
Forza 2 verzeiht nichts. Gar nichts. Es ist gnadenlos. Wer nicht aufpasst, der hat das Rennen bereits in der ersten Kurve verloren. Das gilt natürlich nur, wenn man in einem der höheren Schwierigkeitsgrade spielt, ohne Traktionskontrolle und Stabilitätsprogramm. Etwas anderes macht allerdings auch wenig Sinn, denn Forza 2 ist genau eine Sache. Eine Rennsimulation. Sonst nichts.
Hier wird nicht der Pimp-Bunke angesprochen, der seiner japanischen Reisrakete fette Rims verpassen möchte. Obwohl ein sehr mächtiges Autobemalprogramm und eine beeindruckende Auswahl an Felgen mitgeliefert werden, sollten solche Leute lieber bei Need for Speed bleiben.
Hier wird auch nicht der Möchtegern-Playboy angesprochen, der mit seinem Lambo eine palmengesäumte Straße runtercruisen und dabei den Ladies schmierige Blicke zuwerfen möchte. Obwohl Forza 2 diverse Lamborghinis, Ferraris und Porsches bietet, sollten solche Leute lieber bei Test Drive bleiben.
Nein, Forza 2 ist eine staubtrockene Rennsimulation. Wo Forza 1 noch japanische Bergstraßen hatte und wo das letzte Gran Tourismo noch schmucke toskanische Städtchen bot, gibt es in Forza 2 nur noch eine Rennstrecke nach der anderen.
Es gibt keine schicken Menüs, keine Musik während des Rennens und auch keine Möglichkeit diese einzuschalten. Man hat keine Crews, keine fetten Garagen und keine Rivalen aber wer möchte, kann stundenlang an der Ausrichtung der Vorderreifen rumschrauben. Allein dafür gibt es nämlich drei verschiedene Optionen.
Sonderlich toll aussehen tut es übrigens auch nicht. Der Look des Spiel ist schlicht und nüchtern. Zwar wurde die Optik mit ordentliche viel Farbe ausgestattet, aber leider ist sie auch etwas pixelig und hat ziemlich schlechte Beleuchtung auf den Wagen. Für die Grafik wird das Ding jedenfalls keiner kaufen.
Wie gesagt, Forza 2 ist staubtrocken. Um euch einen Vergleich zu geben: wenn ihr einen Haufen Saharasand zwei Wochen lang bei 240 Grad Ober/Unter-Hitze im Backofen hattet, dann ist das Zeugs immer noch nicht so trocken wie Forza 2.
Forza 2 ist allerdings nicht nur sautrocken, sondern auch saugut. Denn Forza 2 simuliert nicht nur, es simuliert hervorragend. Es simuliert die Reibung jedes einzelnen Reifens. Es simuliert seinen Druck, seine Wärme und seine Abnutzung. Es simuliert die Temperatur gleich an drei verschiedenen Stellen des Reifens und hat trotzdem noch Zeit sich ausführlich mit den Stoßdämpfer, der Fliehkraft und einem Schadensmodell mit über 20 verschiedenen Elementen zu beschäftigen.
Kurz gesagt: Forza 2 fühlt sich unglaublich echt an.
Wer am liebsten mit Vollgas um die Ecke schlittert und “bremsen” für ein schmutziges Wort hält, der wird an Forza 2 keine Freude haben. Wer allerdings eine perfekt gefahrene Ideallinie schätzt und Freude an einem gerade richtig gehaltenen Powerslide hat, der der dürfte gerade sein neues Rennspiel gefunden haben.
Beschwert euch aber nicht, wenn euer erstes Rennen bereit in der ersten Kurve vorbei ist. Ihr seid gewarnt.
Forza 2 verzeiht nichts.

