einer UMD, Donnerwetter! Nicht, dass ich jemals Zeit oder Lust hätte, die alle ausführlich zu spielen. Aber ich will ja keinem Titel Unrecht tun, und habe daher jedes Spiel erstmal für genau fünf Minuten getestet. Hier meine Eindrücke.
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32 Kommentare Autor: Stefan
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LoMM?

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Ich bin immer wieder überrascht, was so an mir vorbei geht. Ich bin ja eigentlich immer der Meinung, dass es in der Videospielewelt nichts gibt, worüber ich nicht genauestens Bescheid wüsste, aber manchmal lerne ich halt doch was Neues. Oder was Altes. Also was neues Altes quasi. Oder ist es was altes Neues? Egal.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass Dark Messiah gar nicht das erste First-Person Actionspiel mit Might & Magic Lizenz ist? Ich dachte echt, ich würde alle Might & Magic Spiele kennen. Von den klassischen ersten drei Teilen, über die cool kombinierbaren vierten und fünften Teile (World of Xeen!), die nahezu identischen und auch identisch furchtbaren Teile sechs, sieben und acht, sowie den auf ganz neue Art und Weise furchtbaren Teil neun. Dann war da noch die Heroes Reihe, von eins bis fünf, das etwas missglückte Swords of Xeen, was quasi eine Art World of Xeen 2 war, das ebenfalls missglückte 3rd-Person Actionspiel Crusaders of Might & Magic und dessen wenig verbessertes Sequel Warriors of Might & Magic. Sogar vom Fan-Projekt Might & Magic Tribute habe ich schon mal gehört.

Aber Legends of Might & Magic war mir neu. Das mag an zwei Dingen liegen. Zunächst mal, erschien das Spiel, als es mit Publisher 3DO so langsam zu Ende ging. Irgendwie hatte die Firma ja den Flop der 3DO Konsole überlebt und sich dann diverse Jahre mit schlechten Sequels zu Army Men und eben Might & Magic über Wasser gehalten. Beim Release von Legends of Might & Magic stand das Wasser aber schon Unterkante Oberlippe, was wohl zu einem Werbebudget von ca. 2,69€ geführt hat.

Die finanziellen Probleme von 3DO könnten auch die Ursache für das seltsame Genre des Spiels sein, denn was ursprünglich als Einzelspieler-Actionspiel mit Rollenspielelementen gedacht war, wurde später als eine Art Fantasy-Counter-Strike veröffentlicht. Obwohl, es war eigentlich nicht eine „Art“ Fantasy-Counter-Strike, sondern es war genau das. Ich wette irgendeine wichtige Person von 3DO ist damals mal bei den Entwicklern herein gekommen und hat gesagt: „Hey Jungs, wir brauchen Kohle. Dieses Actionrollenspieldingsda, an dem ihr baut, das dauert mir zu lange. Die Kids spielen doch heute alle Counter-Strike. Macht doch mal so was. Mittwoch ist Abgabe. Zack, zack!“.

Wichtige Person sprach. Und es wurde Licht LoMM.

Kleinere Unterschiede zu Counter-Strike waren im fertigen Spiel dann aber doch auszumachen. Zum Beispiel gibt es in den Leveln von LoMM neben den anderen Spielern auch noch neutrale Monster zu finden. Also Skelette, diverse Homo Dinosauriensis und auch den ein oder anderen Drachen. Außerdem sind einige der Klassen nahezu komplett auf den Nahkampf ausgerichtet, was natürlich zu anderen Taktiken geführt haben dürfte.

Außerdem ist Legends überraschend hübsch. Basierend auf der Lithtech-Engine hat es einen netten bunt-stilisierten Look und ist weder beige noch kackbraun. Gar nicht schlecht.

Ein Blick auf die Kritiken von damals zeigt aber, dass das Spiel mit einer erstaunlichen Apathie empfangen wurde. Mehr als ein Counter-Strike brauchte die Welt wohl nicht. Das haben zwar damals ca. 1.723 andere Counter-Strike-Clones auch erfahren müssen, aber die hatten nicht mal Feuerbälle und Druiden. Haupkritikpunkte in den Kritiken zu LoMM sind ein Mangel an Bots und eine schlechte Balancierung, gerade was die Nahkämpfer betrifft, die gegen Magier und Bogenschützen wohl keine Schnitte hatten.

Der finale Todesstoß für das Spiel war aber wohl, dass es keiner gekauft hat, weil keiner davon wusste. Das wiederum führte dazu, dass es kaum Server gab und somit bot sich auch keine Chance für die Bildung einer Fangemeinde, egal wie klein.

Es gibt übrigens eine Demo, aber erwartet nicht, dass noch Server laufen. Wenn ihr einen findet, dann bin ich das wohl. Ich sitze hier gerade und lasse den Server-Browser im Hintergrund laufen. Mal schauen, was passiert.

Wenn ihr also diese Woche Dark Messiah of Might & Magic spielt, gedenkt für ein paar Minuten seinem armen älteren Bruder Legends of Might & Magic. Der hat nie eine Chance bekommen und wohnt jetzt wahrscheinlich einsam und allein irgendwo unter einer Brücke. Eigentlich nicht fair.

14 Kommentare Autor: Richard
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Blick zurück im Frust

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In einem Anfall von Wahnsinn habe ich gestern nochmal Gothic 2 inklusive Erweiterung installiert. Der aktuelle Teil würde meinen Rechner sowieso zum schmelzen bringen, und irgendwie konnte ich mich noch düster daran erinnern, dass ich das Spiel eh nicht besonders mochte. Aber ich will ja einem so hoch gelobten Spiel nicht Unrecht tun und habe ihm deshalb noch eine zweite Chance gegeben. Nachdem ich mir telefonisch die Bestätigung habe geben lassen, dass “nicht besonders mochte” noch sehr freundlich ausgedrückt war, habe ich dann also die komplette Gold-Edition auf die Platte geschaufelt. Kleiner Tipp für potentielle Käufer: installiert wird nicht von “Installations-CD” 1 oder 2, sondern der “Spiel-CD”. Und wenn man dann nach Installations-CD #2 gefragt wird, muss man natürlich Nummer 1 einlegen. Is klar.
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64 Kommentare Autor: Stefan
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Everything old is new again…

Ich habe eben “Geheimakte Tunguska” gekauft. Nach drei Stunden Spielzeit entwickelt sich bei mir da ein verdammt gutes Gefühl. Wenn das Spiel nicht noch herbe den Bach runter geht, dann reden wir hier vom besten Adventure seit “The Longest Journey”. (Nein, nicht seit Dreamfall, ich meine den ersten Teil.) Meine Güte, es hat sogar Dinosaurier! Jedem Adventure-Fan würde ich morgen dringend einen Besuch bei seinem Spieledealer anraten. Der Rest der Welt kann ja meine ausführliche Kritik abwarten, die garantiert kommen wird sobald ich durch bin.

Einen Kritikpunkt hätte ich aber. Das Spiel hat einen Knopf, mit dem jeder momentan sichtbare Hotspot angezeigt wird. Das ist super. Es hilft beim Nachdenken über Rätsel, man findet immer sofort alle Gegenstände und übersieht nie wieder einen Ausgang. Mit anderen Worten, es ist unverzichtbar und jedes Adventure sollte es haben. Soweit, so gut.

Auf der Homepage des Spiels nennt Animation Arts diesen Knopf aber (leicht dämlich) den “Snoop Key” und verkündet: “Geheimakte Tunguska bietet als erstes Point & Click Adventure die innovative Rätselhilfe Snoop Key.”

Das ist eine glatte Lüge. Den hatte nämlich schon Simon the Sorcerer 2. Im Jahre 1995. Damals hieß er zwar noch nicht “Snoop Key”, sondern ganz profan “F10″, hat aber genau das gleiche gemacht, nämlich alle Hotspots im Bild mit einem Sternchen markiert. Ich weiß das ganz genau, weil ich die Idee schon damals genial fand, und dieses Feature seitdem in jedem Adventure gesucht habe. Den Machern von Tunguska ging es wohl genauso, aber anscheinend sind sie davon ausgegangen, dass sie die einzigen sind, die sich daran erinnern, und dachten deshalb, sie könnten sich das als große “Innovation” auf die eigenen Fahnen schreiben. Ts, ts.

Wenn ich ein Anwalt ohne Gewissen wäre, könnte ich jetzt vielleicht eine Abmahnung wegen Unlauteren Wettbewerbs abschicken und hätte 5.000€ gewonnen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich bin kein Anwalt, was weiß ich schon über Abmahnungen.

Zu behaupten man habe etwas erfunden, das es schon seit 1995 gibt, ist jedenfalls nicht die feine Art. Egal ob man Anwalt ist, oder nicht.

19 Kommentare Autor: Richard
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